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Lob und Fluch des Reisens

EINE LITERA-TOUR

mit weit über 200 Zitaten

von Philosophen und Reisenden, Schriftstellern und Dichtern

aus Tagebüchern und Liedern, Sprichwörtern und Katalogen

sowie einem  Autorenindex

 Teil 3

Verwendung einzelner Zitate nur mit Quellenangabe AGIR. Belegexemplar erbeten.
Vervielfältigung, auch größerer Textteile, nur nach ausdrücklicher Genehmigung.
Copyright liegt auch auf der besonderen Zusammenstellung!
 
© 1996 by
Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens - AGIR
 
 
mehr Zitate in Teil 4
 

O, wie wird mich nach der Sunnen friren, hie pin ich ein Her, doheim ein Schmarotzer.

Albrecht Dürer an Willibald Pirkheimer
Michaelis 1506 in Venedig
 

Mephistopheles:
. . .
Sind Briten hier? Sie reisen sonst so viel,
Schlachtfeldern nachzuspüren, Wasserfällen,
Gestürzte Mauern, klassisch dumpfen Stellen;
Das wäre hier für sie ein würdig Ziel.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
Faust
 

Das Verlangen, welches man nach dem Anblick gewisser Gegenstände hat, hängt gar nicht allein von ihrer Größe, von ihrer Schönheit oder Wichtigkeit ab; es ist in jedem Menschen mit vielen zufälligen Eindrücken des Jugendalters, mit früher Vorliebe für individuelle Beschäftigungen, mit Hang nach der Ferne und einem bewegten Leben verwebt. Die Unwahrscheinlichkeit, einen Wunsch erfüllt zu sehen, gibt ihm dazu einen besonderen Reiz. Der Reisende genießt zum voraus die Freude des Augenblicks, wo er das Sternbild des Kreuzes und die Magellanschen Wolken, die um den Südpol kreisen, wo er den Schnee des Chimborazo und die Rauchsäule der Vulkane von Quito, wo er ein Gebüsch baumartiger Farren, wo er den Stillen Ozean zuerst erblicken wird. Tage der Erfüllung solcher Wünsche sind Lebensepochen von unverlöschlichem Eindruck: Gefühle erregend, deren Lebendigkeit keiner vernünftelnden Rechtfertigung bedarf. In die Sehnsucht nach dem Anblick der Südsee vom hohen Rücken der Andeskette mischte sich das Interesse, mit welchem der Knabe schon auf die Erzählung von der kühnen Expedition des Vasco Nunez de Balboa gelauscht; des glücklichen Mannes, der, von Franz Pizarro gefolgt, der erste unter den Europäern, von den Höhen von Quarequa auf der Landenge von Panama, den östlichen Teil der Südsee erblickte ... Was so durch kindliche Eindrücke, was durch Zufälligkeiten der Lebensverhältnisse in uns erweckt wird, nimmt später eine ernstere Richtung an, wird oft ein Motiv wissenschaftlicher Arbeiten, weitführender Unternehmungen.

Alexander von Humboldt 1769-1859
Ansichten der Natur 1807
 

Wer allzeit bei dem Ofen sitzt,
Grillen und die Hölzlein spitzt
Und fremde Lande nicht beschaut,
Der ist ein Aff´ in seiner Haut.

Alter Reim
 

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was erzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut
Und tät das Reisen wählen.

Matthias Claudius 1740-1815
Urians Reise um die Welt
 

Was mich hinaustreibt in die weite Welt, ist eben das, was so viele ins Kloster getrieben hat: die Sehnsucht nach der Selbstverwirklichung.

Graf Herrmann Keyserling 1855-1918
Reisetagebuch eines Philosophen
 

Über die Gefahren einer Reise in die Tropen

Die Gleichmäßigkeit des atmosphärischen Tages- und Jahresverlaufs wirkt erschlaffend. Die Gefahr einer geistigen und moralischen Entartung, Entnervung, Verweichlichung des weißen Menschen vom seelischen Gebiet her ist hier dringend. Die ungünstigen Faktoren müssen hier völlig in ihrer Gefährlichkeit erkannt und vom geistigen und sittlichen Bewußtsein der Rasse und des Einzelnen her durch besonders strenge Selbstdisziplin bekämpft werden.

