Inhaltsverzeichnis

Vorrede 1788 Koehler Reiseklugheit

Vorrede zu Band 1

Verfasst von M. Johann Friederich August Kinderling

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… Daher haben schon mehrere Gelehrte in älteren und neueren Zeiten Klugheitsregeln zum nützlichen Reisen gegeben. schon der gelehrte Edelmann, Heinrich von Ranzau schrieb Methodum apodemicam. Norimb. 1591. welche schrift Thom. Crenius in collect. de erudit. comparanda. Lugd. Bat. 1699. p. 557 sq. hat wieder abdrucken lassen. Sie zeichnet dasjenige ganz gut vor, worauf ein

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Reisender Achtung zu geben hat, ist aber sehr kurz. In eben dieser Sammlung lieset man auch Joh. Heinrich Alstedts gute Regeln der Reiseklugheit, ingleichen Berneggers, Lipsii und Georg Richters Briefe vom nützlichen Reisen. Der allererste, welcher recht systematisch von der Reiseklugheit geschrieben hat, ist Theodor Zwinger in seinem Buche, Methodus apodemica. Basil. 1578.4. Er zeigt so wohl die Vorbereitung zu nutzbaren Reisen, als auch die Merkwürdigkeiten, die man in Absicht der Naturhistorie, Geographie, Mathematik, Politik, Moral u. s. w. zu beobachten hat. So viel Gutes auch sein Buch enthält, so ist doch der tabellarische Vortrag etwas ermüdend, doch bleibt es dem Gelehrten immer merkwürdig. Einen ähnlichen allgemeinen Endzweck hat auch Joh. Henners politischer Discours de arte apodemica, oder eigentliche Beschreibung der Peregrination, ob dieselbe nützlich, und wie sie anzustellen sey. Tübingen 1609. 12. Eine Menge ähnlicher Bücher sind in Joh. Andr. Fabricii Abris einer allgemeinen Historie der Gelehrsamkeit, 1 Th. 45:47 s. angezeigt. Eins der nützlichsten darunter ist Matth. Berneggeri discursus historico-politicus de peregrinatione

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studiosorum, Respondente Dan. Grubero. Argent. 1619. 4. welches hernach von Grubers Enkel zu Jena 1680, und wiederum daselbst 1714 herausgegeben ist. Manche andere Bücher dieser Art haben nur einen eingeschränkteren Endzweck, ob sie gleich dem Titel nach hieher zu gehören scheinen. So ist Herm. Conringii diss. de prudentia peregrinandi. Helmst. 1663. 4. hauptsächlich für diejenigen geschrieben, welche die Staatskunst lernen wollen. Georgii Hornii Vlyssea, s. studiosus peregrinans, omnia lustrans litora. Lips. 1671. 12. enthält hauptsächlich eine politische Geographie, mit einigen Reisebeschreibungen. Neoburgi Hofmeister enthält eine Historie und Geographie, und gehört gar nicht hieher. Nathan Chytraei deliciae itinerum. Bremae 1593, 1603. 8. enthalten blos gesammelte Inschriften vieler Städte. Jo. Tollii epistolae itinerariae sind für einen Alterthumsforscher und überhaupt jeden Gelehrten sehr wichtig, aber sie betreffen nur einige Länder Europens. Eben so ist Steph. Vinandi Pighii Hercules Prodicius seu Principis iuuentutis vita et peregrinatio. Colon. 1609. 8. ein Buch voll antiquarischer, mythologischer und historischer Gelehrsamkeit, und zugleich eine Lobschrift des Herzogs Carl

