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wiki:reisekleidung

Reisekleidung

Unter Reisekleidung werden nachfolgend solche Begriffe verstanden, die im Unterwegs-Sein eine spezifische Funktion aufweisen, etwa

  • als besonderer Schutz gegen Wetter (Kälte, Regen, Sonne, Staub, Wind) und Klima;
  • für besondere Formen, etwa als Alpinist in der Bergwelt, als Jäger im bush, Pilger, Reiter, Segler, Wasserwanderer …;
  • durch eine besondere Begrifflichkeit, etwa im Jargon des Fahrenden Volkes;
  • durch ihre Funktion als Distinktionsmerkmal oder zur Camouflage.

Vorzeitliche Wetterkleidung

Ethnic Dress

Manche Kleidungsstücke haben sich unter besonderen (klimatischen) Bedingungen so bewährt, dass sie im Laufe der Jahrhunderte zur perfekten Kleidung bei den dort lebenden Volksgruppen wurden und erst durch Reisende zu uns gelangten, beispielsweise:

  • Anorak
    Ein Begriff der grönländischen Eskimo, zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa zuerst erwähnt.
  • Chullo
    Die aus (Alpaca-)Wolle gestrickte bunte Mütze mit Ohrbedeckung soll seit Jahrtausenden in den Anden getragen worden sein.
  • Parka
    Ein Begriff der Inuit, um 1768 zuerst erwähnt.
  • Plaid
    Aus dem Gälischen plaide 1), ins Englische als Bezeichnung für einen großkarierten Überwurf (Schulterdecke) der schottischen Hochlandtracht 2) aus Wolle z.B. 1703: »When they Travel on Foot the Plaid is tied on the breast with a Bodkin of Bone or Wood (just as the Spina wore by the Germans according to the description of C. Tacitus)« 3), davon übertragen auf eine Reisedecke: »Die meisten Reisenden blieben sitzen, in Plaids und Mäntel wohl eingehüllt…« 4) und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in viele europäische Sprachen übernommen, auch russisch плед.
  • Schal
    über englisches shawl aus dem persischen شال šāl, ab dem 15. Jahrhundert aus Kaschmir nach Europa importiert.

Ötzis steinzeitliche Bergkleidung

Ötzis Kleidung bestand vollständig aus Leder, Fell und geflochtenem Gras, nicht aber aus Wolle oder gewebten Stoffen (Fotos). Mit Tiersehnen, Gräsern und Bast wurde genäht.

  • Für die Kopfbedeckung aus Bärenfell wurden Fellstreifen halbkugelförmig vernäht. Ein Kinnband sicherte deren festen Sitz.
  • Der knielange Fellmantel bestand aus einem Patchwork von Streifen aus Ziegen- und Schafsleder und wurde mit der behaarten Seite nach außen getragen.
  • Zwei etwa 65 cm lange Beinröhren (eine Art »Leggings«) bestanden aus vernähten Fellstreifen aus Ziegen- und Schafsleder. Sie waren oben am Gürtel und unten an den Schuhen befestigt.
  • Ein Lendenschurz wurde mit dem Gürtel befestigt.
  • Ein Gürtel mit eingenähter Tasche bestand aus zwei Meter langem und 4−5 cm breitem Kalbsleder.
    • Im aufgenähten Gürteltäschchen befand sich Zunderschwamm, ein Klingenkratzer, ein Bohrer, eine Knochenahle und ein Lamellenstück aus Silex, also Werkzeug zum Nähen und Reparieren, zum Schneiden und zum Feuermachen.
  • Den Innenschuh bildet ein Netz aus gedrillten und verzwirnten Lindenbastschnüren, das mit trockenem Gras ausgestopft wurde. Der rindlederne Außenschuh mit dem Fell nach außen und der Innenschuh wurden mit der Bärenfellsohle so vernäht, dass die Fellseite innen lag. Lindenbastschnüre verschlossen und befestigten den Schuh am Fuß.
  • Eine geflochtene Matte aus alpinem Sumpfgras könnte als Grasmantel gedient haben, als Unterlegmatte oder war Teil der Rückentrage.
  • Egg, Markus, Konrad Spindler, Roswitha Goedecker-Ciolek
    Kleidung und Ausrüstung der kupferzeitlichen Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen.
    X, 262 S. Ill. 22 Tafeln, 12 Beilagen. Mainz 2009: Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Inhalt
  • J. Wininger
    Die Bekleidung des Eismannes und die Anfänge der Weberei nördlich der Alpen
    The Man in the Ice.
    Veröffentlichung des Forschungsinstitutes für Alpine Vorzeit der Universität Innsbruck 2, 1995, 119 ff.))