Comptes Rendues du Congrès International des Géographie Amsterdam Leiden 1938
 

Wer das Laufen erdacht, war ein kluger Mann; es rette aus mancher Not.

Christoph Lehmann 1568-1638
 

Vor einiger Zeit hatte mich die Reiselust gepackt, als ob ich den Befehl des Königs vorausgeahnt hätte. Seit zwei Wochen sprach ich von nichts anderem mehr, als von meinem Wunsch, nach Saint-Cloud oder nach Charonne zu gehen, und ich schämte mich, im Laufe meines langen Lebens so wenig gesehen zu haben. Nun wird man mir das nicht mehr vorwerfen können. Gott sei' s gedankt. Man hatte uns, neben anderen Wundern, erzählt, daß viele vornehme Bürgerinnen von Limoges ein blaßrotes Kopftuch über dem Samtbarett tragen. Wenn ich ein solches Kopftuch auf einem hübschen Kopf entdecken würde, könnte ich mich vorübergehend, und aus reiner Neugierde, damit erfreuen. In jedem Fall habe ich eine gute Meinung von unserer Reise: wir haben bereits drei Meilen ohne jeden Zwischen fall zurückgelegt, außer daß der Degen von Monsieur Jannart brach; aber da wir aus allem Unglück Nutzen ziehen, haben wir gefunden, er sei zu lang gewesen und habe ihn gestört. Augenblicklich befinden wir uns in Clamart, am Fuße jenes berühmten Berges, an dem Meudon liegt; hier wollen wir uns zwei bis drei Tage lang erholen. In der Tat, es ist eine Freude zu reisen; man trifft immer auf etwas Bemerkenswertes. Die Butter, die wir essen, ist vorzüglich. Zwanzigmal habe ich mir solche Kühe gewünscht, solches Gras, solches Wasser, und was damit zusammenhängt, abgesehen von der Dreschmaschine, die ein wenig alt ist.

La Fontaine 1621-1695
 

Wie schön ist eine lange, lange Reise! Wie oft habe ich danach wie nach einem Rettungsanker gegriffen! Und wie oft hat mich so eine Reise errettet!

Nikolai Gogol 1809-1852
 

Sie streichen die Postwagen rot an als die Farbe des Schmerzes und der Marter. Sie bedecken sie mit Wachslinnen, nicht, wie man glaubt, um die Reisenden gegen Sonne und Regen zu schützen (denn was die Reisenden sind, die tragen ihren Feind unter sich, das sind die Wege und der Postwagen), sondern aus derselben Ursache, warum man den zu Henkenden eine Mütze über das Gesicht zieht, damit nämlich die Umstehenden die gräßlichen Gesichter nicht sehen mögen, die jene schneiden.

Georg Christoph Lichtenberg 1742-l799
Aphorismen, Heft F I776-l779
 

... Denn was die bequemen Kutschen in England und die dortigen vortrefflichen Wege für Schaden tun, ist mit Worten nicht auszudrücken. Fürs erste, wenn ein Mädchen mit ihrem Liebhaber aus London des abends durchgeht, so kann sie in Frankreich sein, ehe der Vater aufwacht, oder in Schottland, ehe er mit seinen Verwandt en zum Schluß kommt. Hingegen in Deutschland, wenn auch der Vater den Verlust seiner Tochter erst den dritten Tag gewahr würde, wenn er nur weiß, daß sie mit der Post gegangen ist, so kann er sie zu Pferde immer noch auf der dritten Station wiederkriegen.

Denn erstlich können artige Frauenzimmer sich unmöglich auf einen solchen Wagen setzen, wenn sie nicht in der Jugend etwas im Zaunbeklettern, Elsternesterstechen, Äpfelabnehmen und Nüsseprügeln umgesehen haben, denn der Schwung über die Seitenleiter erfordert eine besondere Gewandtheit und wenige Frauenzimmer können ihn tun, ohne den untenstehenden Wagenmeister und die Stallknechte zum Lachen zu bringen.

Endlich hat man auf den deutschen Postwagen ganz andere Sachen zu tun als zu plaudern: Man muß sich festhalten, wenn die Löcher kommen, oder in den schlimmen Fällen sich gehörig zum Sprung spannen, muß auf die Äste achtgeben und sich zur gehörigen Zeit ducken, damit der Hut oder Kopf sitzenbleibt, die Windseite merken und immer die Kleidung an der Seite verstärken, von wo der Angriff geschieht; und regnet es gar, so hat bekanntlich der Mensch die Eigenschaft mit anderen Tieren gemein, die nicht in oder auf dem Wasser leben, daß er stille wird, wenn er naß wird; da stockt die Unterredung ganz.

. . .

Nämlich weil die Postwagenreisen mit so vielen Trübsalen verbunden sind, so hat man dafür gesorgt, daß die Wirtshäuser noch um so viel schlecht er sind, als nötig ist, um den Postwagen wieder angenehm zu machen. Ja, man kann sich nicht vorstellen, was das für eine Wirkung tut. Ich habe Leute, die zerstoßen und zerschlagen waren und nach Ruhe seufzten, als sie das Wirtshaus sahen, wo sie sich erquicken sollten, sich mit einem Heldenmut entschließen sehen weiterzureisen, der wirklich etwas Ähnliches mit jenem Mut des Regulus hatte, der ihn nach Karthago zurückzugehen trieb, ob er gleich wußte, daß man ihn dort in eine Art von deutschen Postwagen setzen und so den Berg hinunterrollen lassen würde.

Georg Christoph Lichtenberg 1742-l799
Über den deutschen Roman
 

Liebst Du Dein Kind, so schicke es auf Reisen.

Indisches Sprichwort

Europe in 14 days - Pope included.

Amerikanischer Werbeslogan

 
Ich halte, daß es eine von den größten Glückseligkeiten sei, die in dieser Welt einem Menschen widerfahren kann, wenn es sich mit ihm begibt, daß er mit guter Gelegenheit ferne Reisen tun, die Welt durchwandern, fremde Länder und Leute sehen und ihre Beschaffenheit erkundigen und betrachten kann. Es ist auch gleichsam der Natur eines tapferen Gemütes zuwider, daß er wie die Schnecke immer im Hause (so dem weiblichen Geschlechte und Hausmüttern wohl ansteht) bleiben soll. Nur Leute von geringer Natur und Gemüt haben Lust, hinter dem Ofen zu sitzen und in ihrem Vaterlande als angebunden zu bleiben. Wer nun nicht nur die Länder durchstreift wie die gemeinen Boten, die nur beobachten, wo die besten Krüge und Wirtshäuser anzutreffen, oder gar wie Archestratus, welcher nur um Fraß und Kwaß, gute Leckerbissen aufzusuchen und zu beschreiben, die Welt durchzogen, sondern mit gutem Verstande und rechtschaffenem Vorsatz seine Reisen angeht, dessen Wanderschaft zeucht neben dem, daß sie belustigt und zu Gottes Lob führt, auch viel andere Nutzbarkeit nach sich, so dem Gereisten und dem Vaterlande zuwachsen können, Man kann von fremden Völkern allzeit, wenn man nur will, etwas Gutes lernen.

Adam Olearius 1603-1671
Vermehrte new Beschreibung der muscowitischen und persischen Reyse
 

Es reise alles, was reisen kann!

Nikolai Michailowitsch Karamzin 1766-1826
 

Niedrige und spießbürgerliche Geister bleiben im Lande und sitzen da fest - höhere aber reisen.

