Das Vermessen des Raumes
Das Bedürfnis sich zu orientieren und den richtigen Weg zu finden, führt zum Messen und Kartieren, insbesondere im unbekannten Raum. Weglängen bestimmen und Richtungen an Punkten in der Natur zu bestimmen, erfordert mathematisches Denken.
Die ältesten Quellen dazu sind
der
Papyrus Moskau, benannt nach seinem Aufbewahrungsort, aus dem 18. Jahrhundert vor Christus als ältestes erhaltenes ägyptisches Sammelwerk der Mathematik mit geometrischen Problemen und Lösungen aus dem
Alltag;
der Papyrus Rhind, benannt nach dem ersten Käufer 1858 (A. Henry Rhind), aus dem 17. Jahrhundert vor Christus mit arithmetischen und geometrischen Problemen und
eine Lederrolle aus dem 17./16. Jahrhundert vor Christus mit Stammbruchzerlegungen.
Um 240 BC schuf Eratosthenes von Kyrene (um 284 - um 202 BC) die erste Gradnetzkarte mit Längen- und Breitenangaben in seinem Buch Geographika.
Assad Ebrahim
Geometry and Algebra in Ancient Civilizations.
Mathematical Science & Technologies July 24th, 2023
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Himmelsrichtungen sind nicht naturgegeben, sondern ein Denkmodell, das den Stand der Sonne und der Sterne zugrundelegt. Überall dort, wo Gräber, Megalithbauten, Tempel, Pyramiden sehr genau nach den Himmelsrichtungen angelegt wurden, muss es auch ein Messverfahren und Messwerkzeuge gegeben haben.
Schmidt-Kaler, T.;
Schlosser, W.
Stone-Age Burials as a Hint to Prehistoric Astronomy.
Journal of the Royal Astronomical Society of Canada, 78.5 No.590 (1984) 178–188
Online
Maße und Messwerkzeuge
Körpermaße sind das einfachste Mittel, den unbegrenzte Raum vergleichbar zu erfassen, etwa der Doppelschritt. Der Wunsch nach einheitlichen Maßen führte zum Messseil. Meßstab und Meßseil sind die ältesten technischen Hilfsmittel beim Vermessen. Dabei bestimmte man
Literatur
Zur Anwendung → Navigation
Aczel, Amir D.
Der Kompass. Eine Erfindung verändert die Welt.
174 S. Ill. Literaturverz. S. 164–167 Reinbek bei Hamburg 2005: Rowohlt.
Inhalt
Cotter, Charles H.
A History of the Navigator's Sextant.
226 S. Glasgow 1983: Brown, Son & Ferguson.
H.L. Hitchins, W. E. May
From Lodestone to Gyro-Compass.
219 S. London 1952: Hutchinson
Hoskin, M.,
Hochsieder, P.,
Knösel, D.
The Orientations of the Taulas of Menorca (2): The Remaining Taulas.
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DOI
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American Historical Review 68.3 (1965) 605–617
Minow, Helmut
Messwerkzeuge und Längenmasse im Alten Agypten.
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DOI
Paranina, Alina
Ancient Traditions of solar Navigation in the Mediterranean Region.
S. 268–282 in: Recep Efe, Isa Cürebal (Hg.): Contemporary Studies in Sciences Cambridge. 459 S. Scholars Publishing 2020.
Messung von Himmelsrichtungen mittels T-Stab, Lochstab, Gnomon, T-Stelen (Göbekli Tepe), Taula (Menorca), T-Steine (Sibirien), Thors Hammer; Die älteste Beschreibung einer Sonnenuhr mit einem T-Gerät findet sich auf einer Wand des Grabes von Seti I. (1306–1290 BC).
Paranina, Galina N.
Northern Labyrinths. Gnomons and models of geographical Space.
Procedia - Social and Behavioral Sciences, 19 (2011) 593-601.
DOI Online
Paselk, R. A.
Medieval Tools of Navigation: an Overview.
S. 169–180 in: R. O. Bork, A. Kann (Hg.): The Art, Science, and Technology of Medieval Travel. Abingdon, Oxon, 2016: Routledge.
C. Schoy
Mittagslinie und Qibla
Notiz zur Geschichte der mathematischen
Geographie.
Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin
1915, S. 558-576, mit Diskussion der Quellen.
Arabisches Qibla قبلة bezeichnet die vom Koran vorgeschriebene Gebetsrichtung zur Kaaba in Mekka.
Die dazu nötigen Fähigkeiten und Werkzeuge verbinden Landvermesser mit Navigatoren auf See, Kundschafter mit Geographen und alle mit Kartographen.
Wissen ist Macht: Bematisten und Mensores
Die Expedition Alexanders des Großen 336 bis 323 BC war auch ein Heereszug des Wissens, begleitet von Handwerkern, Technikern, Philosophen, Geographen, Bematisten, Ärzten usw. Wissen, das letztlich in der Bibliothek von Alexandria gesammelt wurde. Seine Route (Karte) führte über drei Kontinente, bis an den Nil in Afrika, bis zum Ferghana-Tal zwischen Tien-Schan und Pamir, bis zum Indus in Südasien.
