wiki:1850_kohl_episode_reisende_welt-_und_menschenbeobachter
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| - | [[zeitleiste_pilgerfahrten|gelobten Lande]] gerichtet waren, oder in einer anderen Periode alle Reisenden [[zeitleiste_europa_indien_landweg|die Straße nach Indien]] suchten, oder wieder zu einer anderen Zeit Alles darauf gespannt war, was man bei den [[liste_ausstellungen# | + | [[zeitleiste_pilgerberichte|gelobten Lande]] gerichtet waren, oder in einer anderen Periode alle Reisenden [[zeitleiste_europa_indien_landweg|die Straße nach Indien]] suchten, oder wieder zu einer anderen Zeit Alles darauf gespannt war, was man bei den [[liste_ausstellungen# |
| Alle jene zahlreichen, | Alle jene zahlreichen, | ||
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| - | Im Ganzen, glaube ich, kann man behaupten, das das Hörensagen bei uns in nicht sehr großer Hochachtung steht. Denn was ist nicht bloß bei unsern Kindern, sondern auch bei uns Erwachsenen, | + | Im Ganzen, glaube ich, kann man behaupten, das das Hörensagen bei uns in nicht sehr großer Hochachtung steht. Denn was ist nicht bloß bei unsern Kindern, sondern auch bei uns Erwachsenen, |
| Den Reiseschilderern geht es wie allen andern Berichterstattern und man setzt ihre Nachrichten aus Augenschein zu denen aus Hörensagen fast in dasselbe Werthverhältnis, | Den Reiseschilderern geht es wie allen andern Berichterstattern und man setzt ihre Nachrichten aus Augenschein zu denen aus Hörensagen fast in dasselbe Werthverhältnis, | ||
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| - | seine tastende Hand legen sollte, wozu keines Menschen Zeit und Kräfte ausreichen, so ist es klar, das am Ende irgendwo die Grenze kommen muß, wo seine sinnliche und selbsteigene Wahrnehmung aufhört und wo er die Wahrnehmungen Anderer zu Hülfe ruft, um über diese Grenze hinüberzublicken und zwar, wohlgemerkt, | + | seine tastende Hand legen sollte, wozu keines Menschen Zeit und Kräfte ausreichen, so ist es klar, das am Ende irgendwo die Grenze kommen muß, wo seine sinnliche und selbsteigene Wahrnehmung aufhört und wo er die Wahrnehmungen Anderer zu Hülfe ruft, um über diese Grenze hinüberzublicken und zwar, wohlgemerkt, |
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| - | buche ausschlösse, | + | buche ausschlösse, |
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| wenig zu verzeichnen finden; dagegen wird er dann nach der Reise, wenn er Alles, was er sah und hörte, einfach und trocken verzeichnete, | wenig zu verzeichnen finden; dagegen wird er dann nach der Reise, wenn er Alles, was er sah und hörte, einfach und trocken verzeichnete, | ||
| - | Nicht bloß die Dinge, die wir in einem fremden Lande sehen und vernehmen, sind sehr eigenthümlich, | + | Nicht bloß die Dinge, die wir in einem fremden Lande sehen und vernehmen, sind sehr eigenthümlich, |
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| - | ist, so kommt es nicht darauf an, das sein Inhalt eine hübsche ästhetische Form erhalte. Es sei lakonisch, es nehme oft statt langer Schilderung eine deutlicher redende Zeichnung auf, es möge Hieroglyphen enthalten, die dem Verfasser selbst zuweilen viel sagen. Es ist besonders dazu bestimmt, dem späteren Reisebericht Treue, Wahrheit und locale Färbung zu erhalten. Die schöne Gestalt, die poëtische Färbung kann ihm erst später in dem Frieden der Heimath gegeben werden. Schon Viele haben bemerkt, das uns häufig erst nach beendigter Reise die eigentliche tiefe Bedeutung und das wahre Interesse