Federico SchiratoSilent Nominal Heads in Manner Adverbials.
Qulso 10 (2024) 65–78. DOI, Online
Als Methode besteht Unterwegs-Sein darin, sich zu bewegen, damit daraus etwas Neues entstehen kann. Diese Methode ansich bleibt inhaltlich unbestimmt, weil sie weder die Art der Fortbewegung enthält noch die Herkunfts- und Zielorte, weder Absichten erkennen lässt noch Handlungen festlegt, also eine passive Offenheit voraussetzt. Erst durch das handelnde Individuum erhält diese prinzipiell offene Methode eine konkrete Intentionalität, siehe unten zur Dynamik.
→ Serendipity
Diese Vorstellung Eins-zu-Eins in andere Sprachen zu übersetzen ist nur begrenzt möglich (`auf dem Weg sein´) und erfordert längere Umschreibungen. Sprachfamilienübergreifend enthält jedoch der Begriff des Weges bereits die übertragene Bedeutung 'auf dem richtigen Weg sein' als Art und Weise etwas zu tun. 1)
→ Von 'Weg' abgeleitete Konzepte
In den sieben altgermanischen Sprachen 2) lassen sich 21 Stämme für das 'sich-fortbewegen' des Menschen ermitteln. 3) Da jeder dieser Stämme von einem anderen Verb ausgeht, enthalten sie auch andere Nebenbedeutungen für das 'sich-fortbewegen', die durch Umwelt und Kultur bedingt waren. Von diesen Stämmen bezeichnen Gang, Reise, Fahrt bis heute ein 'Unterwegs-Sein'. Dabei ist *faran die produktivste, etwa in Fahrt, Fahrzeug, Gefahr, Gefährte, fertig u.a.
→ Gang - Fahrt - Reise
Als funktionales System im Sinne von Niklas Luhmanns Allgemeiner Systemtheorie stünde
»Unterwegs-sein« unter dem Einfluss der Antagonisten sich fortbewegen von und ankommen 4).
Ergänzt würde ein solches Sinn- und Kommunikationssystem durch strukturelle Kopplung mit soziotechnischen Sachsystemen (technische Mittel, Artefakte) 5). Innerhalb dieses theoretischen Rahmens konstituiert sich die konkrete Praxis:
Die Handlungen der dabei beteiligten Figuren (personale Systeme) sind an Voraussetzungen gebunden (Motilität), intentional bestimmt (zweckorientiert) und erzeugen auch nicht-intentionale soziale und ökonomische Folgen.
Konzepte des Unterwegs-Seins wie Gang, Fahrt, Reise, Travel, Voyage, Safari und andere lassen sich als soziotechnische Handlungssysteme interpretieren mit je eigenen Handlungskreisen, die von den Absichten des Einzelnen bestimmt werden, siehe:
→ Unterwegs-sein als soziotechnisches Handlungssystem
Die Dynamik 6) der intentionalen Fortbewegung im Raum erzeugt vielfache Folgen, die kategorisiert werden können als Translokation, Transport, Transition, Transfer, Transformation sowie Transgression (normgebunden oder entgrenzt). Diese Kategorien wurden abgeleitet aus der Begriffsfeld-Analyse von 2800 Ausstellungen. Dass sich der Gegenstandsraum des Unterwegs-Seins nahezu restlos unter diese Kategorien subsumieren lässt, belegt die analytische Schärfe dieses Rasters.
→ Die Dynamik der intentionalen Fortbewegung im Raum
Mobilität, hier verengt auf Reisemobilität im Sinne der Konzepte des Unterwegs-Seins außerhalb des vertrauten Raumes und für längere bzw. unbestimmte Zeit wirkt als »irreversible Mobilität« in stärkerem Maße auf das Selbstverständnis, das Weltbild, die eigene Identitätsfindung.
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Paolo Scarpi