Kleidungsstücke

Jacken und Mäntel in Europa seit dem Mittelalter

  • Die Capa oder Cappa war ursprünglich ein langes ärmelloses Schlupfkleid aus Wolle als Überwurf zum Wetterschutz bei Reisen. Sie stammt aus dem Mittelalter, war aber besonders in Spanien noch im 16. und 17. Jahrhundert verbreitet und wird als Umhang von besonderen Gruppen bis heute verwendet.
  • Gugl, ein Kittel mit Kapuze für die Arbeit im Freien
  • Kleppermantel
    1920 entwickelte der Schneidermeister Johann Klepper in Rosenheim einen wasserdichten Baumwollmantel mit einer gestrichenen Gummischicht, der 780 Gramm wog und besonders reiß- und abriebfest war. Dieser Mntel wurde bis 1969 gefertigt und zuletzt noch einmal 1997. → Kleppermuseum
  • Kotze
    ponchoartiger Überhang, insbesondere für Jäger.
  • Loden(-joppe, -hut, …)
  • Mackintosh, kurz: Mac
    Ein wasserdichter Regenumhang, entwickelt von dem schottischen Chemiker Charles Macintosh (1766–1843), der einen festen Baumwollstoff mit einer Gummilösung imprägnierte. Das Patent der Gummilösung stammte von James Syme (1799–1870) 5)
    1841 schrieb Moltke: »Deinen Harz-Reise-Mackintosh habe ich als Shawl auf dem Arm übers Gebirg getragen …« 6)
    1872 als Vorbereitung einer Weltreise in 40 Tagen: »Round the world! … Bring down my mackintosh and traveling-cloak, and some stout shoes, though we shall do little walking.« 7)
    • Schurer, H.
      The Macintosh: The Paternity of an Invention.
      Transactions of the Newcomen Society. 28.1 (1951) 77–87. DOI
  • Ölzeug (engl.: Oilskin) > Friesennerz > Südwester
  • Pelerine
    Ein Regencape oder Regenponcho als schulteraufliegender Überwurf, mit oder ohne Kapuze. Vergleichbare Capes finden sich aus Pelz etwa bei der Moorleiche von Kayhausen, um 364–350 BC, aus Stroh bei Ötzi um 3258 ±89 BC, aus Stroh, Sauer- oder Silbergras in der frühmittelalterlichen Tang- und Song-Dynastie in China. Der Begriff `Pelerine´ erscheint im Deutschen veraltet, ist jedoch im Schweizerischen gebräuchlich. Im Französischen bezeichnet pèlerin einen Pilger, davon abgeleitet frz. pèlerine, der `Pilgermantel´. In Großbritannien trug man den Invernessmantel (der, den man mit Sherlock Holmes verbindet): ein ärmelloser Mantel mit Löchern für die Arme und einem schulteraufliegenden Überwurf darüber, zu sehen etwa im Gemälde Pilgrimage to Cythera (1717) von Jean-Antoine Watteau.

Kopfbekleidung

  • Balaklava
  • Deerstalker
    Die Mütze, die jeder mit dem Bild von Sherlock Holmes verbindet, ist - der Name sagt es -, ein Kleidungsstück für die Jagd mit breiten Krempen vorn und hinten sowie der herunterklappbaren Ohrbedeckung.
  • Petasos (griech. Antike) 8) > Attribut der Reisegötter
  • Südwester > Attribut der Fischer und Schiffer an Nord- und Ostsee
    Ein Hut aus Öltuch mit breiter Krempe bis über die Schulter zum Ableiten des Regens, auch bei Seglern.
  • Uschanka (russisch ушанка) von russisch у́ши uschi ‚Ohren‘ ist eine Kopfbedeckung, die seitliche Klappen hat, die nach oben aufgeschlagen sind, bei Bedarf jedoch herabgeklappt werden können.

