wiki:stock_stab
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| wiki:stock_stab [2026/07/10 04:27] – [Die Auswahl der Holzart] Norbert Lüdtke | wiki:stock_stab [2026/07/28 12:45] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
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| Peter Rosegger: Nixnutzig Volk, 1914 | Peter Rosegger: Nixnutzig Volk, 1914 | ||
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| * **Edelkastanie** | * **Edelkastanie** | ||
| - | * **Eberesche** (Sorbus aucuparia, engl. Rowan, auch: wayfarer' | + | * **Eberesche** (Sorbus aucuparia, engl. Rowan, auch: wayfarer' |
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| * **Hainbuchen** (Carpinus betulus, engl. hornbeam) für **Spieße** ((http:// | * **Hainbuchen** (Carpinus betulus, engl. hornbeam) für **Spieße** ((http:// | ||
| - | * **Haselnuss** (Corylus avellana, engl. hazel), junge // | + | * **Haselnuss** (Corylus avellana, engl. hazel), junge // |
| * **Kornelkirsche** (Cornus mas, `virga sanguinea´) für die römische Lanze //hasta sanguinea//, | * **Kornelkirsche** (Cornus mas, `virga sanguinea´) für die römische Lanze //hasta sanguinea//, | ||
| * **Mispelholz** (Mespilus germanica, engl. medlar) für den baskischen **Makila**, | * **Mispelholz** (Mespilus germanica, engl. medlar) für den baskischen **Makila**, | ||
| - | * **Myrtenholz** (Myrtus communis, engl. myrtle) für kurze **Spieße** ((http:// | + | * **Myrtenholz** (Myrtus communis, engl. myrtle) für kurze **Spieße** ((http:// |
| * **Schwarzdorn, | * **Schwarzdorn, | ||
| * Die verzwieselte Spitze junger **Tannen** mit deren Astansätzen (Querl) für Rührstäbe; | * Die verzwieselte Spitze junger **Tannen** mit deren Astansätzen (Querl) für Rührstäbe; | ||
| * **Wacholderbäumchen** (Juniperus) als **Knotenstock**: | * **Wacholderbäumchen** (Juniperus) als **Knotenstock**: | ||
| * **Weißdorn** | * **Weißdorn** | ||
| - | * Ahornbrett & Lindenbohrer, | + | * Ahornbrett & Lindenbohrer, |
| - | Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Beiheft 27\\ Hg.: Raimar Eberhard, Holger Kockelmann, Stefan Pfeiffer, Maren Schentuleit\\ Walter de Gruyter, 2009, S. 32-71, hier: S. 57, Fußnote 62\\ → Literaturliste [[wiki: | + | Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Beiheft 27\\ Hg.: Raimar Eberhard, Holger Kockelmann, Stefan Pfeiffer, Maren Schentuleit\\ Walter de Gruyter, 2009, S. 32-71, hier: S. 57, Fußnote 62\\ → Literaturliste [[wiki: |
| - | Die Namen von Kornelkirsche, | + | Die Namen von Kornelkirsche, |
| === Das Anfertigen === | === Das Anfertigen === | ||
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| | Druck, dyn. | Stechen | Dreifachspitze ^ Dreizack | Heugabel| | | Druck, dyn. | Stechen | Dreifachspitze ^ Dreizack | Heugabel| | ||
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| - | | dynamisch| Schlagen | Masse ^ Keule |Mörserkeule \\ Knoten-, Schlagstock\\ Knüttel, Knüppel, Prügel | | + | | dynamisch| Schlagen | Masse ^ Keule |Mörserkeule\\ Knoten-, Schlagstock\\ Knüttel, Knüppel, Prügel | |
| | dynamisch| Schlagen | Elastizität ^ Rute | Lebens-, Zuchtrute| | | dynamisch| Schlagen | Elastizität ^ Rute | Lebens-, Zuchtrute| | ||
| | dynamisch| Werfen | Auftriebsform ^ Wurfholz | Lagobolon, Bumerang | | | dynamisch| Werfen | Auftriebsform ^ Wurfholz | Lagobolon, Bumerang | | ||
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| Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799) Sudelbuch E | Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799) Sudelbuch E | ||
| - | Der natürliche Rohrstock pseudoverholzender Gewächse heißt in vielen Sprachen //cane// (engl.), //canne// (frz.), //canna// (lat.) bis hin zur indogerman. Wurzel //kanna//. Erstaunlicherweise hat er in den semitischen Sprachen ebenfalls die Wurzel q-n ((ebl. ga-nu-wu, ga-nu-um, qanûm, akk. qanû, ug. QNY, gnh, pun. qnh, he. qānæh, aram. qanjā, ar. qana(n) aus: '' | + | Der natürliche Rohrstock pseudoverholzender Gewächse heißt in vielen Sprachen //cane// (engl.), //canne// (frz.), //canna// (lat.) bis hin zur indogerman. Wurzel //kanna//. Erstaunlicherweise hat er in den semitischen Sprachen ebenfalls die Wurzel q-n ((ebl. ga-nu-wu, ga-nu-um, qanûm, akk. qanû, ug. QNY, gnh, pun. qnh, he. qānæh, aram. qanjā, ar. qana(n) aus: '' |
| Ein solches Rohr unterscheidet sich vom Stock durch besondere Eigenschaften, | Ein solches Rohr unterscheidet sich vom Stock durch besondere Eigenschaften, | ||
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| Entwicklungsgeschichtlich sind Stöcke und Stäbe wesentlich durch die natürlichen Eigenschaften und Wuchsformen verholzender (Bäume, Sträucher, Stauden) und pseudo-verholzender (Steckenkräuter, | Entwicklungsgeschichtlich sind Stöcke und Stäbe wesentlich durch die natürlichen Eigenschaften und Wuchsformen verholzender (Bäume, Sträucher, Stauden) und pseudo-verholzender (Steckenkräuter, | ||
