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Reisepass

Entstanden ist der Reisepass nach der Entstehung der Nationalstaaten als mit der doppelten Funktion von der Erlaubnis, das Land zu verlassen und als Schutzdokument für den Reisenden. Ähnliche Funktionen hatten das mittelalterliche Geleitswesen aus öströmischen Wurzeln und das noch ältere Gastrecht für den Reisenden im Zwischenraum.

Das wichtigste Dokument für Reisende, die außerhalb der Europäischen Union unterwegs sind, ist der Reisepass. Für die Grenzbeamten ist er der unverzichtbare Schlüssel für das Passieren der Grenze – je nach Land mit oder ohne Visum. Für Vielreisende wird er damit zum Zeugnis seiner Reisegeschichte und zum wertvollen, einzigartigen Andenken.

Nach Ablauf seiner Gültigkeit darf er behalten werden, nachdem er von der zuständigen Behörde „ungültig“ gestempelt wurde.
Behalten möchte den Pass manchmal auch eine Hotelrezeption als Bürgschaft. Das geht gar nicht, denn Reisende müssen sich jederzeit mit dem Pass ausweisen können, etwa an einem road block. In beiden Fällen kann man sich meist mit einer laminierten Farbkopie des Passes behelfen. Polizeibeamte fremder Staaten – insbesondere jene in failed states – drohen in Einzelfällen schon mal damit, den Pass einzubehalten, etwa wenn eine angebliche Ordnungswidrigkeit begangen wurde, also beispielsweise ein nicht funktionierender Blinker am Fahrzeug. Möglicherweise hilft dann der im Reisepass eingedruckte Hinweis: „Dieser Reisepass ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland“. Andernfalls sollte die Botschaft oder ein Konsulat informiert werden, denn diese können die Herausgabe des Reisepasses verlangen.

Der Reisepass hat mehrere Funktionen:

  • Erstens zeigt er unterwegs an, dass dem Reisenden von seinem Land Reisefreiheit gewährt wurde, dass also dort nichts gegen den Reisenden vorliegt;
  • Zweitens enthält er Kennzeichen, die es ermöglichen sollen, den Reisenden mit dem Beschriebenen zu identifizieren, etwa mittels Unterschrift, Körpergröße, Haarfarbe, Augenfarbe und seit 1885 erstmals mit einem Passfoto.
  • Drittens muss der Reisepass fälschungssicher sein, damit er die ersten beiden Funktionen gewährleisten kann.
  • Viertens bietet er den Reiseländern die Möglichkeit für Vermerke wie den „Sichtvermerk“ (Visum) als Beweis, dass der Reisende sich vor der Reise der Botschaft des Reiselandes vorgestellt hat (das war früher so), den Einreisestempel als Beleg des rechtmäßigen Aufenthaltes im Land und den Ausreisestempel, weil das nächste Land wissen möchte, woher der Reisende kommt. Sondererlaubnisse (permit) und Vermerke für Vergehen wie das Überziehen von Fristen/Terminen. So hat Israel früher bei der Einreise aus Jordanien die Stempel auf Papierschnipseln beigelegt, damit bei der Rückreise der Übergang zu Jordanien nicht verwehrt wurde.
  • Fünftens führten massenhafter Reiseverkehr einerseits und seit 2002 erheblich gestiegene Kontrollbedürfnisse anderseits dazu, dass der Reisepass in der Regel maschinenlesbar sein muss und ebensolche biometrischen Daten enthält (Fingerabdrücke, Bild), die in Echtzeit mit Datenbanken abgeglichen werden können: die der Fluggesellschaft, die der nationalen Sicherheitsbehörden und die anderer Länder, namentlich der USA.

Buchdrucktechnisch verbindet der Reisepass seit 2017 den Umschlag mit 32 (48) Inhaltsseiten aus Papier und die Passkarte mit Titel- und Datenseite aus verklebten und zusammengebackenen Polycarbonatschichten. Diese enthalten zahlreiche Sicherheitsmerkmalen wie etwa:

  • Wasserzeichen im Papier mit wechselnden Darstellungen des Bundesadlers
  • Guillochen, also ineinander verwobene und mehrfarbige Linienmuster.
  • Ausstellungs- und Gültigkeitsdatum sind tastbar
  • Eine Seriennummer, die durch alle Seiten hindurch bis auf die hintere Einbandseite perforiert ist.
  • Ein Lichtbild, das viermal enthalten ist, und
  • seit 2001 auch als Hologramm verwoben mit vier Bundesadlern und
  • seit 2005 auf dem Chip gespeichert, zusammen mit Fingerabdruck und den persönlichen Daten.
  • Ein einlaminierter, metallischer Faden mit maschinell prüfbarer Seriennummer und dem eigenen Namen

Der deutsche Reisepass gilt als komplexester weltweit und entsteht in der Bundesdruckerei, die letztlich 1763 entstand, als Friedrich der Große dem Buchdrucker Georg Jacob Decker das Erbprivileg für alle staatlichen Druckarbeiten ausstellte.

»Sämmtliche Polizeien der regierenden Ober-, Unter- und Zweigabtheilungen stehen unter sich in geheimer Verbindung, und theilen sich durch festgestellte geheime Berichte, Paßzeichen *), u. s. w. u. s. w. ununterbrochen den gegen gewisse Individuen gefaßten Verdacht mit. * Von 1831 bis auf die neueste Zeit bestanden ununterbrochen geheime Chiffern, gewisse Federstriche und sonstige Zeichen, welche den Pässen vieler Reisenden beim Visiren beigefügt wurden, und wodurch eine Polizei die andre von der politischen Gesinnung des Ankommenden in Kenntnis setzte . Ein fürchterliches, selbst der spanischen Inquisition unbekanntes Factum.«
S. 3 in: Max Langenschwarz
An Fürst Metternich. Mit einem Wort an „Deutschland und die Nachwelt“
16 S. Wienbrack 1848.

wiki/reisepass.txt · Zuletzt geändert: 2024/05/05 11:00 von norbert

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