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wiki:bummler

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wiki:bummler [2022/06/20 15:11] Norbert Lüdtkewiki:bummler [2026/07/28 12:45] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
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 Das **Bummeln** ist als altes deutsches Wort tendenziell eher im Niederdeutschen zu finden mit den Bedeutungen von lärmendem Bimmeln wie eine Kuhglocke, schwingend wie eine Bommel, hängend und schwebend (`baumelnd´) und wird zuletzt übertragen auf das Schlendern als einem gemächlichen und ziellosen Hin und Her. Das **Bummeln** ist als altes deutsches Wort tendenziell eher im Niederdeutschen zu finden mit den Bedeutungen von lärmendem Bimmeln wie eine Kuhglocke, schwingend wie eine Bommel, hängend und schwebend (`baumelnd´) und wird zuletzt übertragen auf das Schlendern als einem gemächlichen und ziellosen Hin und Her.
  
-Erst im 19. Jahrhundert beschreibt es Menschen, die `bummeln´: den **Bummler** als ein neues Phänomen zwischen dem [[wiki:flaneur|Flaneur]] und dem [[wiki:vagabund|Vagabunden]], und als lebenslustiges [[wiki:stereotyp|Stereotyp]] im sozialen [[wiki:zwischenraum|Zwischenraum]] bürgerliche Werte infragestellend:+Erst im 19. Jahrhundert beschreibt es Menschen, die `bummeln´: den **Bummler** als ein neues Phänomen zwischen dem [[wiki:flaneur|Flaneur]] und dem [[wiki:vagabund|Vagabunden]], und als lebenslustiges [[wiki:figuren_typen_rollen|Stereotyp]] im sozialen [[wiki:zwischenraum|Zwischenraum]] bürgerliche Werte infragestellend:
   * ''Helmuth, H.''\\ //Ehrentempel merkwürdiger Possendichter oder hallesche Bummlerlectüre nicht für Bummler, sondern für Freunde der Kunst, des Scherzes und heiterer Laune, enthaltend Knallerbsen, Zündpulver, Raketen und Leuchtkugeln, aus der neumodernsten literärischen Fehde-, Kunst- und Possenwelt.//\\ Halle 1833.   * ''Helmuth, H.''\\ //Ehrentempel merkwürdiger Possendichter oder hallesche Bummlerlectüre nicht für Bummler, sondern für Freunde der Kunst, des Scherzes und heiterer Laune, enthaltend Knallerbsen, Zündpulver, Raketen und Leuchtkugeln, aus der neumodernsten literärischen Fehde-, Kunst- und Possenwelt.//\\ Halle 1833.
-  * //Kladderadatsch: Organ für und von Bummler// [[https://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/kladderadatsch.html|Online]]\\ Der berlinerische Begriff //Kladderadatsch// wurde zum politischen Schlagwort für den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft und machte den Bummler in den ersten beiden Jahrgängen von 1848 und 1849 zum beispielhaften Gegentwurf.+  * //Kladderadatsch: Organ für und von Bummler// [[https://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/digi/kladderadatsch.html|Online]]\\ Der berlinerische Begriff//Kladderadatsch// wurde zum politischen Schlagwort für den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft und machte den Bummler in den ersten beiden Jahrgängen von 1848 und 1849 zum beispielhaften Gegentwurf.
   * ''Beringer, Fritz'', ''W. Fähndrich''\\ //Bummler-Panoramen aus Berlin's [[wiki:strasse|Straßen]]. Eine Promenade in Versen.//\\ 38 S. Berlin 1849: Stuhr.   * ''Beringer, Fritz'', ''W. Fähndrich''\\ //Bummler-Panoramen aus Berlin's [[wiki:strasse|Straßen]]. Eine Promenade in Versen.//\\ 38 S. Berlin 1849: Stuhr.
  