Fußbekleidung

  • Fußlappen
  • Riemensandalen > lat. caliga
  • (Stulpen-)Stiefel, genagelt
  • Trittlinge
  • Goubitz, Olaf u.a.
    Stepping through Time. Archaeological Footwear from Prehistoric Times until 1800.
    396 S. Zwolle 2001/2011: Stichting Promotie Archeologie Inhalt
  • Umfangreiche Quellen siehe Bibelwissenschaften
  • »Sandalen«, S. 160−164 in: Heidi Köpp-Junk
    Reisen im Alten Ägypten. Reisekultur, Fortbewegungs- und Transportmittel in pharaonischer Zeit.
    Diss. Georg-August-Universität zu Göttingen (=Göttinger Orientforschungen, IV. 55) 424 S. Wiesbaden 2015: Harrassowitz. Sehr detailliert: Inhalt

Kleidungsnahe Komponenten

  • Chaps
    Ein »Lederstrumpf« als eine Art von langen Gamaschen mit Gürtel zum Schutz im dornigen Gestrüpp.
  • Gamaschen
  • Gürtel(gehänge)
  • Hirschtalg gegen das Wundlaufen der Füße
  • Eine Schweinsblase über die Füße gezogen oder in den Stiefel eingearbeitet hält das Wasser ab und der Stiefel wird wasserdicht.
  • Vademecum
    lateinisch `geh mit mir´ übertragen auf ein Büchlein, das in der Kleidung mitgetragen werden kann und nützliche Informationen enthält, meist für Reisesituationen. Später verallgemeinert als Oberbegriff für Ratgeberliteratur jeder Art.

Pilgertracht

  • Pilgerflasche, ein Lederbeutel oder ein ausgehöhlter Kürbis
  • Pilgerhut mit breiter und tief hängender Krempe
  • Pilgermantel, frz. pèlerine
  • Pilgertasche, Wallsack, lat. pera, sporta peregrinationis als oben offene Umhängetasche
  • Jakobsmuschel, meist am Hut angebracht
  • Leonie von Wilckens
    Die Kleidung der Pilger.
    In: Lenz Kriss-Rettenbeck, Gerda Möhler (Hrsg.): Wallfahrt kennt keine Grenzen, Themen zu einer Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums und des Adalbert Stifter Vereins. München 1984, S. 174–175

Habit

Die frühen Zisterzienser orientierten sich an der Benediktsregel; ein Mönch bedürfe nur: cuculla, tunica, scabulare, pedules, caligas und zudem auf Reisen femoralia und bracile. 9)

  • Boulding, Maria, Sister
    Background to a Theology of the Monastic Habit.
    The Downside Review, 98.331 (1980) 110-123. DOI
  • Simon Tugwell
    Caligae and Other Items of Medieval Religious Dress: A Lexical Study.
    Romance Philology 61.1 (2007 ) 1-23
  • Fizzard, Allison D.
    Shoes, Boots, Leggings, and Cloaks: The Augustinian Canons and Dress in Later Medieval England.
    Journal of British Studies, 46.2 (2007) 245-262. DOI

Kluft

Die Kluft kennzeichnet durch bestimmte Kleidungsstücke eine besondere Gruppe. Zuerst im Rotwelschen des Fahrenden Volkes als Klabot im 15. Jahrhundert, über Claffot im 16. Jahrhundert zu Klofft, Klifft, Kluft im 17. Jahrhundert. Studenten und Soldaten nutzten den Begriff ab dem 18. Jahrhundert.

Der Ursprung ist ungeklärt, möglicherweise aus hebräisch ḥalīfā ‘Kleid’ oder qālaf ‘schälen’, qelīfā ‘Schale’, da im Rotwelschen `Schale´ den Anzug bezeichnet. 10)

  • Thomas Brehm
    Wanderkluft: Gedanken zur Entwicklung der Wanderkleidung.
    in: Brehm, Thomas (Hg.): Wanderland. Eine Reise durch die Geschichte des Wanderns. (Begleitband zur Ausstellung) 383 S., 315 Farb- und 36 SW-Abb. Nürnberg: Verlag des Germanischen Nationalmuseums 2018.

