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wiki:cicerone

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Cicerone

Der italienisch klingende Begriff erscheint literarisch zuerst in England in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und bezeichnet ein Buch oder eine Person, die umfassend über Altertümer informiert, also einen belesenen Sammler von Antiquitäten, einen Führer durch antike Stätten oder einen gedruckten Reiseführer.
Naheliegend (jedoch unbelegt) ist es, den Begriff mit dem Römer Marcus Tullius Cicero (106-43 BC) zu verbinden, der als berühmtester Redner seiner Zeit galt, als vorbildhafter Autor und als einzigartiger Vermittler philosophischen Wissens.

Ersterwähnt 1726 in England, in Joseph Addison Dialogue on Medals: „I must own to you it surprized me to see my Ciceroni so well acquainted with the busts and statues of all the great people of antiquity“ und ab 1762 im New English Dictionary.
1739 verwendet Charles de Brosses (1709-77) den Begriff im Französischen: „qu’il faudra que je fasse avec vous le cicerone, vous menant tous les jours par la main badauder dans les rues de Rome, d’un bout de la ville à l’autre ? Que ne prenez-vous Ficoroni, comme j’ai fait?“
Im Deutschen zuerst 1747 in einem Nachruf: „[Ficoroni] hat wohl 50 Jahre lang zu Rom den Fremden als Cicerone gedienet…“ 1). Berühmt im deutschsprachigen Raum wurde 1855 Burckhardt, Jacob: Der Cicerone: eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens (Basel: Schweighauser) mit 1155 Seiten.

Joseph Addison (1672-1719) reiste ab 1700 durch Italien, als `bearleader´ für Georg Dashwood und Edward Wortley Montagu (1678-1761) und ließ sich von Francesco (de) Ficoroni (1664–1747) 2) numismatisch ausbilden. Ficoroni wirkte als berühmter Cicerone, und wurde noch zu Lebzeiten 1739 in einem Brief von Charles de Brosses auch so bezeichnet. Addisons Werk „Remarks on several parts of Italy, &c., in the years 1701, 1702, 1703“ war erfolgreich, doch wurde Addison von Horace Walpole kritisch bewertet: „[he] travelled through the poets, and not through Italy; for all his ideas are borrowed from the descriptions, and not from reality.“ 3). Addison wirkte dadurch selber als Cicerone.

  • Descamps-Maroufi, Karine
    Le Cicerone et le Touriste : Lire et dire Rome aux XIXème et XXème Siècles.
    298 S. Dissertation bei Philippe Hamon, Université de la Sorbonne Nouvelle Paris 1996. .
1)
„Göttingische Zeitungen von gelehrten Sachen“ 1747, S. 654, und gleichlautend 1754,S. 1150, in: Heinsius, Johann G.: Unpartheyische Kirchen-Historie Alten und Neuen Testaments: darinnen von d. Lehrer u.a. Scribenten zu allen Zeiten Leben u. Schr., von d. Lehre aller Religionen, vom Gottesdienst, Kirchen-Regiment, Ketzereyen u. Trennungen … gehandelt wird. Band 3. 1968 S. Jena: Hartung
2)
Ridley, Ronald T.: The prince of antiquarians Francesco de Ficoroni. Roma Edizioni Quasar 2017
3)
Ford, Brinsley, John Ingamells: A dictionary of British and Irish travellers in Italy: 1701-1800. LII, 1070 S. New Haven 1997: Yale Univ. Press S.9
wiki/cicerone.1694184340.txt.gz · Zuletzt geändert: 2023/09/08 14:45 von norbert

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