| - | Dabei können Knochen, Hörner und Geweihstangen Vorbild nicht nur für Formen geliefert haben, denn was sich mit einem Gehörn alles bewerkstelligen lässt, zeigen wilde Tiere dem Beobachter kämpfend, im Boden wühlend, stoßend und reibend.\\ | + | Dabei können Knochen, Hörner und Geweihstangen Vorbild nicht nur für Formen geliefert haben, denn was sich mit einem Gehörn alles bewerkstelligen lässt, zeigen wilde Tiere dem Beobachter kämpfend, im Boden wühlend, stoßend und reibend.\\ |
| Mineralstäbe gibt es in Form von // | Mineralstäbe gibt es in Form von // | ||
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| | **Lagobolon** | | dünner werdend | ᴧ-Form\\ verdickt| Pan, Wurfstock, Amtsstab| etrusk., griech. | | | **Lagobolon** | | dünner werdend | ᴧ-Form\\ verdickt| Pan, Wurfstock, Amtsstab| etrusk., griech. | | ||
| | **(Ast-)gabel**\\ lat. furca | | | ∪-Form | Heu-, Mistgabel | phön. Moloch | | | **(Ast-)gabel**\\ lat. furca | | | ∪-Form | Heu-, Mistgabel | phön. Moloch | | ||
| - | | **Dreizack**\\ lat. tridens \\ gr. θρῖναξ | + | | **Dreizack**\\ lat. tridens\\ gr. θρῖναξ |
| | **»Blitz«**\\ lat. fulmen, fulgur| | Astform | ℘\\ gezwirbelt | | **»Blitz«**\\ lat. fulmen, fulgur| | Astform | ℘\\ gezwirbelt | ||
| | **Wünschelrute**\\ lat. virgula divina | | | Y-Form | | | | | **Wünschelrute**\\ lat. virgula divina | | | Y-Form | | | | ||
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| | **Baselstab** | ∩-Form | |3-spitzig | Baslerstab|Bischof | | | **Baselstab** | ∩-Form | |3-spitzig | Baslerstab|Bischof | | ||
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| - | | **Lituus ** | | |∩-Form\\ spiralig | Kalmuš\\ Lituus | Hethiterkönig\\ Etrusker, Auguren\\ röm. Könige | | + | | **Lituus** | | |∩-Form\\ spiralig | Kalmuš\\ Lituus | Hethiterkönig\\ Etrusker, Auguren\\ röm. Könige | |
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| ^ Stab mit ^ Erweiterung | ^ Stab mit ^ Erweiterung | ||
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| Diese Typologie differenziert nach den //Formen// des Stabes, daher zeigen sich ursprüngliche Eigenschaften des Materials oder der Kräfte nur angedeutet oder indirekt. Äußerlichkeiten wie Krümme oder Knoten lassen ursprünglich auf ein biegsames Material oder ein hohles Rohr schließen, sie können jedoch auch konstruktiv bedingt sein, etwa indem eine Krümme auf ein Rohr aufgesetzt wurde. | Diese Typologie differenziert nach den //Formen// des Stabes, daher zeigen sich ursprüngliche Eigenschaften des Materials oder der Kräfte nur angedeutet oder indirekt. Äußerlichkeiten wie Krümme oder Knoten lassen ursprünglich auf ein biegsames Material oder ein hohles Rohr schließen, sie können jedoch auch konstruktiv bedingt sein, etwa indem eine Krümme auf ein Rohr aufgesetzt wurde. | ||
| - | Griechischer Kerykeion ((→ Literaturliste [[wiki: | + | Griechischer Kerykeion ((→ Literaturliste [[wiki: |
| - | Ältere Darstellungen zeigen Halbkreise und Kreise, die sich als Sichel, Mond, Sonne oder Acht deuten ließen. Die Vielzahl der Caduceus-Formen hat '' | + | Ältere Darstellungen zeigen Halbkreise und Kreise, die sich als Sichel, Mond, Sonne oder Acht deuten ließen. Die Vielzahl der Caduceus-Formen hat '' |
| [[wiki: | [[wiki: | ||
| ==== Zweckoptimierte Formen am Beispiel von Gerätestielen ==== | ==== Zweckoptimierte Formen am Beispiel von Gerätestielen ==== | ||
| - | Eschenholz wird für die Stiele von Schaufeln, Hacken und Hämmer verwendet, also für große Kräfte. Aus leichtem Lindenholz werden Stiele für Besen, Rechen und andere Geräte mit geringem Krafteinsatz gefertigt. Linde, Buche, Esche eignen sich nicht für den ständigen Einsatz im Außenbereich. Krafteinleitung, | + | Eschenholz wird für die Stiele von Schaufeln, Hacken und Hämmer verwendet, also für große Kräfte. Aus leichtem Lindenholz werden Stiele für Besen, Rechen und andere Geräte mit geringem Krafteinsatz gefertigt. Linde, Buche, Esche eignen sich nicht für den ständigen Einsatz im Außenbereich. Krafteinleitung, |
| //Hinweise zur Tabelle//: | //Hinweise zur Tabelle//: | ||
| ^ Werkzeugstiel ^ Handhabe ^ Schuss ^ Zwinge ^ Länge ^ D\\ Handhabe^ D\\ max^ | ^ Werkzeugstiel ^ Handhabe ^ Schuss ^ Zwinge ^ Länge ^ D\\ Handhabe^ D\\ max^ | ||
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| Der Gebrauch der Lebensrute als Mittel, die Kraft der Pflanze zu übertragen, | Der Gebrauch der Lebensrute als Mittel, die Kraft der Pflanze zu übertragen, | ||
| * Im sizilianischen Dialekt bedeutet `verga´ heute noch `Hirtenstab´. Die Ähnlichkeit von `Virga´ mit `virgo´ (Jungfrau), `vir´ (Mann), `viridere´ (grün) führt zu einer gemeinsamen ursprünglichen Bedeutung `jung, grün, lebendig´, so dass `verga´ nichts anderes ist als der junge und noch grüne Stock, der sich biegen lässt ((sehr ausführlich diskutiert [[https:// | * Im sizilianischen Dialekt bedeutet `verga´ heute noch `Hirtenstab´. Die Ähnlichkeit von `Virga´ mit `virgo´ (Jungfrau), `vir´ (Mann), `viridere´ (grün) führt zu einer gemeinsamen ursprünglichen Bedeutung `jung, grün, lebendig´, so dass `verga´ nichts anderes ist als der junge und noch grüne Stock, der sich biegen lässt ((sehr ausführlich diskutiert [[https:// | ||
