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Der Wilde Mann

Menschen, die außerhalb der Gemeinschaft in der Wildnis - Wald, Busch oder Feld - leben, sind nicht geheuer und werden in der Vorstellung leicht zum Ungeheuer, zum Wilden Mann, den es seit dem Hochmittelalter in vielen Spachen gibt: engl. woodwose, frz. homme sauvage, it. uomo selvatico, span. hombre salvaje o ser de los bosques, port. Homem selvagem, bask. Gizon Basatia, slavisch Leshy, lešij, russ. леший oder Дикий человек usw. 1). Unveränderlich durch alle Zeiten bleibt der Wilde Mann ein stark behaarter Einzelner.

Der Wilde Mann als mythische Figur in der Antike

Die Figur des Wilden Mannes ist weit älter als der Begriff und findet seine Wurzeln in Göttern, Vegetationsgeistern, Halbgöttern, Heroen. Als psychologischer Archetyp steht er für den Menschen, der sich aus der Natur entfernt hat, indem er den Apfel der Erkenntnis aß. Dennoch bleibt er seiner Abstammung nach ein Tier. Diese archetypische Figur ist erschreckend und furchteinflößend, jedoch nicht feindlich gesinnt. Es ist vielmehr die Furcht vor der eigenen Wildheit, die angesprochen wird, weil der Mensch ursprünglich Teil der Wildnis war.

Dort wird er durch seine Nähe zur Natur, durch Kraft und Stärke auch zur beschützenden Figur, seine Attribute sind Bart und Haare, Keule und einfachste Bekleidung (z.B. Blätter, Fell):

  • Der von Haaren bedeckte Esau steht als Jäger seinem kahlen und kultivierten Bruder Jakob gegenüber (Gen 25,29-34; 27,31). Starke Behaarung steht einerseits für Wildheit und andererseits für Dominanz über wilde Tiere 2).
  • Der Enkidu des Gilgamesch-Epos (2./3. Jahrtausend BC in Mesopotamien) war völlig behaart und nur äußerlich menschenähnlich, lebte jedoch mit den Tieren, bis ihn die Tempeldienerin Schamchat sieben Tage und Nächte lang verführte. Dabei erwarb er Einsicht, Vernunft und Sprache, so dass ihn fortan die Tiere mieden.
  • Als Wilder Mann mit Keule werden dargestellt:
    die indischen Lokapala, die hethitischen Berggötter, der phönizische Melkarth, der assyrische Baal, der vedische Pushan, der griechische Herakles.
  • Der Vajrapāṇi `der einen vajra in der Hand hält´ beschützt Buddha und erscheint auch als alter, bärtiger, wilder Mann.
  • In der christlichen Überlieferung erinnern Christophorus mit dem Wurzelstock und Knecht Ruprecht mit der Rute an den Wilden Mann. Christophorus war ursprünglich hundeköpfig und wurde wegen seiner Sprachbegabung mit herausgestreckter Zunge dargestellt.
    • Groschner, Gabriele
      Seelenbegleiter und Jenseitsreisende.
      S. 168-191 in: Habersatter, Thomas ; Ducke, Astrid ; Groschner, Gabriele (Hrsgg.): Einmal Unterwelt und zurück. Die Erfindung des Jenseits; Ausstellung Residenzgalerie Salzburg, 21.7.–04.11.2012. Salzburg 2012. Christophorus als Kynokephale und Wilder Mann, Fußnote 83.
    • Siefker, Phyllis
      Santa Claus, last of the wild men
      The origins and evolution of Saint Nicholas, spanning 50.000 years.
      Jefferson, N.C. 1997: McFarland.

Den Zwischenraum außerhalb des befriedeten Raumes teilte der Wilde Mann mit mythischen Waldgeistern, die im Unterschied zum Wilden Mann jedoch Mischwesen sind wie der man-of-the-bush, Zwischenwesen wie ein Satyr mit Hörnern oder Bocksfüßen, über- oder unterirdisch hausend.

  • Hans Findeisen Das Tier als Gott, Dämon und Ahne, Kosmos Stuttgart 1956.

