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wiki:1775_twisse_anhang_reise_durch_irrland

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wiki:1775_twisse_anhang_reise_durch_irrland [2026/07/21 06:56] – angelegt Norbert Lüdtkewiki:1775_twisse_anhang_reise_durch_irrland [2026/07/21 10:54] (aktuell) – [Anhang von Twiss 1777 Reise durch Irrland im Jahr 1775] Norbert Lüdtke
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 ====== Anhang von Twiss 1777 Reise durch Irrland im Jahr 1775 ====== ====== Anhang von Twiss 1777 Reise durch Irrland im Jahr 1775 ======
  
 +  * **1779** ''Twiss, Richard'', 1741−1821\\ //A tour in Ireland in 1775//\\ With a view of the salmon-leap at Ballyshannon.\\ [2], 228 S. Tafeln.  Dublin 1776 (2.A.): printed for Messrs. Sheppard, Corcoran, Cross, Potts, Chamberlaine et al. 1777 (3.A.) 
 +    *  S. 177-202 in: [Appendix to Twiss's Tour of Ireland]
 +    * Reise durch Irrland im Jahr 1775. Nebst einem [[1775 Twisse Anhang Reise durch Irrland |Anhange]]\\ [Meilenverzeichnis] 142 S. Leipzig 1777: Junius.
 +      * [[https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb11095670?page=128%2C129|Anhang]] S. 125−142
 +  * → [[zeitleiste_reiseanleitungen_18._jahrhundert|Zeitleiste der Reiseanleitungen des 18. Jahrhunderts]]
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-Da ich nun den größten Theil von England, Schottland, Irrland, Holland, Flandern, Frankreich, Schweiz, Teutschland, Bdhmen, Italien, Portugal und Spanien besucht habe, und wenn ich sechzehen Seereisen hinzusetze, auf 27000 Meilen (englische) gereiset bin, welches 2000 Meilen mehr macht, als der Umkreis der Erde beträgt, so will ichs wagen, einige wenige Bemerkungen über das Reisen mitzutheilen.+Da ich nun den größten Theil von England, Schottland, Irrland, Holland, Flandern, Frankreich, Schweiz, Teutschland, Böhmen, Italien, Portugal und Spanien besucht habe, und wenn ich sechzehen Seereisen hinzusetze, auf 27000 Meilen (englische) gereiset bin, welches 2000 Meilen mehr macht, als der Umkreis der Erde beträgt, so will ichs wagen, einige wenige Bemerkungen über das Reisen mitzutheilen.
  
-Vielleicht hält man einen Reisegefährten für eine nothwendige und angenehme Sache; allein man wird diesen Gedanken nicht völlig richtig finden, wenn man mehr ins Besondere hineingehet. Soll ein Reisegefährte angenehm seyn, so muß er mit dem Reisenden beynahe von gleichem Alter und Stande seyn, ein gleiches Vermögen besitzen, auf eine gleiche Art erzogen seyn, und mit seinem Geschmack in Ansehung der kleinen Zeitvertreibe übereinstimmen. Gesetzt, man fände nun eine solche Person, so ist es leicht moglich, daß seine Gesundheit in der Folge angegriffen, und er durch Krankheiten im Reisen aufgehalten werden kann; er kann dem Spiel, dem Wein, dem Zank, dem Frauenzimmer ergeben seyn; er kann Lust haben, sich lange an einem Ort aufzuhalten, nach einem andern zurück zu gehen; er kann bey anscheinenden Gefahren verzagt; in Ansehung seiner Diät gar zu zärtlich; er kann geizig oder verschwenderisch seyn: alle diese Eigenschaften würden+Vielleicht hält man einen [[begleiter|Reisegefährten]] für eine nothwendige und angenehme Sache; allein man wird diesen Gedanken nicht völlig richtig finden, wenn man mehr ins Besondere hineingehet. Soll ein Reisegefährte angenehm seyn, so muß er mit dem [[Reisende|Reisenden]] beynahe von gleichem Alter und Stande seyn, ein gleiches Vermögen besitzen, auf eine gleiche Art erzogen seyn, und mit seinem Geschmack in Ansehung der kleinen Zeitvertreibe übereinstimmen. Gesetzt, man fände nun eine solche Person, so ist es leicht moglich, daß seine Gesundheit in der Folge angegriffen, und er durch [[liste_krankheitsbilder|Krankheiten]] im Reisen aufgehalten werden kann; er kann dem Spiel, dem Wein, dem Zank, dem Frauenzimmer ergeben seyn; er kann Lust haben, sich lange an einem Ort aufzuhalten, nach einem andern zurück zu gehen; er kann bey anscheinenden Gefahren verzagt; in Ansehung seiner [[ernaehrung_unter_besonderen_bedingungen|Diät]] gar zu zärtlich; er kann geizig oder verschwenderisch seyn: alle diese Eigenschaften würden
  