Die griechischen Bematistes erkundeten neue Landschaften, vermaßen das Gelände und erstellten Wegekarten (Itinerarien). Sie waren Kundschafter und Boten, Vermesser und Schreiber sowie hervorragende Läufer.
McPhail, Cameron; Robert Hannah
The cartographers of the Taurus line.
The Bematists, Dicaearchus [=Dikaiarchos=Messenius, ca. 375/350 - 285] and Eratosthenes [um 275 - 194].
Geographia Antiqua. 20/21 (2011/2012) 163-177.
Beide waren Mathematiker; Dikaiarchos
Peripatetiker. Eratosthenes, dritter Vorsteher der Bibliothek zu Alexandria, ermittelte um 240 vor Christus den Umfang der (kugelförmigen) Erde mit etwa 1% Genauigkeit, indem er die Strecke Assuan - Alexandria mit Hilfe eines
Schattenstabes (Gnomon) und einer einer skalierten Halbkugelschale (Skaphe) vermaß, denn in Assuan (Wendekreis des Krebses) steht die Sonne um den 21. Juni senkrecht im Zenith und ein Gnomon wirft dorft keinen Schatten, zeitgleich in Alexandria jedoch sehr wohl. In der von Alexander gegründeten Bibliothek hinterlegte er seine Vermessungsaufzeichung; um 250 BC soll die Bibliothek über rund 400.000 Papyri verfügt haben. Jeder Schiffsführer, der dort anlegte, musste einen Periplus abliefern. Ziel war es, dort das gesamte geographische Wissen der Zeit zu zentrieren.
Berger, Ernst Hugo
Die geographischen Fragmente des Eratosthenes.
Neu gesammelt, geordnet und besprochen von Dr. H. Berger. VIII, 393 S., Leipzig, 1880
Literarisch verarbeitet wurden Eratosthenes' Leistungen von Schmidt, Arno in: Enthymesis oder W. I. E. H. In: Arno Schmidt: Leviathan. Rowohlt, Hamburg 1949, S. 77–116
Der konstruierte Raum
Raum zu konstruieren setzt Beobachtungen voraus, die der Erfahrung bedürfen und daraus folgend Hypothesen über Raumvorstellungen, die durch Messungen falsifiziert werden.
Anaximander (610–546 BC) war der Erste, der Erde, Welt und Kosmos in einen nicht-mythischen, sondern sachlich-räumlichen Zusammenhang stellte. Europa erscheint bei ihm erstmals als Einheit. Nach Cicero (106–43 BC) postulierte er als Erster die Kugelgestalt der Erde, siehe Weltbild.
Die gedachte Landschaft wird zur Karte mit neuen Merkmalen. Erst die geographisch gedachte Erde hat Pole, einen Äquator, Wendekreise, Breiten- und Längengrade, die man wandernd nicht in der Landschaft sehen kann. Den Raum mit der Zeit verbindend, lassen sie sich jedoch messen, etwa wenn die Sonne am Äquator senkrecht steht oder wenn mit einem Gnomon die Schattenlänge bestimmt wird.
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Breitengrade
Globus
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Längengrade
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Verteilen: Mein und Dein
Mit Ackerbau und Sesshaftigkeit ab dem im 8. Jahrtausend vor Christus wurden Wasser und fruchtbares Land zu begrenzten Ressourcen. Vom Raum des fruchtbaren Halbmonds zwischen Persischem Golf bis zum nördlichen Ägypten erfordert Ackerbau meist künstliche Bewässerung entlang der Flüsse. Dies erfordert ein hierarchisches Verteilen von wassernahem Ackerland, also Nahrung und damit Leben. Die Technik der Landvermessung und das Verteilen des Landes führte zur Macht über andere. Ausgeschlossen davon blieben die Beduinen.
In den sumerischen Stadtstaaten trugen Herrscher und Stadtgötter wie Bel-Marduk in Babylon Stab hattu und Seilring kippatu 4). Das Werkzeug des Feldmessers - Stab und Seil war Symbol der Macht und basierte auf speziellem Wissen.
Auf dem Abmessen und Zuteilen unerschlossener Landflächen (tap-tû-ú, taptû `Neubruchland´) 5) verweist der griechische Begriff τόπος topos `Fläche´, verwandt damit sind griechisches τοπάζω `hinzielen´ und τοπεῖον `Tau, Seil´.
In Ägypten verfügten die Harpedonapten 'Seilspanner' über Wissen und Technik. Die bekannte ägyptische Hieroglyphe ankh steht für die drei Konsonanten Ꜥ-n-ḫ 6) und erscheint in den Begriffen für Nahrung, lebensspendend, gesund 7) sowie für einen aufgerollten Seilring (um 2050–1650 BC) 8) Die ältesten Darstellungen des ankh-Zeichens finden sich zwischen dem 30. und 29. Jahrhundert BC in der ersten Dynastie; es wird ebenso getragen wie Stab und Seilring im Zweistromland.