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Friederich von Cleve, dessen Länder und bereisete Gegenden ausführlich beschrieben werden. Es gibt aber auch andere Bücher, welche einen allgemeinern Endzweck haben, und daher den reisenden Gelehrten fast unentbehrlich sind. Das hamburgische Reisebuch von Peter Ambrosius Lehmann, oder, wie es eigentlich heißt, die vornehmsten Reisen von Europa, ist nach seiner Absicht ein sehr brauchbares Buch. Es enthält eine kurze Geographie, die Entfernungen der Oerter von einander, den Lauf der Posten, den Werth der gangbaren Münzen u. s. w. Allein diejenigen, welche es neu herausgaben, wendeten nicht immer den gehörigen Fleiß auf die Berichtigung desselben. Gottlob Fried. Krebel, Consistorial: Secretair zu Dresden, hat sich sehr um dieses Buch verdient gemacht, und dasselbe mit vielen Verbesserungen 1767, hernach 1775, besonders aber 1783 herausgegeben. Nun besteht das Werk aus zwei starken Octavbänden, und hat diesen Titel: Die vornehmsten Europäischen Reisen, wie solche durch Deutschland, die Schweiz, die Niederlande, England, Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Dännemark, Schweden, Ungarn, Polen, Preussen und Rusland auf eine nützliche und bequeme Weise

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anzustellen sind, mit Anweisung der gewöhnlichsten Post- und Reise-Routen, der merkwürdigsten Oerter, deren Sehenswürdigkeiten, besten Logis, gangbarsten Münzsorten, Reisekosten etc. auch einer neuen Sammlung von Post- und Boten-Charten, Postverordnungen, Post-Taxen etc. ausgefertiget von Gottlob Fried. Krebel. Hamb. 1783. Joach. Christoph Nemeik Sejour de Paris, oder getreue Anleitung, welchergestalt Reisende sich zu verhalten haben, wenn sie ihre Zeit und Geld nützlich und wohl zu Paris anwenden wollen, nebst einer zulänglichen Nachricht von dem k. franz. Hofe, Parlement, Universität, Akademien, Bibliotheken, Gelehrten, Künstler etc. zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Frkfurt 1722. 8. Ob sich der Verfasser gleich auf Frankreich einschränkt, so gibt er doch in den ersten fünf Capiteln allgemeine und sehr nützliche Regeln für jeden Reisenden, besonders von den wissenschaftlichen Kenntnissen, die man vorher erlangt haben muß, wenn das Reisen nützlich seyn soll. Joh. Peter Willebrands historische Berichte und praktische Anmerkungen auf Reisen in Deutschland, in die Niederlande, in Frankreich, England, Dannemark, Böhmen und

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Ungarn. Mit einer Vorrede herausgegeben von D. Gottfried Schuhe. Dritte verbesserte Auflage. Frkf. und Lpz. 1761. 8. So wohl die Vorrede des Verf. als auch die allgemeinen Erinnerungen für junge Reisende vor und auf der Reise, sind für jeden sehr lesenswerth, und in dem Buche kommen so viele nützliche Anmerkungen vor, von der Vorsichtigkeit, womit man sich zu betragen, und mancherlei Betrug zu verhüten hat, von den Sehenswürdigkeiten vieler Oerter, Beschaffenheit der Wege, der Gasthöfe, der Münzsorten, Gesinnung der Menschen, und viele andere lesenswerthe Sachen, daß ein Reisender dies Buch fast nothwendig haben muß, wenn er Schaden und Unglück verhüten will. Reichards Handbuch für Reisende aus allen Ständen. Nebst zwei Postcharten zur großen Reise durch Europa von Frankreich nach England, und einer Charte von der Schweitz und den Gletschern. Leipzig 1784.8. Die allgemeinen Reise-Anmerkungen sind sehr lesenswerth, besonders die am Ende befindliche Vorschrift, wie sich Reisende in Rücksicht ihrer Gesundheit verhalten sollen. Die verschiedenen Münzsorten, Gewichte und Maaße werden genau angegeben, und hundert Städte ausführlich

