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Staaten

Das Völkerrecht weist einem Staat drei Elemente zu:

  • ein Staatsgebiet, definiert durch eine * Grenze.
  • ein Staatsvolk, definiert durch Zugehörigkeit.
  • eine Staatsgewalt, ausgeübt mittels Regierung, Behörden, staatliche Einrichtungen.

Wer herrschen will, muss fähig sein diese drei Elemente zu kontrollieren.
Wer sich durchsetzen kann, wird von denen anerkannt, die sich ebenfalls durchsetzen konnten.

Ranglisten von Staaten

Der bewertende Vergleich von Staaten in Indizes setzt erstens Wert-Kategorien voraus (Freiheit, Sicherheit, Wiirtschaftskraft, Glück), zweitens belastbare Daten als Grundlage. Wie aus messbaren Daten Werte berechnet werden können, ist umstritten wegen unterschiedlicher Annahmen über Ursachen und Wirkungen. Zudem gibt es die dazu nötige Transparenz bei einigen Staaten grundsätzlich nicht (Nordkorea), bei anderen ist sie nicht möglich (failed states), bei manchen auch nicht gewollt (autoritär geführte Staaten) und bei einigen auch nicht sinnvoll. Ob ein Staat jedoch unter den ersten 20 oder unter den letzten 20 zu finden ist, dürfte schon aussagekräftig sein.

Siehe auch: Die GO-Liste der Staaten

»Zustandsformen« von Staaten

Anerkannte Staaten & sustainable states

Das Recht auf Unabhängigkeit setzt im Friedensfall die gegenseitige Anerkennung zumindest benachbarter Staaten voraus; die UNO hat dieses System der gegenseitigen Anerkennung von 193 Staaten weltweit etabliert. Siehe dazu das viersprachige Länderverzeichnis mit allen Staaten und Gebieten.

Viele Staaten sind aus historischen, geografischen oder organisatorischen Gründen in Gliedstaaten unterteilt. Je nach System werden diese beispielsweise bezeichnet als

  • Provinz
  • Kanton
  • (Bundes-)Land
  • Föderationssubjekt
  • Autonomiegebiete

Als geografische Sonderfälle - die aber politisch anerkannt sind - weichen von diesem System ab:

Nicht allgemein anerkannte staatliche Gebilde

Einen Zwischenstatus haben Gebiete, die sich zwar selbst verwalten und ihre *Grenzen kontrollieren, die jedoch nicht allgemein von der Staatengemeinschaft anerkannt werden:

  • Abchasien
  • Arzach
  • Republik China (Taiwan)
  • Cookinseln
  • Kosovo
  • Niue
  • Palästina
  • Somaliland
  • Südossetien
  • Transnistrien
  • Türkische Republik Nordzypern
  • Westsahara

Die fehlende Anerkennung beruht in der Regel darauf, dass es Machtansprüche Dritter gibt, die bei Durchsetzung der Anerkennung zu Machtproben führen könnten, sprich: Boykott, Handelskrieg, Bürgerkrieg, Krieg.

Krisenländer

Da Machtinteressen volatil sind, verschiebt sich das so austarierte Gleichgewicht ständig und bedroht den Frieden. Das NRC veröffentlicht jährlich eine Liste der Länder mit den »vergessenen« Krisenländern, die weitgehend sich selbst überlassen bleiben. Als Kriterien gelten:

  • fehlender politischer Wille
  • fehlende mediale Aufmerksamkeit
  • fehlende wirtschaftliche Unterstützung

Das ist allerdings zu kurz gesprungen, denn die landesinternen Auseinandersetzungen zahlreicher Krisenländer werden durchaus politisch und wirtschaftlich unterstützt, nur eben nicht offen, sondern zum einen verdeckt und parteilich, zum anderen machtpolitisch oder unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen humanitärer Hilfe. Man spricht dann von »Stellvertreterkriegen«. 2019/2020 finden sich in der Liste:

  1. Kamerun
  2. DR Kongo
  3. Zentralafrikanische Republik
  4. Burundi
  5. Ukraine
  6. Venezuela
  7. Mali
  8. Libyen
  9. Äthiopien
  10. Palästina
  11. Burkina Faso
  12. Südsudan
  13. Nigeria

Das NRC erklärt jedoch auch, dass für China und Nordkorea keine Daten verfügbar seien, die eine Beurteilung erlaubten.


Der Spielfilm Hotel Ruanda (121 min, 2004, Regie Terry George) zeigt am Beispiel der wahren Geschichte von Paul Rusesabagina den Völkermord in Ruanda. 2021 wurde Paul Rusesabagina von Dubai nach Ruanda (vermutlich) entführt und dort angeklagt (Claudia Bröll: Vom „Hotel-Ruanda“-Helden zum Angeklagten FAZ 10.03.2021)

Failed states

Manche »Staaten« bleiben Jahre oder Jahrzehnte im Krisen- und Kriegsmodus. Dann spricht man von einem »gescheiterten Staat« (failed state). Der zerfallende Staat begünstigt regionale Akteure, die ihre eigene Ordnung aufbauen (Warlords, Mafia, Stammesfürsten, Clans). Das setzt eine Finanzierung voraus. Sofern solche Länder größere Rohstoffvorkommen haben, gibt es meist »unheilige Allianzen« zwischen Machthabern und ausländischen Investoren. Dieser »Rohstoff-Fluch« führt unter anderem dazu, dass die Landesbevölkerung zu mehr als 95% nicht gebraucht wird. Unterwegs begegnen dem Reisenden auf den Straßen Roadblocks, Zwangsabgaben, nicht uniformierte Bewaffnete; Recht und Gesetz sind außer Kraft gesetzt; Subsistenzwirtschaft überwiegt, also Selbstversorgung und Tauschhandel; übergeordnete Versorgungssysteme sind kaum vorhanden. Seit 2005 veröffentlicht die Zeitschrift Foreign Policy jährlich den Fragile States Index, der derzeit angeführt wird von

  • Südsudan
  • Somalia
  • Zentralafrikanische Republik
  • Jemen
  • Sudan
  • Syrien
  • Demokratische Republik Kongo
  • Tschad
  • Afghanistan
  • Irak
  • Haiti
  • Guinea
  • Nigeria
  • Simbabwe

Die dabei berücksichtigten Indikatoren umfassen auch solche, die für Reisende unmittelbar erlebbar sind, etwa:

  • Drogen
  • Kriminalitätsrate
  • innere Konflikte (Demonstrationen, Aufstände)
  • Arbeitslosigkeit
  • Slums
  • Flüchtlingslager
  • Zugang zu Trinkwasser
  • Gesundheitswesen
  • Stromversorgung
Marc Helsen
Road to Nowhere
Eine Reise in die vergessenen Länder der Welt
Die flämische Originalausgabe Op reis naar Nergens erschien 2006 bei Uitgevereij Lanoo nv, Tielt (Belgien).
Übersetzt von Bärbel Jänicke. Verlag Wolfgang Kunth München 2007. 
Hardcover, 14 x 21,5 cm, 432 Seiten. ISBN 987-3-89944-322-6
Marc Helsen bereiste zwölf Regionen, die als gefährlich gelten:
Elfenbeinküse, Nordkatanga im Kongo, Nord- Ugandas, Somalia, das Grenzgebiet Sudan-Tschad, Haiti,
Westkolumbien, Bergkarabach (Armenien), Inguschetien (Russland), 
das Bergland von Bangladesch und die Erdbebenregion Pakistans.

wiki/staaten.txt · Zuletzt geändert: 2021/05/21 09:25 von norbert