Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:tiere

Tiere

Je nach Reiseregion, insbesondere in Afrika, begegnen Reisende wilden Tieren. Das sind keine an Menschen gewohnten Zootiere, das ist kein Kuschelzoo und die warten auch nicht darauf, als Haustier aufgenommen zu werden. Den englischen Begriff game für Wild mit Spiel zu assoziieren, kann verhängnisvoll werden. Wilde Tiere reagieren mit Flucht oder Angriff, wenn die Fluchtaussichten schlecht sind. Wer sich nicht wehren kann, sollte wilden Tieren nicht zu nahe kommen. Stattdessen sind zahlreiche *Ammenmärchen (neudeutsch: fake news) über Tiere verbreitet, die zwar Grusel auslösen, aber nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Sicherheitsmaßnahmen gegen Tiere

Richtige Wildnis ist weniger gefährlich als Orte, die häufig von Menschen besucht werden und wo die Tiere ihre natürliche Distanz verloren haben, etwa durch Anfüttern in offenen Camps oder Rastplätzen in Naturparks.
Wilde Tiere haben eine natürliche Scheu gegen Menschen, also lassen sich Begegnungen vermeiden, wenn der Lagerplatz für das * bush camp die Aufenthaltsorte und Wege der Tiere meidet und für umherziehende Tiere offen sichtbar ist:

  • Er sollte nicht dort sein, wo sich Tierspuren oder Exkremente finden.
  • Pfade im Busch weisen auf Wildwechsel hin.
  • Eine kurz abgegraste Wiese an einem afrikanischen Fluss deutet auf nächtlichen Nilpferdbesuch hin.
  • Ein freier Zugang zu einem ansonsten bewachsenen Ufer wird eine Tränke sein.
  • Frisch verwüstete Sträucher und Bäume mit abgerissenen Ästen weisen auf Elefanten hin.
  • Bäche mit laichenden Lachsen sind auch für Bären attraktiv.

Die WHO empfiehlt als präventive Maßnahmen gegen Schlangenbisse:

  • Grasflächen meiden
  • kräftige Schuhe oder Stiefel tragen
  • alle Verkehrsflächen übersichtlich und sauber halten
  • Nahrungsmittel so sichern, dass keine Nagetiere angezogen werden
  • Betten erhöht, nicht ebenerdig
  • Moskitonetze rundum dicht unter die Matratze klemmen

Gefahren durch Tiere

Gefährliche Situationen entstehen, wenn der Mensch:

  • sich einem Jungtier nähert und erwachsene Tiere in der Nähe sind, die das Jungtier schützen;
  • als Nahrungskonkurrent erscheint, weil er sich zwischen Tier und und der Nahrung befindet;
  • die Flucht verhindert, weil er sich zwischen Tier und Zufluchtsort befindet, etwa zwischen einer Schlange und deren Loch;
  • die Fluchtdistanz unterschreitet, weil das Tier überrascht wird: im Dickicht, im Versteck, gegen die Windrichtung.

Der Mensch als Beute

Menschen passen nicht ins Beuteschema, also darf man bei Begegnungen nicht mit Beute verwechselt werden:

  • stehenbleiben, weil Beute wegläuft;
  • laut sprechen, weil Beute dies nicht macht;
  • größer erscheinen, weil große Beute sich stärker wehrt, also:
    die Arme heben, Gepäck tragen, als Gruppe eng zusammen stehen, sich ans Auto stellen usw
  • Kinder und kleine Menschen sind stärker gefährdet;
  • das Zelt verschließen, keine Körperteile aus dem Zelt oder Fenster strecken;
  • keine geruchsintensiven Lebensmittel mit sich führen.

Der Mensch als Agressor

Augenkontakt beeinflusst das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Räuberische Tiere wie Möwen oder Affen können durch intensiven Blickkontakt auf Distanz gehalten werden. Andererseits kann Blickkontakt aggressives Verhalten verstärken. Raubkatzen oder Hunde hält man auf Distanz, indem man sie zwar anschaut, den direkten Augenkontakt jedoch vermeidet.
Anschleichen senkt die Distanz, mindert die Fluchtmöglichkeiten und erhöht das Risiko eines Angriffs.
Auch das Zeigen auf Tiere wirkt agressiv: das Objektiv der Kamera als großes Auge, das sein Opfer fokussiert, ein Stock oder ein Gewehr.
Die meisten bedrohten Tiere warnen vor dem Angriff: Paviane zeigen die langen Eckzähne, Elefanten trompeten und stellen die Ohren auf, Hunde stellen die Nackenhaare auf, Schlangen zischen usw.

Habituation bei Tieren

Manche Tierarten sind jedoch besonders neugierig und werden insbesondere von Gerüchen angezogen: Affen, Elefanten, wilde Hunde, Hyänen, Ratten. Gezieltes Anlocken und Füttern oder die wiederholt erfolgreiche Nahrungssuche in der Umgebung des Menschen senken beim Tier die Fluchtdistanz und mindern den Fluchtreflex. Diese Form der Gewöhnung, also das erlernte Unterdrücken eines eigentlich natürlichen Verhaltens, wird Habituation genannt.

Der Mensch als Nahrungskonkurrent

Habituation führt zu Distanzarmut. Das Tier wird jedoch nicht weniger wild, nur weil es nicht wegläuft. Das führt zunächst zu Sachschäden durch das Tier (siehe * Problembär) etwa an Zelt oder Wagen oder zu frechen Diebstählen, die auf den ersten Blick lustig vielleicht noch lustig erscheinen. Durch Speichel oder Tierexkremente können jedoch Krankheiten wie Tollwut übertragen werden, siehe auch bushmeat.

Verwehrt der Mensch jedoch den Zugang zur Nahrung, wird er zum Nahrungskonkurrenten. Das kann zu Angriffen und damit zu Verletzungen führen. Vereinzelt können Raubtiere durch Habituation zum * man-eater werden.

»You feed them, we shoot them.«

Mindestens für Affen, Bären und Elefanten gilt, dass sie sich Nahrungsquellen merken und ihrem Nachwuchs dies beibringen. Wenn diese Tiere lernen, dass Nahrungsmittel in Camps, Rastplätzen, Autos, Zelten zu finden sind, suchen sie dort auch künftig. Je mehr Erfolg diese Methode hat, desto mehr geht die natürliche Futtersuche zurück. In den Naturparks werden solche Tiere von den Rangern erschossen; Schilder weisen darauf hin:
»You feed them, we shoot them.«

Ungewöhnliche Bezeichnungen, die besonders in Afrika häufig begegnen:


siehe auch: * Big Five, * Ugly Five, * Marsupilami

H. Hediger
Wildtiere in Gefangenschaft. Ein Grundriss der Tiergartenbiologie
Benno Schwabe Verlag Basel 1942

Chris & Mathilde Stuart
A Field Guide to the Tracks & Signs of Southern, Central & East African Wildlife
Penguin Books, ISBN 9781770073609

wiki/tiere.txt · Zuletzt geändert: 2020/04/21 10:16 (Externe Bearbeitung)