Peregrinus

Ursprünglich bezeichnete Peregrinus im Lateinischen den Feind und die rechtliche Beziehung zu ihm. Diese Bedeutung schwächte sich schon in der Antike ab, so dass peregrinus die nach Rom reisenden Fremden bezeichnete, behielt aber die Nebenbedeutung `feindlich´: `Reisender Fremdling´ peregrinus, hospes, exterus.

Ähnlich ambivalent bezeichnete das griechische `hostis´ sowohl den Gast als auch den Feind.
Neutraler war der Begriff advena `Ankömmling´.
Erst im Hochmittelalter wurde der Begriff auf Pilger verengt, denn die Antike kennt keinen speziellen Pilgerbegriff. Mit dieser neuen Vorstellung unterschied sich der Pilger vom Fremden, denn der Pilger war kein Ankömmling, sondern ein Gehender - niemand, der blieb 1).

Die zugrundeliegende Tätigkeit hieß peregrinatio und stand als Reise-Zustand im Bedeutungszusammenhang mit Heimatlosigkeit, ziellosem Reisen, Peregrinomanie, Exil und Bußwallfahrt 2). Im Christentum bezeichnet peregrinatio propter Deum die Aussendung der Anhänger des Glaubens in die Welt. Beispielhaft dafür stehen insbesondere die irischen Wandermönche 3).

In diesem Sinne ging der Begriff ins Englische (peregrinate) und Deutsche (peregrinieren) über, blieb aber selten und ist veraltet.

griechisch lateinisch deutsch
xenos peregrinus fremd
Synonym ptochos pauperus arm
1)
Kortüm, Hans-Henning
Advena sum apud te et peregrinus. Fremdheit als Strukturelement mittelalterlicher conditio humana.
S. 115-135 in: Bihrer, Andreas; Sven Limbeck; Paul G. Schmidt (Hg.): Exil, Fremdheit und Ausgrenzung im Mittelalter und früher Neuzeit. Würzburg 2000: Ergon
2)
Johannes Schmitz
Sühnewallfahrten im Mittelalter
Diss. Bonn 1910, Seite 7
3)
Heinz Löwe (Hrsg.)
Die Iren und Europa im früheren Mittelalter , Stuttgart 1982, darin:
Hermann Josef Vogt
Zur Spiritualität des frühen irischen Mönchtums
(I, 26–51)
Arnold
Die irische Peregrinatio und ihre Auswirkungen auf dem Kontinent vor dem Jahre 800
(I, 52–79)