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wiki:1850_kohl_episode_reisende_welt-_und_menschenbeobachter

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   * **1850** ''Johann Georg Kohl''\\ //Eine Episode über reisende Welt- und Menschenbeobachter.//\\ S. 389−458 (Band 1) in: ders.: Aus meinen Hütten: Oder Geständnisse und Träume eines deutschen Schriftstellers.\\ Leipzig 1850: F. Fleischer. [[https://mdz-nbn-resolving.de/details:bsb10064325|Online]]\\ → [[figuren_typen_rollen#Typologien von Reisenden|Typologien von Reisenden]]   * **1850** ''Johann Georg Kohl''\\ //Eine Episode über reisende Welt- und Menschenbeobachter.//\\ S. 389−458 (Band 1) in: ders.: Aus meinen Hütten: Oder Geständnisse und Träume eines deutschen Schriftstellers.\\ Leipzig 1850: F. Fleischer. [[https://mdz-nbn-resolving.de/details:bsb10064325|Online]]\\ → [[figuren_typen_rollen#Typologien von Reisenden|Typologien von Reisenden]]
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-[[zeitleiste_pilgerfahrten|gelobten Lande]] gerichtet waren, oder in einer anderen Periode alle Reisenden [[zeitleiste_europa_indien_landweg|die Straße nach Indien]] suchten, oder wieder zu einer anderen Zeit Alles darauf gespannt war, was man bei den [[liste_ausstellungen#Reisen zu den Antipoden: Terra Australis & Südsee|Antipoden des stillen Oceans]] finden möchte, eine so außerordentliche Allseitigkeit der [[fortbewegung|Bewegung]] eingetreten, wie sie keine Zeit gekannt hat. Man reist nach allen Seiten, nach [[liste_ausstellungen#Reisen in den Norden (Sibirien ...)|Nord]] oder [[liste_ausstellungen#Reisen in den Süden (Afrika)|Süd]], nach [[liste_ausstellungen#Reisen in den Osten (Orient)|Ost]] oder [[liste_ausstellungen#Reisen in den Westen (Amerika)|West]], gerade aus, [[weltreise|um die Welt]], in einem Kreise [[zeitleiste_reisen_deutschland|im Vaterland]], im Zickzack in Europa herum, in die Weite, in die Nähe, Jeder nach seinen Kräften. Und wer völlig immobil ist, [[zimmerreise|der reist doch in seinem Zimmer]], statt von Land zu Land, von Stuhl zu Stuhl und publicirt //„un voyage autour de ma chambre"//. In Folge dessen hat denn nun jedes Land, jedes Ländchen, jede Provinz und jedes Städtchen eine Reiseliteratur erhalten, wird so häufig und genau beschrieben, wie sich dessen ehemals kaum die Wohnorte und Heimathen der Esquimaux und Hottentotten rühmen konnten, und die Anzahl der Menschen, welche sich mit diesen Beschreibungen abgeben, ist denn auf diese Weise erstaunlich angewachsen.+[[zeitleiste_pilgerberichte|gelobten Lande]] gerichtet waren, oder in einer anderen Periode alle Reisenden [[zeitleiste_europa_indien_landweg|die Straße nach Indien]] suchten, oder wieder zu einer anderen Zeit Alles darauf gespannt war, was man bei den [[liste_ausstellungen#Reisen zu den Antipoden: Terra Australis & Südsee|Antipoden des stillen Oceans]] finden möchte, eine so außerordentliche Allseitigkeit der [[fortbewegung|Bewegung]] eingetreten, wie sie keine Zeit gekannt hat. Man reist nach allen Seiten, nach [[liste_ausstellungen#Reisen in den Norden (Sibirien ...)|Nord]] oder [[liste_ausstellungen#Reisen in den Süden (Afrika)|Süd]], nach [[liste_ausstellungen#Reisen in den Osten (Orient)|Ost]] oder [[liste_ausstellungen#Reisen in den Westen (Amerika)|West]], gerade aus, [[weltreise|um die Welt]], in einem Kreise [[zeitleiste_reisen_deutschland|im Vaterland]], im Zickzack in Europa herum, in die Weite, in die Nähe, Jeder nach seinen Kräften. Und wer völlig immobil ist, [[zimmerreise|der reist doch in seinem Zimmer]], statt von Land zu Land, von Stuhl zu Stuhl und publicirt //„un voyage autour de ma chambre"//. In Folge dessen hat denn nun jedes Land, jedes Ländchen, jede Provinz und jedes Städtchen eine Reiseliteratur erhalten, wird so häufig und genau beschrieben, wie sich dessen ehemals kaum die Wohnorte und Heimathen der Esquimaux und Hottentotten rühmen konnten, und die Anzahl der Menschen, welche sich mit diesen Beschreibungen abgeben, ist denn auf diese Weise erstaunlich angewachsen.
  
 Alle jene zahlreichen, mit der Beobachtung und Darstellung des Lebens beschäftigten Federn und Talente üben nun ihr Geschäft und die damit verbundenen Pflichten nur nach einer Art von Instinkt, ohne sich die ihrer Kunst zu Grunde liegenden Principien und Regeln deutlich gemacht zu haben. Noch Niemand versuchte es, für sie einen rathgebenden Katechismus zu schreiben, da doch für die Dichter, Alle jene zahlreichen, mit der Beobachtung und Darstellung des Lebens beschäftigten Federn und Talente üben nun ihr Geschäft und die damit verbundenen Pflichten nur nach einer Art von Instinkt, ohne sich die ihrer Kunst zu Grunde liegenden Principien und Regeln deutlich gemacht zu haben. Noch Niemand versuchte es, für sie einen rathgebenden Katechismus zu schreiben, da doch für die Dichter,
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-Im Ganzen, glaube ich, kann man behaupten, das das Hörensagen bei uns in nicht sehr großer Hochachtung steht. Denn was ist nicht bloß bei unsern Kindern, sondern auch bei uns Erwachsenen, wenn uns Jemand etwas erzählt, gleich die erste Frage, die wir an ihn richten? Ich kenne keine häufigere als die, auf welche ich schon oben einmal anspielte: //"Haben sie es selbst gesehen?"// Und was erfüllt uns nach einer solchen Erzählung mit einem lebhafteren Gefühle von Desappointement, [[Täuschung|Täuschung]] und Unglauben, als wenn der Erzähler auf jene Frage zögernd gestehen muß, //"er habe es nur von Anderen vernommen"//? Es ist uns fast zu Muthe, als wenn auf einmal eine volle Wirklichkeit vor unsern Augen zu einem leeren Trugbilde zerginge. Wer da spricht:// „Ich habe es selbst mit diesen meinen Augen geschaut, ich habe es selbst mit diesen meinen Händen gegriffen"//, dem horchen wir Alle aufmerksam zu, wenngleich es wohl sein kann, das der Augenzeuge, der vielleicht ein Thor war, viel weniger [[Glaube|Glauben]] verdiente als der Andere, der seinen Bericht aus dem Munde eines verständigen Mannes nahm.+Im Ganzen, glaube ich, kann man behaupten, das das Hörensagen bei uns in nicht sehr großer Hochachtung steht. Denn was ist nicht bloß bei unsern Kindern, sondern auch bei uns Erwachsenen, wenn uns Jemand etwas erzählt, gleich die erste Frage, die wir an ihn richten? Ich kenne keine häufigere als die, auf welche ich schon oben einmal anspielte: //"Haben sie es selbst gesehen?"// Und was erfüllt uns nach einer solchen Erzählung mit einem lebhafteren Gefühle von Desappointement, [[Täuschung|Täuschung]] und Unglauben, als wenn der Erzähler auf jene Frage zögernd gestehen muß, //"er habe es nur von Anderen vernommen"//? Es ist uns fast zu Muthe, als wenn auf einmal eine volle Wirklichkeit vor unsern Augen zu einem leeren Trugbilde zerginge. Wer da spricht://„Ich habe es selbst mit diesen meinen Augen geschaut, ich habe es selbst mit diesen meinen Händen gegriffen"//, dem horchen wir Alle aufmerksam zu, wenngleich es wohl sein kann, das der Augenzeuge, der vielleicht ein Thor war, viel weniger [[Glaube|Glauben]] verdiente als der Andere, der seinen Bericht aus dem Munde eines verständigen Mannes nahm.
  
 Den Reiseschilderern geht es wie allen andern Berichterstattern und man setzt ihre Nachrichten aus Augenschein zu denen aus Hörensagen fast in dasselbe Werthverhältnis, wie ächtes Gold zu Rauschegold. Bei genauerer Erwägung wird man indessen sehen, wie der Reisende die bezeichnete Quelle von Nachrichten, so trübe sie auch sein mag, nicht nur benügen darf, sondern auch muss und zugleich wie er bei rich- Den Reiseschilderern geht es wie allen andern Berichterstattern und man setzt ihre Nachrichten aus Augenschein zu denen aus Hörensagen fast in dasselbe Werthverhältnis, wie ächtes Gold zu Rauschegold. Bei genauerer Erwägung wird man indessen sehen, wie der Reisende die bezeichnete Quelle von Nachrichten, so trübe sie auch sein mag, nicht nur benügen darf, sondern auch muss und zugleich wie er bei rich-
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-seine tastende Hand legen sollte, wozu keines Menschen Zeit und Kräfte ausreichen, so ist es klar, das am Ende irgendwo die Grenze kommen muß, wo seine sinnliche und selbsteigene Wahrnehmung aufhört und wo er die Wahrnehmungen Anderer zu Hülfe ruft, um über diese Grenze hinüberzublicken und zwar, wohlgemerkt, nicht hinüberzublicken der Dinge selbst wegen, die jenseits dieser Grenze liegen, sondern der Erläuterung und Beleuchtung derjenigen Dinge wegen, die er selber erblickte und durchlebte. Der Reisende steht gleichsam auf der schmalen Straße seiner Erkenntnis und greift von da aus mit seinem Ohr in das trübe Reich des Hörensagens hinein, um aus ihm so viel strahlen als möglich für seinen Gegenstand aufzufangen. Er erweitert, vergrösert und vervielfältigt, möchte ich sagen, das Gesehene durch das Hörensagen.// "So wie sie es hier sahen"//, sagen ihm die Leute, //"so ist es da und dort und vielerwärts bei uns"//. Des Reisenden wenig zahlreiche Erfahrungen sind zu vergleichen dem Dutzend Krieger, die ''Shakespeare'' auf seine enge Bühne brachte und die er seinen Zuschauern als die französischen und englischen Heerschaaren zu betrachten bat. Wie die Phantasie dieser Zuschauer durch die wunderbare, vom Dichter und Theaterdirector geübte, Magie jene kleine Truppe vertausendfachte und ihr mageres Waffengeklirre auf den Brettern zu dem Echo eines Schlachtgetümmels umschuf, so dient dem Reisenden die hundertäugige und tausendzüngige Fama dazu, seinen eigenen beschränkten Erleb-+seine tastende Hand legen sollte, wozu keines Menschen Zeit und Kräfte ausreichen, so ist es klar, das am Ende irgendwo die Grenze kommen muß, wo seine sinnliche und selbsteigene Wahrnehmung aufhört und wo er die Wahrnehmungen Anderer zu Hülfe ruft, um über diese Grenze hinüberzublicken und zwar, wohlgemerkt, nicht hinüberzublicken der Dinge selbst wegen, die jenseits dieser Grenze liegen, sondern der Erläuterung und Beleuchtung derjenigen Dinge wegen, die er selber erblickte und durchlebte. Der Reisende steht gleichsam auf der schmalen Straße seiner Erkenntnis und greift von da aus mit seinem Ohr in das trübe Reich des Hörensagens hinein, um aus ihm so viel strahlen als möglich für seinen Gegenstand aufzufangen. Er erweitert, vergrösert und vervielfältigt, möchte ich sagen, das Gesehene durch das Hörensagen.//"So wie sie es hier sahen"//, sagen ihm die Leute, //"so ist es da und dort und vielerwärts bei uns"//. Des Reisenden wenig zahlreiche Erfahrungen sind zu vergleichen dem Dutzend Krieger, die ''Shakespeare'' auf seine enge Bühne brachte und die er seinen Zuschauern als die französischen und englischen Heerschaaren zu betrachten bat. Wie die Phantasie dieser Zuschauer durch die wunderbare, vom Dichter und Theaterdirector geübte, Magie jene kleine Truppe vertausendfachte und ihr mageres Waffengeklirre auf den Brettern zu dem Echo eines Schlachtgetümmels umschuf, so dient dem Reisenden die hundertäugige und tausendzüngige Fama dazu, seinen eigenen beschränkten Erleb-
  