Der Wilde Mann als Friedloser und Ausgeworfener im Mittelalter

Als Waldgänger, Warger oder Vargr ist er ein Friedloser oder rumelant (homo qui per silvas vadit) 3), weil er nicht friedlich in und mit seiner Gemeinschaft leben kann, daraus verstoßen wurde und wieder zum Tier wird. Daraus begründet sich eine moralische Norm und ein Rechtsgrundsatz, der den Waldgänger als ehrlos, rechtlos und heimatlos kennzeichnet, einen Outlaw eben. Acht und Bann waren de jure keine Todesstrafe, liefen jedoch de facto darauf hinaus. Über viele Jahrhunderte bedeutete in Germanien zu siedeln mit der Großfamilie in einem einräumigen Langhaus mit Gesinde und Vieh zu leben. Wer dort ausgeschlossen wurde, fand keine neue Heimat in einer Welt, die kaum größere Dörfer und gar keine Städte kannte. Es blieb nur der Weg in den Wald. 4). Ursprünglich müssen diese Geächteten wohl Wolfsfelle getragen haben 5). Erst 1030 wurde ein Gesetz erlassen, das Waldgängern nach 20 Jahren in der Wildnis die Rückkehr in die Gemeinschaft erlaubte. 6)

  • Erler, A.
    Friedlosigkeit und Werwolfglaube.
    Paideuma 1.7 (1940) 303-317. Online

Strafrechtlich erwuchsen die Friedlosen aus dem germanischen Rechtsverständnis des Mittelalters. Dieses wurde bis ins 13. Jahrhundert zunehmend institutionalisiert durch Kirche (Bann) und Herrscher (Acht).

  • Hut, Gürtel, Schuhe sowie Waffen galten auch als Insignien mit Hinweis auf Rechte des Trägers. Die Strafen von Bann und Acht sahen daher vor, dass der Bestrafte diese Dinge ablegen musste.
  • Insignien der Ehrlosigkeit und Heimatlosigkeit waren stattdessen Stirnband, Kleidungsstücke aus Naturmaterialien wie Moos oder Fell, eine rohe Keule (Ast mit Rinde) sowie starke Körperbehaarung.
    • Siuts, Hinrich
      Bann und Acht und ihre Grundlagen im Totenglauben.
      (= Schriften zur Volksforschung, 1) XIII, 149 S. Bibliografie S. 145-149. Berlin 1959: de Gruyter.
    • Scheil, Elfriede
      Der Sinnzusammenhang zwischen wildem Mann und Totenschädel in Albrecht Dürers Paar mit Totenkopfwappen von 1503.
      Zeitschrift für Kunstgeschichte 73.3 (2010) 433–44. Online
    • Albrecht Dürer (1471-1528)
      Wappen mit dem Totenkopf
      Kupferstich 1503 online
    • Der Wilde Jäger auf seiner Unendlichen Fahrt ist zwar eine mythische Figur, dient jedoch als Paradigma für etwas, das dem Menschen widerfahren kann.

Der Wilde Mann als Einzelner im Mittelalter

Die wohl älteste Darstellungen eines Wilden Mannes finden sich im französischen Raum um das Jahr 1.000 7); die Wilde Frau (lamia, holzmoia vel wildaz wip) wird in den Mondseer Fragmenten (des 10. Jahrhunderts genannt. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bezeichnet sich ein geistlicher (!) Dichter selbst als Wilden Mann 8). Bis zum 14. Jahrhundert sind aus unheimlichen Kreaturen freundlichere Wesen geworden und erscheinen auf Spielkarten, Wandteppichen, Plastiken, Münzen und Wappen. Die Wilden Leute lassen sich auch deuten als Ausdruck einer Sozialkritik am städtischen Leben und Vision neuer Freiheiten 9).