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 Während aber der bürgerliche [[wiki:flaneur|Flaneur]] sich solch einen Lebensstil leisten konnte und durfte, stellt sich die bürgerlicher Sicht 1835 anders dar:\\ //»Müßiggang und Schlemmerei, weniger unverschuldetes Unglück, haben viel Armuth nach Halle gebracht, und um dieses recht augenscheinlich zu haben, darf man nur nach dem großen Markte gehen, und dort die sogenannten Bummler an den beiden ehernen Löwen ... lehnen sehen, wie sie mit eckligem Heißhunger eine saure "Jurke" verzehren, oder eine spekulative Betteljagd auf einen Fremden machen.«// (( S. 58 ''Friedrich Mayer''\\ //Reiseskizzen aus Deutschland, Dänemark und Schweden//.\\ Nürnberg 1835: Schneider und Weigel )) Während aber der bürgerliche [[wiki:flaneur|Flaneur]] sich solch einen Lebensstil leisten konnte und durfte, stellt sich die bürgerlicher Sicht 1835 anders dar:\\ //»Müßiggang und Schlemmerei, weniger unverschuldetes Unglück, haben viel Armuth nach Halle gebracht, und um dieses recht augenscheinlich zu haben, darf man nur nach dem großen Markte gehen, und dort die sogenannten Bummler an den beiden ehernen Löwen ... lehnen sehen, wie sie mit eckligem Heißhunger eine saure "Jurke" verzehren, oder eine spekulative Betteljagd auf einen Fremden machen.«// (( S. 58 ''Friedrich Mayer''\\ //Reiseskizzen aus Deutschland, Dänemark und Schweden//.\\ Nürnberg 1835: Schneider und Weigel ))
  
-Die Studentensprache latiniserte ihn zum **Bummelanten** und damit zum sympathischen Vorbild des gepflegten Nichtstuns, der anderen jedoch eher als [[wiki:taugenichts|Taugenichts]] erscheint:\\+Die Studentensprache latiniserte ihn zum **Bummelanten** und damit zum sympathischen Vorbild des gepflegten Nichtstuns, der anderen jedoch eher als [[wiki:taugenichts|Taugenichts]] erscheint:\\ 
 //»Ich seh' ihn noch, die liebe Seele,\\ Wie er, ein flotter Bummelant,\\ Mit heiserm Ruf aus heisrer Kehle\\ Zu lenken jedes Herz verstand;\\ Wie hier, die Ärmel aufgestreift,\\ Er einen angetrunknen Zecher,\\ Betrunken selbst, nach Haus geschleift,\\ Und wieder rückgekehrt zum Becher;«// ((Studentenlust, S. 16 in:  //»Ich seh' ihn noch, die liebe Seele,\\ Wie er, ein flotter Bummelant,\\ Mit heiserm Ruf aus heisrer Kehle\\ Zu lenken jedes Herz verstand;\\ Wie hier, die Ärmel aufgestreift,\\ Er einen angetrunknen Zecher,\\ Betrunken selbst, nach Haus geschleift,\\ Und wieder rückgekehrt zum Becher;«// ((Studentenlust, S. 16 in: 
 ''Strodtmann, Adolf'' //Lothar: Zeitarabesken.//\\ Philadelphia 1853: Strodtmann & Lorey)) ''Strodtmann, Adolf'' //Lothar: Zeitarabesken.//\\ Philadelphia 1853: Strodtmann & Lorey))
  