Unbekannt
 

Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei, und meist von der unerwarteten Seite; man empfängt mehr oder weniger, als man hofft, man kann ungestraft eine Weile hinschlendern, und dann ist man wieder genötigt, sich einen Augenblick zusammenzunehmen. Für Naturen wie die meine, die sich gerne festsetzen und die Dinge festhalten, ist eine Reise unschätzbar: sie belebt, berichtigt, belehrt und bildet.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
 

Nur Menschen von erprobter Zuverlässigkeit und charakterlich gefestigte Menschen sollen in die Tropen reisen. ... Tropentauglich ist einer, der bereit ist, auch einen längeren Zeitraum in den Tropen zu verbringen.

Merkblatt Nr. 23
Erhaltung und Pflege der Gesundheit in warmen Ländern, Bundesverwaltungsamt Köln 1979
 

Sind die Wendekreise überschritten, so ist das Tragen des Tropenhelms obligatorisch von morgens 8 Uhr bis abends 17 Uhr.

Handbuch für Uberseer 1947
 

Es gibt keinen vollendeten Mann, als den, der viel gereist ist und ein Dutzendmal die Form seines Gemüts und seiner Lebensart geändert hat. Die beschränkten gleichförmigen Gewohnheiten, die der Mensch in seinem regelmäßigen Leben und der Eintönigkeit seines Vaterlandes annimmt, sind Mühlen, welche alles kleiner mahlen: Gemüt, Philosophie, Religion, Charakter, Alles ist größer, richtiger, wahrer bei Dem, der die Natur und die Gesellschaft aus verschiedenen Gesichtspunkten gesehen hat. Es gibt eine Optik für die intellektuelle Welt, wie für die materielle. Reisen, um die Weisheit zu suchen, war ein großes Wort der Alten; dieses Wort wurde von uns nicht verstanden: sie reisten nicht, um einzig und allein unbekannte Dogmen und die Lehren der Philosophen aufzusuchen, sondern um alles zu sehen und zu beurteilen. Ich für meine Person bin beständig erstaunt über die engherzige, kärgliche Art, mit der wir Dinge, Einrichtungen und Völker besehen; wenn mein Geist sich gehoben, mein Blick sich erweitert hat, wenn ich gelernt habe, Alles zu begreifen, und dann gegen Alles tolerant zu sein, so verdanke ich es einzig dem Umstand, daß ich öfters die Szene und den Gesichtspunkt gewechselt habe. Die Jahrhunderte in der Geschichte, die Menschen auf Reisen, Gott in der Natur zu studieren, dies ist die große Schule; wir studieren Alles in unseren elenden Büchern, und legen an Alles den Maßstab unserer kleinlichen Lokalgewohnheiten; Wer aber hat unsere Gewohnheiten und unsere Bücher geschaffen? Menschen, ebenso klein als wir. öffnen wir das Buch der Bücher; leben wir, reisen wir; die Welt ist ein Buch, in welchem jeder Schritt uns ein Blatt umwendet; Wer nicht mehr als Eines gelesen hat, was weiß der?

Alphonse von Lamartine 1790-1869
Reise in den Orient
 

Leute, die viel reisen, haben Glück, sind reich, kennen sich in der Welt aus, während die Daheimhocker kein Geld oder kleine Kinder haben, zu alt oder nicht gesund sind.

Aus einer amerikanischen Untersuchung 1967
 

Um fliegen zu können, muß man nicht nur Flügel haben, sondern sie auch schwingen.

Burmesisches Sprichwort
 

Steigst Du nicht auf die Berge, so siehst Du auch nicht in die Ferne.

Chinesisches Sprichwort
 

Nicht wer alt ist, weiß viel, sondern wer viel herumgekommen ist.

Türkisches Sprichwort
 

Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielbewußte gestaltet es.

Marcus Tullius Cicero 106-43 v. Chr.
 

Der Tourismus lebt vom unstillbaren Drang des Menschen, für teures Geld im Ausland immer wieder bestätigt zu bekommen, daß es nirgends so schön ist wie zu Hause.

Brian Tuck
 

Du Gehender, es gibt keine Wege, nur die Fährten des Windes auf dem Meer.