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beschrieben, auch bei jeder die Bücher angeführt, welche sie umständlich beschreiben. Die vornehmsten Reiserouten durch Europa werden, mit Anzeige der Entfernungen der Oerter, der Zeit, welche man zubringt, und der Schönheiten oder Merkwürdigkeiten, welche man antrift, beschrieben. Es übertrift also das vorige Werk in manchen Stücken, wenigstens ist es noch unentbehrlicher als jenes. Alle diese Bücher sind von sehr allgemeiner Brauchbarkeit, und daher dem Kaufmann, dem Künstler, dem Staatsmann fast eben so nothwendig, als dem Gelehrten. Mehr aber für den letzten ist folgendes Buch geschrieben: L'utilite des voyages, qui concerne la connoissance des Medailles, Inscriptions, Statues, Dieux Lares, Peintures anciennes, et les bas reliefs, pierres pretieuses et gravées, cachets, Talismans, anneaux, manuscrits, langues, et autres choses remarquables par Mr. Baudelot de Dairval. à Paris 1686, it. 1692, it. Rouen 1727. 12. in zwei Bänden. Der Verfasser dieses schönen und gelehrten Buches, ein gelehrter Parlamentsadvocat zu Paris, hat beinahe einerlei Endzweck mit dem sel. Köhler gehabt. Doch, dünkt mich, daß kein Buch so viele gelehrte Kenntnisse

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mit einander vereinige, als das gegenwärtige. Dabei gibt es auch dem Kunstliebhaber, welcher kein eigentlicher Gelehrter ist, viele nützliche Anweisungen, und er findet hier vieles beisammen, was er sonst aus vielen Reisebeschreibungen mühsam sammeln müste. Die Reiseklugheit selbst, zu welcher alle diese Bücher dienen sollen, bestehet in drei Stücken, nämlich in einer zweckmässigen Vorbereitung zur Reise, klugem Betragen an fremden Oertern, und geschickten Anwendung der erlangten Kenntnisse, wenn man wieder zu Hause ist. Ich will davon etwas anmerken, hauptsächlich aber von dem ersten, weil die Abhandlung der beiden letzten Stücke zu weitläuftig seyn wurde. Eine zweckmässige Vorbereitung zu Reisen muß nach meiner Meinung dreifach seyn. Die erste ist eine philosophische, da man über alle Umstände Untersuchungen anstellt, von deren Verbindung sich eine nützliche Reise erwarten läßt. Man sehe nämlich auf seine Gesundheit, ob sie dauerhaft ist. Sonst ist gar kein Reisen zu rathen, oder doch mit vieler Einschränkung. Ist die Gesundheit schwach, so gebrauche man vorher guter Mittel, gewöhne sich dabei hart gegen Luft und Witterung,

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und bediene sich eine Zeitlang vorher solcher einfachen Nahrungsmittel, die man fast überall antreffen kann. Weil aber auch die beste Gesundheit veränderlich ist, so muß man die Regeln einer vernünftigen Diätetik, oder Leibespflege, und zwar am besten aus eigener Uebung, erlernen, sich auch mit einigen, in vielen Fällen dienlichen, Arzeneymitteln versehen, weil man diese nicht an allen Orten haben kann. Diese Arzeneymittel muß ein jeder nach Beschaffenheit seines Körpers wählen. Man muß dabei an die mancherlei unerwarteten Zufålle auf Reisen, bei der Veränderung der Witterung, der Speisen und des Wassers gedenken, und einen heilenden Balsam für äusserliche Wunden und Quetschungen nicht vergessen. Man sehe ferner auf sein Alter. Nicht ein jedes Alter ist zu nützlichen Reisen schicklich. Das Alter des heranreifenden Jünglings hat selten die Vorsichtigkeit, Entschlossenheit, Aufmerksamkeit, den Beobachtungsgeist, den gesetzten Ernst, welcher zum nützlichen und glücklichen Reisen nöthig ist. Plato *) verbot daher das frühe Reisen mit Recht. Aber wenn er das Reisen nur in dem Alter von fünfzig bis sechzig *) Plato de Legibus L. XII. Edit. Lugd. p. 690