  • Der Asket ist ein Einzelner in der Waldeinsamkeit, den spirituelle Beweggründe in die Wildnis treiben, weil die Heimatlosigkeit eine Voraussetzung seines Strebens ist. Asketen, Einsiedler und Wandermönche konfrontieren sich aus spirituellen Gründen mit dieser urwüchsigen Angst.
  • Der Waldläufer ist ein Einzelner, der in der Wildnis die Einsamkeit und die Nähe zur Natur sucht und die Menschen meidet.
  • Zapperi, Roberto
    Der wilde Mann von Teneriffa.
    Die wundersame Geschichte des Pedro Gonzalez und seiner Kinder.
    München 2004: C.H. Beck.
    In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts »Pedro Gonzalez«, ein kanarischer Guanche, an den französischen Hof König Heinrichs II. Durch einen genetischen Defekt (Hypertrichose) ist er am gesameten Körper blond behaart und vererbt dies auch seinen Nachkommen, die später in einem Dorf am See von Bolsena in Italien leben. Der Autor hat diese Geschichte bis ins 17. Jahrhundert recherchiert und stellt sie dar als Kulturgeschichte entlang der Grenze zur Wildnis, als Suche nach der Abgrenzung zwischen Mensch und Tier.
  • M A Katritzky
    A wonderfull monster borne in Germany’: hairy girls in medieval and early modern German book, court and performance culture.
    German Life and Letters, 67.4 (2014) 467–480.

Der Wilde Mann und die Wilde Frau wurden von der mythischen Figur zum Stereotyp von Außenseitern, die ein Leben Einzelner außerhalb der Gemeinschaft führten, also auch allgemeingültige Normen (Sitten, Gebräuche, Regeln) neu definierten: »homo agrestis corpore magnus et pilosus ut porcus« 10), von bäurischer Gestalt und behaart wie ein Schwein. Gegensätze zeigten sich in Natur/Kultur, Christentum/Heiden, befriedeter Bereich/Wildnis, Vertrautes/Fremdes, Heimat/Unterwegs-sein, Wildes/Zahmes, Trieb/Askese, bekleidet/nackt (→ Fahrende Händler), grob/fein usw.
Neu war jedoch, das sich die Bewertung dieser Gegensätze veränderte, dass ein Leben außerhalb nicht mehr nur ein Leben in Sünde und Verdammnis war, sondern als Lebensform mit neuen Möglichkeiten wahrgenommen wurde 11).

Der deutsche Prediger Johann Geiler von Kaysersberg (1445–1510) unterschied zwar fünf im Wald wohnende Menschentypen 12), jedoch wurden diese von ihm nicht als richtige Menschen angesehen, weil sie sich aus unterschiedlichen Gründen aus der Gemeinschaft gelöst hatten:

  • Solitari
    penitent saints, büßende Heilige; Eremiten mit der Möglichkeit und Fähigkeit, wieder in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden.
  • Sachanni
    rauhe Leute
  • Hyspani
    Bewohner der iberischen Halbinsel 13)
  • Pigineni
    (auch: Prechami in: Herzog Ernst) Kleinwüchsige behaarte wilde Wesen zwischen Mensch und Tier (Albertus Magnus), jedoch von letzteren durch ihre Vernunft unterschieden.
  • Diaboli
    Gottlose Wesen, sittenlos und lasterhaft wie Heiden und Ketzer, die das Böse repräsentieren.
  • Friedrich, Udo
    Menschentier und Tiermensch. Diskurse der Grenzziehung und Grenzüberschreitung im Mittelalter.
    Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2009. (Historische Semantik 5), s. auch 106
  • White, Hayden
    Forms of Wildness. The Archaeology of an Idea.
    S. 3–38 in: Edward Dudley & Maximillian Novak: The Wild Man Within: An image in Western Thought from the Renaissance to Romanticism. Pittsburgh 1972: University of Pittsburgh Press.