| - | * Das griechische Narthex könnte mit // | + | * Das griechische Narthex könnte mit // |
| ==== Wortwurzeln der Begriffe ==== | ==== Wortwurzeln der Begriffe ==== | ||
| ^ Sprache ^ Begriff ^ [[https:// | ^ Sprache ^ Begriff ^ [[https:// | ||
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| Wird das Vergleichen mit Zahlen kombiniert, so wird aus einem regelmäßigen Abzählen ein [[wiki: | Wird das Vergleichen mit Zahlen kombiniert, so wird aus einem regelmäßigen Abzählen ein [[wiki: | ||
| - | »Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Messstab gleich, und mir wurde gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten.« ((Off. 11:1)) »Und der mit mir redete, hatte einen Messstab, ein goldenes Rohr, um die Stadt zu messen und ihre Tore und ihre Mauer. Und die Stadt ist viereckig angelegt und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr: zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. Und er maß ihre Mauer: hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, | + | »Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Messstab gleich, und mir wurde gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten.« ((Off. 11:1)) »Und der mit mir redete, hatte einen Messstab, ein goldenes Rohr, um die Stadt zu messen und ihre Tore und ihre Mauer. Und die Stadt ist viereckig angelegt und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr: zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. Und er maß ihre Mauer: hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, |
| Die Rohrabschnitte wurden als **Behälter für Flüssigkeiten** genutzt, etwa als `Kanne´. Ein Riesenfenchelstängel von 3 Metern Länge und mit 4 Zentimetern Innendurchmesser hat ein Volumen von 3,7 Litern, darauf könnten alte Maße beruhen: z.b. altägyptisches Heqat 4,75 l; hebräisches הִין hîn etwa 3,7l (( Ex 29,40; Ex 30,24; Lev 19,36; Lev 23,13; Num 15,4-10; Num 28,5-14; Ez 4,11; Ez 45,24; Ez 46,5-14)). | Die Rohrabschnitte wurden als **Behälter für Flüssigkeiten** genutzt, etwa als `Kanne´. Ein Riesenfenchelstängel von 3 Metern Länge und mit 4 Zentimetern Innendurchmesser hat ein Volumen von 3,7 Litern, darauf könnten alte Maße beruhen: z.b. altägyptisches Heqat 4,75 l; hebräisches הִין hîn etwa 3,7l (( Ex 29,40; Ex 30,24; Lev 19,36; Lev 23,13; Num 15,4-10; Num 28,5-14; Ez 4,11; Ez 45,24; Ez 46,5-14)). | ||
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| Sofern jedoch zum einen keine wesentlichen Spuren mechanischer Nutzung erkennbar sind und zum anderen Zeichen auf dem Stab eingeritzt sind, ist die Nutzung wahrscheinlich über die Zeichen zu deuten. Bei dieser Art von Stäben geht es nicht um Kraft, Hebel oder Drehmoment. Diese Art von Werkzeug setzt Regeln und Normen in einer Gruppe voraus; diese festzusetzen und durchzusetzen erfordert Herrschaft; sie zu verstehen erfordert Bildung. Das mechanische Stabwerkzeug kann jeder mehr oder weniger gut handhaben; das informationstechnische Stabwerkzeug erfordert kognitiv Abstraktionsvermögen und sozial einen Zugang, eine gemeinschaftliches Übereinkommen, | Sofern jedoch zum einen keine wesentlichen Spuren mechanischer Nutzung erkennbar sind und zum anderen Zeichen auf dem Stab eingeritzt sind, ist die Nutzung wahrscheinlich über die Zeichen zu deuten. Bei dieser Art von Stäben geht es nicht um Kraft, Hebel oder Drehmoment. Diese Art von Werkzeug setzt Regeln und Normen in einer Gruppe voraus; diese festzusetzen und durchzusetzen erfordert Herrschaft; sie zu verstehen erfordert Bildung. Das mechanische Stabwerkzeug kann jeder mehr oder weniger gut handhaben; das informationstechnische Stabwerkzeug erfordert kognitiv Abstraktionsvermögen und sozial einen Zugang, eine gemeinschaftliches Übereinkommen, | ||
| - | Ein informationstechnisches Werkzeug kann Informationen erzeugen (wie der Zeiger der Sonnenuhr), Informationen verarbeiten sowie Informationen speichern (Kerbstab). Es kann als ein Zeichen erscheinen (wie der Schulzenstab) und kann zum anderen Zeichen tragen. Das Wort `Zeichen´ ((indogerm. [[https:// | + | Ein informationstechnisches Werkzeug kann Informationen erzeugen (wie der Zeiger der Sonnenuhr), Informationen verarbeiten sowie Informationen speichern (Kerbstab). Es kann als ein Zeichen erscheinen (wie der Schulzenstab) und kann zum anderen Zeichen tragen. Das Wort `Zeichen´ ((indogerm. [[https:// |
| * Als //Ikon// aktiviert der gezeichnete Strich die Vorstellung eines Stabes, welche auf der formalen Ähnlichkeit als Relation zum Stab beruht und diese auf die Gesamtheit der Stäbe abstrahiert. Dieser Strich ist aber auch mit der Bedeutung des Wertes " | * Als //Ikon// aktiviert der gezeichnete Strich die Vorstellung eines Stabes, welche auf der formalen Ähnlichkeit als Relation zum Stab beruht und diese auf die Gesamtheit der Stäbe abstrahiert. Dieser Strich ist aber auch mit der Bedeutung des Wertes " | ||
