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wiki:welt [2026/06/01 05:40] Norbert Lüdtkewiki:welt [2026/07/28 12:45] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
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   * [[wiki:liste_phantasieorte|Phantastische Orte]] jenseits überschreitbarer Grenzen   * [[wiki:liste_phantasieorte|Phantastische Orte]] jenseits überschreitbarer Grenzen
  
-//Drittens// schaffen wir uns eine »Welt« in der Vorstellung, die durch [[wiki:glaube|Glaube]] und [[wiki:phantasie|Phantasie]] geformt wird, eine [[wiki:weltanschauung|Weltanschauung]]. Damit ist ein gewisser Verlust an Sinn und Kommunikation unvermeidlich ((''Peter Handke''\\ //Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt//\\  Suhrkamp 1969)), aber die Sache funktioniert so lange, wie wir mit unserer Umwelt klarkommen; das //Stachelschweinprinzip// von ''Arthur Schopenhauer'' beschreibt das sehr anschaulich (([[http://www.zbk-online.de/texte/A0411.htm|Die Welt als Wille und Vorstellung]]. 1819)). Neben die [[wiki:wahrnehmung|Wirklichkeit]] tritt damit die [[wiki:moeglichkeitssinn|Möglichkeit]], verbunden durch die Notwendigkeit. Das »Kripke«-Modell der Modallogik beschäftigt sich mathematisch mit dem Verhältnis möglicher und wirklicher Welten, benannt nach ''Saul Aaron Kripke''.+//Drittens// schaffen wir uns eine »Welt« in der Vorstellung, die durch [[wiki:glaube|Glaube]] und [[wiki:phantasie|Phantasie]] geformt wird, eine [[wiki:weltanschauung|Weltanschauung]]. Damit ist ein gewisser Verlust an Sinn und Kommunikation unvermeidlich ((''Peter Handke''\\ //Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt//\\ Suhrkamp 1969)), aber die Sache funktioniert so lange, wie wir mit unserer Umwelt klarkommen; das //Stachelschweinprinzip// von ''Arthur Schopenhauer'' beschreibt das sehr anschaulich (([[http://www.zbk-online.de/texte/A0411.htm|Die Welt als Wille und Vorstellung]]. 1819)). Neben die [[wiki:wahrnehmung|Wirklichkeit]] tritt damit die [[wiki:moeglichkeitssinn|Möglichkeit]], verbunden durch die Notwendigkeit. Das »Kripke«-Modell der Modallogik beschäftigt sich mathematisch mit dem Verhältnis möglicher und wirklicher Welten, benannt nach ''Saul Aaron Kripke''.
   * ''James Cowand''\\ //Der Traum des Kartenmachers.//\\ Die Meditationen des Fra Mauro, Kartograph zu Venedig [ca 1385 - 1459]\\ Albrecht Knaus München 1997   * ''James Cowand''\\ //Der Traum des Kartenmachers.//\\ Die Meditationen des Fra Mauro, Kartograph zu Venedig [ca 1385 - 1459]\\ Albrecht Knaus München 1997
  