Dass wilde Leute aus dem Wald in die Städte kamen und dort blieben ist sicher, denn sprachübergreifend entstanden ab dem 13. Jahrhundert dementsprechende Bei- und Familiennanmen, die belegen, dass es ein Vorstellungsmuster 14) für diese Namenzuweisung gab:

  • Wild(e,er)mann im deutschsprachigen Raum
  • Sauvage in Frankreich
  • Selvaggi u.ä., Sevatici (Emilia, Veneto) „chi viveva e lavoraza nei boschi“, Silvani (que vive nei boschi), Silvéstri u.ä. (delle selve, dei boschi, incolto, rozzo) 15)
  • Woodwose (Woodiwiss, Wooddisse, Widdiwiss) in England, zuerst: 1251 Robert de Wudewuse 16)

Zusammenstellungen von Bild- und Textquellen

  • RDK Labor, dort auch
  • → Ausstellungen zur Wildnis
  • L. L. Möller
    Die wilden Leute in der deutschen Graphik des ausgehenden Mittelalters.
    Philobiblon 8, 1964, 260–272.
  • Tobias Gärtner
    Ein ungewöhnlicher Drachengriffel von der Burg Anhalt im Harz.
    Germania 98 (2020) 119–155. Online
    Die einzigartige Figur zeigt einen männlichen Reiter mit starker Körperbehaarung, der verkehrt herum auf einem (Löwen? Wolf? Hund?) sitzt. Für die Deutung als Wilder Mann werden umfassende Bild- und Textbelege aus der höfischen Literatur des 12./13. Jahrhunderts herangezogen und diskutiert, zudem auch zahlreiche Beispiele der figürlichen Bauplastik, Buchillustrationen und Bildteppiche.
  • Wilckens, Leonie von
    Das Mittelalter und die „Wilden Leute“.
    Münchner Jahrbuch der Bildenden Kunst / Hrsg. V. D. Staatlichen Kunstsammlungen U. D. Zentralinstitut Für Kunstgeschichte in München. 3. F. XLV (1995) 65-82. Mit einem Hinweis auf die Darstellung des Niemand als Wilden Mann.
  • Dürer, Albrecht
    Wappen des Johann Tscherte [= tschechisch `wilder Mann´].
    Holzschnitt um 1521

Waldmenschen

Waldmenschen wohnen und bewegen sich im Wald, weil sie ihren Lebensmittelpunkt mitsamt Familie an die Verhältnisse des Waldes angepasst haben. In waldgewerblichen Siedlungen finden sich: Bergleute, Flößer, Glasmacher, Harzer, Hirten, Holzhauer, Jäger, Köhler, Pech- und Pottaschsieder, Schindelmacher, Schmiede 17). Bildteppiche des 15. Jahrhunderts zeigen Waldbewohner, die friedlich im Wald wohnten, als Jäger und Bauern. »Itinerant craftsmen« verhütten Eisen, schlagen Holz, stellen Holzkohle her und folgen den Rohstoffvorkommen durch die Wildnis.

  • Die Oberharzer Bergbaustadt Wildemann führt ihre Gründung auf einen Wilden Mann zurück, der mit einer Wilden Frau in der Nähe eines Silbervorkommens lebte, das er erschlossen hatte.
  • Schäufelein, Hans Leonhard
    Wilder Mann und seine Familie.
    Holzschnitt 1545. Gedruckt von Hans Guldenmund zu Nürnberg.
  • Klag der wilden Holtzleüt, uber die ungetrewen Welt
    Nürnberg 1545. Holzschnitt von Hans Schäuffelein, der eine Familie mit zwei Kindern und einem Hund zeigt, mit 122 Versen von Hans Sachs: »ACH Gott wie ist verderbt all Welt/ Wie starck leyt die Untrew zu feldt …«
  • Der wilde Mensch und seine Familie.
    Holzschnitt von Hans Schäuffelein, 310 × 470 mm, mit Versen von Hans Sachs.
  • Die Kupferstichkarten mit den Wilden Leuten
    S. 349-364 in: Wörner, Ulrike: 2010. Die Dame im Spiel: Spielkarten als Indikatoren des Wandels von Geschlechterbildern und Geschlechterverhältnissen an der Schwelle zur Frühen Neuzeit. (=Diss. Univ. Regensburg, 2009. ) 458 S. Münster: Waxmann.
  • Der Eisenhans (vorher: Der Wilde Mann), Grimms Märchen Nr. 136, hat eine rostbraune Haut, kann Gold herstellen und unbesiegbare Waffen.
    • Leif Einarson
      Which came first – the smith or the shaman?
      Vǫlundarkviđa, craftspeople and central place complexes.
      in: Ney, Agneta. 2009. Á austrvega : Saga and East Scandinavia; preprint papers of the 14th International Saga Conference, Uppsala, 9th-15th August 2009. 1 1. Gävle: Gävle University Press, S. 221-228
    • Callmer, Johan
      North-European trading centres and the Early Medieval craftsman.
      Craftsmen at Åhus, north-eastern Scania, Sweden, ca. AD 750–850+.
      In: Central Places in the Migration and the Merovingian Periods: papers from the 52nd Sachsensymposium, Lund, August 2001. Acta archaeologica Lundensia 39. Uppåkrastudier 6. B. Hårdh, L. Larsson (Hg.) Stockholm 2002: Almqvist & Wiskell, S. 125–157
  • Künstlerisch verbreitet sich dagegen die Figur des friedlichen Wildemannes zunehmend bis zum 16. Jahrhundert in Volksbräuchen wie Fastnachtsumzügen, Maspenspielen oder Kartenspielen.
    • Pieter Bruegel der Ältere
      De wildeman 1566 18) Online
    • Israhel van Meckenem (der Jüngere) (1440-1503)
      Tier-Unter (Der Wilde Mann und der Bär) Online