| * Als //Symbol// ruft das Zeichen eine soziale Konvention auf, also eine gesellschaftlich übereinstimmende Reaktion: Wer den Rednerstab hat, darf reden. Wer den Schulzenstab erhält, muss kommen. | * Als //Symbol// ruft das Zeichen eine soziale Konvention auf, also eine gesellschaftlich übereinstimmende Reaktion: Wer den Rednerstab hat, darf reden. Wer den Schulzenstab erhält, muss kommen. | ||
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| * Die Kerben (60+48+60) auf dem 20.000 Jahre alten Ishango-Knochen (('' | * Die Kerben (60+48+60) auf dem 20.000 Jahre alten Ishango-Knochen (('' | ||
| * 29 Kerben auf einem rund 30.000 Jahre alten Pavianknochen im südlichen Afrika, dem »Lebombo-Knochen« werden als Kalender gedeutet, da Kalenderstäbe bei den San bis in die Neuzeit gebräuchlich waren ((Beaumont, Peter B. (1973). " | * 29 Kerben auf einem rund 30.000 Jahre alten Pavianknochen im südlichen Afrika, dem »Lebombo-Knochen« werden als Kalender gedeutet, da Kalenderstäbe bei den San bis in die Neuzeit gebräuchlich waren ((Beaumont, Peter B. (1973). " | ||
| - | * Der Lochstab von Grube-Rosenhof (('' | + | * Der Lochstab von Grube-Rosenhof (('' |
| * Der Wolfsknochen aus dem tschechischen Dolní Věstonice ist rund 30.000 Jahre alt und zeigt 25+30 Kerben. Dort fanden sich allerdings weitere Kerbstäbe, die als Mondkalender gedeutet wurden (('' | * Der Wolfsknochen aus dem tschechischen Dolní Věstonice ist rund 30.000 Jahre alt und zeigt 25+30 Kerben. Dort fanden sich allerdings weitere Kerbstäbe, die als Mondkalender gedeutet wurden (('' | ||
| Als //Symbol// ist die Deutung nur möglich, wenn die soziale Konvention bekannt ist. Je weniger Symbolgehalt den Zeichen zugeschrieben werden kann, desto wahrscheinlicher speichern die Zeichen jedoch // | Als //Symbol// ist die Deutung nur möglich, wenn die soziale Konvention bekannt ist. Je weniger Symbolgehalt den Zeichen zugeschrieben werden kann, desto wahrscheinlicher speichern die Zeichen jedoch // | ||
| - | * Zählkerben sind die einfachste Deutung für Striche (('' | + | * Zählkerben sind die einfachste Deutung für Striche (('' |
| * Äquidistante Kerben lassen sich als Maßstab zum Messen deuten. | * Äquidistante Kerben lassen sich als Maßstab zum Messen deuten. | ||
| * Strukturierte Anordnungen von Kerben können Dekoration (Symbol) sein oder auf eine Systematik hinweisen. | * Strukturierte Anordnungen von Kerben können Dekoration (Symbol) sein oder auf eine Systematik hinweisen. | ||
| - | * Kerbanordnungen in Spalten und Zeilen können entweder\\ als Beobachtungsprotokoll gedeutet werden (z.B. Tage zwischen den Mondphasen oder Menstruationszyklen), | + | * Kerbanordnungen in Spalten und Zeilen können entweder\\ als Beobachtungsprotokoll gedeutet werden (z.B. Tage zwischen den Mondphasen oder Menstruationszyklen), |
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| * Als Zeichen für **Rechtsprechung**: | * Als Zeichen für **Rechtsprechung**: | ||
| * Als **Rednerstab** Zeichen für das Rederecht des //Redners// vor einer Versammlung. | * Als **Rednerstab** Zeichen für das Rederecht des //Redners// vor einer Versammlung. | ||
| - | * Als Zeichen für **beschränkte Rechte**:\\ Ein **weißer Stab** kennzeichnete immer ein außergewöhnliches Rechtsverhältnis: | + | * Als Zeichen für **beschränkte Rechte**:\\ Ein **weißer Stab** kennzeichnete immer ein außergewöhnliches Rechtsverhältnis: |
| * Als Zeichen der **Schwäche** die Krücke oder Stütze für //Alte und Gebrechliche// | * Als Zeichen der **Schwäche** die Krücke oder Stütze für //Alte und Gebrechliche// | ||
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| K.F.W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexcon | K.F.W. Wander, Deutsches Sprichwörter-Lexcon | ||
| Auf Glaubenssysteme und spirituelle Aspekte weisen Handlungen in unterschiedlichem Grade hin, etwa: | Auf Glaubenssysteme und spirituelle Aspekte weisen Handlungen in unterschiedlichem Grade hin, etwa: | ||
| - | * als **Abwehr- oder Gegenzauber**\\ Eine bestimmte Rute zum Schutz vor »bösen Geistern« im Stall, über der Haustür, auf dem Misthaufen.\\ Noch im [[wiki: | + | * als **Abwehr- oder Gegenzauber**\\ Eine bestimmte Rute zum Schutz vor »bösen Geistern« im Stall, über der Haustür, auf dem Misthaufen.\\ Noch im [[wiki: |
| - | * als **Grabbeigabe**: | + | * als **Grabbeigabe**: |
| - | * als **Kultgerät** (instrumental)\\ wie //Pilum// im Geburtsritus, | + | * als **Kultgerät** (instrumental)\\ wie //Pilum// im Geburtsritus, |
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| * als **Kultobjekt** (Identifikation mit dem Heiligen): | * als **Kultobjekt** (Identifikation mit dem Heiligen): | ||
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| * als **Reittier** (Hexenbesen). | * als **Reittier** (Hexenbesen). | ||
| - | Dieses Spektrum spiegelt eine // | + | Dieses Spektrum spiegelt eine // |