 //Viertens// werden Welten gegliedert: //Viertens// werden Welten gegliedert:
   * nach oben und unten: alle Mythologien kennen eine Unterwelt   * nach oben und unten: alle Mythologien kennen eine Unterwelt
-  * ringsherum: die [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Die griechisch-römische Antike|Antike]] ordnete die bewohnte Welt (oikumene) rund ums Mittelmeer (mare nostrum) ((''Karlhans Abel''\\ //Zone//\\ Das Problem der Biosphäre im geographischen Denken der Antike\\ Sonderdruck aus //Pauly's Realencylopädie der classischen Altertumswissenschaften// Supplementband XIV.\\  Alfred Druckenmüller München 1974)):\\ [[wiki:europa|Europa]] in Richtung Dunkelheit, Asia in Richtung Licht (»[[wiki:ex_oriente_lux|ex oriente lux]]«), Afrika in Richtung Hitze (»hic sunt leones«); begrenzt durch den [[wiki:Atlantik|Atlantik]] im Westen. Die Phönizier reisten bis an die Grenzen der damals bekannten Welt. [[wiki:Odysseus |Odysseus]] war der [[wiki:held|Held]] dieses Zeitalters.+  * ringsherum: die [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Die griechisch-römische Antike|Antike]] ordnete die bewohnte Welt (oikumene) rund ums Mittelmeer (mare nostrum) ((''Karlhans Abel''\\ //Zone//\\ Das Problem der Biosphäre im geographischen Denken der Antike\\ Sonderdruck aus //Pauly's Realencylopädie der classischen Altertumswissenschaften// Supplementband XIV.\\ Alfred Druckenmüller München 1974)):\\ [[wiki:europa|Europa]] in Richtung Dunkelheit, Asia in Richtung Licht (»[[wiki:ex_oriente_lux|ex oriente lux]]«), Afrika in Richtung Hitze (»hic sunt leones«); begrenzt durch den [[wiki:Atlantik|Atlantik]] im Westen. Die Phönizier reisten bis an die Grenzen der damals bekannten Welt. [[wiki:Odysseus |Odysseus]] war der [[wiki:held|Held]] dieses Zeitalters.
   * in der Neuzeit hat die »Alte Welt« eine »Neue Welt« entdeckt; ''Columbus''' Entdeckung wurde zum Paradigma, obwohl er nicht an die Neue Welt glaubte.   * in der Neuzeit hat die »Alte Welt« eine »Neue Welt« entdeckt; ''Columbus''' Entdeckung wurde zum Paradigma, obwohl er nicht an die Neue Welt glaubte.
   * Ökonomisch und politisch erscheint die [[wiki:Dritte Welt|Dritte Welt]], die natürlich eine erste Welt und Zweite Welt voraussetzt, welche als Begriff jedoch selten verwendet werden.   * Ökonomisch und politisch erscheint die [[wiki:Dritte Welt|Dritte Welt]], die natürlich eine erste Welt und Zweite Welt voraussetzt, welche als Begriff jedoch selten verwendet werden.
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   * ''Peter Braun'', ''Manfred Weinberg'' (Hrsg.)\\ //Ethno/Graphie. Reiseformen des Wissens.//\\ Literatur und Anthropologie 17, Gunter Narr Tübingen 2002 420 S.   * ''Peter Braun'', ''Manfred Weinberg'' (Hrsg.)\\ //Ethno/Graphie. Reiseformen des Wissens.//\\ Literatur und Anthropologie 17, Gunter Narr Tübingen 2002 420 S.
  