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-ist, so kommt es nicht darauf an, das sein Inhalt eine hübsche ästhetische Form erhalte. Es sei lakonisch, es nehme oft statt langer Schilderung eine deutlicher redende Zeichnung auf, es möge Hieroglyphen enthalten, die dem Verfasser selbst zuweilen viel sagen. Es ist besonders dazu bestimmt, dem späteren Reisebericht Treue, Wahrheit und locale Färbung zu erhalten. Die schöne Gestalt, die poëtische Färbung kann ihm erst später in dem Frieden der Heimath gegeben werden. Schon Viele haben bemerkt, das uns häufig erst nach beendigter Reise die eigentliche tiefe Bedeutung und das wahre Interesse der Reise aufgehe. Was wir auf der Reise brockenweise aufnahmen, setzt sich in unserm Geiste nun erst zu einem gefälligen Ganzen zusammen. Das Schöne, an dessen Genus uns die mancherlei kleinen Unbequemlichkeiten der Reise Vieles abknappten, erscheint uns, von der Erinnerung verklärt, nun doppelt reizend. Das wir aber nun in der verschönernden Erinnerung nicht auf der anderen Seite zu viel thun, davon hält uns unser treues und prosaisches Tagebuch ab. Wir sind in dem Fall von Malern, die mit dem Crayon ein skizzenbuch füllten und im heimathlichen Atelier die Landschaft in Thon und Farbe setzten. Ich möchte behaupten, das gerade die Zeit kurz nach der Rückkehr in die Heimath die geeignetste zur Ausarbeitung unseres Reiseberichtes sei. Auf der einen Seite sind unsere Erinnerungen und Eindrücke aus der Fremde noch frisch, zugleich wird uns eben dann auch die +ist, so kommt es nicht darauf an, daß sein Inhalt eine hübsche ästhetische Form erhalte. Es sei lakonisch, es nehme oft statt langer Schilderung eine deutlicher redende Zeichnung auf, es möge Hieroglyphen enthalten, die dem Verfasser selbst zuweilen viel sagen. Es ist besonders dazu bestimmt, dem späteren Reisebericht Treue, Wahrheit und locale Färbung zu erhalten. Die schöne Gestalt, die poëtische Färbung kann ihm erst später in dem Frieden der Heimath gegeben werden. Schon Viele haben bemerkt, das uns häufig erst nach beendigter Reise die eigentliche tiefe Bedeutung und das wahre Interesse der Reise aufgehe. Was wir auf der Reise brockenweise aufnahmen, setzt sich in unserm Geiste nun erst zu einem gefälligen Ganzen zusammen. Das Schöne, an dessen Genus uns die mancherlei kleinen Unbequemlichkeiten der Reise Vieles abknappten, erscheint uns, von der Erinnerung verklärt, nun doppelt reizend. Das wir aber nun in der verschönernden Erinnerung nicht auf der anderen Seite zu viel thun, davon hält uns unser treues und prosaisches Tagebuch ab. Wir sind in dem Fall von [[kuenstler_unterwegs|Malern]], die mit dem Crayon ein Skizzenbuch füllten und im heimathlichen Atelier die Landschaft in Thon und Farbe setzten. Ich möchte behaupten, das gerade die Zeit kurz nach der Rückkehr in die Heimath die geeignetste zur Ausarbeitung unseres Reiseberichtes sei. Auf der einen Seite sind unsere Erinnerungen und Eindrücke aus der Fremde noch frisch, zugleich wird uns eben dann auch die 
  