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 schon hinreichen, die Fortdauer des guten Verstandnisses zwischen den Reisenden zu stören, und früher oder später ihrer Gesellschaft ein Ende zu machen. Da überdem einer vor den andern ganz naturlich mehr Gaben haben und fähiger seyn wurde, sich beliebt zu machen, so wurde die Aufnahme der beiden Reisenden in fremden Ländern sich nach diesem Unterschiede richten, und der am wenigsten vollkommene wurde blos als ein Begleiter des andern angesehen werden, welches wiederum Gelegenheit zur Uneinigkeit geben könnte. schon hinreichen, die Fortdauer des guten Verstandnisses zwischen den Reisenden zu stören, und früher oder später ihrer Gesellschaft ein Ende zu machen. Da überdem einer vor den andern ganz naturlich mehr Gaben haben und fähiger seyn wurde, sich beliebt zu machen, so wurde die Aufnahme der beiden Reisenden in fremden Ländern sich nach diesem Unterschiede richten, und der am wenigsten vollkommene wurde blos als ein Begleiter des andern angesehen werden, welches wiederum Gelegenheit zur Uneinigkeit geben könnte.
  
-Gouverneurs oder Hofmeister auf Reisen scheinen nur wenig nutz zu seyn, denn insgemein sind sie entweder pedantische oder unwissende Geistliche, die selbst einen Bärenführer ((Ein allgemeiner Name, den man Personen in England giebt, die junge Leute auf Reisen führen. d. Ueb.)) nöthig haben, und wegen ihrer Dürftigkeit leicht beredet werden können, die schlechte Aufführung ihrer Untergebnen zu übersehen, oder gar die Augen dabey zuzuthun: folglich sind sie üble Anführer zur Erwerbung von Kenntnissen. ((Ich habe nie einen Hofmeister, auch nur auf klei nen Streifereyen, und sonst nie einen Reisegefährten gehabt))+Gouverneurs oder [[hofmeister|Hofmeister]] auf [[Reisen|Reisen]] scheinen nur wenig nutz zu seyn, denn insgemein sind sie entweder pedantische oder unwissende Geistliche, die selbst einen [[chaperone|Bärenführer]] ((Ein allgemeiner Name, den man Personen in England giebt, die junge Leute auf Reisen führen. d. Ueb.)) nöthig haben, und wegen ihrer Dürftigkeit leicht beredet werden können, die schlechte Aufführung ihrer Untergebnen zu übersehen, oder gar die Augen dabey zuzuthun: folglich sind sie üble Anführer zur Erwerbung von Kenntnissen. ((Ich habe nie einen Hofmeister, auch nur auf kleinen Streifereyen, und sonst nie einen Reisegefährten gehabt.))
  
-Wenn ein junger Mensch die Reise durch Europa allein macht, und sich unanständig beträgt, so können seine Eltern oder Vormünder, den ihn hier und dort gemachten Credit leicht einziehen; oder hat er schon über sein Vermögen freye Hand, so wird ers vermuthlich bald verschwenden, und so hören in beiden Fallen seine Reisen auf. Die Erfahrung eines Menschen ist+Wenn ein junger Mensch die Reise durch Europa allein macht, und sich unanständig beträgt, so können seine Eltern oder Vormünder, den ihn hier und dort gemachten Credit leicht einziehen; oder hat er schon über sein Vermögen freye Hand, so wird ers vermuthlich bald verschwenden, und so hören in beiden Fallen seine Reisen auf. Die [[Erfahrung|Erfahrung]] eines Menschen ist
  
