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wiki:heilige_orte

Heilige Orte

Heilige Orte (engl. holy ground, sacred spaces) sind solche, die dem Menschen Heil bringen, also Höhlen als Zufluchtsorte oder Quellen mit gutem Wasser oder Übergänge wie Furten oder Pässe, in jedem Fall gliedern sie den leeren Raum und werden so zu Zielen, → Raumvorstellungen.

Das Wissen über heilige Orte erzeugt Geschichten und Ortsnamen sowie Beschreibungen, wo diese Orte in der Landschaft liegen und auf welchen Wegen man dort hinkommt, also weitere Geschichten, die sich gut erzählen und erinnern lassen, früheste Reiseliteratur also und innere Karten.

Am Sonnenaufgang im Osten orientieren sich bis heute Religionen und Gotteshäuser; er gibt die erste Himmelsrichtung an, ist namensgebend für `Orientierung´ und Grundlage der Wegfindung. Der `Steinmann´ ist das älteste vom Menschen geschaffene Orientierungsmerkmal; der Wegzeiger soll das Verirren verhindern.

  • Baumriesen
  • Berge wie Donnersberg, Bussen oder Andechs
  • Felsformationen wie die Externsteine oder Meteora in Griechenland
  • Furten
  • Gipfel
  • Grotten wie in Lourdes
  • Höhlen
  • Inseln wie Helgoland
  • Monolithen wie der Ayers Rock in Australien
  • Oasen
  • Quellen
  • Seen

In erster Linie waren solche Orte nützlich für den Menschen, der sich in der Natur zurechtfinden musste. So gesehen dient die Achtung heiliger Orte insbesondere deren Schutz: Achtsamkeit und Wertschätzung erhalten die natürlichen Ressourcen.

Im nächsten Schritt erwuchsen daraus Kultstätten: die Quelle bekam ein Becken und darüber entstand das Nymphäum wie etwa in Olympia. Die Kultstätte wurde zur Pilgerstätte, Pilgerwege verbanden Kultstätten. So gibt es beipielsweise in Indien 100.000 bis 150.000 heilige Orte 1), davon rund 13.000 heilige Grotten. Das Wissen über heilige Orte bringt eine allererste Struktur in die Wildnis; die verbreitete Nutzung dieses Wissens erzeugt ein Wegenetz und eine innere Karte in der Vorstellung: ein Weltbild der Region, das die Orientierung und Wegfindung ermöglicht.

Drei Weltreligionen sind sich einig über die Lage des Heiligen Landes (hebräisch ארץ הקודש Éreẓ haQodeš, lateinisch Terra Sancta, griechisch Ἅγιοι Τόποι Hagioi Topoi, arabisch الأرض المقدسة, al-Arḍu l-Muqaddasa) mit dem Zentrum Jerusalem, der Stadt Abrahams.

Literatur

→ Verweise siehe Glaube unterwegs

  • Cusack, Carol M.
    The sacred tree
    Ancient and medieval manifestations.
    XVI, 200 S., Newcastle upon Tyne 2011: Cambridge Scholars Publ. Inhalt u.a.:
    • Pagan and Christian trees
    • Methodology: the meanings of sacred trees
    • Sacred trees in the ancient world: origins, oaks and oracles
    • Sacred trees in ancient and medieval Celtic sources: druids, kings and saints
    • Continental German sacred trees: the oak of Jupiter and the Irminsul
    • Anglo-Saxon sacred trees: Christianizing a pagan symbol
    • The sacred tree in medieval Scandinavia: judgment, law and fate
  • Christoph Engels
    1000 Heilige Orte. Lebensliste für eine spirituelle Weltreise.
    Tandem Verlag, Potsdam, 2010. 960 Seiten. ISBN 978-3-8331-5479-9.
  • Ernst, Peter
    Kult- und Opferplätze in Deutschland eine virtuelle Reise von der Steinzeit bis zum Mittelalter.
    Stuttgart 1999: Theiss. 1 CD-ROM + Begleitheft (36 S.)
  • Maria Giuseppina Meloni
    ‘Santi che viaggiano’. Mobilità e circolazione di culti religiosi nel Mediterraneo tra Medioevo ed Età Moderna.
    ‘Saints who travel’. Mobility and movement of religious cults in the Mediterranean between the Middle Ages and the Modern Age
    Rivista dell'Istituto di Storia dell'Europa Mediterranea RiMe, 1/I (2017), 201 S. Inhalt und online siehe DOI
    Sechs Beiträge (Ex nihilo Zero-Konferenz der European Academy of Religion, Bologna, 18.-22.06.2017) ) und drei Buchbesprechungen beschäftigen sich mit dem Mittelmeer als das Zentrum intensiver Bewegungen von Menschen, Gütern und Ideen, von Kulten und Reliquien. Eine hervorgehobene Rolle spielen Pisa und Sardinien für die Aufnahme neuer Kulte, als Exporteure von Reliquien und Andachten. Besonders betont werden die Nikolauskulte mit der Reliquientranslation von Myra nach Bari.
  • Ninck, M.
    Die Bedeutung des Wassers im Kult und Leben der Alten.
    Eine symbolgeschichtliche Untersuchung.
    190 S., Darmstadt 1960: Wiss. Buchgesellschaft. Zürich, Univ., Diss. 1919.
  • Oakes, Jill. 1998. Sacred lands: aboriginal world views, claims and conflicts.
    [Edmonton, Alberta, Canada]: Canadian Circumpolar Institute, University of Alberta. XV, 337 S.; Ill. Tagungsband: Proceedings of the International Sacred Lands Conference October 24-26, 1996 University of Manitoba
  • Stiftung Bibliothek Werner Oechslin (Einsiedeln)
    Heilige Landschaft, heilige Berge:
    Achter Internationaler Barocksommerkurs 2007, Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, Einsiedeln. 403 S. Zürich 2014: Gta Verlag. Akten des gleichnamigen Kongresses, 8. bis 12. Juli 2007.
  • Ray, R. Celeste
    Sacred waters
    A cross-cultural compendium of hallowed springs and holy wells.
    XVIII, 397 S. London; New York : Routledge/Taylor & Francis, 2020. Online
  • O'Brien, Joanne, Martin Palmer
    The atlas of religion.
    Berkeley 2007: University of California Press Online
1)
Malhotra, K C., Ghokhale, Y., Chatterjee, S. and Srivastava, S.
Cultural and Ecological Dimensions of Sacred Groves in India.
INSA: New Delhi 2001
wiki/heilige_orte.txt · Zuletzt geändert: 2024/06/29 07:41 von norbert

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