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wiki:zeitleiste_expeditionen

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Zeitleiste von Expeditionen

Sir Francis Drake war der Erste, der im Titel seines Berichtes mit dem Begriff der Expedition eine Unternehmung bezeichnete, die als Weltumsegelung durch etwas Neuartiges hervorstach. Im Grunde war dies jedoch eine höchst profitable Kaperfahrt, die zufällig zur Umsegelung der Erde führte, denn von solch einem Auftrag ist nichts bekannt, ebensowenig von einem Forschungs- oder Aufklärungsziel.

Unter Expeditionen werden hier solche Fahrten und Unternehmungen verstanden, die

  • in einem Auftrag stattfanden,
  • in einen unbekannten Raum führten;
  • zeitlich eher unbestimmt verliefen;
  • primär aufklärend (Erkundung, Erforschung), also nicht primär auf Handel, Plündern oder Eroberung zielend;
  • wesentlich auf Austausch und Zusammenarbeit angewiesen waren.

Russland 1720-1727: Hinterland-Expedition

Der deutsche Arzt Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685–1735) reiste 1720–1727 für Zar Peter I. nach West- und Zentralsibirien und brachte Sakralobjekte der Chanten und Mansen zurück sowie Sprachstudien. Bis Tobolsk begleitete er eine Gesandtschaft nach China. Von dort begleiteten ihn zwei Soldaten, vier Diener und drei schwedische Kriegsgefangene, darunter Philipp Johann von Strahlenberg, mit dem er eng zusammenarbeitete. Dies könnte die früheste Forschungsexpedition zu Lande gewesen sein.

  • Winter, Eduard, Figurovskij, Nikolaj Aleksandrovič (Hg.)
    Daniel Gottlieb Messerschmidt. Forschungsreise durch Sibirien. 1720–1727. Teil 1. Tagebuchaufzeichnungen. 1721–1722
    (=Quellen und Studien zur Geschichte Osteuropas, 8.1) Berlin 1962

Russland 1728–1730: Forschungsexpeditionen

  • 1728–1730 erreichte die Erste Kamtschatkaexpedition im Auftrag des russischen Zaren Peter I. Kamtschatka auf dem Landweg mit dem dänischen Marineoffizier Ivan Ivanovich (Vitus Ponesen) Bering (1681–1741) als Leiter. Dort baute die Expedition Schiffe und wurde maritim tätig. Neben den Leutnants Alexey Ilyich Chirikov und Martyn Petrovich Shpanberg sowie Peter Chaplin mit Seefahrern und Vermessern nahmen rund 60 Matrosen, Soldaten und Handwerker teil. 1)
  • Gottfried Wilhelm Leibniz initiierte die Zweite Kamtschatka-Expedition 1733, geleitet von Vitus Bering nach welchem die Beringstraße benannt ist. Bering und Georg-Wilhelm Steller überlebten die Expedition nicht. Der deutsche Historiker Gerhard Friedrich Müller, Johann Georg Gmelin und Johann Eberhard Fischer waren Teilnehmer der großen Kamtschatka-Expedition und werteten die Ergebnisse dieser elf Jahre aus. Die Zarin Katharina hielt die Ergebnisse geheim.

Ausstellungen: Expeditionen in den Norden

  • 1996 Monumenta Sibiriae: Quellen zur Geschichte.Sibiriens und Alaskas aus russischen Archiven.
  • 1999 Terra incognita Sibirien. Die Anfänge der wissenschaftlichen Erforschung Sibiriens unter Mitwirkung deutscher Wissenschaftler im 18. Jahrhundert.
  • 2003 Aus mythischen Zeiten 300 Jahre Schamanismus in Westsibirien
  • 2003 300 Jahre St. Petersburg. Russland und die „Göttingische Seele“.

Ausstellungen: Reisende von A bis Z

Literatur über Reisen durch Sibirien

Frankreich 1735: Vermessung

1735 beauftragte Ludwig XV. den Astronomen Louis Godin (17044–1760) als Leiter, Charles-Marie de La Condamine (1701–1774) Mathematiker und Astronomen, Pierre Bouguer (1698–1758) als Astronom, Geodät und Physiker sowie Joseph de Jussieu (1704–1779) als Arzt und Botaniker mit einer Expedition via Santo Domingo und Panama in die südamerikanischen Gebiete am Äquator. Später kamen die spanischen Offiziere Jorge Juan (1713–1773) als Mathematiker und Astronom und Antonio de Ulloa (1716–1795) als Mathematiker sowie Pedro Vicente Maldonado (1704–1748) als Kartograph und Universalgelehrter hinzu.