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-allemal das beste, wenn sie nur nicht zu theuer erkauft wird. Die gewöhnliche Art unserer jungen Herren, gleichsam auf der Post Frankreich und Italien durchzustreifen, kann kein Reisen genannt werden. Sie halten nur mit ihren Landesleuten, gefälligen Frauenzimmern und Betrügern Umgang, und dadurch bringen sie dem Adel in jenen Ländern, der täglich mit Empfehlungsbriefen gequält wird, ein Vorurtheil gegen alle englische Reisende bey. Hingegen in Spanien und Portugal, das nicht von solchen Leuten überschwemmet ist, sind die Einwohner außerordentlich höflich und gastfrey. ((Zu Ferney bey Genf hatte ich das Vergnügen, mit Voltaire hierüber zu reden; am Ende gab er mir schriftlich folgende Zeilen: an Englishman who goes to Italy, leaves men to see pictures. (Ein Englander, der nach Italien geht, verläßt Menschen, um Gemälde zu sehen.) Er wollte sich aber nicht erklären, ob er meynte, daß die Menschen in England geblieben, und in Italien nichts als Gemälde zu sehen wären, oder ob ein Engländer die Kenntniß der Menschen um die Kenntniß der Gemälde verabsäumte.))+allemal das beste, wenn sie nur nicht zu theuer erkauft wird. Die gewöhnliche Art unserer jungen Herren, gleichsam auf der Post Frankreich und Italien durchzustreifen, kann kein Reisen genannt werden. Sie halten nur mit ihren Landesleuten, gefälligen Frauenzimmern und Betrügern Umgang, und dadurch bringen sie dem Adel in jenen Ländern, der täglich mit Empfehlungsbriefen gequält wird, ein Vorurtheil gegen alle englische Reisende bey. Hingegen in Spanien und Portugal, das nicht von solchen Leuten überschwemmet ist, sind die Einwohner außerordentlich höflich und gastfrey. ((Zu Ferney bey Genf hatte ich das Vergnügen, mit ''Voltaire'' hierüber zu reden; am Ende gab er mir schriftlich folgende Zeilen: //an Englishman who goes to Italy, leaves men to see pictures.// (Ein Englander, der nach Italien geht, verläßt Menschen, um Gemälde zu sehen.) Er wollte sich aber nicht erklären, ob er meynte, daß die Menschen in England geblieben, und in Italien nichts als Gemälde zu sehen wären, oder ob ein Engländer die Kenntniß der Menschen um die Kenntniß der Gemälde verabsäumte.))
  
 Doch gesetzt, man fände es durchaus nöthig, einem jungen Reisenden einen Hofmeister zu geben, sollte nicht ein älterlicher Officier geschickter dazu seyn, dessen Weltkenntniß, freye Denkungsart, und persönliche Tapferkeit seinem Untergebenen ungemein dienlich seyn könnte; der ihn aller Orten begleitete, und seine heftige Leidenschaften, die sich nicht ganzlich unterdrücken lassen, wenigstens in Ordnung hielte. Wie dienlich Doch gesetzt, man fände es durchaus nöthig, einem jungen Reisenden einen Hofmeister zu geben, sollte nicht ein älterlicher Officier geschickter dazu seyn, dessen Weltkenntniß, freye Denkungsart, und persönliche Tapferkeit seinem Untergebenen ungemein dienlich seyn könnte; der ihn aller Orten begleitete, und seine heftige Leidenschaften, die sich nicht ganzlich unterdrücken lassen, wenigstens in Ordnung hielte. Wie dienlich
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-oder vielmehr wie undienlich ein Geistlicher als Hofmeister auf Reisen seyn mag, lehrt Sterne in seiner Predigt vom verlornen Sohn sehr nachdrücklich:+oder vielmehr wie undienlich ein Geistlicher als Hofmeister auf Reisen seyn mag, lehrt ''Sterne'' in seiner Predigt vom verlornen Sohn sehr nachdrücklich:
  
-,,Wenn die Weisheit in keiner andern Sprache, als in der griechischen oder lateinischen reden kann, wenn man durch die Mathematik ein artiger Mann wird, oder wenn die natürliche Philosophie nichts anders lehret, als eine Verbeugung zu machen, so kann er einige Dienste leisten, aber wenn es um und um kommt, wird es gemeiniglich da hinaus laufen, daß der unglückliche Jüngling in denjenigen Fällen, wo es am nothwendigsten ist, sich schicklich zu betragen, den Hofmeister, wenn er ein bloßer Büchergelehrter ist, führen muß, und nicht von ihm geführet werden kann."+//"Wenn die Weisheit in keiner andern [[Sprache|Sprache]], als in der griechischen oder lateinischen reden kann, wenn man durch die Mathematik ein artiger Mann wird, oder wenn die natürliche Philosophie nichts anders lehret, als eine Verbeugung zu machen, so kann er einige Dienste leisten, aber wenn es um und um kommt, wird es gemeiniglich da hinaus laufen, daß der unglückliche Jüngling in denjenigen Fällen, wo es am nothwendigsten ist, sich schicklich zu betragen, den Hofmeister, wenn er ein bloßer Büchergelehrter ist, führen muß, und nicht von ihm geführet werden kann."//
  
-Noch ist hiebey anzumerken, daß bey den Römischcatholischen eine große Anzahl der berühmtesten Gelehrten Priester sind; deren Umgang sich ein steifer englischer Prediger nicht nur entziehen wird, sondern auch sich und seinen Untergebenen durch seine thörichte und hartnäckige Nichtůbereinstimmung in viele gefährliche Schwierigkeiten verwickeln kann.+Noch ist hiebey anzumerken, daß bey den Römischcatholischen eine große Anzahl der berühmtesten Gelehrten Priester sind; deren Umgang sich ein steifer englischer Prediger nicht nur entziehen wird, sondern auch sich und seinen Untergebenen durch seine thörichte und hartnäckige Nichtübereinstimmung in viele gefährliche Schwierigkeiten verwickeln kann.
  
-Eine andere Gattung von Hofmeistern lieset man gemeiniglich unter abgedankten schweizerischen Kammerdienern auf; der etwa schreyet, er habe die Reise durch Europa mit gutem Erfolg gemacht: das ist, wie Sterne fortfährt, “ohne daß er oder sein junger Herr den Hals gebrochen haben. Dieser weiß allemal auf einen halben Pfennig, was eine jede Poststation von Calais bis Rom kostet; er weiß wo. die besten Gasthofe sind, wo man die besten Weine haben kann, und eine Abendmahlzeit kostet seinem+Eine andere Gattung von Hofmeistern lieset man gemeiniglich unter abgedankten schweizerischen Kammerdienern auf; der etwa schreyet, er habe die Reise durch Europa mit gutem Erfolg gemacht: das ist, wie Sterne fortfährt, //“ohne daß er oder sein junger Herr den Hals gebrochen haben"//. Dieser weiß allemal auf einen halben Pfennig, was eine jede Poststation von Calais bis Rom kostet; er weiß wo. die besten Gasthöfe sind, wo man die besten Weine haben kann, und eine Abendmahlzeit kostet seinem
  
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-Untergebenen einen Liver weniger, als wenn er die Reise allein gethan, und für sich ausgezahlt hatte. Und hier hat sein Stolz, seine Kenntniß und seine Nutzbarkeit ein Ende."+Untergebenen einen Liver weniger, als wenn er die Reise allein gethan, und für sich ausgezahlt hatte. Und hier hat sein Stolz, seine Kenntniß und seine Nutzbarkeit ein Ende.
  
 Endlich gesetzt, der junge Mensch ist mit Empfehlungsschreiben gut versehen, und erhält dadurch zu den besten Gesellschaften Zutritt, so drückt sich Sterne darüber in folgenden Worten aus, zu denen man so wenig etwas hinzuthun darf, als man dawider Einwendungen machen kann:  Endlich gesetzt, der junge Mensch ist mit Empfehlungsschreiben gut versehen, und erhält dadurch zu den besten Gesellschaften Zutritt, so drückt sich Sterne darüber in folgenden Worten aus, zu denen man so wenig etwas hinzuthun darf, als man dawider Einwendungen machen kann: 
  
-„Gesellschaften, die wirklich gut sind, finden sich aller Orten sehr wenige, „und sie sind gar nicht bekannt. In keinem Stuck betrugen wir uns so sehr, als in den Vortheilen, die man uns als Folgen unsrer Bekanntschaften und Unterredungen mit Gelehrten u. s. w. in fremden Länder anpreiset, besonders wenn wir reisen, ehe wir durch die Jahre oder durch das Studiren reif geworden sind. Der Umgang ist ein Handel; wenn ihr ihn mit einem gewissen Vorrath von Kenntnissen anfangt, damit die Rechnungen zwischen euch und euren Gesellschaften immer gleich seyn, so hört der Handel mit einmal auf, und dies ist auch die Ursache, man mag noch so sehr pralen, daß man das Gegentheil erfahren habe, warum die Reisenden in so wenig (besonders in guten) Gesellschaften mit den Eingebornen kommen. Diese vermuthen nämlich, oder sind vielleicht durch häufige Erfahrungen wirklich überzeugt, daß von dem Umgang mit jungen Reisenden nichts zu holen ist, das sich der Mühe verlohnte, auf ihre schlechte Sprache aufmerksam zu seyn, oder sich durch+//„Gesellschaften, die wirklich gut sind, finden sich aller Orten sehr wenige, „und sie sind gar nicht bekannt. In keinem Stuck betrugen wir uns so sehr, als in den Vortheilen, die man uns als Folgen unsrer Bekanntschaften und Unterredungen mit Gelehrten u. s. w. in fremden Länder anpreiset, besonders wenn wir reisen, ehe wir durch die Jahre oder durch das Studiren reif geworden sind. Der Umgang ist ein Handel; wenn ihr ihn mit einem gewissen Vorrath von Kenntnissen anfangt, damit die Rechnungen zwischen euch und euren Gesellschaften immer gleich seyn, so hört der Handel mit einmal auf, und dies ist auch die Ursache, man mag noch so sehr pralen, daß man das Gegentheil erfahren habe, warum die Reisenden in so wenig (besonders in guten) Gesellschaften mit den Eingebornen kommen. Diese vermuthen nämlich, oder sind vielleicht durch häufige Erfahrungen wirklich überzeugt, daß von dem Umgang mit jungen Reisenden nichts zu holen ist, das sich der Mühe verlohnte, auf ihre schlechte Sprache aufmerksam zu seyn, oder sich durch//
  
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-ihre Besuche stören zu lassen. Beide Parteyen werden in solchen Fällen gemeiniglich mit einem gleichstarken Ekel für fernern Besuchen erfüllet; und dies hat die Wirkung, daß der Jüngling, der sich in seiner Hoffnung betrogen sieht, eine angenehmere Gesellschaft sucht, und da der Zutritt in schlimmere Gesellschaften allezeit offen ist, so ist die Reise bald zu Ende."+//ihre Besuche stören zu lassen. Beide Parteyen werden in solchen Fällen gemeiniglich mit einem gleichstarken Ekel für fernern Besuchen erfüllet; und dies hat die Wirkung, daß der Jüngling, der sich in seiner Hoffnung betrogen sieht, eine angenehmere Gesellschaft sucht, und da der Zutritt in schlimmere Gesellschaften allezeit offen ist, so ist die Reise bald zu Ende."//
  
 Ich will nicht hoffen, daß ich mich wegen Anführung obiger Stellen so wohl, als der gleich folgenden werde entschuldigen dürfen, besonders da sie aus Predigten genommen, und daher jungen Leuten vermuthlich nicht so bekannt sind, als sie es zu seyn verdienen. Ich will nicht hoffen, daß ich mich wegen Anführung obiger Stellen so wohl, als der gleich folgenden werde entschuldigen dürfen, besonders da sie aus Predigten genommen, und daher jungen Leuten vermuthlich nicht so bekannt sind, als sie es zu seyn verdienen.
  
-Die Hauptabsicht der Reisenden sollte dahin gerichtet seyn, die Sprachen, Gesetze und Gebräuche anderer Nationen zu lernen, von ihrer Regierung und Interesse Kenntniß einzuziehen; denn hievon kann ein vernünftiger Reisender folgende Vortheile erndten: „ein höfliches und zuversichtliches Betragen, welches den Verstand zum Umgange und zur Unterhaltung geschickter macht”; er wird den Irrthümern der Kinderstube entzogen; und bessert seine Beurtheilungskraft, da er neue Gegenstände, oder die alten in einem neuen Lichte siehet; er erkennet was gut ist, da er beständig die Veränderungen der Natur schmeckt; er begreift, was aufrichtig ist, da er die List und Künste der Menschen beobachtet; und indem er den Unterschied so vieler unterschiedenen Einfälle und Sitten sieht, thut er einen Blick auf sich selbst, und bessert die seinigen+Die Hauptabsicht der Reisenden sollte dahin gerichtet seyn, die Sprachen, Gesetze und Gebräuche anderer Nationen zu lernen, von ihrer Regierung und Interesse Kenntniß einzuziehen; denn hievon kann ein vernünftiger Reisender folgende Vortheile erndten: //„ein höfliches und zuversichtliches Betragen, welches den Verstand zum Umgange und zur Unterhaltung geschickter macht”//; er wird den Irrthümern der Kinderstube entzogen; und bessert seine Beurtheilungskraft, da er neue Gegenstände, oder die alten in einem neuen Lichte siehet; er erkennet was gut ist, da er beständig die Veränderungen der Natur schmeckt; er begreift, was aufrichtig ist, da er die List und Künste der Menschen beobachtet; und indem er den Unterschied so vieler unterschiedenen Einfälle und Sitten sieht, thut er einen Blick auf sich selbst, und bessert die seinigen.
  
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-Ohne diese ungeduldige Begierde zu reisen, würde der Verstand auf immer bey dem gegenwärtigen Blatt einschlummern, und wir würden uns nach Bequemlichkeit bey den Gegenständen aufhalten, die sich uns in dem Kirchspiel, wo wir zuerst Odem schöpften, darstellten, ((Dieser gierige Durst nach Kenntnissen, und der Veränderung des Orts, scheint einer der glaubwürdigsten Beweise für die Unsterblichkeit der Seele zu seyn. )) aber der Trieb, neue Sachen zu sehen, nebst dem Verlangen, uns aller Lehren der Weisheit und Besserung zu Hause zu entziehen, jagt unsere Jugend zu zeitig in die Fremde.+Ohne diese ungeduldige Begierde zu reisen, würde der Verstand auf immer bey dem gegenwärtigen Blatt einschlummern, und wir würden uns nach Bequemlichkeit bey den Gegenständen aufhalten, die sich uns in dem Kirchspiel, wo wir zuerst Odem schöpften, darstellten, ((Dieser gierige Durst nach Kenntnissen, und der Veränderung des Orts, scheint einer der glaubwürdigsten Beweise für die Unsterblichkeit der Seele zu seyn. )) aber der Trieb, neue Sachen zu sehen, nebst dem Verlangen, uns aller Lehren der Weisheit und Besserung zu Hause zu entziehen, jagt unsere Jugend zu zeitig in die [[fremdes|Fremde]].
  
-Viele, die nie aus ihrer Heymath gewesen sind, bilden sich vielleicht ein, daß mit Reisen ungemeine Gefahren und Beschwerlichkeiten verknüpft sind; so wahr ist es, wie ein alter Reisender angemerket hat, daß Unwissenheit und Faulheit uns alles schrecklich machen; wir wollen nicht, weil wir nicht dürfen; und dürfen nicht, weil wir nicht wollen. Es ist möglich, außerhalb Landes zu ertrinken, den Hals zu brechen, ermordet zu werden, in eine Krankheit zu fallen; aber alle diese Möglichkeiten können uns auch daheim betreffen. ((Folgende noch niemals unternommene Reise würde denjenigen, die sie zu unternehmen Lust hatten, ver muthlich viel Vergnügen gewähren. Gesetzt, vier bemittelte Personeu wollten sie unternehmen, so könnten sie ein Schiff von hundert und fünfzig Tonnen kaufen oder miethen; es müßte sechs bis acht Canonen, und außer dem Schiffer fünfzehen bis zwanzig Mann führen. Jeder Reisende müßte seinen Bedienten haben, das Schiff mit Feuerröhren und andern Waffen, auch mit verschiedenen mathematischen und astronomischen Instrumenten, Büchern, Charten, und dergleichen; nicht weniger mit Lebensmitteln auf einige Monate und den gehörigen Pässen versehen seyn. Sie könnten alsdenn durch die Straße von Gibraltar gehen, und anstatt in Spanien, Frankreich oder Italien zu landen, die africanischen Häsen, Tangers, Ceuta, Melilla, Oran, Algiers, Tunis, Tripoli, Alexandria besuchen; einen Streif nach Großcairo und den Pyramiden thun, nachher in Joppe an Land gehen, Jerusalem, Damascus und Aleppo besehen; dann wieder auf Cypern und Rhodus landen, Smirna in Augenschein nehmen, und die Reise nach Constantinopel fortsetzen. Auf dem Rückwege könnten sie in allen vornehmsten Inseln des Archipelagus und auf Candia an Land gehen, von Athen nach Corinth reisen, und endlich die hauptsächlichsten Inseln in der mittelländischen See, Sicilien, Maltha, Sardinien, Corsica, Minorca und Majorca besuchen. Auf dieser Reise würden sie zwanzig Monate oder zwey Jahre zubringen, und sie konnte wohl viertausend Pfund kosten. Dieser Plan konnte noch sehr erweitert werden; ich gebe nur einen bloßen Fingerzeig, und ein jeder wird es einsehen, daß er sich von einer einzigen Person nicht ausführen läßt )) Ohnstreitig ist eine Reise außerhalb Europa+Viele, die nie aus ihrer Heymath gewesen sind, bilden sich vielleicht ein, daß mit Reisen ungemeine [[Gefahr|Gefahren]] und Beschwerlichkeiten verknüpft sind; so wahr ist es, wie ein alter Reisender angemerket hat, daß Unwissenheit und Faulheit uns alles schrecklich machen; wir wollen nicht, weil wir nicht dürfen; und dürfen nicht, weil wir nicht wollen. Es ist möglich, außerhalb Landes zu ertrinken, den Hals zu brechen, ermordet zu werden, in eine Krankheit zu fallen; aber alle diese Möglichkeiten können uns auch daheim betreffen. ((Folgende noch niemals unternommene Reise würde denjenigen, die sie zu unternehmen Lust hatten, ver muthlich viel Vergnügen gewähren. Gesetzt, vier bemittelte Personeu wollten sie unternehmen, so könnten sie ein Schiff von hundert und fünfzig Tonnen kaufen oder miethen; es müßte sechs bis acht Canonen, und außer dem Schiffer fünfzehen bis zwanzig Mann führen. Jeder Reisende müßte seinen Bedienten haben, das Schiff mit Feuerröhren und andern Waffen, auch mit verschiedenen mathematischen und astronomischen Instrumenten, Büchern, Charten, und dergleichen; nicht weniger mit Lebensmitteln auf einige Monate und den gehörigen Pässen versehen seyn. Sie könnten alsdenn durch die Straße von Gibraltar gehen, und anstatt in Spanien, Frankreich oder Italien zu landen, die africanischen Häsen, Tangers, Ceuta, Melilla, Oran, Algiers, Tunis, Tripoli, Alexandria besuchen; einen Streif nach Großcairo und den Pyramiden thun, nachher in Joppe an Land gehen, Jerusalem, Damascus und Aleppo besehen; dann wieder auf Cypern und Rhodus landen, Smirna in Augenschein nehmen, und die Reise nach Constantinopel fortsetzen. Auf dem Rückwege könnten sie in allen vornehmsten Inseln des Archipelagus und auf Candia an Land gehen, von Athen nach Corinth reisen, und endlich die hauptsächlichsten Inseln in der mittelländischen See, Sicilien, Maltha, Sardinien, Corsica, Minorca und Majorca besuchen. Auf dieser Reise würden sie zwanzig Monate oder zwey Jahre zubringen, und sie konnte wohl viertausend Pfund kosten. Dieser Plan konnte noch sehr erweitert werden; ich gebe nur einen bloßen Fingerzeig, und ein jeder wird es einsehen, daß er sich von einer einzigen Person nicht ausführen läßt )) Ohnstreitig ist eine Reise außerhalb [[Europa|Europa]]
  
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 Man siehet es leicht ein, daß die Ausgaben für Gemälde, Bücher, Statuen, die er Lust zu kaufen haben möchte, in obiger Summe nicht begriffen sind, so wenig als wenn er ausschweifend spielt, oder das Frauenzimmer ihn viel kostet. Man siehet es leicht ein, daß die Ausgaben für Gemälde, Bücher, Statuen, die er Lust zu kaufen haben möchte, in obiger Summe nicht begriffen sind, so wenig als wenn er ausschweifend spielt, oder das Frauenzimmer ihn viel kostet.
  
-Wenn er jährlich fünfzig bis sechzig Pfund auf eine vernünftige Art in Kleinigkeiten anlegt, so kann er sich den Nuhm der Freygebigkeit erwerben, der ihm in vielen Stücken vortheilhaft seyn kann.+Wenn er jährlich fünfzig bis sechzig Pfund auf eine vernünftige Art in Kleinigkeiten anlegt, so kann er sich den Ruhm der Freygebigkeit erwerben, der ihm in vielen Stücken vortheilhaft seyn kann.
  
-Es ist rathsam, daß ein Reisender gleich nach seiner Ankunft in einer Hauptstadt dem Gesandten oder Minister seines Landes aufwarte. Hat er Empfehlungsbriefe an denselben, oder eine persönliche Bekanntschaft+Es ist rathsam, daß ein Reisender gleich nach seiner Ankunft in einer Hauptstadt dem [[gesandter|Gesandten]] oder Minister seines Landes aufwarte. Hat er Empfehlungsbriefe an denselben, oder eine persönliche Bekanntschaft
  
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 die sie gerichtet sind, Erkundigung einzuziehen, welches seiner eignen Einsicht überlassen bleibt. die sie gerichtet sind, Erkundigung einzuziehen, welches seiner eignen Einsicht überlassen bleibt.
  
-Die Erfahrung lehrt, daß die Einwohner der südlichen Gegenden insgemein auf ihre Geliebte, nicht aber auf ihre Weiber eifersuchtig sind; und man dort, so wie allenthalben, weit eher zu einem Frauenzimmer kommen, als sie, wenn man wegreist, los werden kann. In den Gasthöfen oder Läden dieser Länder findet man selten Frauenzimmer, da aber ein Reisender häufige Gelegenheit hat, dergleichen Mädgen anzutreffen, die nicht unerbittlich sind, so will ich ihn nur erinnern, daß es für seine Gesundheit, Ruhe und Beutel desto besser seyn wird, je weniger er sich mit ihnen einläßt.+Die Erfahrung lehrt, daß die Einwohner der südlichen Gegenden insgemein auf ihre Geliebte, nicht aber auf ihre Weiber eifersuchtig sind; und man dort, so wie allenthalben, weit eher zu einem Frauenzimmer kommen, als sie, wenn man wegreist, los werden kann. In den [[herberge|Gasthöfen]] oder Läden dieser Länder findet man selten Frauenzimmer, da aber ein Reisender häufige Gelegenheit hat, dergleichen Mädgen anzutreffen, die nicht unerbittlich sind, so will ich ihn nur erinnern, daß es für seine Gesundheit, Ruhe und Beutel desto besser seyn wird, je weniger er sich mit ihnen einläßt.
  
-Auch hat der Reisende sich in allen Ländern in Acht zu nehmen, daß er nicht mit jungen Leuten zu vertraute Bekanntschaft macht, denn es könnte ihm in viele Schwierigkeiten verwickeln. Vor allen Dingen aber bedenke er, daß er allenthalben, durch Geduld, gute Worte, und gelinde Mittel, seinen Zweck weit sicherer erhält, und alle Gefahr vermeidet, als wenn er in ungeduldige Hitze und Schmähungen ausbricht. Das Sprichwort Heinrich des Vierten, Königs von Frankreich, hat seine gute Richtigkeit::+Auch hat der Reisende sich in allen Ländern in Acht zu nehmen, daß er nicht mit jungen Leuten zu vertraute Bekanntschaft macht, denn es könnte ihm in viele Schwierigkeiten verwickeln. Vor allen Dingen aber bedenke er, daß er allenthalben, durch Geduld, gute Worte, und gelinde Mittel, seinen Zweck weit sicherer erhält, und alle Gefahr vermeidet, als wenn er in ungeduldige Hitze und Schmähungen ausbricht. Das Sprichwort Heinrich des Vierten, Königs von Frankreich, hat seine gute Richtigkeit:
  
-Parole douce et main au bonnet\\ Ne coute rien et bon est. ((Ein gutes Wort, und den Hut in der Hand, kostet nichts, und hilft allemal.))+//Parole douce et main au bonnet\\ Ne coute rien et bon est.// ((Ein gutes Wort, und den Hut in der Hand, kostet nichts, und hilft allemal.))
  
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