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wiki:outlaw

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Outlaw

Englisch `Gesetzloser´. Im heutigen Sprachgebrauch ist der Outlaw eine Figur in Film 1) oder Literatur, die sich nicht an Regeln hält, jedoch mit dem Status eines Abenteurers, Helden, Glückritters. Deren verbrecherischen Taten werden relativiert, weil diese Figur als starke Persönlichkeit ihre Rolle außerhalb der Gesellschaft sucht ungeachtet der gesetzlichen und gesellschaftlichen Folgen für ihn selbst. Eine ins Maßlose übersteigerte Individualität, die anderen zwar nicht schaden will, Kollateralschäden jedoch billigend in Kauf nimmt. Die Züge des Outlaw sind verwandt mit denen des Trickster 2) und des Waldläufers; psychologisch stehen sie dem Psychopathen und Narzisten nah.

Ursprünglich bezeichnete der Begriff (útlegð, útlægr, ags. útlega, útlah) im alten Norwegischen und Isländischen jemanden, der ein schweres Verbrechen begangen hat und sich dem nicht mannhaft stellt.
Damit konnte und durfte er nicht mehr in der Gemeinschaft leben. Der Wald (skógr) liegt außerhalb der bewohnten Welt der Menschen. Dorthin wurden Menschen verbannt: búa i scógum. Sie wurden zu Waldgangsmenschen (skóggangsmenn, skóggangr, skågarmađr) 3) oder gar zum `varga´ (Würger > Wolf > Werwolf), zum Friedlosen in der Wildnis, der gejagt und erschlagen werden durfte 4).
Der Unhold in der Wildnis wird umschrieben mit mearcstapa `Mark-Stapfer´ 5), dem weglos Umherstapfenden in der Wildnis außerhalb der Gemeinschaft, dessen Name ihn mit den wilden Tieren verbindet: mórstapa `Auerochs´, hárðstapa `Wolf´.
Des Nachts bieten dort die Wegeskreuzungen Zugang zum Reich der Toten 6), den die Seherinnen vǫlur nutzen.

Davon unterschieden wurde der waer-genga 7), der Fremde, aus dem Ausland kommend, bezeichnete, die Schutz suchten unter dem geltenden Recht 8).
Der wildr-waergenga bleibt mehrdeutig 9), erscheint jedoch im Zusammenhang mit der Verbannung Nebukadnezars in den Wald.


  • Seal, Graham
    Outlaw Heroes in Myth and History
    Cambridge 2012: Cambridge University Press. https://doi.org/10.7135/UPO9780857284211
  • Prassel, Frank Richard
    The great American outlaw a legacy of fact and fiction
    Norman [Okla.]1993 : University of Oklahoma Press
1)
Mehr als 100 Filmtitel zum `Outlaw´ 1918 bis 2020 bei https://www.imdb.com
2)
Sarah Hagedorn Van Slette & Josh Boyd
Lawbreaking Jokers: Tricksters Using Outlaw Discourse
Communication Quarterly 2011, 59:5, 591-602, DOI: 10.1080/01463373.2011.614214
3)
Skógr `Wald´ im Sinne von `Zufluchtsort der Geächteten´, siehe Breidbach S. 168, Fußnote 530
4)
Karl von Amira
Nordgermanisches Obligationenrecht
Leipzig: Veit 1882-1895. XIII, 788; XV, 964 p.
Bd. 1. Altschwedisches Obligationenrecht ; Bd. 2. Westnordisches Obligationenrecht. S. 215-217
5)
Marquardt, Martha
Die altenglischen Kenningar
ein Beitrag zur Stilkunde altgermanischer Dichtung.
N.Niemeyer, 1938, S. 14
6)
Bonnetain, Yvonne
Loki Beweger der Geschichten
467 S. Rudolstadt: Roter Drache. = Diss. u.d.T.: Der nordgermanische Gott Loki aus literaturwissenschaftlicher Perspektive, Tübingen, 2005. hier S. 189
7)
lgbd. *wäregang, afrk. wargenga, ae. waergenga, an. vaeringi, uuaregang
8)
Van der Rhee, Florus
Die Germanischen Wörter in den langobardischen Gesetzen
Diss. Rotterdam 1970, S. 134 u.a.
Thomsen, Wilhelm Ludwig Peter
Der Ursprung des russischen Staates
drei Vorlesungen … Gotha 1879: F.A. Perthes.
S. 116 bis 129 ausführlich über mögliche Zusammenhänge zwischen den Wanderungen der Skandinavier durch die Rus nach Konstantinopel und nach Griechenland einerseits sowie zwischen den Bezeichnungen Waräger, waergenga, russ. varjag', griech. warangos, waraggoi, arabisch warank
Forssman, Julius
Skandinavische Spuren in der altrussischen Sprache und Dichtung: ein Beitrag zur Sprach- und Kulturgeschichte des ost- und nordeuropäischen Raums im Mittelalter. München 1967/1997: Kitzinger
S. 20: Die Herkunft des Wortes *vārgengi bleibt ungeklärt.
Taylor, Marion Ann
A New look at the old sources of „Hamlet“
The Hague 1968: Mouton. Studies in English literature, 42
»waergenga, which probably meant originally “sworn men” or “men of brotherhood”«
Schramm, Gottfried
Altrusslands Anfang
historische Schlüsse aus Namen, Wörtern und Texten zum 9. und 10. Jahrhundert.
Freiburg im Breisgau 2002: Rombach
S. 165: væringi kann mit ags. waergenga abstammungsgleich sein analog zu anord. foringi > Anführer mit ags. foreganga
9)
Winfried Breidbach
Reise - Fahrt - Gang. Nomina der Fortbewegung in den altgermanischen Sprachen.
Peter Lang 1994. Diss. Köln, S. 166 Fußnote 516, mit Verweisen
wiki/outlaw.1621843771.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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