Spanien 1769–1770: Hinterland-Expedition

Die kalifornische Küste hatte 1602 Sebastián Vizcaíno kartographiert. Gaspar de Portolá (1716–1784), Gouverneur von Las Californias, plante und leitete die Portolá-Expedition 1769–1770 in das Innere des heutigen Kaliforniens. Sie diente der Erkundung und kartographischen Erfassung dieser Gebiete und damit zur Festlegung spanischer Gebietsansprüche. Die Expedition bestand aus drei Gruppen mit Schiffen und zwei Gruppen mit Maultieren zu Land, insgesamt mehr als 200 Menschen, Seeleute, Köche, Handwerker, Indianer als Dolmetscher, Franziskanermönche, Soldaten, aber auch der Kartograph und Zeichner Miguel Costansó und der 'surgeon' Pedro Prat. Ein Schiff ging bereits bei der Anreise unter; alle anderen Gruppen beklagten zahlreiche Todesfälle, nur wenige überlebten. Drei Tagebücher blieben erhalten. Die Franziskaner gründeten 21 Missionsstationen. Dies war wohl die erste spanische Hinterland-Expedition überhaupt.

  • Fernando Boneu Companys
    Gaspar de Portolá : explorer and founder of California
    Alan K. Brown (Übersetzer: Don Gaspar de Portolá. El noble militar leridano, descubridor y primer gobernador de California, Madrid, 1970) 404 S., 29 Tafeln. Lerida 1983: Instituto de Estudios Ilerdenses.
  • Costansó, Miguel
    An Historical Journal of the Expeditions: By Sea and Land, to the North of California; in 1768, 1769, and 1770; when Spanish Establishments Were First Made at San-Diego and Monte-Rey.
    Dalrymple, 1790.

Spanien 1789−1794: Malaspina-Expedition

Gebürtig in der Toskana, stand Alessandro Malaspina di Mulazzo (1754–1810) als Navigator in spanischen Diensten. Er leitete zusammen mit José de Bustamante y Guerra (1759-1825) die später nach ihm benannte Malaspina-Expedition mit den Fregatten Descubierta and Atrevida und dem geographischen Hauptziel, die amerikanischen Küsten von Patagonien bis Alaska zu erforschen. Speziell sollte auch der Hinweis auf eine Nordost-Passage überprüft werden, die der spanische Seefahrer Lorenzo Ferrer Maldonado (1557-1625) beschrieben hatte (Relación del descubrimiento del estrecho de Anián, 1588). Daraus wurde zudem eine Weltumsegelung. Politisch sollten die spanischen Überseegebiete durch umfassende Forschungsergebnisse gesichert werden. Sie war auch eine Gegenmaßnahme zur russischen Mulovsky-Expedition, die die Gebiete von Russisch-Amerika hätte erforschen und abgrenzen sollen, jedoch 1787 abgesagt wurde. Damit kennzeichnet diese Expedition auch den Übergang von Entdeckungsfahrten zu Forschungsexpeditionen. Sie wurde begleitet vom Botaniker Luis Née, dem Naturforscher Thaddäus Haenke (1790 bis 1793) und mehreren Expeditionsmalern (siehe dort 1789) unter José del Pozo. Alle Ergebnisse blieben in spanischen Archiven rund 200 Jahr unpubliziert. Mehr dazu siehe die Ausstellungen:

  • 1984 La expedición Malaspina 1789-1794 : viaje a América y Oceanía de las corbetas „Descubierta“ y „Atrevida“
  • 1987 La Spedizione Malaspina in America e Oceania, 1789-1794
  • 1989 La botánica en la expedición Malaspina 1789-1794
  • 1991 Enlightened Voyages: Malaspina and Galiano on the Northwest Coast, 1791-1792
  • 1992 Im Hafen der Enttäuschung: in Tropen und Treibeis - Die Malaspina-Expedition
  • 1993 To the south sea : the Malaspina expedition 1789-1794 : Australia - Nueva Zelanda, 1993-1994
  • 2010 España explora : Malaspina 2010 : cambio global y biodiversidad en el océano
  • Pedro de Novo y Colson (Hg.)
    Viaje político-científico alrededor del mundo por las corbetas Descubierta y Atrevida al mando de los capitanes de navío D. Alejandro Malaspina y Don José de Bustamante y Guerra desde 1789 á 1794
    publicado con una introducción por Pedro de Novo y Colson, teniente de navío, Académico correspondiente de la Real de la Historia. Segunda edición Madrid 1885: Imprenta de la Viuda é Hijos de Abienzo. Online
  • Donald C. Cutter
    Malaspina & Galiano: Spanish Voyages to the Northwest Coast, 1791 & 1792,
    University of Washington Press, 1991, ISBN 0-295-97105-3.
  • Andrés Galera Gómez
    Las corbetas del rey - el viaje alrededor del mundo de Alejandro Malaspina (1789-1794)
    Bilbao 2010: Fundación BBVA, ISBN 978-8-492-38469-3.
  • Sánchez Ramos, Valeriano; Viciana Martínez-Lage, Alfonso
    Un viaje al Ártico en el siglo XVI. Lorenzo Ferrer Maldonado y el Estrecho de Anián.
    Boletín de la Real Sociedad Geográfica, 160 (2023) 113-146
  • Nautica Digital mit einer Karte der Segelstrecken

Preußen 1798–1804: Humboldt

Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt (1769–1859) hatte mit Joachim Heinrich Campe einen Hauslehrer, der ein Experte für die Reiseliteratur seiner Zeit war und eigene Reisesammlungen veröffentlichte. Als Erbe eines großen Vermögens, plante, finanzierte und organisierte er seine Expeditionen selbst. Seine amerikanische Forschungsreise 1799–1804 unternahm er gleichwohl mit Aimé Jacques Alexandre Bonpland (1773–1858), sie zerfällt in

  • die Erkundung des Orinoco
  • die Reise von von Kuba via Kolumbien und Ecuador nach Peru und
  • die Fahrten in Mexiko

Dabei legte er rund 8.000 Kilometer in fünf Jahren zurück, war also sehr gemächlich unterwegs. 1829 bekam er sowohl die Gelegenheit als auch die Unterstützung des Zaren für eine Expedition durch Russland. In weniger als sechs Monatenwurden mehr als 18.000 Kilometer zurückgelegt.

Ausstellungen zu Humboldt, dort auch weitere Literatur:

  • 1959 Alexander von Humboldt und seine Zeit. 14.09.1769-06.05.1859
  • 1988 Alexander von Humboldt : Inspirador de una nueva ilustración de América. Artistas y científicos alemanes en Sudamérica y México.
  • 1993 Alejandro de Humboldt la naturaleza, idea y aventura
  • 1997 Auf den Spuren Alexander von Humboldts in Rußland: DAMU-Expeditionen in den Ural und den Altai.
  • 1999 Alexander von Humboldt. Netzwerke des Wissens.
  • 2003 Alejandro de Humboldt: una nueva visión del mundo: en conmemoración al bicentenario de la llegada de Humboldt a México
  • 2014 Les frères Humboldt, l'Europe de l'esprit.
  • 2019 Wilhelm und Alexander von Humboldt.
  • 2019 humboldt⁴: Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas.
    Adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts
  • 2019 Alexander von Humboldt
  • 2020 Alexander von Humboldt and the United States : art, nature and culture.
    • Eine Übersicht über Ausstellungen, die sich mit Humboldt beschäftigen, liefert Sandra Rebok S. 285–289 in : O. Ette (Hrsg.): Alexander von Humboldt–Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, J. B. Metzler Verlag, Stuttgart 2018.

→ Biographische Literatur zu Humboldt mit Bibliographien
→ Querbezüge zu Humboldt in Ausstellungsliste Expeditionen nach Amerika

1)
Lev Semyonovich Berg (1876–1950)
Открытие Камчатки и экспедиции Беринга 1725—1742. Часть I. Первая экспедиция Беринга к Берингову проливу (1725—1730), ]5]: Online
wiki/zeitleiste_expeditionen.1777314026.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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