Antonio Machado y Ruiz 1875-1939
 

Heimgekehrt

Der Winter herrscht mit Schnee und Frost.
Da freut der Mensch sich über Post
aus fernen, äußerst heißen Ländern,
in denen Hochs sich nie verändern.
So liest man außer lieben Grüßen
von Leuten, die dort Glück genießen,
wie blau der Himmel, heiß der Sand,
wie wunderschön dies Reiseland,
wie nett das Volk, wie froh die Gäste
wie süß der Wein und wild die Feste!
Hier könne, fern von Kältepolen,
man gründlich sich und echt erholen.
Doch schon am Flugplatz Langenhagen
hört man Herrn Glob´trott heiser sagen,
er merke schon an Kreuz und Haxen,
daß er zurück in Niedersachsen.
Er fühle sich hier aufgeschmissen,
hier sei das Wetter ja beschissen.
Herr Glo´trott ist total vermiest,
er krächzt und hustet, spuckt und niest,
der Rachen brennt, die Schläfen pochen
und das nach schönen Urlaubswochen!
Verbittert grüßt er seine Lieben,
dann wird er schleunigst krankgeschrieben.
Oft wird auf rüde Art belehrt,
wer aus der Hitze heimgekehrt.
Auch Glob´trott hat sehr schnell erkannt:
Dies ist nun mal kein Sonnenland!

unbekannt

Wohin Du blickst, dorthin wirst Du auch fliegen.

Thailändisches Sprichwort
 

Wanderer, deine Spuren
sind der Weg, sonst nichts;
Wanderer, es gibt keinen Weg,
Weg entsteht im gehen.
Im gehen entsteht der Weg,
und schaust du zurück,
siehst du den Pfad, den du
nie mehr betreten kannst.
Wanderer, es gibt keinen Weg,
nur eine Kielspur im Meer.

Antonio Machado y Ruiz 1875-1939
 

Es gibt keinen vollendeten Mann, als den, der viel gereist ist und ein Dutzendmal die Form seines Gemüts und seiner Lebensart geändert hat. Die beschränkten gleichförmigen Gewohnheiten, die der Mensch in seinem regelmäßigen Leben und der Eintönigkeit seines Vaterlandes annimmt, sind Mühlen, welche alles kleiner mahlen: Gemüt, Philosophie, Religion, Charakter, Alles ist größer, richtiger, wahrer bei Dem, der die Natur und die Gesellschaft aus verschiedenen Gesichtspunkten gesehen hat. Es gibt eine Optik für die intellektuelle Welt, wie für die materielle. Reisen, um die Weisheit zu suchen, war ein großes Wort der Alten; dieses Wort wurde von uns nicht verstanden: sie reisten nicht, um einzig und allein unbekannte Dogmen und die Lehren der Philosophen aufzusuchen, sondern um alles zu sehen und zu beurteilen. Ich für meine Person bin beständig erstaunt über die engherzige, kärgliche Art, mit der wir Dinge, Einrichtungen und Völker besehen; wenn mein Geist sich gehoben, mein Blick sich erweitert hat, wenn ich gelernt habe, Alles zu begreifen, und dann gegen Alles tolerant zu sein, so verdanke ich es einzig dem Umstand, daß ich öfters die Szene und den Gesichtspunkt gewechselt habe. Die Jahrhunderte in der Geschichte, die Menschen auf Reisen, Gott in der Natur zu studieren, dies ist die große Schule; wir studieren Alles in unseren elenden Büchern, und legen an Alles den Maßstab unserer kleinlichen Lokalgewohnheiten; Wer aber hat unsere Gewohnheiten und unsere Bücher geschaffen? Menschen, ebenso klein als wir. öffnen wir das Buch der Bücher; leben wir, reisen wir; die Welt ist ein Buch, in welchem jeder Schritt uns ein Blatt umwendet; Wer nicht mehr als Eines gelesen hat, Was weiß der?

Alphonse von Lamartine 1790-1869
Reise in den Orient
 

Einmal selbst sehen ist mehr wert, als hundert Neuigkeiten hören.