Möglicherweise vom ägyptischen Symbol für ankh abgeleitet ist das berberische Symbol des tasagalt, das auch als Mittel zur Orientierung gedeutet wird.
Verweise
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| Vermesser | surveyor
land surveyor | géomètre
arpenteur | agrimensor
topógrafo | geometra
perito | landmeter |
Ausstellungen
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2011 Jenseits des Horizonts. Raum und Wissen in den Kulturen der Alten Welt«.
Ausstellung des Excellenzclusters 264 TOPOI - The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations - in Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, im Pergamon Museum Berlin, 22.06. bis 30.09.2012
Märtin, Ralf-Peter, Friederike Fless, Klaus Hallof, Stephan Johannes Seidlmayer, Roland Wittwer: Begleitband 176 S. Stuttgart 2012: Theiss.
Inhalt
1915 Die Deutsch-Englisch-Holländische Vermessungs-Luftschiff-Expedition nach Neu-Guinea.
Deutsche Vermessungs-Luftschiff-Ausstellung in San Francisco 1915.
Graetz, Paul: 28 S., Abb., Kt., Skizzen 8 [Beil.] 8 S. Berlin 1915: W. Süsserott.
[Nebst] Auszug aus dem Wirtschaftsplan der Deutschen Vermessungs-Luftschiff-Ausstellung in San Francisco 1915
Literatur
→ Navigation, Steuermann
Maravillas, Aguiar Aguilar
Los primeros instrumentos de navegación que viajaron a América
Mélanges de la Casa de Velázquez, 49-1 (2019) 223-244.
Online DOI
Brock, John F.
Art by Surveyors and Surveyors in Art.
S. 156–186 in: Proceedings of the 27th Association of Public Authority Surveyors Conference (APAS2024), Canberra, Australian Capital Territory, Australia, 18-20 March 2024
Online mit 55 Abbildungen das Vermessen betreffend von ägyptischer Zeit (Messeil und Stab: Fig 11, 12 um 1400 BC) bis heute.
Brock, John F.
INŌTADATAKA: The Japanese surveyor who walked 40 million steps to map Japan.
IMCoS Journal 183 (2025).
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Alexander V. Podossinov
Oben und unten. Begriffe der Raumorientierung in antiken Texten
Konstantin Boshnakov
The „Sacred Counsel“: On some features of the
Periegesis, Periodos, and their originators
Veronica Bucciantini
Misurazioni e distanze marittime nel
Periplo di
Nearco
Silvia Panichi
Dall’India all’Iberia: Artemidoro di Efeso misura l’ecumene
Anne Kolb
Die Erfassung und Vermessung der
Welt bei den Römern
Klaus Grewe
Streckenmessung im antiken Aquädukt- und
Straßenbau
Klaus Geus, Irina Tupikova
Anmerkungen zur Geschichte der Erdmessung im Altertum
Kai Brodersen
Vom
Periplus zur Karte. Die Leistung des
Gaius Iulius Solinus
Jan Stenger
Eusebios’ Erfassung des
Heiligen Landes.
Die Evidenz des Raumes im Onomastikon der biblischen Ortsnamen
Ulrich Huttner
Mit den Heiligen
unterwegs in Kleinasien. Distanzmessungen in hagiographischen Texten
Hazlett, Peter K.,
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Seeing like a colony the virginia land surveyor.
European Economic Review (2026): 105-274.
DOI
Koeman, C.
Landmeters in dienst van de V.O.C. in de Kaapkolonie.
Tijdschrift voor kadaster en landmeetkunde, 68 (1952) 93-99.
Perry, Micha J.
Jewish Land Surveyors in Eleventh-Century Catalonia and the Introduction of Arabic Science to Europe.
Speculum 100.4 (2025): 1024-1044.
Rossikopoulos, Dimitrios A.
The geodetic sciences in Byzantium.
S. 1-20 in: ders.: Measuring and Mapping the Earth (2015) zieht drei Quellen heran:
Περίπλους της έξω θαλάσσης; Periplus maris exteri
Σταδιοδρομικόν, ήτοι αναμέτρησις αποστάσεων από Βυζαντίου εις Κρήτην [Stadiodromikon …, von Porphyrogennētos]
Pryor, John H., E. M. Jeffreys
The Stadiodromikon of the De Cerimoniis of Constantine VII, Byzantine warships, and the Cretan expedition of 949.
S. 77-108 in: J. Chrysostomides, C. Dendrinos, J. Harris (Hg.): The Greek Islands and the Sea. Camberley: 2004.
Σταδιασμός, ήτοι περίπλους της μεγάλης θαλάσσης [Stadiasmos …]
Strick, Heinz Klaus
Vermessung der Erde.
S. 371-412 in: Verkannt, verfemt, vergessen. Geschichten aus der europäischen Mathematik der Neuzeit. Berlin, Heidelberg 2024: Springer.
DOI Thema sind die die großen geodätischen Expeditionen etwa ab dem Jahr 1736.
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