Wolfgang HelckDie Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien im 3. und 2. Jahrtausend v.Chr.
2. verbesserte Auflage 1971.
Heiliges Kap s. S. 126, 129
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Eine geographische Singularität an der Küste, meist auskragend, die durch ihre Formenvielfalt nicht eindeutig abgrenzbar ist zur Landspitze oder zur Halbinsel. Den Umständen ihrer Entstehung entsprechend werden Kaps in geologisch kurzen Zeiträumen stark verändert.
Die Bezeichnung Kap (abgeleitet aus lateinisch caput `Kopf, Spitze´ > franz. Cap, engl. Cape, span. Cabo) findet sich bedeutungsgleich im Arabischen Ras 1) und Hebräischen Rosh 2) sowie im Griechischen Kephalai Κεφαλαί 3) für dasselbe geographische Phänomen und ist sinnverwandt mit anderen Raumvorstellungen wie Topp, Ort und span./ital. Punta 'Spitze'.
Vom Land aus wird die Wahrnehmung auf einem Kap durch besondere Empfindungen erweitert:
Vom Meer aus gesehen ist ein Kap ebenfalls ambivalent, denn es
Die antiken Kapnamen bezeichnen ein Kap nüchtern nach Äußerlichkeiten, etwa nach der vorherrschenden Windrichtung (Kap Zephyrion Ζεφύριον), nach ihrer Form (Kap Drepanon Δρέπανον 'Sichel'), nach den Anwohnern (Kap Metagonion Μεταγώνιον). Im Lateinischen werden Kaps vielleicht erstmals mit einem kategorischen Begriff aus Sicht der Seeseite bezeichnet, promunturium/promonturium (engl. promontories, deutsch Vorgebirge, griech. akrōtḗrion).
Jean-Marie KowalskiNoth, MartinRobert WernerÜber alle Namensgebungen hinweg haftet einer Vielzahl dieser Kaps zwischen dem Nordpolarmeer (Swiatoi Noss) und dem Indischen Ozean die sekundäre und wahrscheinlich viel ältere Bezeichnung 'heilig' an 4)
Soares, R.
Die Küstenlinie Europas ist im Verhältnis zur Fläche des Kontinents deutlich länger als dies bei den anderen Kontinenten der Fall ist. Auch übersteigt die Anzahl der europäischen Kaps die aller anderen Kontinente. Die vielleicht umfangreichste Liste hat Karl Friedrich Vollrath Hoffmann: Die Erde und ihre Bewohner: ein Hand- und Lesebuch für alle Stände. 1833 S. 201-203 mit 65 Einträgen (vorbehaltlich einer exakten Definition):
Die Wahrnehmung der Küste aus der Sicht der antiken Küstenschifffahrt wurde bereits vielfach diskutiert mit insgesamt mageren Ergebnissen und vielen Vermutungen. Die Wahrnehmung der Küste vor Einsetzen der Küstenschifffahrt scheint allerdings noch nie untersucht worden zu sein.
Wolfgang HelckPaul-Marie de la CroixHomer nannte Ras el Abjad (weißes Vorgebirge) und das Kap Sounion an der Südspitze von Attika „heilig“. Gerd Grasshoff, Renate Burri, Klaus Geus, et al.: Klaudios Ptolemaios. Handbuch der Geographie. 1. Teilband: Einleitung und Buch 1-4 & 2. Teilband: Buch 5-8 und Indices 2017. Register mit 5 Heiligen Kaps: auf Korsika, des Helios (Ras Oman), in Lusitanien (Cabo de San Vicente), in Lykien (Yedi Burun), in Sarmatien (Dromos des Achill, westliches Kap); Der kleine Pauly 2006 nennt unter Promunturium das Promunturium Lacinium Kap an der Ostküste von Bruttium (= Capo Colonna) mit einem Hera-Heiligtum im Zusammenhang mit den Fahrten des Herakles und über den Kult der Iuno Lacinia verbunden mit dem Hirtenleben. Quellen z.B. Brockhaus 1895 Bd. 15 S. 533; weitere sind: Ras esch Schakka, Hiera Akra, Sagres, das römische Promontorium Sacrum, Cabo de San Vicente, Anas …