Begleiter & Gefährten
1619 empfiehlt Daniel Gruber 1):
»Comites sibi seligat certos, delectos, jucundos, vehiculi qui instar, aequalis scopi & studii, nec non certum numerum, qui Gratiarum compleat, Musarum non superet: ne multitudo molestum, paucitas infestum reddat iter.«
übersetzt von Schudt 2):
»Er möge zuverlässige, treue, fröhliche Kameraden wählen, die die gleichen Zwecke und Studien verfolgen; ihre Zahl soll die der Grazien erreichen [2–3], aber die der Musen [9 nach Hesiod] nicht übersteigen: die Menge soll die Reise nicht beschwerlich und die geringe Zahl sie nicht unsicher machen.«
Begleiter im engeren Sinne
So hab ich nun die Stadt verlassen,
Wo ich gelebet lange Zeit;
Ich ziehe rüstig meiner Straßen,
Es gibt mir niemand das Geleit.
Ludwig Uhland, 1787-1862: Abreise (Wanderlieder, 1811)
Ein Begleiter (engl. Fellow Traveler) unterstützt den Reisenden unterwegs im Zwischenraum. Schutzpatrone und Reisegötter sind spirituelle Begleiter, ein Psychopompos ist Begleiter bei Jenseitsreisen.
Gleichrangige, einander begleitende Reisende mit gemeinsamen Zielen werden im Deutschen bezeichnet als:
Weg(Reise-)
begleiter
Das Grundwort `leiten´ ist kein `führen´ im Sinne von Vorgehen sondern ein Mitgehen (geleiten) auf einem Weg, dabei jedoch in besonderer Weise miteinander verbunden, insbesondere wenn die Umstände unangenehm werden und eher mit 'leiden' verwandt. Bereits im
14. Jahrhundert verschmolzen ahd. bileiten, mhd. beleiten ‘führen, geleiten’ und mhd. nhd. geleiten zu 'begleiten', noch bei Luther heißt es 'geleiten'. 'Wegbegleiter' wurde seit je im übertragenen Sinn benutzt, insbesondere spirituell-religiös, aber auch die Verbundenheit mit anderen Menschen bezeichnend.
Weg(Reise-)
Gefährte <
Fahrt
Bedeutungsgleich damit ist der
Gefährte, eine mittelhochdeutsche Bildung 'ge-verte, in dem sowohl die
Fahrt als auch die
Gefahr sowie die
Fara mitschwingen, während 'Geselle' und 'Genosse' eine umfassendere Bedeutung haben, doch deutlich jünger sind.
3)
Reisegeselle
Bereits mittelhochdeutsch nachzuweisen.
Martin Zeiller
Fidus Achates, Oder Getreuer Reisegefert, welcher seinen Reisegesellen nicht allein zum Theil aber aus eigener Erfahrung zum Theil aber aus andern Schriften und Berichten … Zusambt Martini Zeilleri kurtzem Bedencken, wie etwan die Reisen insgemeine wol u. nützlich anzustellen seyn mögen
Auch 2 ausführl. Registern. 577 S. Ulm 1653: Wildeisen.
Reisegenosse
Ab dem 19. Jahrhundert.
zur weggenossenschaft gehören beide gaben,
nicht blos ein gleiches ziel, auch gleichen schritt zu haben.
Friedrich Rückert Werke 8, 272, zitiert nach
Grimm
Reisepartner
Der Begriff erscheint etwa ab 1970 zunehmend, während der 'Reisegenosse' bis 1980 nahezu verschwindet. (
DWDS)
Reisebekanntschaften
sind zufällig, flüchtig, vielversprechend, überstürzt, gefährlich …
Vischer, Friedrich Theodor
Auch einer: eine Reisebekanntschaft.
Deutsche Verlagsanstalt 1908. →
Tücke des Objekts
Mitreisende
Ein terminus technicus der jeden erfasst, der zufällig im selben Bus oder Abteil sitzt.
Kundige und dienende Begleiter
Begleiter im weiteren Sinne, die den Reisenden als Kundige mehr oder weniger dienend begleiten, also eine Funktion ausübten:
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Dark Companions, indigene Begleiter und Führer (Intermediaries, interpreter)
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Tutor
Wächter
Möglicherweise lassen sich diese Figuren differenzierter betrachten, indem ihre Funktionen im Verhältnis des Reisenden zu Gemeinschaft und Gesellschaft näher untersucht werden, siehe personale Systeme im soziotechnischen Handlungssystem.