Die Ambivalenz des Wilden Mannes zeigt sich auch im schillernden Begriff des Waldschrats, Waldschrecken, Waldspringers 19), er ist:

  • nach der Herkunft: Waldleute, Holzleute
  • nach dem Äußeren: Moosmännchen, -weibchen (lamia, holzmoia vel wildaz wip), zottiger Waldgeist > Struwwelpeter
  • nach dem Namen: `Schrat´ ist ungeklärt, möglicherweise `verkümmertes Geschöpf´, möglicherweise verwandt sind anord. skratti ‘Zauberer, Troll’, schwed. skratte ‘Kobold, Narr’ 20)
  • Dukova, U.
    Präsl. *čbrtb čërt, zloj duch / germ. *skrat-, lesnoj duch, čërt.
    Etimologija [Moskva] (1982) 61–63.
  • Der sagenhafte Schmied Wieland - Völundr ist der Archetyp des Wanderschmiedes und zeigt dessen besondere Stellung unter den »Itinerant craftsmen«; er ist über den Stab/Phallus völr mit den Seherinnen Völva verbunden.

Edle Wilde und Einfaches Leben

Parallel dazu entsteht der Edle Wilde als eine Figur des Entdeckungszeitalters ab dem 15. Jahrhundert, die zunächst dazu diente über den Blick von außen Gesellschaftsutopien zu formulieren, im 18. Jahrhunderts dann romantisierend das Rousseausche Zurück zur Natur verklärend. Im Englischen war der sauvage `Wilder´ ursprünglich synonym zu Wilder Mann und wildem Tier und wurde erst im sentimentalen 17. Jahrhundert zum nature's gentleman.

Die zeitgenössischen Fortsetzungen zeigt sich in Lebensformen wie dem Traum vom einfachen Leben, Frugalismus, Autarkie auf dem Land.