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 Heimath selbst etwas neu erscheinen, da wir ihr ein wenig entwöhnt wurden, und es wird daraus ein abermaliges Licht auf die Eigenthümlichkeit der geschauten Dinge fallen. Auf der Reise selbst hatten wir uns schon ein wenig an das Fremdartige gewöhnt; bleiben wir länger zu Hause, so wird uns die Heimath wieder alltäglich. Jene Zeit der Gährung, der Contraste in uns wird also am besten benutzt werden, um Alles auf's Lebhafteste und Lehrreichste darzustellen und nach keiner Seite hin zu viel zu thun.  Heimath selbst etwas neu erscheinen, da wir ihr ein wenig entwöhnt wurden, und es wird daraus ein abermaliges Licht auf die Eigenthümlichkeit der geschauten Dinge fallen. Auf der Reise selbst hatten wir uns schon ein wenig an das Fremdartige gewöhnt; bleiben wir länger zu Hause, so wird uns die Heimath wieder alltäglich. Jene Zeit der Gährung, der Contraste in uns wird also am besten benutzt werden, um Alles auf's Lebhafteste und Lehrreichste darzustellen und nach keiner Seite hin zu viel zu thun. 
-Allerdings giebt es viele Arten von Reiseberichten, mit denen man ihrer Bestimmung nach nicht bis zur Heimkehr warten darf und bei denen ihre Verfasser alle die nöthige sammlung, Uebersicht, Combinationsgabe und Promptheit des Styls gleich an Ort und Stelle haben sollen. Zur Abfassung solcher Berichte sind ganz eigenthümlich begabte Geister, eine besondere Geistesgegenwart, eine hohe Energie des Auges, des Gedankens und der Hand von nöthen. Die Feldherrn oder ihre secretäre sind zuweilen genöthigt mitten auf dem noch rauchenden Schlachtfelde oder während des Marsches einen klaren und zugleich umfassenden Bericht über die Ereignisse und Operationen an ihre Ministerien aufzusehen. Bei den Berichten, welche andere Arten von Unterbehörden, z. B. Polizeimagistrate über diese oder jene Vorfälle abfassen, werden ähnliche Talente erfordert. Unsere großen Tageblätter haben Männer nöthig, welche im Stande sind, über ihre Reisen, ihre Erlebnisse und Anschauungen +Allerdings giebt es viele Arten von Reiseberichten, mit denen man ihrer Bestimmung nach nicht bis zur Heimkehr warten darf und bei denen ihre Verfasser alle die nöthige Sammlung, Uebersicht, Combinationsgabe und Promptheit des Styls gleich an Ort und Stelle haben sollen. Zur Abfassung solcher Berichte sind ganz eigenthümlich begabte Geister, eine besondere Geistesgegenwart, eine hohe Energie des Auges, des Gedankens und der Hand von nöthen. Die Feldherrn oder ihre Secretäre sind zuweilen genöthigt mitten auf dem noch rauchenden Schlachtfelde oder während des Marsches einen klaren und zugleich umfassenden Bericht über die Ereignisse und Operationen an ihre Ministerien aufzusetzen. Bei den Berichten, welche andere Arten von Unterbehörden, z. B. Polizeimagistrate über diese oder jene Vorfälle abfassen, werden ähnliche Talente erfordert. Unsere großen Tageblätter haben Männer nöthig, welche im Stande sind, über ihre Reisen, ihre Erlebnisse und Anschauungen 
  