-Dagegen hoffft ''Samuel Johnson'' (1709 - 1784): //»Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren. Statt uns die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.«// Schwierig, denn Reisende werden ja von ihrer Phantasie erst in die Welt getrieben. ''Johann Wolfgang Goethe'' (1749 - 1832) verlangt zudem Bildung als Voraussetzung für ein [[wiki:aufklaerung|aufgeklärtes]] Reisen, denn //»Man sieht nur, was man weiß.«// ((Verkürzt aus: S. 8, Nr. 734. 1819, 24. April Gesellschaft bei Goethe //»Dann sprach er über die Kunst zu sehen. Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht. Oft sieht man lange Jahre nicht, was reifere Kenntniß und Bildung an dem täglich vor uns liegenden Gegenstande erst gewähren läßt. Nur eine papierne Scheidewand trennt uns öfters von unsern wichtigsten Zielen, wir dürften sie keck einstoßen und es wäre geschehen. Die Erziehung ist nichts anders als die Kunst zu lehren, wie man über eingebildete oder doch leicht besiegbare Schwierigkeiten hinauskommt.«// Goethes Gespräche: 4. Band 1819-1823. Leipzig 1889: Verlag: F. W. v. Biedermann)) Allerdings lässt sich das auch umgekehrt deuten: Wird Neues so ausgeblendet? Darauf bezieht sich ''Marcel Proust'' (1871-1922), wenn er meint: //»Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.«((La Prisonnière, Marcel Proust, Gallimard, 1925, S. 69 : Le seul véritable voyage, le seul bain de Jouvence, ce ne serait pas d’aller vers de nouveaux paysages, mais d’avoir d’autres yeux, de voir l’univers avec les yeux d’un autre, de cent autres, de voir les cent univers que chacun d’eux voit, que chacun d’eux est.))+Dagegen hoffft ''Samuel Johnson'' (1709 - 1784): //»Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren. Statt uns die Welt vorzustellen, wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.«// Schwierig, denn Reisende werden ja von ihrer Phantasie erst in die Welt getrieben. ''Johann Wolfgang Goethe'' (1749 - 1832) verlangt zudem Bildung als Voraussetzung für ein [[wiki:aufklaerung|aufgeklärtes]] Reisen, denn //»Man sieht nur, was man weiß.«// ((Verkürzt aus: S. 8, Nr. 734. 1819, 24. April Gesellschaft bei Goethe //»Dann sprach er über die Kunst zu sehen. Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht. Oft sieht man lange Jahre nicht, was reifere Kenntniß und Bildung an dem täglich vor uns liegenden Gegenstande erst gewähren läßt. Nur eine papierne Scheidewand trennt uns öfters von unsern wichtigsten Zielen, wir dürften sie keck einstoßen und es wäre geschehen. Die Erziehung ist nichts anders als die Kunst zu lehren, wie man über eingebildete oder doch leicht besiegbare Schwierigkeiten hinauskommt.«// Goethes Gespräche: 4. Band 1819-1823. Leipzig 1889: Verlag: F. W. v. Biedermann)) Allerdings lässt sich das auch umgekehrt deuten: Wird Neues so ausgeblendet? Darauf bezieht sich ''Marcel Proust'' (1871-1922), wenn er meint: //»Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen.«// ((La Prisonnière, Marcel Proust, Gallimard, 1925, S. 69 : //Le seul véritable voyage, le seul bain de Jouvence, ce ne serait pas d’aller vers de nouveaux paysages, mais d’avoir d’autres yeux, de voir l’univers avec les yeux d’un autre, de cent autres, de voir les cent univers que chacun d’eux voit, que chacun d’eux est.//))
  
   * ''Fendl, Elisabeth'', ''Klara Löffler''\\ //„Man sieht nur, was man weiß“. Zur Wahrnehmungskultur in Reiseführern.//\\ S. 55-77 in: Dieter Kramer, Ronald Lutz (Hg.): Tourismus-Kultur, Kultur-Tourismus, Münster/Hamburg 1993.   * ''Fendl, Elisabeth'', ''Klara Löffler''\\ //„Man sieht nur, was man weiß“. Zur Wahrnehmungskultur in Reiseführern.//\\ S. 55-77 in: Dieter Kramer, Ronald Lutz (Hg.): Tourismus-Kultur, Kultur-Tourismus, Münster/Hamburg 1993.
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   Informationszentrum Dritte Welt Freiburg/Breisgau 2006   Informationszentrum Dritte Welt Freiburg/Breisgau 2006
   Broschur 16,5x23,5 cm: 224 Seiten, zahlreiche Textabbildungen, teils farbig.   Broschur 16,5x23,5 cm: 224 Seiten, zahlreiche Textabbildungen, teils farbig.
-Was dem Titel nach ein Science Fiction sein könnte, entpuppt sich als Sammlung von Reiseerlebnissen meist bekannter Autoren, von ''Mary Kingsley'' bis ''Jon Krakauer''. Ausgewählt und zusammengestellt wurden die Texte in sieben Kapiteln:// Vor der Reise; Being there; Exotik extrem; How much? Entdecken-Erobern-Erholen; Migration & Tourismus; Nach der Reise.// Entsprechend finden sich also auch reflexive Texte, etwa von ''Alain de Botton'' über Erwartungen. Insbesondere zwischen den Beiträgen erwarten den Leser die Bilder der Wander[[wiki:liste_ausstellungen|ausstellung]] //»Beyond paradise. Stationen des touristischen Blicks«.//+Was dem Titel nach ein Science Fiction sein könnte, entpuppt sich als Sammlung von Reiseerlebnissen meist bekannter Autoren, von ''Mary Kingsley'' bis ''Jon Krakauer''. Ausgewählt und zusammengestellt wurden die Texte in sieben Kapiteln://Vor der Reise; Being there; Exotik extrem; How much? Entdecken-Erobern-Erholen; Migration & Tourismus; Nach der Reise.// Entsprechend finden sich also auch reflexive Texte, etwa von ''Alain de Botton'' über Erwartungen. Insbesondere zwischen den Beiträgen erwarten den Leser die Bilder der Wander[[wiki:liste_ausstellungen|ausstellung]] //»Beyond paradise. Stationen des touristischen Blicks«.//
  
