Hambocksland

Seltener Humbockerland, war ein Jargonausdruck fahrender Musikanten aus der Pfalz für `Amerika´ 1). Aus der Pfalz, dem im 19. Jahrhundert ärmsten Landstrich Deutschlands, wanderten viele »Hinterwäldler« nach Amerika aus. Manche Auswanderergruppen schafften es nur bis Norddeutschland, daher finden sich dort mehrfach kleine Dörfer, die `Amerika´ heißen.

Hambocksland könnte die englischen Begriffe Humbug (Schwindel, Täuschung, Unsinn) und Humbocks (Predigerkanzel) verschmolzen haben 2), im Sinne `schöner, aber falscher Versprechungen´ 3).

»Humbug« kam in den 1840er Jahren von Nordamerika nach Deutschland 4) und ist als englischer Jargon schon im 18. Jahrhundert belegt. Im Deutschen »diente es zur Bezeichnung von schwindelhafter Reklame und raffinierter Übertölpelung des vertrauensseligen Publikums, worin der Spekulant und Impresario Barnum, der sogenannte king of humbug, vor allem als Meister galt« 5).


1)
Marliese Fuhrmann
Kuckucksruf und Nachtigall: Die Pfälzer Wandermusikanten.
Gollenstein Blieskastel 2000, S. 310
2)
Johannes Ebers
Vollständiges Wörterbuch der Englischen Sprache für die Deutschen
Leipzig 1793, Band 1, p. 794
3)
Vacano, Emile Mario
Moderne Vagabunden : Humbug-Reise eines Abentheurers; Seitenstück zu C. von Holtei's Vagabunden.
Berlin 1862: Bloch
4)
Amerikanischer Humbug. in: Blätter für literarische Unterhaltung 1847, 1335
5)
Ladendorf, Otto: Historisches Schlagwörterbuch: Ein Versuch. Strassburg und Berlin, 1906