====== Strukturen im Unterwegs-Sein ====== Als **Methode** besteht [[Unterwegs-Sein|Unterwegs-Sein]] darin, sich zu bewegen, damit daraus etwas [[wiki:neugier|Neues]] entstehen kann. Diese Methode ansich bleibt inhaltlich unbestimmt, weil sie weder die Art der [[Fortbewegung|Fortbewegung]] enthält noch die Herkunfts- und Zielorte, weder Absichten erkennen lässt noch Handlungen festlegt, also eine passive [[Offenheit|Offenheit]] voraussetzt. Erst durch das handelnde Individuum erhält diese prinzipiell offene Methode eine konkrete Intentionalität, siehe unten zur Dynamik.\\ → [[Serendipity|Serendipity]] Diese **Vorstellung** Eins-zu-Eins in andere [[wiki:sprachen|Sprachen]] zu übersetzen ist nur begrenzt möglich (`auf dem Weg sein´) und erfordert längere Umschreibungen. Sprachfamilienübergreifend enthält jedoch der Begriff des Weges bereits die übertragene Bedeutung 'auf dem richtigen Weg sein' als Art und Weise etwas zu tun. ((''Federico Schirato''\\ //Silent Nominal Heads in Manner Adverbials.//\\ Qulso 10 (2024) 65--78. [[https://doi.org/10.36253/qul-so-2421-7220-16566|DOI]], [[https://oaj.fupress.net/index.php/bsfm-qulso/article/download/16566/12965|Online]] ))\\ → [[unterwegs-sein-konzepte#Von 'Weg' abgeleitete Konzepte|Von 'Weg' abgeleitete Konzepte]] In den sieben altgermanischen **Sprachen** (( Gotisch, Altwestnordisch, Altenglisch, Altfriesisch, Altsächsisch, Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch)) lassen sich 21 Stämme für das 'sich-fortbewegen' des Menschen ermitteln. ((''Winfried Breidbach''\\ //[[wiki:reisen|Reise]] - [[wiki:fahrt|Fahrt]] - [[wiki:gehen|Gang]]. Nomina der Fortbewegung in den altgermanischen Sprachen.//\\ Diss. Universität Köln. Frankfurt am Main 1994: Peter Lang)) Da jeder dieser Stämme von einem anderen Verb ausgeht, enthalten sie auch andere Nebenbedeutungen für das 'sich-fortbewegen', die durch Umwelt und Kultur bedingt waren. Von diesen Stämmen bezeichnen Gang, Reise, Fahrt bis heute ein 'Unterwegs-Sein'. Dabei ist *faran die produktivste, etwa in Fahrt, Fahrzeug, Gefahr, Gefährte, fertig u.a.\\ → [[unterwegs-sein-konzepte#Gang - Fahrt - Reise|Gang - Fahrt - Reise]] **Als funktionales System** im Sinne von ''Niklas Luhmanns'' //Allgemeiner Systemtheorie// stünde »Unterwegs-sein« unter dem Einfluss der Antagonisten //sich [[wiki:fortbewegung|fortbewegen]] von// und //ankommen// (( ''Paolo Scarpi''\\ //La [[wiki:flucht|fuga]] e il [[wiki:heimkehr|ritorno]] : storia e mitologia del viaggio.//\\ 253 S. Venezia 1992: Marsilio\\ Der Religionswissenschaftler konstruiert eine anhaltende Kreisbewegung zwischen den Polen Flucht und Rückkehr, s. [[literaturliste_soziotechnische_handlungssysteme|Wolfzettel]] S. 8 ff.)).\\ Ergänzt würde ein solches Sinn- und Kommunikationssystem durch strukturelle Kopplung mit **soziotechnischen Sachsystemen** (technische Mittel, Artefakte) ((''Günther Ropohl''\\ //Allgemeine Technologie//\\ Eine Systemtheorie der Technik.\\ 3. A. Karlsruhe 2009, [[https://library.oapen.org/bitstream/id/047d7375-77dd-49f7-9505-2015bbf23445/422388.pdf|online]] )). Innerhalb dieses theoretischen Rahmens konstituiert sich die konkrete Praxis: \\ Die Handlungen der dabei beteiligten [[figuren_typen_rollen|Figuren]] (**personale Systeme**) sind an Voraussetzungen gebunden (Motilität), intentional bestimmt (zweckorientiert) und erzeugen auch nicht-intentionale soziale und ökonomische Folgen. \\ [[wiki:unterwegs-sein-konzepte|Konzepte des Unterwegs-Seins]] wie [[wiki:gehen|Gang]], [[wiki:fahrt|Fahrt]], [[wiki:reisen|Reise]], [[travel|Travel]], Voyage, [[wiki:safari|Safari]] und andere lassen sich als soziotechnische Handlungssysteme interpretieren mit je eigenen Handlungskreisen, die von den Absichten des Einzelnen bestimmt werden, siehe:\\ → [[soziotechnisches_handlungssystem|Unterwegs-sein als soziotechnisches Handlungssystem]] Die **Dynamik** ((Das altgriechische «dýnamis» bezeichnet das Vermögen oder die Kraft, Realität zu verändern; ihre Entfaltung setzt folglich zwingend einen [[moeglichkeitssinn|Möglichkeitssinn]] voraus, um den Raum nicht nur zu durchqueren, sondern aktiv zu gestalten.)) der intentionalen [[fortbewegung|Fortbewegung]] im [[liste_raumvorstellungen|Raum]] erzeugt vielfache Folgen, die kategorisiert werden können als Translokation, [[Transport|Transport]], [[transit|Transition]], [[Transfer|Transfer]], Transformation sowie Transgression (normgebunden oder entgrenzt). Diese Kategorien wurden abgeleitet aus der Begriffsfeld-Analyse von 2800 Ausstellungen. Dass sich der [[struktur_gegenstandsraum|Gegenstandsraum des Unterwegs-Seins]] nahezu restlos unter diese Kategorien subsumieren lässt, belegt die analytische Schärfe dieses Rasters.\\ → [[dynamik_intentionalen_fortbewegung|Die Dynamik der intentionalen Fortbewegung im Raum]] **Mobilität**, hier verengt auf Reisemobilität im Sinne der [[unterwegs-sein-konzepte|Konzepte des Unterwegs-Seins]] außerhalb des vertrauten [[liste_raumvorstellungen|Raumes]] und für längere bzw. unbestimmte [[zeit_musse|Zeit]] wirkt als »irreversible Mobilität« in stärkerem Maße auf das Selbstverständnis, das [[Weltbild|Weltbild]], die eigene Identitätsfindung. * Dabei wird der Raum mehrfach erfahren, * zunächst unmittelbar physisch (geographisch), dann * als sich verändernde [[wiki:liste_raumvorstellungen|Vorstellung]] von [[wiki:welt|Welt]], * als sich entfernen von der vertrauten Gemeinschaft und dem Begegnen mit Fremdem. * Voraussetzung dafür ist das Verarbeiten von Information als //[[wiki:navigation|Navigation]]//, die unmittelbar gezielte Handlungen erlaubt. * Spezifische Handlungsmuster zeigen * [[struktur_phasen|Phasen]] als zeitliche Dimension * [[wiki:navigation|Navigation]] als räumliche Dimension * [[wiki:figuren_typen_rollen|Figuren]] als soziale Dimension * Handlungskreise sind bestimmt durch * agierende personale Systeme (Figuren), * die sich mit Sach- und Organisationssystemen zum Erreichen ihrer Ziele koppeln und * dabei iterativ Handlungsschritten folgen.