Die Kluft wandernder Handwerksgesellen

Der »freie Mann« ist erkennbar an:

  • dem schwarzen Hut, sei es ein Schlapphut (Obermann) oder ein Zylinder (Koks),
  • dem Ohrring,
  • der Ehrbarkeit, einer Halsbinde (nur bei Zunftangehörigen)
  • der Staude, einem weißen kragenlosen Hemd,
  • der Weste mit acht Knöpfen für acht Arbeitsstunden pro Tag,
  • dem Jackett mit sechs Knöpfen für sechs Arbeitstage pro Woche,
  • der Schlaghosen aus Cord oder Deutschleder,
  • dem Stenz, einem Wanderstab, oft ein Knotenstock

Der Fußwanderer 1828

  • Berndt, Johann Christian Gottlieb
    Wegweiser durch das Sudeten-Gebirge.
    Breslau 1828: Grüson u. Comp. VIII, 712 S., 1 Falttafel. Online.
    Darin die Vorbereitung zur Reise (Zeit, Plan, Dauer, Gesellschaft, Reiseart, Reisegepäck, Reisekleidung ) S. 3-15 und die Organisation der Reise (Tagesordnung, Marschart, Führer, Benehmen, Reise ins hohe Gebirge, Reisenoth) S. 15-29, hier ein Auszug:

Da der Körper des Fußwanderers, soll er gesund bleiben, durch nichts eingeengt, noch weniger gepreßt werden darf: so muß die Kleidung bequem weit seyn; da fie ferner durch Sonne, Staub, Regen und täglichen Gebrauch schnell abgenutzt wird: so wird man mit Ausnahme der Fußbekleidung nur das Älteste und Schlechteste aus seinem Kleidervorrathe wählen; die Natur nimmt ja einen schlechten Rock nicht übel, und um in den Bädern Staat zu machen, reist kein ächter Sudetenwanderer.

Zur Hauptbedeckung wählt man eine beliebige Mütze, welche das Wasser nicht leicht durchläßt, einen großen Schirm hat und so weit ist, daß sie bequem über die Ohren gezogen werden kann, wenn es regnet oder stürmt. Ein Hut taugt zur Gebirgsreise gar nichts, man müßte denn Lust haben, beim Sturme barhäuptig einherzugehen.

Der Hals bleibt am besten frei, nur vom Hemdkragen beschirmt, oder wird höchstens mit einem schwarzen Halstuche lose umschlungen. Man erkaltet sich in der Bergluft nicht so leicht, als die weichlichen Städter glauben, im Gegentheil wirkt diese höchst stärkend auf den Hals und durch ihn auf das Haupt. Wer leicht schwindelig werden oder Nasenbluten bekommen will, darf nur den Hals mit einer modischen steifen Binde zusammenschnüren.

Die Brust deckt ein schwarzes Vorhemdchen und eine mit Brust- und Seitentaschen versehene hinlänglich weite Weste.
Unterleib und Beine verhüllt eine lange, bis an die Knöchel reichende Hose von ungebleichter Leinwand, ähnlichem Sommerzeuge oder auch Tuch, mit Seiten- und Uhrtasche, hinlänglich weit um den Leib, enger um die Beine, damit sie durch Pludern oder Reiben im Gehen nicht hindert, besonders wenn es stürmt.
Sie wird von einem Hosenträger von Strippen festgehalten; denn ein solcher hält besser und dehnt sich weniger als ein lederner, welcher vom Schweiße reichlich gedrängt bald zu lang und gar zermürbt wird.
Ein Schnallengurt an der Hose ist sehr zuträglich, weil man bei vollem Magen oder Milzstechen den Unterleib durch Zusammenziehen vor einem Bruche schützen kann. Auf kothigem und nassem Wege wird die Hose in die Stiefeln gesteckt.
Wer an eine Unterhose gewohnt ist, mag sie tragen, aber an den Knöcheln nur lose binden; wer dergleichen nicht zu tragen pflegt, darf keinen Nachtheil für seine Gesundheit fürchten.

Für die Füße wird am allerbesten durch Schweinsblasen, die mit der inwendigen Seite an den Fuß kommen, und darüber geschlagene Fußlappen gesorgt. Wer diese nicht gewohnt ist, nimmt baumwollene Soden. Diese werden umgewendet, auf der inwendigen Seite mit Talg eingerieben und höchstens nur lose gebunden; jeden Morgen werden sie weich gerieben, abermals mit Talg eingerieben, und nicht eher gewechselt, bis sie Löcher haben, dann aber auch sofort, sonst werden die Füße wund. Das tägliche Wechseln der Socken taugt eben so wenig, als weite, die sich in Falten legen und Blasen drücken.