| In der »weißen« Magie ist der Zauberstab kein Zeichen, an ihm hängen keine Rechte und er steht auch nicht für Macht, denn die magische Wirkung ist dem Stab nicht immanent, sondern dieser vermittelt lediglich zwischen seinem Benutzer und höheren Mächten, setzt also Glaube, Fähigkeit und Bereitschaft voraus. In der Bibel tadelt Gott den Moses, weil er den Stab für ein Wunder nutzt, wo doch seine Hand genügt hätte. | In der »weißen« Magie ist der Zauberstab kein Zeichen, an ihm hängen keine Rechte und er steht auch nicht für Macht, denn die magische Wirkung ist dem Stab nicht immanent, sondern dieser vermittelt lediglich zwischen seinem Benutzer und höheren Mächten, setzt also Glaube, Fähigkeit und Bereitschaft voraus. In der Bibel tadelt Gott den Moses, weil er den Stab für ein Wunder nutzt, wo doch seine Hand genügt hätte. | ||
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| Außergewöhnliche Stäbe kennzeichneten jedoch die germanischen Seherinnen, die daher auch als [[wiki: | Außergewöhnliche Stäbe kennzeichneten jedoch die germanischen Seherinnen, die daher auch als [[wiki: | ||
| - | Sprachlich verwandt damit ist der altfriesische // | + | Sprachlich verwandt damit ist der altfriesische // |
| Der ostfriesische // | Der ostfriesische // | ||
| - | Häufig aus Metall und durch ihre Formen ungeeignet als Alltagswerkzeug, | + | Häufig aus Metall und durch ihre Formen ungeeignet als Alltagswerkzeug, |
| Materiell findet sich ein Ringstaf oder Klingerstaf ((Ringstaf auf Schonen oder Klingerstaf wenn lose Ringe daran befestigt sind. Wird in die Erde gesteckt, um Dämonen zu vertreiben. - Hoffmann-Krayer, | Materiell findet sich ein Ringstaf oder Klingerstaf ((Ringstaf auf Schonen oder Klingerstaf wenn lose Ringe daran befestigt sind. Wird in die Erde gesteckt, um Dämonen zu vertreiben. - Hoffmann-Krayer, | ||
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| ==== Der Lituus: hethitisch, etruskisch, römisch ==== | ==== Der Lituus: hethitisch, etruskisch, römisch ==== | ||
| - | Der //Lituus// des römischen Kaisers war ein stark gekrümmter bis spiralförmig endender Kultstab __ohne__ Knoten mit leicht verdickter Handhabe (('' | + | Der //Lituus// des römischen Kaisers war ein stark gekrümmter bis spiralförmig endender Kultstab __ohne__ Knoten mit leicht verdickter Handhabe (('' |
| - | Im Hethitischen wird ein dem Lituus ähnlicher Stab als `Kalmus´ bezeichnet. Im Hieroglyphenluwischen (wie das Hethische zur anatolischen Sprachengruppe gehörig) ist der Lituus als Hieroglyphe HH 378 eines der frühesten Zeichen (('' | + | Im Hethitischen wird ein dem Lituus ähnlicher Stab als `Kalmus´ bezeichnet. Im Hieroglyphenluwischen (wie das Hethische zur anatolischen Sprachengruppe gehörig) ist der Lituus als Hieroglyphe HH 378 eines der frühesten Zeichen (('' |
| Es gibt keinen Hinweis, dass sich der Lituus von einem Hirtenstab ableiten lässt: als funktionales Werkzeug ist er dafür zu kurz und die Krümme ist zu stark. Etymologisch sind Name und Hieroglyphe sehr stabil und weisen gleichermaßen auf eine Bedeutung um `Vorhersehen, | Es gibt keinen Hinweis, dass sich der Lituus von einem Hirtenstab ableiten lässt: als funktionales Werkzeug ist er dafür zu kurz und die Krümme ist zu stark. Etymologisch sind Name und Hieroglyphe sehr stabil und weisen gleichermaßen auf eine Bedeutung um `Vorhersehen, | ||
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| Zu den fünf königlichen Insignie der babylonischen Herrscher gehörten neben Krone und Bogen drei Stäbe: eine Keule, ein Zepter (ḫaṭṭu) und ein einfacher, langer und gerader Stab (šibirru) (('' | Zu den fünf königlichen Insignie der babylonischen Herrscher gehörten neben Krone und Bogen drei Stäbe: eine Keule, ein Zepter (ḫaṭṭu) und ein einfacher, langer und gerader Stab (šibirru) (('' | ||
| - | Der akkadische //Gamlu//, [[http:// | + | Der akkadische //Gamlu//, [[http:// |
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| ==== Hüter, Hirte, Herrscher: Krummstab ==== | ==== Hüter, Hirte, Herrscher: Krummstab ==== | ||
| Der Stab mit Krümme (lat. volute, curvatura) ist ursprünglich ein Werkzeug und seiner Herkunft nach ein // | Der Stab mit Krümme (lat. volute, curvatura) ist ursprünglich ein Werkzeug und seiner Herkunft nach ein // | ||
| - | Als auet-Zepter (heqa, ḥq3) ist der Hirtenstab altägyptische Insigne seit dem Alten Reich (2707–2216 v. Chr.) bekannt (('' | + | Als auet-Zepter (heqa, ḥq3) ist der Hirtenstab altägyptische Insigne seit dem Alten Reich (2707–2216 v. Chr.) bekannt (('' |