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Jahren zuließ, so muß man bedenken, daß er von Reisen zur Erlernung der Staatsklugheit redet. In anderer Absicht möchte man dieses Alter schwerlich für zweckmäßig halten. Mehrentheils bringt das spätere männliche Alter Verdrossenheit und Schwachheit mit sich. Man empfindet nicht mehr so lebhaft, das Auge ist nicht mehr so scharf, das Gedächtniß nicht so treu. Man ist leicht zu ängstlich bei Gefahren, zu empfindlich bei Verdrießlichkeiten und Grobheiten der Menschen, und wird dadurch an manchem Vergnügen verhindert. Das mittlere männliche Alter ist daher zu gelehrten Reisen unstreitig das bequemste, wenigstens dasjenige Jünglingsalter, welches sich mehr dem männlichen nähert. Selten wird ein zwanzigjähriger Jüngling allen denjenigen Nutzen von einer Reise haben, den er hätte haben können, wenn er noch einige Zeit gewartet hätte. Unterdessen kommt auch hier der Endzweck der Reisen, die schon erlangten Kenntnisse, und die Festigkeit des Characters in Betrachtung. Durch frühe Bildung und glückliche Anlage kann jemand schon in jungen Jahren Greises Klugheit besitzen. Bernegger urtheilet sehr gut (§. 18. p. 26): Animus iuuenilis aptior eft ad colligenda conseruandaque ea, ex quibus

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prudentia, accedente maturiore iudicio, nascitur. Uebrigens ist auch ein Land der Jugendhitze gefährlicher, als das andere, besonders Frankreich und Italien. - Man sehe weiter auf seine Gemüthbeschaffenheit und Religionsgrundsätze. Alle unanständige Sitten können den gehofften Nutzen der Reisen vereiteln; alle lasterhafte Neigungen, besonders Unkeuschheit, können uns in Leibes- und Lebensgefahr stürzen. Ein reisender Gelehrter lege daher Stolz, Eigensinn, mürrisches Wesen, Zanksucht, Rechthaberei, Verschwendung und Großthuerei, besonders aber Unkeuschheit ab, und fasse gegen alle diese Feindinnen der menschlichen Glückseligkeit ernsthafte Entschließungen. Er fürchte Gott von Herzen. Je mehr Menschen man kennen lernt, desto mehr Böses wird man antreffen. Man prüf daher auch seine Religionsgrundsätze, damit man sich vor Irrthum und Gottesverlaugnung sichere. Sonst ist man in Gefahr, mit der Zweifelsucht eines Pyrrhonisten, oder mit der Ausgelassenheit eines Epikurers nach Hause zurück zu kommen. - Man sehe ferner auf seine Vermögensumstände, und vergleiche dieselben mit den Reisekosten, vergesse aber nicht, auf unvorhergesehene Zufälle, unerwartete Ausgaben, möglichen Aufenthalt

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Diebstahl und dergl. ein beträchtliches zu rechnen. Mancher hat sich durch unvorsichtiges Reisen arm gemacht, weil er sich die Kosten zu gering vorstellte. Weil es auch nicht rathsam ist, viel baar Geld bei sich zu tragen, so versehe man sich mit Wechselbriefen und Empfehlungen an auswärtige Freunde. Wegen der Menge der Betrüger muß man mit Recht zweifeln, allenthalben Glauben zu finden, wo man als ein persönlich unbekannter blos durch mündliche Bitten im Fall der Noth Hülfe sucht. - Endlich sehe man auf den Endzweck seiner Reise, und entwerfe sich darüber einen vernünftigen Plan. Wer alles blos obenhin sehen will, der bringt wenig nützliche Kennt nisse mit nach Hause. Wer blos geographische und politische Kenntnisse sammeln will, kann ohne Verletzung seines Plans Bibliotheken nur obenhin besehen, oder sich nur auf solche Bücher einschränken, die mit seiner Absicht einen Zusammenhang haben. Wer als Gelehrter reiset, und kritische Kenntnisse in der alten Litteratur sucht, muß sich mit gewöhnlichen und gedruckten Büchern nicht aufhalten, sondern nach Handschriften suchen, und es ist ihm nicht als ein Fehler anzurechnen, wenn er Gebäude, Festungen, Maschinen etc. nur flüchtig besichtiget.