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-einen vollkommen lesbaren, vollständigen, klaren, übersichtlichen, auch möglichst geschmackvollen und zugleich mit Meditationen begleiteten Bericht abzufassen. In England begegnet man häufig den sogenannten Reporters der großen Tagesblätter auf Schiffen oder Eisenbahnen, wo sie auf ihrem Schooße solche Berichte aussehen und von da durch die Vermittelung des ersten besten Postbureau's am Wege in die Druckerei wandern lassen. Solche Männer haben etwas von ''Cäsar'', der einen Theil seiner Kriegsmemoiren in seinem Zelte schrieb. Vor einigen Jahren bewunderte ich das Talent eines englischen Advocaten im Parlament, der alle Abende im Auftrag der Times kurze Berichte über die Verhandlungen, die vor seinen Augen und Ohren vor sich gingen, aufsetzte. Er hatte eine Menge Blätter zurecht ― geschnittenen Papiers vor sich liegen. Er blickte beständig in's Parlament hinab, sah, horchte, faßte die Dinge zusammen, schied das Unwesentliche aus und schrieb nieder. So wie ein Blatt beschrieben war, sandte er es fort in die Druckerei und am andern Morgen konnte jeder Leser der Times aus seinen Berichten, die in nuce alles Wesentliche enthielten, sich einen leichten und schnellen Ueberblick der Verhandlungen verschaffen und war sicher, das, so lakonisch der Bericht auch schien, nichts Wichtiges übersehen sei. Es gehört ein besonderer Blick dazu, so auf der Stelle alle Worte und Vorfälle eines Parlamentsabends in der rechten Perspective zu sehen und auf einer gerechten Wage zu wür-+einen vollkommen lesbaren, vollständigen, klaren, übersichtlichen, auch möglichst geschmackvollen und zugleich mit Meditationen begleiteten Bericht abzufassen. In England begegnet man häufig den sogenannten Reporters der großen Tagesblätter auf Schiffen oder Eisenbahnen, wo sie auf ihrem Schooße solche Berichte aufsetzen und von da durch die Vermittelung des ersten besten Postbureau's am Wege in die Druckerei wandern lassen. Solche Männer haben etwas von ''Cäsar'', der einen Theil seiner Kriegsmemoiren in seinem Zelte schrieb. Vor einigen Jahren bewunderte ich das Talent eines englischen Advocaten im Parlament, der alle Abende im Auftrag der Times kurze Berichte über die Verhandlungen, die vor seinen Augen und Ohren vor sich gingen, aufsetzte. Er hatte eine Menge Blätter zurecht-geschnittenen Papiers vor sich liegen. Er blickte beständig in's Parlament hinab, sah, horchte, faßte die Dinge zusammen, schied das Unwesentliche aus und schrieb nieder. So wie ein Blatt beschrieben war, sandte er es fort in die Druckerei und am andern Morgen konnte jeder Leser der Times aus seinen Berichten, die //in nuce// alles Wesentliche enthielten, sich einen leichten und schnellen Ueberblick der Verhandlungen verschaffen und war sicher, das, so lakonisch der Bericht auch schien, nichts Wichtiges übersehen sei. Es gehört ein besonderer Blick dazu, so auf der Stelle alle Worte und Vorfälle eines Parlamentsabends in der rechten Perspective zu sehen und auf einer gerechten Wage zu wür-
  
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-digen. Es ist etwas von dem veni, vidi, scripsi darin, welches sich der schwerfälligere Reisende, der erst selber schaut, ― dann andere Leute hört, ― dann Tagebücher anleg darauf Bücher excerpirt, ― und darnach endlich selbst ein Buch von sich giebt, nicht leicht aneignet.+digen. Es ist etwas von dem //veni, vidi, scripsi// darin, welches sich der schwerfälligere Reisende, der erst selber schaut, ― dann andere Leute hört, ― dann Tagebücher anlegt, darauf Bücher excerpirt, ― und darnach endlich selbst ein Buch von sich giebt, nicht leicht aneignet.
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