'Artist' bezeichnet im Deutschen einen darstellenden Künstler, jedoch besonders im Hinblick auf Akrobatik, Circus- oder Variété-Darstellungen.
Dagegen ist 'artist' im Englischen ein Generikum für alle Künstler, jedoch besonders im Hinblick auf Bildende Künstler (visual arts), während 'Artisten' im deutschen Sinne als 'performer' oder 'acrobat' bezeichnet werden.
Das französische 'artiste' ist ebenfalls ein Generikum, wird jedoch besonders für Musik, Theater und Film verwendet, während 'Artisten' im deutschen Sinne als 'artiste de cirque', 'acrobate' oder 'circassien' bezeichnet werden.
Das Englische 'artisan' bezeichnet einen Kunsthandwerker (eine Manufaktur im Unterschied zu industrieller Massenproduktion), der 'tramping artisan' bezeichnet einen Wandergesellen oder Kunsthandwerker auf Arbeitssuche, der als 'itinerant craftsman' zum Wanderhandwerker ohne ästhetischen Anspruch wird.
→ Architekten unterwegs
→ Musiker unterwegs
→ Expeditionsmaler
→ Ausstellungen Künstlerreisen
→ Literaturliste Künstler unterwegs
→ Synopse zur Kunst unterwegs
→ Wortfeld (Künstlerreisen
Die »Künstlerreise« findet sich zuerst als spöttische Metapher für Handwerker, die reisend ihre Künste anbieten müssen (→ Liste der Wanderarbeiter), um Arbeit zu finden 1) und »der zerprügelt, hungrig, lahm/ von seiner Künstlerreise kam« (Campe), wenn er nicht zum Künstler-Vaganten wurde (Gaukler, Goliarden, Ioculator, Spielleute), Wanderpoet war oder unterwegs mit dem Thespiskarren.
Der Künstler auf der Gesellenwanderung von Meister zu Meister beschreibt eine andere Wirklichkeit, doch ist dieser vielmehr ein Handwerkerkünstler auf der beschwerlichen Wanderung durch die Unbilden der Natur.
»Das Reisen«, sagte er zu sich selber, »ist ein herrlicher Zustand, diese Freiheit der Natur, diese Regsamkeit aller Kreaturen, der reine weite Himmel und der Menschengeist, der alles dies zusammenfassen und in einen Gedanken zusammenstellen kann: O glücklich ist der, der bald die enge Heimat verläßt, um wie der Vogel seinen Fittich zu prüfen und sich auf unbekannten, schöneren Zweigen zu schaukeln. Welche Welten entwickeln sich im Gemüte, wenn die freie Natur umher mit kühner Sprache in uns hineinredet, wenn jeder ihrer Töne unser Herz trifft und alle Empfindungen zugleich anrührt. Ja, ich glaube, daß ich einst ein guter Maler sein werde, da mein ganzer Sinn sich so der Kunst zuwendet, da ich keinen andern Wunsch habe, da ich gern alles übrige in dieser Welt aufgeben mag. Ludwig Tieck (1773 - 1853) Franz Sternbalds Wanderungen, 3. Kapitel
Der Topos der Künstlerreise (engl. itinerant artist, frz. artiste itinérant, ital. artista itinerante) scheint im Alltag vertraut und weckt ein Vorverständnis, das zwar nicht erklärt werden muss, jedoch vielfältig interpretierbar (→ Die Reise als des Künstlers Muse, → Ausstellungsliste Künstlerreisen) und zudem vor dem 19. Jahrhundert nicht als eigene Reiseform nachweisbar ist. Als Protagonist wird meist Albrecht Dürer (1471— 1521) herangezogen. Das romantische Stereotyp begründeten:
Johann Wolfgang von Goethe [1749-1832]Wackenroder, Wilhelm HeinrichDas Reisen, sagte Faber, ist dem Leben vergleichbar. Das Leben der meisten ist eine immerwährende Geschäftsreise vom Buttermarkt zum Käsemarkt; das Leben der Poetischen dagegen ein freies, unendliches Reisen nach dem Himmelreich. Leontin, dessen Widerspruchsgeist Faber jederzeit unwiderstehlich anregte, sagte darauf: Diese reisenden Poetischen sind wieder den Paradiesvögeln zu vergleichen, von denen man fälschlich glaubt, daß sie keine Füße haben. Sie müssen doch auch herunter und in Wirtshäusern einkehren und Vettern und Basen besuchen, und, was sie sich auch für Zeug einbilden, das Fräulein auf dem lichten Schlosse ist doch nur ein dummes, höchstens verliebtes Ding, das die Liebe mit ihrem bißchen brennbaren Stoffe eine Weile in die Lüfte treibt, um dann desto jämmerlicher, wie ein ausgeblasener Dudelsack, wieder zur Erde zu fallen; auf der alten, schönen, trotzigen Burg findet sich auch am Ende nur noch ein kahler Landkavalier usw. Alles ist Einbildung. Joseph von Eichendorff (1788 - 1857), Ahnung und Gegenwart (1815), Kapitel 5
Die Ziele der Künstlerreise sind Italien und das Mittelmeer, Griechenland, Orient, Japansehnsucht, Tunesien … Ein sehr differenzierte Betrachtung des Themas breitet Claudia Caesar aus und betont, dass sich noch niemand in der Breite mit diesem Thema beschäftigt habe, wenngleich die Arbeiten zu Detailaspekten Legion seien:
Caesar, Claudia C.Joseph Beuys, 1921–1986,Bruno Catalano, 1960−Duane Hanson, 1925–1996,Bouchra Khalili, 1975−Richard Long, 1945−René Magritte, 1898−1967
Maler wirkten im Spektrum zwischen (Zunft-)handwerker und (Hof-)künstler.
Dekorationsmaler gab es bereits in der Antike, aber im christlichen Europa entstanden im Mittelalter mit zehntausenden Kapellen, Kirchen, Klöstern … Baustellen allerorten, die nur reisend erreichbar waren.
Maler als Begleiter von Gesandtschaften lassen sich seit dem frühen 15. Jahrhundert nachweisen. Der Hofmaler Jan van Eyck (1390) war für Herzog Philipp von Burgund 1425, 1428/29 und 1436 „auf langen und geheimen Reisen“ unterwegs. Dass dies auch bildhafte Spuren hinterließ, darf man vermuten, ist aber nicht belegbar. Als erster Künstler nördlich der Alpen signierte und datierte er seine Werke.
Kartenzeichner bewegen sich zwischen Kunst und Handwerk, Geographen beschränken sich auf das Eindeutige, Künstler gewähren der Phantasie die Macht über den Strich.
Christian T. Schön taz 31.03.2003, Ausgabe 7018 S. 21 Die Marinemalerei als Genre entstand im 16. Jahrhundert und setzt einen seereisenden Maler voraus.
Scholl, L. U.Seit dem 18. Jahrhundert hat sich die Figur des Expeditionsmalers ausdifferenziert, dessen Hauptfunktion die Dokumentation im Rahmen der Expeditionsziele ist.
Denk, Claudia; Strobl, Andreas (Hgg.)→ Zeitleiste der Expeditionsmaler
Gentile Bellini einer Einladung Mohammeds II. nach KonstantinopelErhard Reeuwich („eyn gůter maler“) den Pilger Bernhard Breydenbach ins Heilige LandFrederike TimmHans Burgkmair (1473–1531) illustrierte den Reisebericht von Balthasar Sprenger 1508 2) und 1509 und bestimmte damit das Bild dieser Völker für mehrere Jahrzehnte weit über Deutschland hinaus. Der Hintergrund:Balthasar Sprenger, einen Tiroler Kaufmann. Konrad Peutinger (1465–1547), Schwiegersohn 3) von Anton Welser (1451-1518), war Stadtschreiber in Augsburg und verfügte über die größte Bibliothek nördlich der Alpen mit geographischem Schwerpunkt. Hans Burgkmair hatte Zugriff auf die Erzählungen Sprengers, die Bibliothek und indirekt auf nicht-schriftliches Wissen des Handelshauses. Seine Holzschnitte 4) speicherten dieses Wissen graphisch und unterschieden sich durch ihre Authentizität von allen vorangegangenen Darstellungen. DieMerfartvon Baltasar Sprenger wurde oft kopiert und nachgedruckt 5). In einer Kirche in Dieppe finden sich die Holzschnitte als Fries 6).Wolfgang Augustyn, Manuel Teget-Welz (Hg.):Rolf Biedermann, Tilman Falk, Isolde Hausberger: Begleitband. 97 Bl. 89 Ill. Bibliogr.. Bl. 98 Staatsgalerie Stuttgart 1973: CantzPieter I Coecke van Aelst teil an einer Handelsmission nach KonstantinopelJan Vermeyen, vielleicht auch Pieter I Coecke van Aelst, am Afrikafeldzug Kaiser Karls V. teil N. de Nicolai als Sekretär eines französischen Gesandten nach KonstantinopelNicolay, Nicolas deOury GoldmanMelchior Lorich (um 1526/27-nach 1583) viereinhalb Jahre als künstlerischer Adjunkt mit kaiserlichen Gesandten in der Türkei aufS. Schweigger den kaiserlichen Gesandtschaftspredigers nach KonstantinopelJulius Ritter von Blaas (1845–1922) begleitete den österreichischen Diplomat und Schriftsteller Josef Freiherr von Doblhoff-Dier (1844–1928),Judith Knippschild: „Da wurde der Wunsch zur Begierde.“ Über Japansehnsucht und Künstlerreisen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Diss. Heidelberg 2020 372 S. Berlin 2021: Logos OnlineFélix Régamey (1844–1907) den französischen Industriellen und Forschungsreisenden Émil Guimet (1836–1918)Judith Knippschild: „Da wurde der Wunsch zur Begierde.“ Über Japansehnsucht und Künstlerreisen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Diss. Heidelberg 2020 372 S. Berlin 2021: Logos OnlineJohn La Farge (1835–1910)Henry Adams (1838–1918), s.Judith Knippschild: „Da wurde der Wunsch zur Begierde.“ Über Japansehnsucht und Künstlerreisen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Diss. Heidelberg 2020 372 S. Berlin 2021: Logos OnlineWilhelm Kuhnert 1865–1926König von Sachsen auf dessen Reise in den englisch-ägyptischen Sudan.
→ Ausstellungsliste Reisen in den Osten
→ Ausstellungsliste Expeditionen in den Osten
→ Wortfeld Reisen in den Osten
Frübis, HildegardJudith KnippschildEmil Orlik (1900/01)Marx, PetraRaby, JulianDürer and the Oriental mode.Seybold, Dietrich.Leonardo da Vinci im OrientTrauth, NinaGentile Bellini [um 1429 - 1507] bis zum Ägypten-Feldzug Napoleons. Auf der Suche nach dem Orient. Paul Klee: Teppich der Erinnerung / Katalog, Hrsg.: Zentrum Paul Klee, Bern 2009. Red.: Michael Baumgartner, Carole Haensler Und Marianne Keller. 40-67.Gentile Bellini einer Einladung Mohammeds II. nach KonstantinopelWüthrich, NathalieJohann Ludwig Burckhardt entdeckte die beiden Tempel von Abu Simbel, wurde bei der African Association angestellt, erkundete Nubien archäologisch, konvertierte wohl zum Islam, beriet Reisende wie William Banks;Johann Heinrich Mayr lernte Burckhardt 1812/1813 in Kairo kennen und bereiste etwa zwei Jahre den Vorderen Orient und veröffentlichte 1815 „Schicksale eines Schweizers während seiner Reise nach Jerusalem und dem Libanon“;Charles Gleyre begleitete einen reisenden Privatmann in Ägypten mit der Aufgabe, Denkmäler, Trachten und mehr möglichst genau malend festzuhalten.Johann Jakob Frey, Basler Maler, bereiste Ägypten und lernte in Rom Carl Richard Lepsius kennen. Für diesen kopierte er Hieroglyphen und nahm später als wissenschaftlicher Zeichner an der Preussischen Expedition in Ägypten teil.Theodor Zeerleder reiste zweimal privat durch Ägypten, 1850 begleitet vom deutschen Maler Alexius Geyers. Beide zeichneten Menschen, Landschaften und Denkmäler, die sich architektonisch im Selamlik von Schloss Oberhofen wiederfinden.Helmut ZähG. Wolf:Balthasar Springers Merfart (1509). Die Entdeckung des literarischen Reiseberichts. Austriaca. Cahiers universitaires d'information sur l'Autriche 62 (2006) 11-28 Jean Michel Massing