Japanisches Sprichwort
 

In erster Linie eignen sich für die Verteidigung gegen Wilde natürlich Gewehre. Falls die Umstände es erlauben, sollte man auch heißen Sand oder siedendes Wasser in Betracht ziehen. Beides wirkt sehr gut auf der nackten Haut der Wilden.

The Art of Travel, London 1855
 

Reisen muß man, oder man kommt hinter nichts.

Voltaire 1694-1778
 

Jede Reise verwandelt Spießbürgerliches und Kleinstädtisches in unserer Brust in etwas Weltbürgerliches und Göttlichstädtisches.

Jean Paul 1763-1825
 

Das Reisen dient in jüngeren Jahren der Erziehung, in reiferen der Erfahrung.

Francis Bacon 1561-1626
 

Europa mag manche Vorzüge haben, aber sie entschädigen nicht für manche viel wertvollere Dinge, die nur bei uns zu Hause zu finden sind. Außerdem sind wir drüben in Europa nur ein armseliges Häuflein Menschen ohne Heim. Aber in dieser Beziehung geht es den Europäern genauso. Sie leben in dunklen Grabstätten, die bei aller Größe und Pracht doch ohne alle Gemütlichkeit sind. Wenn der Durchschnittsamerikaner mit seiner Familie verdammt wäre, so zu hausen wie der Durchschnittseuropäer, dann wäre das Leben für ihn eine unerträgliche Last. Zusammenfassend möchte ich sagen: Kurze Reisen nach Europa sind für uns vorteilhafter als lange. Wir werden dadurch davor bewahrt, uns zu europäisieren, die stolze Freude an der Heimat bleibt unzerstört, und unsere Liebe zum eigenen Land und zum eigenen Volk wird gestärkt. Dagegen haben lange Besuche in Europa nur den Erfolg, diese Gefühle einzuschläfern, wenigstens in der Mehrzahl aller Fälle. Ich glaube, daß jeder, der viel mit Amerikanern zu tun hat, die länger in Europa gelebt haben, wird zu diesem Schluß kommen müssen.

Mark Twain 1835-1910
Nach einer einjährigen Europareise 1878
 

Stellen Sie sich bitte schon zu Reisebeginn darauf ein, daß vieles anders sein wird als zu Hause.