 Dann wird der Begriff des Bummlers zunehmend konturenlos und auf andere Gesellschaftskreise und Gruppen übertragen. Aus dem Bummler (lat. homo iners) als arbeitsloser Proletarier, der sich auf den Straßen herumtrieb, wird ein Müßiggänger, der die Arbeit scheut, ein träger Mensch, ein Faulpelz und Trödler, zuletzt ein Herumtreiber und Vagabund, aber auch:\\  Dann wird der Begriff des Bummlers zunehmend konturenlos und auf andere Gesellschaftskreise und Gruppen übertragen. Aus dem Bummler (lat. homo iners) als arbeitsloser Proletarier, der sich auf den Straßen herumtrieb, wird ein Müßiggänger, der die Arbeit scheut, ein träger Mensch, ein Faulpelz und Trödler, zuletzt ein Herumtreiber und Vagabund, aber auch:\\ 
-  * **1863** doziert ''Carl Vogt'':\\ //»**Der reisende Naturforscher**, selbst wenn er unter österreichischer Flagge auf der //Novara// segelt, ist am Ende doch nichts weiter, als //ein reisender Bummler//, der sich glücklich schätzen muss, wenn hier und da in einem Seehafen einige Soldaten, Lastträger, Matrosen oder nichtsnutzige Weibsbilder sich ihm zur Verfügung stellen, oder wenn einige Häutlinge gestatten, sich photographieren zu lassen.«// ((''Carl Vogt''\\ //Vorlesungen über den Menschen: Seine Stellung in der Schöpfung und in der Geschichte der Erde//.\\ J. Ricker'sche Buchhandlung, 1863, S. 6))+  * **1863** doziert ''Carl Vogt'':\\ //»**Der reisende Naturforscher**, selbst wenn er unter österreichischer Flagge auf der//Novara//segelt, ist am Ende doch nichts weiter, als//ein reisender Bummler//, der sich glücklich schätzen muss, wenn hier und da in einem Seehafen einige Soldaten, Lastträger, Matrosen oder nichtsnutzige Weibsbilder sich ihm zur Verfügung stellen, oder wenn einige Häutlinge gestatten, sich photographieren zu lassen.«// ((''Carl Vogt''\\ //Vorlesungen über den Menschen: Seine Stellung in der Schöpfung und in der Geschichte der Erde//.\\ J. Ricker'sche Buchhandlung, 1863, S. 6))
   * **1868** wird ''Ferdinand Schmidt'' zum teilnehmenden Beobachter:\\ //»Diese pflegen, so lange es die Jahreszeit irgend erlaubt, ihr Nachtquartier in der Umgegend der Stadt zu nehmen, in der Hasen- oder Köpnikerhaide, im Thiergarten, auf den Feldmarken nach ihrer Sprache bei Mutter Grün“. Ein Gespräch über solche Leute, in das ich mit meinen Bekannten gerieth, führte nun eben zu einer Wette. Ich habe mich anheischig gemacht, unter der Larve eines Bummlers drei Nächte im Freien zu kampiren.«// ((''Ferdinand Schmidt''\\ //Volkserzählungen und Schilderungen aus dem Berliner Volksleben//.\\ Band 1 Breslau, 1868-69 //Harun al Raschid in Berlin// S. 33 ff.))   * **1868** wird ''Ferdinand Schmidt'' zum teilnehmenden Beobachter:\\ //»Diese pflegen, so lange es die Jahreszeit irgend erlaubt, ihr Nachtquartier in der Umgegend der Stadt zu nehmen, in der Hasen- oder Köpnikerhaide, im Thiergarten, auf den Feldmarken nach ihrer Sprache bei Mutter Grün“. Ein Gespräch über solche Leute, in das ich mit meinen Bekannten gerieth, führte nun eben zu einer Wette. Ich habe mich anheischig gemacht, unter der Larve eines Bummlers drei Nächte im Freien zu kampiren.«// ((''Ferdinand Schmidt''\\ //Volkserzählungen und Schilderungen aus dem Berliner Volksleben//.\\ Band 1 Breslau, 1868-69 //Harun al Raschid in Berlin// S. 33 ff.))
   * Seit etwa **1870** bezeichnete dann der Soldatenjargon den **Schlachtenbummler** im wörtlichen Sinne, den es an Kriegsschauplätze zog, vordergründig vielleicht als als Krankenpfleger oder Berichterstatter, doch offensichtlich aus Neugier, Nervenkitzel oder Abenteuerlust, was den Soldaten nicht verborgen blieb.   * Seit etwa **1870** bezeichnete dann der Soldatenjargon den **Schlachtenbummler** im wörtlichen Sinne, den es an Kriegsschauplätze zog, vordergründig vielleicht als als Krankenpfleger oder Berichterstatter, doch offensichtlich aus Neugier, Nervenkitzel oder Abenteuerlust, was den Soldaten nicht verborgen blieb.
wiki/bummler.1655737901.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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