| Die Bibel erhöht den Krummstab vom Herrscherstab zum Gottesstab beim Kampf von Moses und Aaron gegen die pharaonischen Magier vor dem Auszug aus Ägypten. Die Bibelexegeten sind sich uneins, wie viel Stäbe dabei nun eigentlich im Spiel waren; die Bibelübersetzer zogen sich meist aus der Affäre, indem sie die hebräischen Umschreibungen meist als `Stab´ vereinheitlichten. Dennoch zieht sich ein erkennbarer Dualismus der Stäbe von den ägyptischen Stäben Ober- und Unterägyptens über Moses und Aaron zu den jeweils zwei Stäben der zwei Oberhäupter der christlichen Kirchen: | Die Bibel erhöht den Krummstab vom Herrscherstab zum Gottesstab beim Kampf von Moses und Aaron gegen die pharaonischen Magier vor dem Auszug aus Ägypten. Die Bibelexegeten sind sich uneins, wie viel Stäbe dabei nun eigentlich im Spiel waren; die Bibelübersetzer zogen sich meist aus der Affäre, indem sie die hebräischen Umschreibungen meist als `Stab´ vereinheitlichten. Dennoch zieht sich ein erkennbarer Dualismus der Stäbe von den ägyptischen Stäben Ober- und Unterägyptens über Moses und Aaron zu den jeweils zwei Stäben der zwei Oberhäupter der christlichen Kirchen: | ||
| Zeile 589: | Zeile 589: | ||
| === Die Stäbe von Moses und Aaron === | === Die Stäbe von Moses und Aaron === | ||
| - | Hirtenstab und Ferula finden ihre biblischen Vorbilder in den Stäben von '' | + | Hirtenstab und Ferula finden ihre biblischen Vorbilder in den Stäben von '' |
| Zwar siegt der Gottesstab (Hirtenstab, | Zwar siegt der Gottesstab (Hirtenstab, | ||
| Zeile 602: | Zeile 602: | ||
| * seine Werkzeugform als lat. //baculus retortus//, also `krummer Stab´ | * seine Werkzeugform als lat. //baculus retortus//, also `krummer Stab´ | ||
| * und gr. // | * und gr. // | ||
| - | * sowie seine Herstellungsweise als //cambuta// ((cambutta, cambuca, cambucca, gambutta, gabuta, cambotta, camputa, camboca, sambuca - siehe [[http:// | + | * sowie seine Herstellungsweise als //cambuta// ((cambutta, cambuca, cambucca, gambutta, gabuta, cambotta, camputa, camboca, sambuca - siehe [[http:// |
| 33 Tau-Stäbe europäischer Herkunft zwischen Portugal und Skandinvien sind erhalten und stammen aus de 8. bis 12. Jahrhundert (( '' | 33 Tau-Stäbe europäischer Herkunft zwischen Portugal und Skandinvien sind erhalten und stammen aus de 8. bis 12. Jahrhundert (( '' | ||
| Zeile 609: | Zeile 609: | ||
| === Die Ferula des Papstes der römischen Kirche === | === Die Ferula des Papstes der römischen Kirche === | ||
| - | Der Stab des Papstes wird im [[wiki: | + | Der Stab des Papstes wird im [[wiki: |
| Statt des Krummstabes ist die »Ferula« (lat. Gerte, Rute, Stock) gerade und in den ältesten Darstellungen oben kugelförmig verdickt (('' | Statt des Krummstabes ist die »Ferula« (lat. Gerte, Rute, Stock) gerade und in den ältesten Darstellungen oben kugelförmig verdickt (('' | ||
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| wird die Bedeutung der Ferula als Behälter (Akkadisch > talm. //nastik// und //nartik// `Büchse´, hebr. nār >Licht, Lampe) für Feuer (arabisch `nar´) | wird die Bedeutung der Ferula als Behälter (Akkadisch > talm. //nastik// und //nartik// `Büchse´, hebr. nār >Licht, Lampe) für Feuer (arabisch `nar´) | ||
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| Tatsächlich läßt sich das trockene innere Mark entzünden und glimmt dann stundenlang ohne das Rohr zu beschädigen. So diente es unter anderem den Seeleuten als Feuerzeug. | Tatsächlich läßt sich das trockene innere Mark entzünden und glimmt dann stundenlang ohne das Rohr zu beschädigen. So diente es unter anderem den Seeleuten als Feuerzeug. | ||
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| - | Dies zeigt an, dass der Narthex etwas Neues war, das die üblichen griechischen Begriffe für `Behälter´ nicht vermittelten, | + | Dies zeigt an, dass der Narthex etwas Neues war, das die üblichen griechischen Begriffe für `Behälter´ nicht vermittelten, |
| === Die Säfte der Steckenkräuter: | === Die Säfte der Steckenkräuter: | ||
| Das [[https:// | Das [[https:// | ||
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| Deren Saft war wohlriechend (odos), wohlschmeckend und neutralisierte viele Gifte | Deren Saft war wohlriechend (odos), wohlschmeckend und neutralisierte viele Gifte | ||
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| Die Region um Cyrene wurde damit reich, denn das Harz wurde nach '' | Die Region um Cyrene wurde damit reich, denn das Harz wurde nach '' | ||
| - | * Hebräisch // | + | * Hebräisch // |
| * Die Griechen nannten die der Petersilie ähnlichen Blätter `maspetum, maspeton´; Stängel/ | * Die Griechen nannten die der Petersilie ähnlichen Blätter `maspetum, maspeton´; Stängel/ | ||
| * Die Römer nannten den Saft // | * Die Römer nannten den Saft // | ||
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| === Exkurs: Die Nachfolger des Silphium === | === Exkurs: Die Nachfolger des Silphium === | ||
| Das antike Wundermittel Silphium wuchs ausschließlich in der heutigen libyschen Provinz Kyrenaika an der Grenze zu Ägypten. Hier lebten Berber, es herrschten Phönizier, Griechen und Ägypter; diese Kulturen nutzten die Pflanze. Nach dem Aussterben dieser Pflanze suchte man nach Pflanzensäften und Harzen bei verwandten Arten, auch solchen aus entfernteren Regionen wie Syrien, Iran und Pakistan, etwa //Ferula gummosa// | Das antike Wundermittel Silphium wuchs ausschließlich in der heutigen libyschen Provinz Kyrenaika an der Grenze zu Ägypten. Hier lebten Berber, es herrschten Phönizier, Griechen und Ägypter; diese Kulturen nutzten die Pflanze. Nach dem Aussterben dieser Pflanze suchte man nach Pflanzensäften und Harzen bei verwandten Arten, auch solchen aus entfernteren Regionen wie Syrien, Iran und Pakistan, etwa //Ferula gummosa// | ||