Aus dem Katalog eines großen Reiseunternehmens
 

Ich habe einmal den Wunsch geäußert, es möchte jemand, statt die ungeheure Anzahl von Reisebeschreibungen großer und kleiner Reisen durch alle Winkel von Deutschland zu vermehren, ein Werk drucken lassen, in welchem er Vorschriften gäbe, wie man sich im allgemeinen zu betragen hätte, um wohlfeiler, angenehmer und nützlicher zu reisen. In einer Schrift über den Umgang mit den Menschen kann nur ein geringer Teil dieser Regeln Platz finden; doch darf ich diesen Gegenstand auch nicht ganz mit Stillschweigen übergehen, denn zu dem, was man unter Menschen treibt, gehört doch auch das Reisen mit. Also einige einzelne Anmerkungen über das Betragen auf Reisen.
Es ist weise gehandelt, bevor man verreist, aus Büchern oder mündlichen Erzählungen sich genau von dem Wege, den man nehmen will, von demjenigen, was unterwegs und in den Orten, die man besuchen möchte, zu bemerken, zu beobachten und zu vermeiden ist, nicht weniger von den Preisen und den unvermeidlichen Geldausgaben zu unterrichten, damit man weder betrogen werde noch etwas versäume, das der Aufmerksamkeit wert scheint. Man verrechnet sich leicht in seinen Überschlägen der Reisekosten; ich rate daher nicht nur, nach gemachtem Etat sich immer etwa auf ein Drittel mehr gefaßt zu halten als die gezogene Summe beträgt, sondern auch besorgt zu sein, daß man in den Hauptorten, durch welche man kommt, an sichere Männer adressiert sei, oder sonst Mittel habe, im Fall unvorhergesehene Umstände eintreten, sich aus der Verlegenheit zu reißen.
Leute von gewissem Stande pflegen Tag und Nacht fortzurollen, ohne sich unterwegs aufzuhalten. Dies mag recht gut sein, wenn man die teuren Zehrungen in Wirtshäusern ersparen will, wenn man eilig ist, um den Ort seiner Bestimmung zu erreichen, oder wenn man mit den Gegenden, welche man durchreist, schon so bekannt geworden ist, daß man da nichts mehr sehen kann, das unserer Beobachtung wert wäre. Außerdem aber rate ich, lieber kleine Reisen aufmerksam zu unternehmen, als große, auf denen man bis in die Hauptstädte hinein nur Postmeister und Postknechte kennenlernt. Auch mische man sich, wenn es uns ein Ernst ist, unsere Menschen- und Länderkenntnis zu erweitern, unter Personen von allerlei Ständen. Die Leute von gutem Tone sehen einander in allen europäischen Staaten und Residenzen ähnlich, aber das eigentliche Volk, noch mehr der Mittelstand trägt das Gepräge der Sitten des Landes. Nach ihnen muß man den Grad der Kultur und Aufklärung beurteilen.
Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen und daß man sich durch kleine widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lasse.
Dies ist doppelt zu empfehlen, wenn man einen Gesellschafter bei sich hat; denn nichts ist verdrießlicher, als mit einem Manne zu reisen und in einem Kasten eingesperrt zu sitzen, der stumm und mürrischer Laune ist, bei der geringsten unangenehmen Begebenheit aus der Haut fahren will, über Dinge jammert, die nicht zu ändern sind, und in jedem kleinen Wirtshaus so viel Gemächlichkeit, Wohlleben und Ruhe fordert, als er zu Hause hat.
Das Reisen macht gesellig; man wird da mit Menschen be- und auf gewisse Weise vertraut, wie wir außerdem schwerlich zu Gesellschaftern wählen würden; das ist auch weiter von keinen Folgen, und ich brauche wohl übrigens nicht zu erinnern, daß man sich hüten müsse, in der Vertraulichkeit gegen Fremde, die man unterwegs antrifft, zu weit zu gehen und dadurch Abenteurern und Spitzbuben in die Hände zu fallen.
Ich rat niemand, sich auf Reisen einen fremden Namen zu geben; man kann dadurch, ehe man sich´s versieht, in große Verlegenheit geraten, und selten ist es nötig und nützlich, ein solches Inkognito zu beobachten.
Manche Leute suchen etwas darin, auf Reisen zu prahlen, viel Geld zu verzehren, glänzen zu wollen und prächtig gekleidet zu sein. Das ist eine törichte Eitelkeit, die sie in den Wirtshäusern teuer büßen müssen, ohne für ihr Geld mehr zu erhalten als der einfache Reisende.
Niemand erinnert sich weiter des Fremden, der so viel Aufwand gemacht hat, wenn dieser weiter gereist und nichts mehr von ihm zu ziehen ist. Man kleide sich bequem. Ein ungemächlicher Anzug macht unbehaglich, ungeduldig und müde.
Man spare auf der Reise nicht am unrechten Orte. So gebe man zum Beispiel den Postillons zwar nicht übertriebene, aber doch nach den Umständen reichliche Trinkgelder. Sie sagen sich das einer dem anderen auf den Stationen wieder; man kommt dann schneller fort und hat manche Vorteile davon.
Wenn der Gastwirt übermäßig viel für die Zehrung fordert und sich nicht auf einen starken Abzug einlassen will, so tut man doch nicht wohl, ihm schriftliche Rechnung und genaue Spezifikation jedes einzelnen Punktes abzufordern, es müßte denn der Mühe wert sein, ihn bei der Polizei zu belangen. Fängt er an aufzuschreiben, so rechnet er immer noch mehr heraus, als er anfangs gefordert hatte.
In Wirtshäusern, wo Wein zu haben ist, wird der Wirt, wenn man Bier fordert, immer versichern, das Bier sei sehr schlecht. Hier ist der beste Rat, nur gleich Wein zu bestellen und (wenn uns daran gelegen ist, Bier zu trinken) dies hinterher zu verlangen.
Die Wirte fragen uns gemeiniglich, was wir zu essen befehlen. - Das ist ein Kunstgriff, durch den man sich nicht fangen zu lassen braucht; denn schnell bestellt man nun etwas, z.B. ein Huhn, einen Pfannekuchen oder dergleichen, so muß man dies Gericht und noch obendrein eine gewöhnliche Mahlzeit bezahlen. Man tut da am besten zu antworten, man verlange nichts, als was gerade im Hause oder schon zubereitet sei.
Auch rate ich, keine fremden Weine, sondern nur gemeinen Tischwein zu begehren. Es kommt doch alles demselben Fasse, nur mit dem Unterschied, daß das, was man uns als alten oder fremden Wein verkauft, kostbareres Gift ist als das, womit man uns am allgemeinen Wirtstische versorgt. Und selbst an dieser Wirtstafel zu speisen ist gewiß für einen einzelnen Reisenden wohlfeiler und unterhaltender, als auf seinem Zimmer seiner eigenen Person gegenüber zu sitzen ...
Das Fußgehen ist gewiß die angenehmste Art zu reisen. man genießt die Schönheiten der Natur, man kann sich unerkannt unter allerlei Leute mischen, beobachten, was man außerdem nicht erfahren würde, man ist ungebunden, kann das freundlichste Wetter und den schönsten Weg wählen; sich aufhalten, einkehren, wann und wo man will; man stärkt den Körper, wird weniger erhitzt und gerüttelt, hat Appetit, hat Schlaf und ist, wenn Müdigkeit und Hunger der Bewirtung das Wort reden, leicht mit jeder Kost und jedem Lager zufrieden.