Die beste äußere Fußbekleidung sind Halb- (nicht Schnür-)stiefeln, bereits ausgetreten, nur so weit, daß sie nicht drücken, dauerhaft gearbeitet, mit starken breiten benagelten Sohlen und niedrigen breiten benagelten Absätzen, auf beiden Füßen anziehbar. Sie werden täglich mit Öel, Fett, Fischthran oder zur Noth mit zerriebener Kohle und geschmolzenem Talg eingerieben, damit sie stets gefügig bleiben.
Die gewöhnlichen niedlichen Modestiefeln taugen deshalb zur Reise nichts, weil sie an den Seiten leicht brechen, sich wegen der spitzigen Absaße schief treten und dann eine Pein für den Wanderer werden. Schuhe mit und ohne Kamaschen sind zwar leichter, lassen aber Nässe und Sand zu leicht ein und verderben dadurch die Füße; auch treten sich die Kamaschenriemen zu schnell durch und schlottern dann hindernd um die Füße. Wer indeß doch Kamaschen tragen will, befestige diese, mit Weglassung des Riemens, mittels Schnallen oder Knöpfe an die Schuhe.

Den Oberleib die bekleidet eine Jacke, ein Frack oder ein kurzer Ueberrock mit Brust- und Hintertaschen, bis an den Hals zuknöpfbar und hinlänglich weit. Ein zu langer Ueberrock schlägt beim Gehen in die Beine, zieht beim Regen Wasser und wird so zur Last.
Die Hand trägt einen festen Krückenstock mit eiserner Spitze.

So ausgerüstet tritt man die Reise an.

Alpine Hochtouren

»Steigeisen, Alpenstock, Flanell-Brusttuch, Bundschuh sind nothwendig und der Hut mit breiter Krempe muß Bänder unterm Kinn und Überzug von Wachstaffent haben und der Übermantel von Wachstaffent mit dem Kragen, der über den Kopf zusammen geht, ist unerläßlich, kühl in der Sonne warm und trocken hält er im Regen …« 11)

  • Kniebundhosen: Knickerbockers, Gamslederne, Pumphosen (engl. Breeches)
    »Die Bergbewohner haben deswegen ihren ganz aparten Schnitt. Ihre Hosen sind einmal sehr weit, dann so kurz daß sie nur knapp bis über die halbe Wade abwärts reichen und endlich von einem so festen steifen Loden daß ein Anschmiegen des Stoffes an das Bein selbst beim Naßwerden beinahe ausgeschlossen bleibt. Mit Beinkleidern dieser Façon ausgestattet läuft man allerdings wenig oder beinahe gar nicht Gefahr den oberwähnten Übelständen lästig ausgesezt zu sein. … Man muß sich deswegen zur Annahme der Kniehose entschließen und es fragt sich nur soll dieselbe bloß bis an das Knie oder bis über das Knie reichen also mit anderen Worten kurze Gamslederne oder Kniehosen auch Pumphosen oder englisch Knickerbockers genannt.
    Die ersteren sind praktisch da, wo man ausschließlich Arbeit im Fels zu gewärtigen hat. Der Gamsjäger wird keinen Grund haben seiner Ledernen untreu zu werden. Für den Hochtouristen aber ist jedes lederne Beinkleid unzweckmäßig. Der erste und größte Übelstand der Ledernen ist der, daß sie wenn einmal naß geworden unendlich schwer und langsam trocknet, daß sie sich im nassen Zustande in zudringlichster Weise fest an den Körper anschmiegt, ja förmlich anklebt, dabei eine fatale Kälte auf der Haut hervorrufend und daß sie, wenn endlich getrocknet, eng und steif wird und ihre frühere Geschmeidigkeit erst nach tagelangem Tragen wieder erhält während ein Beinkleid von gutem Loden vom Abfahren auf dem Schnee entweder nicht durchnäßt wird oder wenn wirklich doch in kurzer Zeit wieder ganz trocken ist wird. … Die englischen Bergsteiger tragen beinahe ausnahmslos Knickerbockers von gutem englischen Wollstoff der gleichfalls sehr praktisch ist.« 12)
  • Lodenhut
    »Die Hochtouristen besonders in den Ostalpen bedienen sich fast ausschließlich des Lodenhutes, jedoch finden wir für diese eine noch praktischere Kopfbedeckung in der zumeist von den englischen Bergsteigern getragenen Kappe [s. oben: Deerstalker] aus weichem leichten Wollstoff mit Seide gefüttert, vorn mit einem gleichgroßen Schirm vom selben Stoffe. An den Seiten oben zusammengebunden gleichfalls von demselben Stoffe Ohrenklappen die nur bei schlechtem Wetter und bei Sturm über die Ohren herabgeklappt und unterm Kinn dann zugebunden werden.« 13)

