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wiki:reiselust

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 **1643** lässt eine Allegorie mit dem Totenmann neben einem Sarg sitzend ((''Franz Julius von Knesebeck'': //Dreiständige Sinnbilder// ... Braunschweig 1643, [[https://www.google.de/books/edition/Dreistandige_Sinnbilder_etc/IJBQAAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=reiselust%20%20-gaudy&pg=PA34&printsec=frontcover|Online]])), den Toten sprechen:\\  **1643** lässt eine Allegorie mit dem Totenmann neben einem Sarg sitzend ((''Franz Julius von Knesebeck'': //Dreiständige Sinnbilder// ... Braunschweig 1643, [[https://www.google.de/books/edition/Dreistandige_Sinnbilder_etc/IJBQAAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=reiselust%20%20-gaudy&pg=PA34&printsec=frontcover|Online]])), den Toten sprechen:\\ 
-//Wo ich geboren bin bei meiner ersten wiegen\\ Bleib ich stets sorgenlos mein leben über liegen \\ Veraltend nur daheim was soll ich lauffen aus \\ Die welt und **reiselust** find ich in meinem haus// +//Wo ich geboren bin bei meiner ersten wiegen\\ Bleib ich stets sorgenlos mein leben über liegen\\ Veraltend nur daheim was soll ich lauffen aus\\ Die welt und **reiselust** find ich in meinem haus// 
  
-Und auch eine Leichenpredigt von **1635** stellt den Zusammenhang zwischen Reiselust und Tod her:\\ //Thanatōdēs Viator, id est Die rechte WandersBegierde und **sterbliche ReiseLust**/ erkläret aus Gottes Worte/ nach dem ... Reiseliede/ Herr Jesu Christ ich weiß gar wol/ daß ich einmal muß sterben/ etc. Uber den kläglichen Trawerfall eines einher reisenden Jünglings/ Herren Petri De Herttog von Hamburgk/ so da schleunig und unverhofft auff der freyen Landstraassen durch einen tödlichen PistolSchuß am lincken Backen mit einem schmertzlosen Stündlein ubereylet/ und zum Himmelreich aus seinem Beruff gefordert worden/ Abends Galli umb 4. Uhr: abweichendes 1634// ((Thanatōdēs Viator, id est Die rechte WandersBegierde und sterbliche ReiseLust/ erkläret aus Gottes Worte/ nach dem ... Reiseliede/ Herr Jesu Christ ich weiß gar wol/ daß ich einmal muß sterben/ etc. Uber den kläglichen Trawerfall eines einher reisenden Jünglings/ Herren Petri De Herttog von Hamburgk/ so da schleunig und unverhofft auff der freyen Landstraassen durch einen tödlichen PistolSchuß am lincken Backen mit einem schmertzlosen Stündlein ubereylet/ und zum Himmelreich aus seinem Beruff gefordert worden/ Abends Galli umb 4. Uhr: abweichendes 1634. Jahres Und bald den andern Tag hernach mit hertzlicher Erbarmung/ Weinen und Mittleiden zu der Kirchen gebracht/ auch darauff in Ansehnlicher und Volckreicher Kirchversamlung Fürstlicher und Adelicher Beampten ... den folgenden Mittwochen zu seinem Ruhbettlein unter den Predigtstuel hier in der Kirchen zu Maw eingelegt/ und nach Vermögen das Gott damals ertheilet/ als auch der Zeit anlaß nach/ nochmals eingesegnet worden \\ 26 Bl. Jehna 1635: Barbara Weidner. [[https://dhb.thulb.uni-jena.de/receive/ufb_cbu_00010820| Online]]. M. Urbano Fritschen/ Vinariensi, Pfarrern daselbst; Peter de Herttog ))+Und auch eine Leichenpredigt von **1635** stellt den Zusammenhang zwischen Reiselust und Tod her:\\ //Thanatōdēs Viator, id est Die rechte WandersBegierde und **sterbliche ReiseLust**/ erkläret aus Gottes Worte/ nach dem ... Reiseliede/ Herr Jesu Christ ich weiß gar wol/ daß ich einmal muß sterben/ etc. Uber den kläglichen Trawerfall eines einher reisenden Jünglings/ Herren Petri De Herttog von Hamburgk/ so da schleunig und unverhofft auff der freyen Landstraassen durch einen tödlichen PistolSchuß am lincken Backen mit einem schmertzlosen Stündlein ubereylet/ und zum Himmelreich aus seinem Beruff gefordert worden/ Abends Galli umb 4. Uhr: abweichendes 1634// ((Thanatōdēs Viator, id est Die rechte WandersBegierde und sterbliche ReiseLust/ erkläret aus Gottes Worte/ nach dem ... Reiseliede/ Herr Jesu Christ ich weiß gar wol/ daß ich einmal muß sterben/ etc. Uber den kläglichen Trawerfall eines einher reisenden Jünglings/ Herren Petri De Herttog von Hamburgk/ so da schleunig und unverhofft auff der freyen Landstraassen durch einen tödlichen PistolSchuß am lincken Backen mit einem schmertzlosen Stündlein ubereylet/ und zum Himmelreich aus seinem Beruff gefordert worden/ Abends Galli umb 4. Uhr: abweichendes 1634. Jahres Und bald den andern Tag hernach mit hertzlicher Erbarmung/ Weinen und Mittleiden zu der Kirchen gebracht/ auch darauff in Ansehnlicher und Volckreicher Kirchversamlung Fürstlicher und Adelicher Beampten ... den folgenden Mittwochen zu seinem Ruhbettlein unter den Predigtstuel hier in der Kirchen zu Maw eingelegt/ und nach Vermögen das Gott damals ertheilet/ als auch der Zeit anlaß nach/ nochmals eingesegnet worden\\ 26 Bl. Jehna 1635: Barbara Weidner. [[https://dhb.thulb.uni-jena.de/receive/ufb_cbu_00010820| Online]]. M. Urbano Fritschen/ Vinariensi, Pfarrern daselbst; Peter de Herttog ))
  
