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wiki:voelva

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wiki:voelva [2026/03/19 18:02] Norbert Lüdtkewiki:voelva [2026/03/19 18:14] (aktuell) – [Vǫlsi, der Pferdephallus] Norbert Lüdtke
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 ====== Völva ====== ====== Völva ======
  
-Die nordischen Völva oder Vala waren wandernde Seherinnen, die wegen ihrer außergewöhnlichen [[wiki:stock_stab#Der Stab bei den Germanen; Seiðr-Stab, Gandr|Stäbe]] als `[[wiki:stabtraeger|Stabträgerin]]´ bezeichnet wurden und bereits in der Antike über Europa hinaus bekannt waren.+Die nordischen Völva oder Vala waren wandernde Seherinnen, die wegen ihrer außergewöhnlichen [[wiki:stock_stab#Der Stab bei den Germanen; Seiðr-Stab, Gandr|Stäbe]] als `[[wiki:stabtraeger|Stabträgerin]]´ bezeichnet wurden und bereits in der Antike über Europa hinaus bekannt waren. Ihr Eisenstab verband sie mit dem [[wanderschmied|Schmied]], wie sie ein [[aussenseiter|Außenseiter]] in der [[wildnis|Wildnis]].
   * ''Sebastian Schaffner''\\ //Zu Wortbildung und Etymologie von altisländisch vǫlva ’Seherin, Prophetin’//.\\ S. 487-530 in: Rosemarie Lühr, Maria Kozianka, Susanne Zeilfelder (Hg.): Indogermanistik, Germanistik, Linguistik. Akten der Fachtagung der Indogermanischen Gesellschaft 18.-20.9. 2002 in Jena, Hamburg 2004    * ''Sebastian Schaffner''\\ //Zu Wortbildung und Etymologie von altisländisch vǫlva ’Seherin, Prophetin’//.\\ S. 487-530 in: Rosemarie Lühr, Maria Kozianka, Susanne Zeilfelder (Hg.): Indogermanistik, Germanistik, Linguistik. Akten der Fachtagung der Indogermanischen Gesellschaft 18.-20.9. 2002 in Jena, Hamburg 2004 
  
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 ===== Vǫlsi, der Pferdephallus ===== ===== Vǫlsi, der Pferdephallus =====
  
 +Das (!) Vǫlsi erscheint im übertragenen Sinne als `Bindeglied´ zwischen männlichem und weiblichem Prinzip, daher sächlich – es ist das Andere, das Dritte ((Merrill Kaplan)). Es verbindet die Seherin ''Vǫlva'' ((lateinisch Vulva, volva < volvo)) mit dem Schmied ''Vǫlundr''. Dieser ist der Vater von Sigmundr und Signy. Im //Beowulf// (l. 897) heißt Sigmunds Vater ''Wæls'', daher wird von seinen Nachfahren als den //Völsungen// oder Wälsungen gesprochen (Völsungasaga).
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 +//Völsi// ist auch Beiname Odins `Sohn der Pferdevulva´ und darüber vergleichbar mit dem russischen/slawischen Pferdegott //Volos//, dem walisischen //Waelsi//. Die Bezüge zwischen den Begriffen sind dunkel: vǫllr ‘Feld, Weide, Wiese...’, vǫlr `Stab´, griech phallos φαλλός, Wurzel ghla ((Die Geschichte des Völsi, in: Heusler, Andreas, 1903/1969; ''Düwel, Klaus'' 1971/1985)).
 Die sprachlichen Wurzeln führen zu //vǫlr// `Stab, Stange´, zum Adjektiv `rund´ und zu verschiedenen Tätigkeiten des kraftübertragenden Bewegens wie stoßen, rollen, spalten, drehen, winden, wälzen. Die sprachlichen Wurzeln führen zu //vǫlr// `Stab, Stange´, zum Adjektiv `rund´ und zu verschiedenen Tätigkeiten des kraftübertragenden Bewegens wie stoßen, rollen, spalten, drehen, winden, wälzen.
  
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   * ''Düwel, Klaus''\\ //Das Opferfest von Lade und die Geschichte vom Völsi//\\ Quellenkritische Untersuchungen zur germanischen Religionsgeschichte. Göttingen: Habilitationsschrift 1971; Wien 1985: K.M. Halosar.   * ''Düwel, Klaus''\\ //Das Opferfest von Lade und die Geschichte vom Völsi//\\ Quellenkritische Untersuchungen zur germanischen Religionsgeschichte. Göttingen: Habilitationsschrift 1971; Wien 1985: K.M. Halosar.
   * ''Düwel, Klaus''\\ //Völsi-Geschichten//\\ Utzverlag 2021, 978-3-8316-4926-6   * ''Düwel, Klaus''\\ //Völsi-Geschichten//\\ Utzverlag 2021, 978-3-8316-4926-6
 +  * ''Merrill Kaplan''\\ //The Paganesque and the Tale of Vǫlsi//\\ Cambridge 2024: D.S. Brewer.
   * ''Retsch, Christopher''\\ //Geflügelte Genitalien, Phallusbäume, kopulierende Paare.//\\ //Zur Motivik auf obszönsexuellen Tragezeichen.//\\ Winged genitalia, phallus trees and copulating couples. On the motifs of obscene-sexual badges.\\ S. 210–269 in: Tragezeichen. Social media des Mittelalters/Badges. Social Media of the middle Ages. Begleit- und Ausstellungsband zur Sonderausstellung Pin it! Social Media des Mittelalters von 2017. Lübeck 2020: Europäisches Hansemuseum.   * ''Retsch, Christopher''\\ //Geflügelte Genitalien, Phallusbäume, kopulierende Paare.//\\ //Zur Motivik auf obszönsexuellen Tragezeichen.//\\ Winged genitalia, phallus trees and copulating couples. On the motifs of obscene-sexual badges.\\ S. 210–269 in: Tragezeichen. Social media des Mittelalters/Badges. Social Media of the middle Ages. Begleit- und Ausstellungsband zur Sonderausstellung Pin it! Social Media des Mittelalters von 2017. Lübeck 2020: Europäisches Hansemuseum.
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-Das (!) Vǫlsi erscheint im übertragenen Sinne als `Bindeglied´ zwischen männlichem und weiblichem Prinzip, daher sächlich – es ist das Andere, das Dritte ((Heads and tales: Mímir, Völsi, and the pursuit of prophecy Merrill Kaplan )). Es verbindet die Seherin ''Vǫlva'' ((lateinisch Vulva, volva < volvo)) mit dem Schmied ''Vǫlundr''. Dieser ist der Vater von Sigmundr und Signy. Im //Beowulf// (l. 897) heißt Sigmunds Vater ''Wæls'', daher wird von seinen Nachfahren als den //Völsungen// oder Wälsungen gesprochen (Völsungasaga). 
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-//Völsi// ist auch Beiname Odins `Sohn der Pferdevulva´ und darüber vergleichbar mit dem russischen/slawischen Pferdegott //Volos//, dem walisischen //Waelsi//. Die Bezüge zwischen den Begriffen sind dunkel: vǫllr ‘Feld, Weide, Wiese...’, vǫlr `Stab´, griech phallos φαλλός, Wurzel ghla ((Die Geschichte des Völsi, in: Heusler, Andreas, 1903/1969; ''Düwel, Klaus'' 1971/1985)). 
  
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wiki/voelva.1773943347.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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