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Wenn alle diese Untersuchungen angestellt sind, so ist man doch noch nicht geschickt zu einer nutzbaren Reise, sondern es ist noch eine gelehrte Vorbereitung nöthig. Diese erfordert, daß man auf Landcharten und in Büchern reise, sich die Lage der Oerter bekannt mache, und sich besonders einen Aufsatz von den Merkwürdigkeiten mache, die man betrachten will, als von den öffentlichen und Privatbibliotheken, Münzkabinetten, Modellensammlungen und dergleichen, die man besehen, von den Gelehrten, die man besuchen, von den Sachen, die man von ihnen erfragen will. So bereitete sich der Herr von Uffenbach, dessen Reisen ein vorzüglich nutzbares Buch für Reisende sind. Man kann aus seinen Reisen selbst, und aus der Beschreibung seiner Vorbereitung lernen, wie nützlich es sey, aus guten Charten die Lage und Entfernung der Oerter, aus Grundrissen ihre innere Beschaffenheit, aus Reisebeschreibungen ihre Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen; ferner, wie nützlich es sey, etwas Mathematik, Mechanik und Zeichenkunst zu verstehen, und besonders auch im Schreiben mit Abbreviaturen sich zu üben, um in kurzer Zeit etwas aufschreiben zu können. Herr von Uffenbach hatte sich geübt, mit der Hand in der Tasche mit Bleyfeder zu schreiben,

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und er so wohl selbst, als auch sein Bruder, waren im Stande, merkwürdige Maschinen abzuzeichnen. Man lese auch hiervon Hrn. Nicolai's Reisen, im ersten Th. 13 S. Willebrands Anmerkungen auf Reisen sind auch hier sehr gut zu gebrauchen, allein weil der Tod viele Veränderungen verursacht, und besonders die Privatbibliotheken, Münzsammlungen etc. andere Besitzer bekommen, so muß man auch neuere Nachrichten benutzen, um die Sehenwürdigkeiten der Oerter, welche man besuchen will, schon vorher kennen zu lernen. Hauptsächlich muß man aus guten Büchern die Charactere, Sitten und Gewohnheiten der Nationen, die man besuchen will, kennen lernen. Da nicht alle Reisebeschreibungen von gleichem Werthe sind, so wähle man besonders diejenigen, aus welchen man Regeln der Klugheit lernen kann. Wenige Reisebeschreiber haben das Characteristische der Nationen und Einwohner großer Städte so gut bemerkt und gemahlt, als Clarke, Alberti, Nicolai, Archenholz, Wendeborn u. s. w. Nach dem verschiedenen Endzwecke eines Reisenden ist auch hier ein Buch brauchbarer, als das andere, und manches kleine Werk einem großen vorzuziehen. Wer z. E. Holland durchreisen will, findet manche

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sehr nutzbare Anmerkungen in des Grafen von Lynar Reise durch Holland, in Hr. Bernoulli Sammlung kurzer Reisebeschreibungen 1 B. 95 S. So sind Thiknesses Reisen durch Frankreich denjenigen vorzüglich brauchbar, welche Frankreich besuchen wollen. Eine Menge dergleichen guter Bemerkungen, welche mehr speciell sind, und sich auf einzelne Länder beziehen, findet man in den neuen Briefen eines Engländers auf seiner Reise nach Italien, Genf, Lausanne, Strasburg, Berlin, Deutschland, Senlis und Paris. Aus dem Franz. Lpz. 782. 8. im 23 Br. ferner in Wyttenbachs historisch: geographisch und physikalischen Beschreibung des Schweitzerlandes in alphabetischer Ordnung. Aus dem Franz. überseht und mit vielen Anmerkungen vermehrt. Nebst einer Anleitung für Reisende. Bern 1782.8. Wenn ich diese und ähnliche Reisebeschreibungen vorzüglich in der Absicht empfehle, um ein kluges Verhalten auf Reisen daraus zu lernen, so spreche ich das mit andern ihren Werth nicht ab. Unstreitig hat aber fast jeder Reisender einen Hauptzweck, auf den er sich vorzuglich einschränkt, wenn er gleich andere Dinge auch nebenher bemerkt. So ist z. B. Alberti jedem unentbehrlich, welcher den Religionszustand von England und das