 Es dauert mehr als ein Jahrhundert bis die Reiselust profan, empfindsam und romantisch aufgefasst wurde:\\  Es dauert mehr als ein Jahrhundert bis die Reiselust profan, empfindsam und romantisch aufgefasst wurde:\\ 
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 Man nehme dem Menschen diesen Forschungsinstinct, dieses Bedürfniß von Bewegung, die ihn bald aus bloßer Neugierde, bald in Handelszwecken nach dem Unbekannten hin treiben, und man streicht mit einem Striche aus der Geschichte der Welt die riesenhaften Reisen, welche die Länder und Völker mit einander Verbindung brachten.\\  Man nehme dem Menschen diesen Forschungsinstinct, dieses Bedürfniß von Bewegung, die ihn bald aus bloßer Neugierde, bald in Handelszwecken nach dem Unbekannten hin treiben, und man streicht mit einem Striche aus der Geschichte der Welt die riesenhaften Reisen, welche die Länder und Völker mit einander Verbindung brachten.\\ 
 Der wandernde Marco Polo wird nicht mehr verstanden; selbst Columbus bleibt unerklärlich. „Jeder für sich zu Hause!“ ist die engherzige Devise, die dann allein herrscht. Jeder Staat muß sich verrammeln wie China und mit einer großen Mauer einschließen. Nichts vermischt, nichts verknüpft sich mehr unter einander, weder die Völkerschaften, noch die Ideen, die Sitten, die Glaubensarten und Civilisationen.\\  Der wandernde Marco Polo wird nicht mehr verstanden; selbst Columbus bleibt unerklärlich. „Jeder für sich zu Hause!“ ist die engherzige Devise, die dann allein herrscht. Jeder Staat muß sich verrammeln wie China und mit einer großen Mauer einschließen. Nichts vermischt, nichts verknüpft sich mehr unter einander, weder die Völkerschaften, noch die Ideen, die Sitten, die Glaubensarten und Civilisationen.\\ 
-Ja, wenn man dem Menschen die Lust zu sehen und zu erfahren nimmt, zerfällt die Welt in lauter einzelne Bruchtheile die in der Abgeschiedenheit untergehen. \\ +Ja, wenn man dem Menschen die Lust zu sehen und zu erfahren nimmt, zerfällt die Welt in lauter einzelne Bruchtheile die in der Abgeschiedenheit untergehen.\\ 
 Die Reiselust ist ein Werkzeug der Vorsehung und zwar das kräftigste, das wirksamste von allen. Sieht man nicht in der physischen Ordnung der Dinge den Windhauch das Samenkorn, das in dem Thale reifte, forttragen und auf eine nackte Haide streuen damit diese Haide streuen, damit auch diese grüne und fruchtbar werde? Dasselbe gilt in der geistigen Welt. Der Samen der Aufklärung muß über die ganze Welt verstreut werden. Der Mensch muß ihn von Ort zu Ort tragen; es ist seine Aufgabe, denn auch ihm scheint eine Stimme von oben fortwährend zuzurufen: „vorwärts! Vorwärts!“\\  Die Reiselust ist ein Werkzeug der Vorsehung und zwar das kräftigste, das wirksamste von allen. Sieht man nicht in der physischen Ordnung der Dinge den Windhauch das Samenkorn, das in dem Thale reifte, forttragen und auf eine nackte Haide streuen damit diese Haide streuen, damit auch diese grüne und fruchtbar werde? Dasselbe gilt in der geistigen Welt. Der Samen der Aufklärung muß über die ganze Welt verstreut werden. Der Mensch muß ihn von Ort zu Ort tragen; es ist seine Aufgabe, denn auch ihm scheint eine Stimme von oben fortwährend zuzurufen: „vorwärts! Vorwärts!“\\ 
 Sage ich dies, um mich zu rechtfertigen? um die lange jetzt beginnende Wanderung zu erklären? Stelle ich einen allgemeinen Grundsatz auf oder brauche ich nur eine rednerische Vorsicht? Weder das eine noch das andere; denn der Grundsah würde uns zu weit führen und keine Vorsicht ist besser als die, gerade auf das Ziel loszugehen Ich wollte blos eine Thatsache anführen, nämlich, daß die Reiselust mich von Jugend auf quälte und nur die Liebe zu meiner Familie, wie der Wunsch, ein ernstes Studium zu vollenden, endlich eine Menge Unmöglichkeiten die man nicht so leicht gesteht, und der Mangel an Gelegenheit und an Geld mich von dem tyrannischen Gedanken, die Welt zu sehen, befreien konnte.\\  Sage ich dies, um mich zu rechtfertigen? um die lange jetzt beginnende Wanderung zu erklären? Stelle ich einen allgemeinen Grundsatz auf oder brauche ich nur eine rednerische Vorsicht? Weder das eine noch das andere; denn der Grundsah würde uns zu weit führen und keine Vorsicht ist besser als die, gerade auf das Ziel loszugehen Ich wollte blos eine Thatsache anführen, nämlich, daß die Reiselust mich von Jugend auf quälte und nur die Liebe zu meiner Familie, wie der Wunsch, ein ernstes Studium zu vollenden, endlich eine Menge Unmöglichkeiten die man nicht so leicht gesteht, und der Mangel an Gelegenheit und an Geld mich von dem tyrannischen Gedanken, die Welt zu sehen, befreien konnte.\\ 
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