Engländer auf dem Kontinent

  • Friedrich Gerstäcker
    Reisende.
    Die Gartenlaube, 17-18 (1860) 267–270, 276–278 Online
    »Diese Gattung von Albionskindern wird nur mit einem rotheingebundenen Murray (ihrem Koran), dann mit Plaid, Regenmantel und Mütze von leichtem carrirten Stoff getroffen. Eine solche Mütze ist nämlich zu einer Reise nach dem Continent unentbehrlich, und so wenig Mr. Jones daran denken würde, sich mit einer solchen Bedeckung in the hearing of St. Paul’s sehen zu lassen, ebenso wenig möchte er ohne eine solche den Rhein befahren oder sich in einen deutschen Waggon setzen.«

Für die Safari im bush

Der Begriff »Safari suit« findet sich erstmals 1935 im Oxford English Dictionary. Khaki, Canvas und Leder bestimmen das Bild (»african hunter's costume«, hunters wardrobe) tropentauglicher Ausrüstung, insbesondere auf Safari :

  • Tin Clothes:
    Cotton Canvas, das mit Ölen und Wachsen imprägniert wird und steif wie Blech (tin) wird.
  • Khaki Drill:
    Jacke, Hemd, Hose
  • Khaki Breeches
    (Reithose, Kniebundhose)
  • Gamaschen:
    • Puttees (engl. < hindi: patti), Wickelgamaschen für den Marsch im bush.
    • »Leggings« aus Canvas oder Leder
  • Desert Boots,
    knöchelhohe Stiefeletten mit dicken Kreppsohlen, nach dem Vorbild der
    • »Vellies«, Velskoen (afrikaans), die sich in den Burenkriegen des 19. Jahrhunderts bewährten.
    • Velskoen aus rohem Ochsen- oder Elefantenleder wurden bereits im frühen 18. Jahrhundert von den Khoikhoi und den Treckburen verwendet. 14)
  • Bandanna (Sanskrit बन्धन bandhana),
    ein Halstuch, das als Staubschutz bis über die Nase gezogen wird oder den Schweiß aufnimmt.
  • Buschhut oder Krempenhut,
    meist aus Leder oder waxed Canvas, mit breiter abstehender Krempe, also schattenspendend und Regen ablenkend. Im Unterschied zu Panamahut, Strohhut, Salacot kann der Krempenhut gefaltet eingesteckt werden.
    • Boonie Hat, also ein Hut für die boondocks, von der US-Army im Vietnamkrieg eingeführt;
    • Giggle Hat in Australien: 'Kicherhut' wegen des lächerlichen Erscheinungsbildes;
    • Panamka панамка in Russland, anspielend auf den Panama-Hut;
    • Terai Hat in Indien; namensgebend ist das Tiefland in Nordindien;
    • Slouch Hat (Schlapphut), zur Uniform der australischen Streitkräfte gehörig und derselbe als
    • Schutztruppenhut, zur Uniform der deutschen Streitkräfte in Afrika gehörig.
  • Tropenhelm (Khaki Solar Pith Hat, kurz: Sohat) mit den Bauformen:
    • Cawnpore Tent Club Hat, bekannt durch den Prince of Wales 1875
    • Wolseley Pattern Helmet ab etwa 1900
    • Bombay Bowler, bekannt durch Winston Churchill
  • Duffle Bag,
    aber nicht aus Düffel, sondern aus Leder oder Canvas. Eine zylinderförmige Gepäcktasche mit großen Trägern an der Längsseite, so dass die Tasche auch als Rucksack getragen werden kann.
  • Hängematte oder Feldbett sowie Moskitonetz und Zelt.
  • Wrong, Michela
    A Brief History of Safari Style. The quintessential safari look that started 150 years ago in colonial Kenya still prevails.
    Condé Nast Traveler 8. Oktober 2013.
  • Ziegler, Mel, Patricia Ziegler, Alex Jay
    Banana Republic guide to travel & safari clothing.
    New York 1986: Ballantine Books.
  • Aston, Felicity
    Outdoor Clothing for Women.
    Geographical, März 2006.

Australien

Die australischen stockmen tragen im Outback den Akubra-Hut (seit 1912) und den Driza-Bone-Mantel (seit 1898, aus »dry as a bone«), beides Markennamen.

  • Die Jacken wurden ursprünglich mit einer Mischung aus Leinöl, Paraffin und Bienenwachs wasserfest gemacht (Ölzeug).
  • Der Akubra-Hut besteht ursprünglich aus gefilzten Kaninchenhaaren. Der Name wurde inzwischen zum Gattungsnamen für Buschhüte wie ihn auch Crocodile Dundee im Film trug.
    • Bowen, Jill
      The Akubra Hat.
      Sydney, NSW 1988: Weldon Publishing.

Nordamerika

  • Marcy, Randolph B.
    The Prairie Traveler. A hand-book for overland expeditions. With maps, illustrations, and intineraries of the principal routes between the Mississippi and the Pacific.
    U.S. War Department. XIII, [15] 340 S. New York 1859: Harper.
    1863 in London »Ed. (with notes) by Richard F. Burton« Online
    Auch mit dem Untertitel „The Classic Handbook for America's Pioneers“, hier ein Auszug (S. 19:):

The following list of articles is deemed a sufficient outfit for one man upon a three months' expedition:

  • 2 blue or red flannel overshirts, open in front, with buttons. 2 woolen undershirts.
  • 2 pairs thick cotton drawers. 4 pairs woolen socks.
  • 2 pairs cotton socks.
  • 4 colored silk handkerchiefs.
  • 2 pairs stout shoes, for footmen. 1 pair boots, for horsemen.
  • 1 pair shoes, for horsemen.
  • 3 towels.
  • 1 gutta percha poncho.
  • 1 broad-brimmed hat of soft felt.
  • 1 comb and brush.
  • 2 tooth-brushes.
  • 1 pound Castile soap.
  • 3 pounds bar soap for washing clothes.
  • 1 belt-knife and small whetstone. Stout linen thread, large needles, a bit of beeswax, a few buttons, paper of pins, and a thimble, all contained in a small buckskin or stout cloth bag.
  • Barbara E. Kelcey
    What to Wear to the Klondike: Outfitting Women for the Gold Rush
    Material History Review 37 (Spring 1993) 23
  • John H. White, Jr.
    Wet Britches and Muddy Boots: A History of Travel in Victorian America
    XXVI, 512 S. Bloomington 2013: Indiana University Press, 55. Inhalt

Strandkleidung

Die Kleidung am Strand ist bei den dort beruflich Tätigen funktional und auf schlechtes Wetter abgestimmt 15):

jedoch stark inszeniert bei den übrigen Strandbesuchern, siehe im Strand-ABC:

  • Adiletten
  • Badehose
  • Bermudas
  • Bikini
  • Flipflops
  • Hawaiihemd
  • Sonnenbrille
  • Strandkimono
  • Stringtanga

Materialien

Leichte Materialien aus Kunstfasern bieten Dornen und Insekten wenig Widerstand. Früher und auch heute noch im bush sind Leder oder feste Leinenstoffe die bessere Wahl. Wenn es warm sein sollte, gab es Wolle und Cord statt Fleece. Auch die Jeans der Cowboys und Waldläufer wurden im 19. Jahrhundert aus Canvas hergestellt, darüber Chaps (»Lederstrumpf«) als eine Art von langen Gamaschen mit Gürtel zum Schutz im dornigen Gestrüpp.

Historisch findet sich der Bedarf nach einem besonders widerstandsfähigen Tuch zuerst in der Schifffahrt beim Segeltuch und beim Biwakieren mit einem Zelttuch, davon dann übertragen auf robuste, wetterfeste Kleidung und Ausrüstungsteile wie etwa Gürtel oder Rucksack.
Die Begriffsvielfalt im Bereich der Textilien wurzelt u.a. in der Faserart (Hanf, Leinen aus Flachs, Baumwolle, Wolle, Haare, Kunstfasern), in der Webtechnik nach der Bindung zwischen Kett- und Schussfäden (Leinwand (1:1), Köper (3:3) und Atlas (5:5) mit Unterarten wie z.B. Panama, Ripstop), in der »Ausrüstung« (gewachst, geölt, gummiert, beschichtet), nach Garnstärke und Fadendichte (Gramm pro Quadratmeter):