Literatur

  • Bartra, Roger
    Wild men in the looking glass
    The mythic origins of European otherness.
    Ann Arbor 1994: University of Michigan Press.
  • Bernheimer, Richard
    Wild Men in the Middle Ages.
    A study in art, sentiment and demonology.
    Cambridge 1952 : Harvard University Press DOI
  • Borchers, Carl
    Wilder Mann, Heckenmänner, Streckkatzenziehen.
    Eine Entdeckung uralten Brauchtums der Reichsbauernstadt in einem Schnitzfeld des Ratsherrnzimmers zu Goslar.
    8 S., [Goslar] 1935: [Geschichts- und Heimatschutzverein Goslar].
  • Dieckhoff, Reiner
    Der „Wilde Mann“ im Schnütgen-Museum.
    Bulletin. Im Auftr. des Generaldirektors der Museen der Stadt Köln 1978
  • Dudley, E., Novak, M.E. (Hg.)
    The Wild Man Within: An Image in Western Thought from the Renaissance to Romanticism.
    XI, 333 S. Pittsburgh: University of Pittsburgh Press, 1972.
  • Fréger, Charles
    Wilder Mann ou La figure du sauvage.
    Londres : Thames & Hudson, 2016
  • Janine Gunzinam
    Wilde Leute in der mittelhochdeutschen Literatur.
    Diplomarbeit Mag. Phil. Bei Christa Tuczay 106 S. Wien 2019 DOI: 10.25365/thesis.56934
  • Giese, Wilhelm
    Zum „wilden Mann“ in Frankreich.
    Zeitschrift für französische Sprache und Literatur 56.7-8 (1932) 491–97. Online.
  • Husband, Timothy; Gloria Gilmore-House
    The Wild Man. Medieval Myth and Symbolism.
    XI, 220 S. New York: The Metropolitan Museum of Art 1980. Online
  • Katritzky, M. A.
    Literary Anthropologies and Pedro González, the Wild Man of Tenerife.
    In: Medical Cultures of the Early Modern Spanish Empire 2014, S. 107-128. DOI Online
  • Kofler, Walter (Hg.)
    Ortnit und Wolfdietrich A.
    192 S. Stuttgart: Hirzel 2009.
  • Werner Lynge
    Das Sommer- und Winter-Spiel und die Gestalt des Wilden Mannes.
    Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 55 (1952) 14-42.
    Mit Hinweisen auf den Genius Cucullatus.
  • Mobley, Gregory
    The Wild Man in the Bible and the Ancient near East.
    Journal of Biblical Literature 116.2 (22/1997) 217. DOI
  • Müller, Ulrich, Werner Wunderlich (Hg.)
    672 S. Konstanz München 1999/2015: UVK. Inhalt u.a. :
    • John L. Flood
      Die Wilde Jagd
    • Christa Habiger-Tuczay
      Wilde Frau
    • Ernst Ralf Hintz (Hayes)
      Der Wilde Mann Ein Mythos vom Andersartigen.
  • Mulertt, Werner
    Der „wilde Mann„ in Frankreich.
    Zeitschrift für französische Sprache und Literatur 56.1-2 (1932) 69-88.
  • Nash, Richard
    Wild enlightenment: the borders of human identity in the eighteenth century.
    Charlottesville; X, 216 S. London: University of Virginia Press, 2016
  • Th. Nolte
    ,Wilde und zam‘. Wildnis und Wildheit in der deutschen Literatur des Hochmittelalters.
    In: H.-P. Ecker (Hrsg.), Methodisch reflektiertes Interpretieren. Festschrift Hartmut Laufhütte (Passau 1997) 39–60.
  • Rachewiltz, Siegfried de
    Und finden sich noch täglich in Tirol dergleichen Sachen
    Von Waldleuten und Wilden Männern.
    S. 253-278 in: Leo Andergassen et al.: Artus auf Runkelstein. Stiftung Bozner Schlösser 2014.
  • Spamer, Adolf
    Die wilden Leute in Sage und Bild.
    Bericht über der Vortrag am 18. April 1911. München: Volkskunst und Volkskunde 9 (1911) 117-123
  • Spielmann, Heinz
    Der wilde Mann: eine mythologische Figur des Mittelalters.
    Kunst und das Schöne Heim. 1964, 204-207.
  • Stock, Lorraine Kochanske
    The Medieval Wild Man.
    256 S. New York 2008: Palgrave Macmillan
1)
siehe die Namensvielfalt im nördlichen Italien bei https://it.wikipedia.org/wiki/Uomo_selvatico#NomiWikipedia
2)