Institutionen für unterwegs
Multifunktionale Institutionen, die durch Zusammschluss gebildet wurden, finden sich in germanischer Zeit (Fara) und im Mittelalter (Hansa), → Liste von Fernhandelsnetzwerken.
-
-
(Reise-)gesellschaft
Genossenschaft
Begriffe außerhalb des deutschsprachigen Raumes
Für die deutschen Begriffe finden sich kaum adäquate Übersetzungen in den anderen europäischen Sprachen (Begriffe für Führer und Träger siehe dort):
Antike und mittelalterliche Begriffe
Chirone (lat.) aus griech. Χείρων Cheírōn 'Hand'
Ein Kentaur und sagenhafter Erzieher zahlreicher
Heroen
Comes (lat.)
»viam qui nescit ad mare amnem sibi quærat comitem.« Plautius
Das lateinische comes 'mitkommen' hat denselben Sinn, dessen Bedeutung sich allerdings vielfach verschoben hat von Helfer > Beschützer > Beschatter > Begleitperson > Mann aus dem Gefolge > Geleitsmann > Paar > was man bei sich hat > Quälgeist und anderes, siehe bei:
Hessler, Wolfgang
Comes - „Begleiter/Graf“, Marginalien zu dem Artikel im Mittellateinischen Wörterbuch.
Archivum Latinitatis Medii Aevi, 39 (1973) 121−153.
DOI
Fidus Achates (lat.)
Der treue Achates, Gefährte des Aeneas bei Vergil.
λαός Laos (griech.)
Bietenhard führt die Bedeutung des griechischen Wortes λαός 'Leute' zurück auf „das (bewaffnete) Geleit, die Leibwache oder -garde des Herrschers, dann die Kriegerschar, Krieger, das Kriegsvolk, und schliesslich das Volk, die Leute“ und verknüpft dazu zahlreiche Belege der semitischen Sprachen.
'Geleit' entspringt danach einer Hierarchie, verbindet also beispielsweise Herrschaft und Dienerschaft.
Der konkrete Ursprung führt über 'umgeben, verbinden, zusammenschließen, versammeln' zurück auf 'winden', beispielhaft wird auf das Ranken einer Kletterpflanze verwiesen.
Bietenhard, Hans
Zur Etymologie des griechischen Wortes Λαός/Volk.
Museum Helveticum, 59.1 (2002) 1–11.
Online
-
Socius itinerarius (lat.)
Beim Augustinerorden der Weggefährte des führenden
litis procurator, da die Mönche bei offiziellen Sendungen zu zweit (
bini et bini) gehen mussten, dabei jedoch hintereinander
7)
Synodita
Literatur
Zu diesem Themenblock findet sich in der akademischen Literatur nur ein Schwarzes Loch.
Belletristisch werden die Begriffe Weg-/Reisegefährte zwar häufig verwendet, allerdings metaphorisch und selten auf konkretes Reisen bezogen.
Die Reiseführer des 19. Jahrhunderts verwendeten solche Begriffe gerne im Titel, etwa:
Ey, A.
Harzbuch oder Der Geleitsmann durch den Harz.
X, 501 S. Stahlstichtitel, gestoch. Frontispiz, Faltkarte grenzkolor., lithograp .Goslar 1855 (2.A.): Brückner.
Marston, J.E.
Des Hamburgischen Dampf-Boots Gefährte, bei Lustfahrten auf der Nieder-Elbe. Von dem Verfasser des Holsteinischen Touristen.
Hamburg 1834: Perthes und Besser. IV, 1 Bl., 256 S. lithogr. Frontispiz, 7 lithogr. Tafeln.
Schneider, K.
Der Reisegesellschafter durch Rügen.
Berlin 1823: Enslin. VIII, 246 S., 1 Bl. gefalt., grenzkolor. Kupferstichkarte, Musikbeilage.
Hartmut von Hentig
Fahrten und Gefährten
Reiseberichte aus einem halben Jahrhundert, 1936-1990.
München 2000: C. Hanser.
Balogh, Gyula
Der Reisegefährte: der Tod. Die Figur des Reisenden in Gyula Krúdys Roman „Der Reisegefährte “.
Hungarian Studies (2026): 044-2025.
Online