| - | (('' | + | (('' |
| so dass zwar weiterhin Galbanum angeboten wurde, jedoch waren diese Sorten nicht identisch mit dem antiken Galbanum | so dass zwar weiterhin Galbanum angeboten wurde, jedoch waren diese Sorten nicht identisch mit dem antiken Galbanum | ||
| (( '' | (( '' | ||
| - | //Kinnah// (=Elkinnat) oder Baderd, Bubon, Metopion, persisch Barzat, griechisch Chalbane \\ | + | //Kinnah// (=Elkinnat) oder Baderd, Bubon, Metopion, persisch Barzat, griechisch Chalbane\\ |
| //Kana// für die Ferula communis, im westlichen Afrika Elkalch, bei den Griechen Nardex und Mathobium )). | //Kana// für die Ferula communis, im westlichen Afrika Elkalch, bei den Griechen Nardex und Mathobium )). | ||
| Es ist daher nicht offensichtlich, | Es ist daher nicht offensichtlich, | ||
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| Eine umfassende Darstellung der Ferulaarten im Orient und deren Begriffen in:\\ | Eine umfassende Darstellung der Ferulaarten im Orient und deren Begriffen in:\\ | ||
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| * //kašam kunğah, šiminjti qanah, zarī´ aθu `il kalhu, zawfirrāh// | * //kašam kunğah, šiminjti qanah, zarī´ aθu `il kalhu, zawfirrāh// | ||
| - | * Im marokkanischen Arabisch heißt das Harz: //ilk el kelakh, علك الاكلخ, | + | * Im marokkanischen Arabisch heißt das Harz: //ilk el kelakh, علك الاكلخ, |
| - | * in Andalusien // | + | * in Andalusien // |
| In der Gegenwart finden sich für die //ferula communis// die Bezeichnungen (('' | In der Gegenwart finden sich für die //ferula communis// die Bezeichnungen (('' | ||
| - | * Marokk. Arabisch: //Besbâs h' | + | * Marokk. Arabisch: //Besbâs h' |
| - | * Marokk. Berber.: //Aboubal, Aouli, Kechbour, Ouffal, Taddrat (die Dolde), Taggou(e)lt, | + | * Marokk. Berber.: //Aboubal, Aouli, Kechbour, Ouffal, Taddrat (die Dolde), Taggou(e)lt, |
| - | * //Boubal ((Trabut, [[https:// | + | * //Boubal ((Trabut, [[https:// |
| * // | * // | ||
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| * arabisches Kalh, assyrisches Qanna, Qanu (assyr.), Käneh (hebr.) | * arabisches Kalh, assyrisches Qanna, Qanu (assyr.), Käneh (hebr.) | ||
| * Asal (( akk. ašlu(m) „Binse, Seil“, ar. asal „Rohr, Binse“, aram. ašlā, syr. īšlā „Seil“, s. S. 83:\\ | * Asal (( akk. ašlu(m) „Binse, Seil“, ar. asal „Rohr, Binse“, aram. ašlā, syr. īšlā „Seil“, s. S. 83:\\ | ||
| - | '' | + | '' |
| === Namen, Produkte und Pflanzenarten === | === Namen, Produkte und Pflanzenarten === | ||
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| ^ Kalh (1) | Kelakha كلخة | Pflanze| [[http:// | ^ Kalh (1) | Kelakha كلخة | Pflanze| [[http:// | ||
| - | ^ L-fasuh| Fassoukh | Harz, »falsches\\ gummi arabicum« | Ferula communis \\ aus dem Maghreb| | + | ^ L-fasuh| Fassoukh | Harz, »falsches\\ gummi arabicum« | Ferula communis\\ aus dem Maghreb| |
| - | | | sukk| Parfum, »mixture\\ employeé en magie« ((V. Loubignac\\ Textes arabes des Zaër\\ | + | | | sukk| Parfum, »mixture\\ employeé en magie« ((V. Loubignac\\ Textes arabes des Zaër\\ transcription, |
| ^zarī´ aθu `il kalhu| sīsālīyus? | ^zarī´ aθu `il kalhu| sīsālīyus? | ||
| ^ Kelkh(a) | berb. Zekelak | der trockene Stängel| | | ^ Kelkh(a) | berb. Zekelak | der trockene Stängel| | | ||
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| | ^ Wandeln\\ Verändern ^ Transportieren\\ Übertragen ^ Speichern ^ | | ^ Wandeln\\ Verändern ^ Transportieren\\ Übertragen ^ Speichern ^ | ||
| - | ^ Stoff| Mörserkeule\\ Grabstock\\ Spieß| Tragstange| Korb aus Weidenruten\\ | + | ^ Stoff| Mörserkeule\\ Grabstock\\ Spieß| Tragstange| Korb aus Weidenruten\\ Rohr| |
| ^ Energie| Feuerbohrer| Narthex | Narthex | | ^ Energie| Feuerbohrer| Narthex | Narthex | | ||
| ^ | Hebel\\ Quirl| Handspindel\\ Töpferwelle\\ Bogenspannung > Pfeil| Hebel m. Gegengewicht\\ (Brunnen-)schwengel\\ Schwingbaum\\ Stabfeder (Bogenspannung) | | ^ | Hebel\\ Quirl| Handspindel\\ Töpferwelle\\ Bogenspannung > Pfeil| Hebel m. Gegengewicht\\ (Brunnen-)schwengel\\ Schwingbaum\\ Stabfeder (Bogenspannung) | | ||
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| ==== Der Stab als Mittel zum Überwinden der Natur ==== | ==== Der Stab als Mittel zum Überwinden der Natur ==== | ||
| - | **Der Stab als einfaches mechanisches Werkzeug **\\ | + | **Der Stab als einfaches mechanisches Werkzeug**\\ |
