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wiki:bergfex

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 ====== Bergfex ====== ====== Bergfex ======
- +Die [[wiki:wahrnehmung|Wahrnehmung]] der Alpen als begehrenswerte [[wiki:landschaft|Landschaft]] (»Bergdrang«) und der Berge als sportlicher Herausforderung entstanden neu im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 19. Jahrhundert|19. Jahrhundert]] und zogen Menschen in die Berge, die man dort vorher nur als Durchreisende über die schrecklichen [[wiki:alpenpaesse|Alpenpässe]] gekannt hatte. Nun gab es Bergbewohner und [[wiki:tourist|Touristen]], Touristen und Bergfexe - beides mit anderer Bedeutung als heute.  
-Person, die gerne und oft klettert, in den Bergen wandert, sich gerne dort aufhält +  * **1874**: »Aus Jux nennt man Jeden ein' Fex, der etwas mit an Blödsinn gränzender Passion treibt, so gibt's ein' Musikfex, Pattifex, Münzenfex, Bergfex, der alle Sonntag in's Gebirg wandert, auch im größten Koth und Regenwetter.« ((Hans Jörgel von Gumpoldskirchen. Volksschrift im Wiener Dialekte 1874 S. 3)) 
- +  * **1878** heißt es in einem Vortrag vor dem //Österreichischen Touristen-Club//: //»das Bergsteigen ... wird von Vielen einfach als Bergfexerei verurtheilt. [das] Wort Fex, fast gleichbedeutend mit Narr ..., so bedeutet Fexerei ein närrisches Übereifern für irgendeine Sache, wenn sie auch an und für sich gut sein mag ... es wird immer der als Bergfex gebrandmarkt, der mehr thut und leistet, der höhere und schwierigere Punkte ersteigt als gerade der Urtheilende selbst, daher kommt es, dass der Eine etwas als unsinnige Bergfexerei bezeichnet, was dem Anderen noch ganz harmlos und durchaus vernünftig erscheint.«// ((//Über Bergfexerei.// Nach Überarbeitung eines von E. Fischer v. Röslerstamm im Österreichischen Touristen-Club gehaltenen Vortrags. in Neue deutsche Alpen-Zeitung. Organ für die gesammte Alpenkunde 1878 S. 64-66)) 
-Bergfex, ein volkstümliches Witzwort zur Verspottung moderner (namentlich extravaganter) Touristen, das seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts aus dem Tirolischen in die Schriftsprache eingegangen und sehr beliebt geworden ist. Vgl. Kluge, Etym. Wb. S. 111, und Sanders, Ergb. S. 199, der sowohl Bergfex als Bergfexerei aus dem Jahre 1880 belegt. Die parallele Bildung Alpenfex ist Hevesi ebenfalls ganz geläufig in s. Bunten Buch S. 31 und 298 (1886). 1892 ließ der oberbayrische Schriftsteller Dreyer eine eigene Gebirgsposse unter dem Titel: ›Bergfex‹ (Recl. 2944) erscheinen. Im gleichen Sinne wird auch das einfache Wort Fex = Narr von Rosegger gebraucht, Das ewige Licht (1897) S. 206 und 209: "Sie wollen sich nicht kümmern um die Fexen, sagen die Leute, und kümmern sich doch." +  * **1880**: »Die widerlichste Sorte aber ist der veritable »Bergfex«! Wenn die ersten Schwalben sich zeigen, wandert er schon hinaus, um wenigstens die »Schneerosen« zu plündern ... Wahre, echte, vernünftige Touristen werden solche Fexen nur bemitleiden und lebhaft wünschen, daß diese Bergfexerei bald einer vernünftigen Art und Weise der Touristik den Platz räumen möge ... Welche Alotria derlei „Gebirgslaufer“, „Bergbeißer“ und „Alpenfexen“ sonst noch treiben, das sei und bleibe verschwiegen, wir hatten es nur mit dem äußeren Menschen zu thun, wie ihn ,,Kikeriki“, „Floh", „Bombe“ und andere Witzblätter oft schon gezeichnet haben« ((''E. R.''\\ //Allerlei Touristen//\\ in: Der Tourist 12.1 (1880) 1-2)). 
- +  * ''Dreyer, Aloys'', ''J. Bill'' (Musik)\\ //Der Bergfex: Auf der Hohlnsteiner Alm ; Gebirgsposse in einem Aufzug.// 32 S. Leipzig 1880: Reclam. Soufflierbuch mit der vollständigen Regiebearbeitung. 