Mathias Winkler: Haare/Haartracht in: Bibellexikon
3)
Grimm: Rechtsaltertümer 2. Ausg. S. 733
4)
Oliver Berggötz: Rezension in: H-Soz-Kult 08.08.2022 zu: Steuer, Heiko: „Germanen“ aus Sicht der Archäologie. Neue Thesen zu einem alten Thema. Berlin 2021
5)
Wolf hoc est expulsus de eodem pagus; vargus esto, vargus habeatur; Wolfshaupt: quod anglice wulfes heved dicitur; ex tunc enim (uthlagati) gerunt caput lupinum …
6)
Grimm: Rechtsaltertümer. Leipzig 1922, Bd. 2, 335
7)
John Tchalenko
Earliest wild-man sculptures in France.
Journal Medieval Hist. 16 (1990) 217–234 DOI
8)
Larissa Schuler-Lang
Wildes Erzählen – Erzählen vom Wilden. „Parzival“, „Busant“ und „Wolfdietrich D“.
(=Literatur, Theorie, Geschichte, 7) Berlin 2014: De Gruyter. DOI S. 49-50
9)
Luciana Villas Bôas
Os selvagens de Nuremberg e o seu lamento pela imprensa de 1545. Letras, Santa Maria, 24.49 (2014) 131-151. DOI. Zum Holzschnitt von Hans Schäufelein und dem zugehörigen Gedicht von Hans Sachs
10)
Zingerle von Summersberg, Oswald
Die Quellen zum „Alexander“ des Rudolf von Ems.
Im Anhange: Die „Historia de preliis“. Breslau 1885: W. Koebner. Nachdruck Hildesheim 1977: Olms. S. 237, 104.15
11)
Yamamoto, Dorothy
The Boundaries of the Human in Medieval English Literature.
Oxford 2000. S. 150-151.
NN: The Wild Men of the Pyrenees. Perennialpyrenees January 16, 2018. Online
12)
Geiler von Kaysersberg, Johannes
Die Emeis
[ dis ist das Buch von der Omeissen, unnd auch Her der Künnig ich diente gern und sagen von Eigentschafft der Omeissen und gibt Underweisung von den Unholden und Hexen und von Gespenst der Geist unnd von dem wütenden Heer wunderbarlich und nützlich zuwissen,… ]
S. XL Straßburg : Grüninger, 1516 Online
13)
1494 teilt Papst Alexander VI. im Vertrag von Tordesillas die Welt zwischen Spanien und Portugal auf.
14)
wildemann, Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, digitalisierte Fassung im Wörterbuchnetz des Trier Center for Digital Humanities, Version 01/21, abgerufen am 18.08.2022
15)
Alinei, Mario: Dizionario etimologico-semantico dei cognomi italiani. Varazze (Savona) 2017: PM.
16)
Reaney, Percy Hide, Richard Middlewood Wilson. A dictionary of British surnames. London 1979: Routledge & Paul.
17)
Schwarz, Gabriele, Erich Obst, Josef Schmithüsen: Die ländlichen Siedlungen, die zwischen Land und Stadt stehenden Siedlungen.
481, XLIII S. Berlin 1989: De Gruyter. S. 313 ff. zu waldgewerblichen Siedlungen in vorindustrieller Zeit.
Lamprecht, Karl
Deutsches Wirtschaftsleben im Mittelalter.
Untersuchungen über die Entwicklung der materiellen Kultur des platten Landes auf Grund der Quellen zunächst des Mosellandes.
3 Bde. Leipzig 1886: Dürr. Zu den wilden luden s. S. 1154, Fussnote 6. Online: 1 und 2.
Jockenhövel, Albrecht
Bergbau, Verhüttung und Waldnutzung im Mittelalter: Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.
Ergebnisse eines internationalen workshops (Dillenburg, 11.-15. Mai 1994, Wirtschaftshistorisches Museum „Villa Grün“).
(=Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte, 121) 298 S. Stuttgart 1996: F. Steiner. Inhalt.
Leppin, Georg
Von Heidereitern, Waldfrauen und Zapfenpflückern historische Wald- und Holzberufe im Wandel der Zeit.
Potsdam Landesbetrieb Forst Brandenburg Berlin 2014: Bäßler Inhalt mit etwa 36 Berufsfeldern.
18)
The Metropolitan Museum of Art, Holzschnitt 41 cm x 27.4 cm
19)
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
20)
„Schrat“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Schrat>, abgerufen am 15.08.2022
wiki/wilde_mann.txt · Zuletzt geändert: 2022/08/20 15:49 von norbert

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