| ... verhalf zu Nahrung und sicherte das Überleben. Der bessere Stab und die bessere Technik im Umgang damit brachten Vorteile, also war der Stab gleichzeitig Zeichen für Überlegenheit. Die Quelle dieser Überlegenheit musste höheren Mächten zugeschrieben werden, solange der Verstand keine technische Analyse der Zusammenhänge erstellen konnte. Die Vielfalt der unterschiedlich geeigneten Materialien und die zahlreichen daraus erstellbaren Formen ermöglichten immer wieder neue technische Anwendungen. Im praktischen alltäglichen Anwenden werden Werkzeuge seit je ergonomisch erprobt und nachfolgend optimiert, denn ein Werkzeug das denselben Nutzen mit geringerem Aufwand liefert, wird bevorzugt. Aristoteles ( 384 bis 322 v. Chr) zählt als mechanische Hilsmittel auf (('' | ... verhalf zu Nahrung und sicherte das Überleben. Der bessere Stab und die bessere Technik im Umgang damit brachten Vorteile, also war der Stab gleichzeitig Zeichen für Überlegenheit. Die Quelle dieser Überlegenheit musste höheren Mächten zugeschrieben werden, solange der Verstand keine technische Analyse der Zusammenhänge erstellen konnte. Die Vielfalt der unterschiedlich geeigneten Materialien und die zahlreichen daraus erstellbaren Formen ermöglichten immer wieder neue technische Anwendungen. Im praktischen alltäglichen Anwenden werden Werkzeuge seit je ergonomisch erprobt und nachfolgend optimiert, denn ein Werkzeug das denselben Nutzen mit geringerem Aufwand liefert, wird bevorzugt. Aristoteles ( 384 bis 322 v. Chr) zählt als mechanische Hilsmittel auf (('' | ||
| S. 38)): | S. 38)): | ||
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| Wiederholt lässt sich beobachten, wie sich ein einfaches Werkzeug über eine vielfach optimierte Waffe zum Symbol und zum Kultstab ausdifferenzierte: | Wiederholt lässt sich beobachten, wie sich ein einfaches Werkzeug über eine vielfach optimierte Waffe zum Symbol und zum Kultstab ausdifferenzierte: | ||
| - | **Die symmetrische Mörserkeule** mit der Handhabe in der Mitte war ein Werkzeug vornehmlich der Küche und der bäuerlichen Selbstversorgung (('' | + | **Die symmetrische Mörserkeule** mit der Handhabe in der Mitte war ein Werkzeug vornehmlich der Küche und der bäuerlichen Selbstversorgung (('' |
| '' | '' | ||
| Die Mörserkeule // | Die Mörserkeule // | ||
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| Mit der //hasta fetiale// erklärten die Priester (Fetialen) den Krieg, indem sie sie auf Feindesland warfen.\\ | Mit der //hasta fetiale// erklärten die Priester (Fetialen) den Krieg, indem sie sie auf Feindesland warfen.\\ | ||
| Mit einer aufgestellten //hasta// zeigte die Obrigkeit das Recht auf Verkäufe (hasta frumentaria), | Mit einer aufgestellten //hasta// zeigte die Obrigkeit das Recht auf Verkäufe (hasta frumentaria), | ||
| - | Die Haare einer Braut mussten mit der //hasta coelibaris// | + | Die Haare einer Braut mussten mit der //hasta coelibaris// |
| Der **Krummstab** bestand ursprünglich aus krumm gewachsenen Holz mit Ast- oder Wurzelansatz, | Der **Krummstab** bestand ursprünglich aus krumm gewachsenen Holz mit Ast- oder Wurzelansatz, | ||
| - | Formen mit nur angedeuter Krümme (r-Stab), spiralförmiger Volute (Lituus) oder verkürztem Krummholz (Lagobolon) zeigen diese Werkzeugfunktion nicht; für sie wäre ein anderer funktionaler Ursprung zu vermuten (('' | + | Formen mit nur angedeuter Krümme (r-Stab), spiralförmiger Volute (Lituus) oder verkürztem Krummholz (Lagobolon) zeigen diese Werkzeugfunktion nicht; für sie wäre ein anderer funktionaler Ursprung zu vermuten (('' |
| === Wissen zur Macht === | === Wissen zur Macht === | ||
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| Eine vergleichende Übersicht der Stäbe in den germanischen Frauengräbern - der möglichen **Seherinnen-Stäbe** - fehlt trotz ihrer nach Material und Form völlig isolierten Stellung innerhalb der Stäbe. | Eine vergleichende Übersicht der Stäbe in den germanischen Frauengräbern - der möglichen **Seherinnen-Stäbe** - fehlt trotz ihrer nach Material und Form völlig isolierten Stellung innerhalb der Stäbe. | ||
| - | Die Bibel ist eine wesentliche Quelle für hebräische Begriffe rund um `Stock, Stab, Rute´ und als solche nicht ausgewertet. Die spezifischen hebräischen Begriffe | + | Die Bibel ist eine wesentliche Quelle für hebräische Begriffe rund um `Stock, Stab, Rute´ und als solche nicht ausgewertet. Die spezifischen hebräischen Begriffe |
| * als קנה (kane) in 38 Stellen, allgemein als Rohr, Rute, technisch als Messrute, Würzrohr, Rohrstab, Schaft, Waage, botanisch als Halm, Schilf, jedoch meist in übertragenem Sinne als `Arm´. | * als קנה (kane) in 38 Stellen, allgemein als Rohr, Rute, technisch als Messrute, Würzrohr, Rohrstab, Schaft, Waage, botanisch als Halm, Schilf, jedoch meist in übertragenem Sinne als `Arm´. | ||
| * als מטּה (matteh) in 178 Stellen allgemein als Stab, jedoch meist botanisch als Stamm, Zweig, und nur ausnahmsweise technisch als Spieß, Zepter. | * als מטּה (matteh) in 178 Stellen allgemein als Stab, jedoch meist botanisch als Stamm, Zweig, und nur ausnahmsweise technisch als Spieß, Zepter. | ||
wiki/stock_stab.1783657654.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke
