Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


wiki:kap

Dies ist eine alte Version des Dokuments!


Kap

Eine geographische Singularität an der Küste, meist auskragende, die durch ihre Formenvielfalt nicht eindeutig abgrenzbar ist zur Landspitze oder zur Halbinsel.

Die Bezeichnung Kap (abgeleitet aus lateinisch caput `Kopf, Spitze´ > franz. Cap, engl. Cape, span. Cabo) findet sich bedeutungsgleich im Arabischen (Ras) 1) und Hebräischen Rosh 2) sowie im Griechischen Kephalai Κεφαλαί 3) für dasselbe geographische Phänomen und ist sinnverwandt mit Topp, Ort und span./ital. Punta 'Spitze'.

Vom Land aus wird die Wahrnehmung auf einem Kap stehend durch besondere Empfindungen erweitert:

  • die eigenen Bedeutungslosigkeit durch den ungehinderten Blick zum Horizont ohne ein sichtbares festes Ziel;
  • die eigene Machtlosigkeit gegenüber den Naturgewalten: Wind und Brandung;
  • daraus folgend ein Gefühl der Ausgesetztheit (Ende der Welt, z.B. Kap Finisterre) und
  • der Sog des Abgrunds (l'appel du vide, call of the void, high place phenomenon).

Vom Meer aus gesehen ist ein Kap ebenfalls ambivalent, denn es

  • ist ein guter Orientierungspunkt (span. cabotage), weil aus der Ferne zu sehen und durch seine Form deutlich zu identifizieren;
  • weist durch starke Erosion meist eine Steilküste auf und damit auch felsige Untiefen;
  • Winde und Strömungen sind im Umfeld des Kaps wenig berechenbar und erschwerend das Steuern.
    So galt beispielsweise das Kap Bojador (arab. Abu Khaṭar ابو خطر, `Vater aller Gefahren´) an der westafrikanischen Küste bis 1434 als nicht überwindbar.
  • Winde und Strömungen sorgen jedoch oft auch für eine windgeschützte Bucht im Windschatten des Kaps.

Die antiken Kapnamen bezeichnen ein Kap nüchtern nach Äußerlichkeiten, etwa nach der vorherrschenden Windrichtung (Kap Zephyrion Ζεφύριον), nach ihrer Form (Kap Drepanon Δρέπανον 'Sichel'), nach den Anwohnern (Kap Metagonion Μεταγώνιον) Im Lateinischen werden Kaps vielleicht erstmals mit einem Begriff aus Sicht der Seeseite bezeichnet, promunturium/promonturium (engl. promontories, deutsch Vorgebirge, griech. akrōtḗrion).

  • Robert Werner
    Das Καλόν άκρωτήριον des Polybios.
    Chiron 5 (1975) 21 ff DOI
    Mit umfangreichem Material zu den Kap-Namen der Antike und deren Zuordnungen.
  • Dihle, Albrecht
    Zur nautischen Fachsprache der Griechen.
    Glotta 51.3/4 (1973) 268–80. Online .
  • Jean-Marie Kowalski
    Navigation et géographie dans l’antiquité gréco-romaine. La terre vue de la mer.
    Antiquités – Synthèses, Band 14. Paris 2012: Picard. 256 S., 46 Abb.

Über alle Namensgebungen hinweg haftet einer Vielzahl dieser Kaps zwischen dem Nordpolarmeer und dem Indischen Ozean die sekundäre Bezeichnung 'heilig' an 4)

  • Soares, R.
    O Promontorium Sacrum: intemporal Santuário Natural, petrificada Paisagem Sagrada, vertiginosa atração da Finisterra.
    GARANTA - Revista de Letras, Artes e Cultura 1 (2018) 74-79.
  • Laurin Mackowitz
    Die Kluft zwischen Festung und Kap: Metaphern europäischer Identität im Kontrast.
    DOI S. 275–292 in: Andrea Brait, Stefan Ehrenpreis, Stella Lange: Europakonzeptionen. Baden-Baden 2020: Nomos Inhalt
1)
Wolfgang Helck
Die Beziehungen Ägyptens zu Vorderasien im 3. und 2. Jahrtausend v.Chr.
2. verbesserte Auflage 1971.
Heiliges Kap s. S. 126, 129
2)
z.B. 1 Kön 18,20-40: Karmel, Rosh Qadosh, heiliges Kap genannt.
Paul-Marie de la Croix
Hauts lieux élianiques.
S. 17 in: Elie le Propète selon les Ecritures et les taraditiones chrétiennes. Bd. 2 Paris 1956
3)
Kap Mesrâta oder Râs Bou-Chaifa im Westen der Großen Syrte. Strabon 17,3,19; Plutarch Dion 25,8; Ptolemäus 4,3,13
4)
Gerd Grasshoff, Renate Burri, Klaus Geus, et al.: Klaudios Ptolemaios. Handbuch der Geographie. 1. Teilband: Einleitung und Buch 1-4 & 2. Teilband: Buch 5-8 und Indices 2017 (Homer nannte as el Abjad (weißes Vorgebirge), auch: heiliges Kap Homer nannte in der Odyssee das Kap Sounion an der Südspitze von Attika „heilig“. Register mit 5 Heiligen Kaps:auf Korsika, des Helios (Ras Oman), in Lusitanien (Cabo de San Vicente), in Lykien (Yedi Burun), in Sarmatien (Dromos des Achill, westliches Kap); Quellen z.B. Brockhaus 1895 Bd. 15 S. 533; weitere sind:
wiki/kap.1702081596.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

Donate Powered by PHP Valid HTML5 Valid CSS Driven by DokuWiki