der Reise aufgehe. Was wir auf der Reise brockenweise aufnahmen, setzt sich in unserm Geiste nun erst zu einem gefälligen Ganzen zusammen. Das Schöne, an dessen Genus uns die mancherlei kleinen Unbequemlichkeiten der Reise Vieles abknappten, erscheint uns, von der Erinnerung verklärt, nun doppelt reizend. Das wir aber nun in der verschönernden Erinnerung nicht auf der anderen Seite zu viel thun, davon hält uns unser treues und prosaisches Tagebuch ab. Wir sind in dem Fall von Malern, die mit dem Crayon ein skizzenbuch | + | ist, so kommt es nicht darauf an, daß sein Inhalt eine hübsche ästhetische Form erhalte. Es sei lakonisch, es nehme oft statt langer Schilderung eine deutlicher redende Zeichnung auf, es möge Hieroglyphen enthalten, die dem Verfasser selbst zuweilen viel sagen. Es ist besonders dazu bestimmt, dem späteren Reisebericht Treue, Wahrheit und locale Färbung zu erhalten. Die schöne Gestalt, die poëtische Färbung kann ihm erst später in dem Frieden der Heimath gegeben werden. Schon Viele haben bemerkt, das uns häufig erst nach beendigter Reise die eigentliche tiefe Bedeutung und das wahre Interesse der Reise aufgehe. Was wir auf der Reise brockenweise aufnahmen, setzt sich in unserm Geiste nun erst zu einem gefälligen Ganzen zusammen. Das Schöne, an dessen Genus uns die mancherlei kleinen Unbequemlichkeiten der Reise Vieles abknappten, erscheint uns, von der Erinnerung verklärt, nun doppelt reizend. Das wir aber nun in der verschönernden Erinnerung nicht auf der anderen Seite zu viel thun, davon hält uns unser treues und prosaisches Tagebuch ab. Wir sind in dem Fall von [[kuenstler_unterwegs|Malern]], die mit dem Crayon ein Skizzenbuch |
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| Heimath selbst etwas neu erscheinen, da wir ihr ein wenig entwöhnt wurden, und es wird daraus ein abermaliges Licht auf die Eigenthümlichkeit der geschauten Dinge fallen. Auf der Reise selbst hatten wir uns schon ein wenig an das Fremdartige gewöhnt; bleiben wir länger zu Hause, so wird uns die Heimath wieder alltäglich. Jene Zeit der Gährung, der Contraste in uns wird also am besten benutzt werden, um Alles auf's Lebhafteste und Lehrreichste darzustellen und nach keiner Seite hin zu viel zu thun. | Heimath selbst etwas neu erscheinen, da wir ihr ein wenig entwöhnt wurden, und es wird daraus ein abermaliges Licht auf die Eigenthümlichkeit der geschauten Dinge fallen. Auf der Reise selbst hatten wir uns schon ein wenig an das Fremdartige gewöhnt; bleiben wir länger zu Hause, so wird uns die Heimath wieder alltäglich. Jene Zeit der Gährung, der Contraste in uns wird also am besten benutzt werden, um Alles auf's Lebhafteste und Lehrreichste darzustellen und nach keiner Seite hin zu viel zu thun. | ||
| - | Allerdings giebt es viele Arten von Reiseberichten, | + | Allerdings giebt es viele Arten von Reiseberichten, |
| ===== 457 ===== | ===== 457 ===== | ||
| - | einen vollkommen lesbaren, vollständigen, | + | einen vollkommen lesbaren, vollständigen, |
| ===== 458 ===== | ===== 458 ===== | ||
| - | digen. Es ist etwas von dem veni, vidi, scripsi darin, welches sich der schwerfälligere Reisende, der erst selber schaut, ― dann andere Leute hört, ― dann Tagebücher | + | digen. Es ist etwas von dem //veni, vidi, scripsi// darin, welches sich der schwerfälligere Reisende, der erst selber schaut, ― dann andere Leute hört, ― dann Tagebücher |
wiki/1850_kohl_episode_reisende_welt-_und_menschenbeobachter.1783607404.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke