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Verhältniß der verschiedenen Religionspartheien gegen einander will kennen lernen. Andere Reisebeschreiber sind an statistischen, politischen und öconomischen Anmerkungen vorzüglich reich. Eben deßwegen ist es nöthig, mehrere zu lesen, weil einer dasjenige bemerkt hat, was vielleicht mehreren entgangen ist. Mancher hat auch Hindernisse gefunden, etwas zu sehen oder genau zu erkundigen, und hat es also nicht beschreiben können. Dergleichen Dinge verdienen besonders angemerkt zu werden, denn billig sollte ein jeder Reisender, welcher seine Bemerkungen der Welt mittheilet, die Fehler seiner Vorgänger verbessern, und dasjenige ersetzen, was andere übersehen haben. So berichtiget Blainville den Misson, und Volkmann den Keyßler. Es gehört endlich noch zur gelehrten Vorbereitung eines Deutschen zu nutzbaren Reisen, daß man sich auch in einigen fremden Sprachen eine Fertigkeit verschaffe, besonders in der Französischen. In mehreren Ländern kann man sich mit dem Französischen allein behelfen, wenigstens in einem großen Theile von Italien, in den Niederlanden und in der Schweiz; nur in England kann man nicht wohl damit zurechte kommen, weil die Engländer schon einen Nationalhaß gegen die

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Franzosen haben, und ihre Sprache wenig lernen. Mit dem Lateinischen allein kann man wohl in Portugall, Spanien, Holland, Italien, Ungarn und Polen bei Gelehrten zurechte kommen, aber der Franzose spricht das Lateinische nach der französischen, und der Engländer nach der englischen Sprache aus, und beide, besonders aber der letzte, sind daher dem Deutschen unverständlich. Wer also nur eine Sprache kann, wird vieles blos ansehen müssen, ohne sich einen rechter Begriff davon zu machen.

Endlich ist noch eine öconomische Vorbereitung, wenigstens bei entfernten Reisen sehr nöthig. Wer nicht zu Pferde oder mit der Post reisen will, muß für einen bequemen Reisewagen sorgen, wozu Herr Nicolai im ersten Theile seiner Reisen, 6 S. eine sehr gute Anleitung gibt, und in diesem Falle einige Nägel, Stricke, Wagenschraube, Hammer und dergleichen bei sich führen, um im Nothfalle einen erlittenen Schaden ausbessern zu können. Hiernächst muß man auf das nothwendigste Reisegeräthe sehen. Dazu gehöret ein dauer: hafter Coffer, ein lederner Mantelsack, ein Fernglas, eine Uhr, ein gutes Schreibzeug, besonders eine solche tragbare Schreibfeder

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dergleichen man in Leipzig haben kann, und Herr Nicolai im ersten Theile seiner Reisen 21 S. beschreibt, etliche Vorlegeschlösser, besonders ein solches Riegelschloß, als derselbe auf der 23 S. beschreibt, ein Taschenmesser, nebst einem Gesteck von Messer, Gabel und Löffel, ein Barbierzeug, ein flanellnes Hemde und dergleichen. Ueberflüßige Kleidung ist einem Reisenden sehr lästig, besser ists, nur ein schlechtes und ein gutes Kleid, vorzüglich aber einen guten Reiserock und Mantel anzuschaffen, und sich lieber an den Oertern, wo man sich länger verweilen will, als in Paris, London etc. neu, nach jedes Ortes Sitten zu kleiden. Viel baares Geld bei sich zu führen, ist nicht allein lästig, sondern auch schädlich, weil man an manchen Orten beträchtlichen Verlust an Gold- und Silbermünzen zu befürchten hat. Daher ist es besser, sich mit Wechselbriefen zu versehen.

Dieses sind die nothwendigsten und allgemeinsten Regeln einer vernunftigen Vorbereitung zu Reisen. Ich habe das meiste nur kurz berühret, und beziehe mich nochmals auf die angeführten Bücher. Besonders sind die Vorschriften eines klugen Arztes, wie sich Reisende zu Wasser oder Lande, im Fahren, Reiten

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oder Gehen, in Rücksicht ihrer Gesundheit verhalten sollen, welche im Reichardschen Handbuche, 638 S. f. stehen, so nützlich und lesenswürdig, daß ich sie nochmals anpreise. Es wird darin auch von guten Arzeneymitteln gehandelt, und 658 S. eine Reiseapotheke beschrieben, welche aus den diensamsten Mitteln zusammengesetzt ist. Wie man sich auf Reisen selbst Verhalten soll, wird zum Theil in diesem Buche gelehret, zum Theil muß es aus den angewiesenen Büchern erlernet werden. Wie man aber seine erlangten Kenntnisse anwenden solle, man mag Schriftsteller werden, oder nicht, würde zu weitläufig seyn in einer Vorrede abzuhandeln, und muß dem Moralisten überlassen werden. Am besten ists unstreitig, eitle Prahlereien von dem, was man gesehen hat, zu vermeiden, und durch sein eigenes ganzes Verhalten redende Beweise zu geben, daß man viele Menschen gesehen und beobachtet habe. Das Nachlesen einiger guter Schriftsteller von den Oertern und Ländern, welche man bereiset hat, ist dazu sehr dienlich, um seine Erkenntniß zu bereichern, zu berichtigen, und manches ins Gedächtniß zurückzurufen, auch ihre Fehler zu verbessern. Es kann auch zuweilen die gar zu

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lebhafte Selbstliebe etwas mässigen, und zu unserer Beschämung lehren, daß andere Reisende etwas bemerkt haben, welches uns entgangen ist, und also einen noch größeren Beobachtungsgeist bewiesen. Aber mehrentheils geht man in der Geringschätzung der älteren Reisebeschreibungen zu weit. Ueberhaupt sollte ein jeder Reisende sich das große Gesetz vorschreiben, gemeinnützig zu werden, und also nicht blos auf sein Vergnügen oder Privatnutzen sehen, oder blos mit dem, was er gesehen und erfahren hat, großthun; sondern das Nutzbare und Nachahmungswürdige anderer Völker seinen Landesleuten mittheilen und anpreisen, Vortheile in der Handlung, im Gewerbe, im Ackerbau und in der Haushaltung bekannt machen, die Fehler voriger Reisebeschreiber verbessern, richtigere Vorstellungen von den Ausländern verbreiten, und besonders Tugenden der Geselligkeit, welche man an andern mit Vergnügen wahrgenommen hat, unter seinen Zeitgenossen allgemeiner zu machen suchen. Aber wie häufig geschiehet es, daß ein Reisender mit den Lastern anderer Nationen gebrandmarkt, zurückkehrt, und daß der Homerische Lobspruch des Ulysses aufhört ein Lobspruch zu seyn :

XXXII

Πολλῶν δ᾽ ἀνθρώπων ἴδεν ἄσεα καὶ νόον ἔγνω. 

Schon Seb. Brant hat in seinem Narrenschiffe oder Weltspiegel unter den mancherlei Editionen von Narren auch Wankelnarren aufgefuhrt, und so beschrieben:

Ein Narr ist, der viel Land durchfert,

Und wenig Kunst und Tugend lehrt, 
Als ist ein Gans geflogen aus, 
Und Gagak kompt wieder zu Haus. 
Nicht gnug daß einer gewesen sey 
Zu Rom, Hierusalem, Pavey, 
Aber der etwas gelehrt han, 
Das man Vernunft, Kunst, Weisheit kann, 
Das halt ich für ein Wandeln gut etc. 

Welch ein unwiedersprechliches Dichter: Orakel! Möchte jene Schilderung doch nur ein Ideal seyn!