-''Ladendorf, Otto''\\ //Historisches Schlagwörterbuch: Ein Versuch.//\\ Strassburg und Berlin, 1906 +  * »Es wird gefragt werden, ob ich denn ganz und gar alles entschuldige und überhaupt jedes Bestehen einer Bergfexerei leugnen wolle? Es ist dies durchaus nicht meine Absicht; auch will ich durch diesen Vortrag keineswegs zur Ausführung von schwierigen Touren, am allerwenigsten aber zum Gehen ohne Führer aufmuntern, sondern der Zweck desselben ist nur der, darzuthun, dass man jemand in alleiniger Erwägung der Touren die er macht, noch nicht mit dem Namen »Bergfex« bezeichnen darf, sondern dass man vorerst noch beachten soll, warum und auch wie er sie macht. Ich leugne nicht, dass viele nur desshalb auf die Berge gehen oder sich hinaufziehen lassen, um eben oben gewesen zu sein, um sich nachher ihrer Leistungen brüsten zu können, ich stelle nicht in Abrede, dass es vielen nicht um den Naturgenuss zu thun ist, sondern nur um die Befriedigung ihrer Eitelkeit, — alle diese sind wirkliche Bergfexe. ... Und nun erlaube man noch einige Bemerkungen über das Unternehmen von Hochtouren ohne Führer, welches gewöhnlich für das non plus ultra von Bergfexerei erklärt wird ...« ((''August Böhm''\\ //Über die Berechtigung des Bergsports// Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, 11 (1880) 244)) 
- Fex m. ‘komischer Kerl, wer in etw. vernarrt ist, Sonderling’. Zunächst (bair. und öst., 18. Jh.) ‘geistig Zurückgebliebener, Trottel, Kretin’ (in Gebirgstälern), Bergfex. Daneben stehen Varianten wie Feix ‘einfältiger Kerl, Stubenhocker’, Hausfeix, -fux ‘Stubenhocker’ (17. Jh.) Fächs, Fex ‘Narr, Spaßvogel’, die sich verbinden lassen mit Fuchs2 ‘junger Student’ (s. d.) und feixen (s. d.). Anders zu verstehen ist dagegen -fex in Zusammensetzungen wie Narrifex m. ‘wer sich Narreteien hingibt’ (15. Jh.), Hexenfex m. ‘wer Hexerei betreibt’ (Goethe). Diese folgen Verbindungen mit lat. -fex im Sinne von ‘-macher’ (zu lat. facere ‘tun, machen’), das im Lat. zur Bildung von Nomina agentis dient, vgl. lat. artifex ‘Künstler’ (zu lat. ars ‘Kunst’), aedifex ‘Erbauer’ (zu lat. aedēs ‘Gebäude’), aurīfex ‘Goldschmied’ (zu lat. aurum ‘Gold’). In nhd. Fex fallen im Sinne von ‘überschwänglich Begeisterter, Geck, Narr’ beide Herkunftsstränge zusammen; -fex entwickelt sich dabei zu einem produktiven Kompositionssuffix, vgl. Gartenfex, Modefex, Sportfex u. dgl.  +  * **1882** »Ein junger Städter im eleganten Tirolerkostüm ist in der Sennhütte unter eine Gesellschaft Gebirgsbewohner gerathen. An der Ecke des Tisches sitzend blickt er mit verlegenem Ernst zu den links sitzenden beiden Mädchen, von denen die Blonde ihn mit neckischem Übermuth aufzieht, während die braune Gefährtin mit Mühe das Lachen verbirgt. Rechts sechs Holzfäller, die theils sitzend, theils stehend den Vorgang mit gutherzigem Spott belauschen.« ((Bez.: F. Defregger 1882. Leinwand h. 0,95, br. 1,35. Angekauft 1882. in: Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin 1885 S. 186 Nr. 500. FR. DEFREGGER. Der Salon-Tiroler (Bergfex) )) 
- +Der Fex ist bairisch und österreichisch eine Figur im Spektrum zwischen Sonderling, komischer Kerl, Trottel, Kretin, Narr, Spaßvogel.   
-Fex (früher auch Feix, Feux), Narr, schon im 16. Jahrh. als Narrifex vorkommend, jetzt in Zusammensetzungen, wie Bergfex, Musikfex, Ballettfex etc.; in Österreich Provinzialismus für Kretin. +---- 
-In Süddeutschland zunächst für Cretin; dann als verächtlicher Ausdruck, weil Abstufe von Knirps (nicht zu böse gemeint) bis zu Wechselbalg, welch letzteres seine eigentliche Bedeutung zu sein scheint. +  * ''Ladendorf, Otto''\\ //Historisches Schlagwörterbuch: Ein Versuch.//\\ Strassburg und Berlin, 1906: "Bergfex" 
- +  *  Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/d/wb-etymwb>. "Fex"
wiki/bergfex.1655640462.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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