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wiki:man_of_the_bush

Man of the Bush

Menschen, die außerhalb der Gemeinschaft im Wald, Busch oder Feld leben, sind nicht geheuer und werden in der Vorstellung leicht zum Ungeheuer, zum Wilden Mann (engl. woodwose, frz. homme sauvage, it. uomo selvatico, slavisch Leshy), der als Wilder Jäger seine Unendliche Fahrt treibt, als Outlaw aus der menschlichen Gemeinschaft verstoßen ist oder bestenfalls als Waldläufer die Menschen meidet.

Das Griechische bezeichnet mit hylobátēs ὑλη-βάτης 1) denjenigen, der durch den Wald streift, meint damit aber keinen normalen Menschen sondern Pan, einen Halbgott mit Hörnern und einem Ziegenhuf als Fuß. liminal deities weisen häufig ähnliche Eigenschaften auf, sie sind vertraut mit dem Wald und den Bergen, mit dem Wetter, Blitz und Donner. Der Mensch, der sich aus der Natur entfernt hat, indem er den Apfel der Erkenntnis aß, bleibt seiner Abstammung nach ein Tier: Hans Findeisen Das Tier als Gott, Dämon und Ahne, Kosmos Stuttgart 1956.

Weltweit werden immer wieder menschenähnliche Wesen (Hominoiden: halb Mensch, halb Tier) in der Wildnis gesichtet; solche Erzählungen gelangen seit Jahrtausenden in Mythen und Märchen. Solchen Wesen - immer scheu, manchmal hilfreich, manchmal strafend wie Trickster - wurden zumindest übermenschliche Fähigkeiten zugeschrieben, sie galten als Schutzgottheit oder Dämon (liminal deities) und können der »Kryptozoologie« zugewiesen werden, Linnaeus nannte ihn Homo nocturnus:

  • Enkidu im 2./3. Jahrtausend BC in Mesopotamien
    Enkidu war ursprünglich nur äußerlich menschenähnlich, lebte jedoch mit den Tieren, bis ihn die Tempeldienerin Schamchat sieben Tage und Nächte lang verführte. Dabei erwarb er Einsicht, Vernunft und Sprache, so dass ihn fortan die Tiere mieden.
  • Satyr, σάτυρος, sátyros (satiri vel pilosi, waltscherekken) als Oberbegriff; eine Ableitung von θηρίον (thēríon) `wildes Tier´ erscheint möglich.
    • Silēnós Σειληνός, σιληνοί griechische Waldgeister, ältere Satyren mit Bart und Glatze
    • Pan, ein ziegenbeiniger Satyr
  • Silvanus, der römische Gott der Wälder
  • Faunus, altitalischer Waldgott, und die Göttin Fauna, ursprünglich Beschützer von Hirten & Vieh, Bauern und Ackerland, später römischer Walddämon (fauni, silvestres homines, waltscrechel). Als `Wolfsabwehrer´ (Lupercus) wurde er an eigenen Festtagen (Lupercalien ) gefeiert. Sein Name kann abgeleitet werden von PIE *dhau-no- `würgen, drücken, pressen´ 2), einem Beinamen des Wolfes und dann bedeutungsgleich mit vargr. Eine Verwandtschaft mit dem indischen Rudra erscheint möglich 3).
    • Schmidt, Arno
      Aus dem Leben eines Fauns
      Kurzroman. Frankfurt a.M. 1997: Fischer
  • Waldschrat, Waldschrecken, Waldspringer 4)
  • Vargr in Skandinavien
  • Rübezahl im Riesengebirge, tschechisch Krakonoš `Kieferträger´, polnisch Liczyrzepa `Rübenzähler´
    • Moritz von Schwind
      Rübezahl 1846/51
      Öl auf Malkarton, 53,2×28,4 cm Wallraf-Richartz-Museum Köln
  • Ochopintre ოჩოპინტრე (=Bochi) in Georgien, eine Ziegen-Mensch-Gestalt (man-he-goat), das mit den Dionysien verbunden wird 5)
  • Abanauyu, der Waldmann im Südosten Russlands
  • Snezhnyy Chevolek Снежный человек `Schneemann´
  • Bianbanguli in Aserbaidschan
  • Almas im Osten Russlands
  • Kiik-Adam im Kasachischen
  • Dev im Pamir
  • Yeti (Yeh-teh) in Bhutan, Himalaja
  • Rakshi-Bompo, Bang(jakri), Ban Vanas, Van Manas in Nepal, Himalaja
  • Nuk-luk oder nook-luck in Kanada und Alaska, auch `Hidebehind´
  • Bigfoot in Nordamerika, auch `Gigantopithecus blacki´
  • Sasquatch in Kanada
  • Yowie in Australien

  • Christian Rätsch, Heinz J. Probst
    Namaste Yeti
    Sei gegrüßt, Wilder Mann!
    Knaur TB München 1985, 430 S.
    Eine fröhliche Wissenschaft, jedoch ernsthaft betrieben rund um die Geschichten über Wilde Männer und Wilde Frauen von Adam bis zum letzten Neandertaler.
    Mit einem Glossar aller Namensformen (22 S.) und einer Bibliographie (16 S.), einer Comicographie, Discographie und Filmographie
  • Sykes BC, Mullis RA, Hagenmuller C, Melton TW, Sartori M.
    Genetic analysis of hair samples attributed to yeti, bigfoot and other anomalous primates.
    Proc Biol Sci. 2014 Aug 22;281(1789):20140161. doi: 10.1098/rspb.2014.0161. Erratum in: Proc Biol Sci. 2015 Jun 7;282(1808):20150892. PMID: 24990672; PMCID: PMC4100498.
  • West, Martin Litchfield
    Indo-European Poetry and Myth
    Oxford University Press 2007, ISBN 978-0-19-928075-9
1)
Wilhelm Pape
Handwörterbuch der griechischen Sprache.
Braunschweig 1914, Band 2, S. 1177.
2)
Briquel, Dominique
Le problème des Dauniens.
Mélanges de l'école française de Rome. 86 (1) (1974): 7–40. doi:10.3406/mefr.1974.962
3)
Nečas Hraste, D. Vuković, K.
Rudra-Shiva and Silvanus-Faunus: Savage and Propitious.
The Journal of Indo-European Studies 39.1&2 (2011): 100–15
4)
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
5)
Gamqreliże, Gela
Researches in Iberia-colchology
(History and Archaeology of Ancient Georgia).
Tbilisi : Georgian National Museum, 2012, S. 102-104.
Gamqreliże, Gela
From Colchian mythology: Ochopintre - a Pan-type god.
Tʻbilisi 1990: [Sakʻartʻvelos SSR mecʻn. akademiis stamba].
wiki/man_of_the_bush.txt · Zuletzt geändert: 2021/08/30 08:34 von norbert