  • Canvas
    Abgeleitet aus der Bezeichnung für Hanf (lat. cannapaceus, gr. κάνναβις kannabis), dann im 13. Jahrhundert für Leinwand Canevaz, Canevas (angelsächsisch und altfranzösisch) und durch die britische Expansion weltweit als Canvas, so auch bei den ersten Jeans von Levi Strauss.
  • Cord
    engl. corduroy, auch einfach »Manchester«, weil dort im 17. Jahrhundert entwickelt. Baumwolle mit Kett- und Schussfaden und einem dritten Florfaden.
  • Duck
    sachlich identisch mit Canvas, aber abgeleitet vom niederländischen zeildoek `Segeltuch´ und darüber verwandt mit duct tape.
  • Denim
    Baumwollgewebe aus Nîmes (de Nîmes, seit 1557) mit indigogefärbten Kettfäden und 400–500 g/qm bei üblichen Jeansstoffen und bis rund 700 g/qm bei Arbeitskleidung.
  • Drillich
    Webtechnik mit dreifachen Fäden > Köperbindung
  • Düffel, Tüffel
    Weithin bekannt geworden durch das englische duffle coat, jedoch ursprünglich nach dem flämischen Ort Duffel (Antwerpen) benannt (Erstbeleg 1637) und über das Niederländische ins Englische gelangt. Ein dicker Wollstoff mit 23 Fäden/cm in Köperbindung, gewalkt, gerauht, geschoren (ähnlich wie Loden). Altnord. þôfi gewalkte Decke DWB Düffel und DWB Tüffel. Als duffle coat gekennzeichnet durch Kapuze und Knebelknöpfe.
  • Filz
  • Gutta-Percha
    Aus dem malaaischen Wort für den eingetrockneten Milchsaft verschiedener Pflanzenarten auf Sumatra und damit botanisch ein Gummi, seit etwa 1840 in Europa bekannt und mit Leinöl (1:10) zum Imprägnieren von Textilien benutzt.
  • Hirschtalg
    Hirschfett, lat. seuum ceruinum, zur Hautpflege bei wunden Füßen, auch vorbeugend beim Marschieren.
  • Kautschuk
    Gummi elasticum (=Resina elastica) wird aus dem Milchsaft (Latex) von Kautschukpflanzen hergestellt und wird seit mehreren tausend Jahren zum Imprägnieren von Textilien und Behältern benutzt, so auch 1824 für den Mackintosh, einen Regenschutz, und für Gummistiefel.
  • Loden
    Ein köper- oder leinengewebter Wollstoff, der ab dem späten Mittelalter durch Walken und Schlagen zu einem wasser- und winddichten Tuch verfilzt wurde (ähnlich wie Düffel). Althochdeutsches lodo, ludo bezeichnete im 10. Jahrhundert grobes Wollzeug und Mäntel, ähnlich altnordisches loði für einen zottigen Mantel und berührt sich dann mit dem Begriff Kotze für einen zottigen Umhang.
  • Öltuch
    • Ursprünglich dicht gewebtes Leinentuch mit Öl (etwa Leinöl) und Wachs behandelt.
    • Kautschuk oder Guttapercha als imprägnierende Mittel ab Mitte des 19. Jahrhunderts.
      • 1844 erhielt Charles Goodyear das Patent auf die Vulkanisation von Kautschuk und stellte damit synthetisch Gummi her.
    • PVC und andere synthetische Kunststoffe im 20. Jahrhundert, also kein Ölzeug mehr im eigentlichen Sinne, indirekt jedoch, weil aus Erdöl erzeugt.
  • Wachstaft
    Leinwand oder Taft (Seide in Leinenbindung) mit Wachsfirnis getränkt für Regenmäntel und dergleichen. Wachsfirnis bestand aus Leinöl, Kolophonium und Terpentin mit giftigen Bleiverbindungen (Mennige).

Camouflage und dress code

Touristen sind bevorzugtes Ziel für Schlepper oder Taschendiebe. Nicht als solcher erkannt zu werden, setzt angepassste Kleidung voraus.
Mimikry beschränkt sich darauf, in einer fremden Umgebung nicht aufzufallen indem man sich anpasst, also keine kurzen Hosen anzieht, wenn alle anderen lange Hosen tragen.
Camouflage konnte auch den Zweck haben, die eigene Nationalität zu verschleiern oder etwa in der islamischen Welt nicht als Christ erkannt zu werden (z.b. Richard Burton in Mekka).
Insbesondere Frauen (z.B. Isabelle Eberhardt) nutzten das Cross-Dressing seit Jahrhunderten, damit sie in einer Männerwelt unbelästigt in Männerkleidung reisen konnten.
Und alle, die berufsmäßig zu neugierig sind und nicht als Kundschafter auffallen wollen, verschleiern dies gerne.

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