 Der in der Gliederung kaum erkennbare Ansatz wird durch die bildhaften »Blickfänger« viel leichter verständlich, denn sie zeigen deutlich, in welchen Situationen sich Touristen und Einheimische begegnen, etwa als Konsumenten und Produzenten. Der einseitige tourismuskritische Ansatz wird durch Texte und Bilder relativiert. Reisende und Bereiste, Touristen und Dienstleister, touristische Quell- und Zielländer – solche Zuordnungen sind weder so einseitig noch so dauerhaft, wie dies tourismuskritische Modelle früher darstellten. //»Fenster zur Parallelwelt möchte durch die Konfrontation mit anderen, ungewohnten Perspektiven neue Einblicke und Ausblicke auf die komplizierten Beziehungen … ermöglichen … oder als Spiegelungen einen Blick zurück auf die eigene Bilderwelt über die Fremde werfen.«// Der in der Gliederung kaum erkennbare Ansatz wird durch die bildhaften »Blickfänger« viel leichter verständlich, denn sie zeigen deutlich, in welchen Situationen sich Touristen und Einheimische begegnen, etwa als Konsumenten und Produzenten. Der einseitige tourismuskritische Ansatz wird durch Texte und Bilder relativiert. Reisende und Bereiste, Touristen und Dienstleister, touristische Quell- und Zielländer – solche Zuordnungen sind weder so einseitig noch so dauerhaft, wie dies tourismuskritische Modelle früher darstellten. //»Fenster zur Parallelwelt möchte durch die Konfrontation mit anderen, ungewohnten Perspektiven neue Einblicke und Ausblicke auf die komplizierten Beziehungen … ermöglichen … oder als Spiegelungen einen Blick zurück auf die eigene Bilderwelt über die Fremde werfen.«//
  
-Unbestritten ist ja, daß die einen (Touristen) in eine Urlaubswelt flüchten, von der sie ein völlig falsches Bild haben und dafür bezahlen, dass dieses falsche Bild während des Urlaubs heil bleibt. Ebenso unbestritten ist, daß die anderen (Migranten) in eine Wirtschaftswelt flüchten, von der sie ein ebenso falsches Bild haben, dass sie sich ebenfalls nicht kaputt machen lassen. Beide suchen in der Fremde etwas, das sie in der Heimat nicht haben. Manche vollbringen das Kunststück, in beiden Welten zu leben. Schlaglichtartige Einsichten in diese Verhältnisse zeigt das Buch. Angenehm ist das lockere Layout trotz des ernsten Themas. Weniger locker ist der sprachliche Ausdruck einer vermutlich ideologischen Haltung, der sich in den Wortschöpfungen// »ReisendeR, TouristInnen und DienstleisterInnen«// wiederholt zeigt.+Unbestritten ist ja, daß die einen (Touristen) in eine Urlaubswelt flüchten, von der sie ein völlig falsches Bild haben und dafür bezahlen, dass dieses falsche Bild während des Urlaubs heil bleibt. Ebenso unbestritten ist, daß die anderen (Migranten) in eine Wirtschaftswelt flüchten, von der sie ein ebenso falsches Bild haben, dass sie sich ebenfalls nicht kaputt machen lassen. Beide suchen in der Fremde etwas, das sie in der Heimat nicht haben. Manche vollbringen das Kunststück, in beiden Welten zu leben. Schlaglichtartige Einsichten in diese Verhältnisse zeigt das Buch. Angenehm ist das lockere Layout trotz des ernsten Themas. Weniger locker ist der sprachliche Ausdruck einer vermutlich ideologischen Haltung, der sich in den Wortschöpfungen//»ReisendeR, TouristInnen und DienstleisterInnen«// wiederholt zeigt.
  
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wiki/welt.1780292407.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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