Freiherr Adolph von Knigge 1752-1796
 

Im Augenblick des Zusammenkommens beginnt die Trennung.

Singhalesisches Sprichwort
 

Wer andere besucht, soll seine Augen öffnen und nicht den Mund.

Afrikanisches Sprichwort
 

Die besten Entdeckungsreisen macht man, indem man die Welt mit anderen Augen betrachtet.

Marcel Proust 1871-1922
 

Nicht wer alt ist, weiß viel, sondern wer viel herumgekommen ist.

Türkisches Sprichwort
 

Wenn einer eine Krankheit kennenlernen will, soll er reisen.

Paracelsus 1493-1541
 

Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldenen Überfluß der Welt.

Gottfried Keller 1819-1890
 

Europa mag manche Vorzüge haben, aber sie entschädigen nicht für manche viel wertvollere Dinge, die nur bei uns zu Hause zu finden sind. Außerdem sind wir drüben in Europa nur ein armseliges Häuflein Menschen ohne Heim. Aber in dieser Beziehung geht es den Europäern genauso. Sie leben in dunklen Grabstätten, die bei aller Größe und Pracht, doch ohne alle Gemütlichkeit sind. Wenn der Durchschnittsamerikaner mit seiner Familie verdammt wäre, so zu hausen wie der Durchschnittseuropäer, dann wäre das Leben für ihn eine unerträgliche Last. Zusammenfassend möchte ich sagen: Kurze Reisen nach Europa sind für uns vorteilhafter als lange. Wir werden dadurch davor bewahrt, uns zu europäisieren, die stolze Freude an der Heimat bleibt unzerstört, und unsere Liebe zum eigenen Land und zum eigenen Volk wird gestärkt. dagegen haben lange Besuche in Europa nur den Erfolg, diese Gefühle einzuschläfern, wenigstens in der größten Mehrzahl der Fälle. ich glaube, jeder, der viel mit Amerikanern zu tun hat, die länger in Europa gelebt haben, wird zu diesem Schluß kommen müssen.

Mark Twain 1835-1910
 

Reisen zu können erfordert mehr als Zeit und Geld. Es ist eine Kunst, und wir müssen zweifeln, ob sie erlernbar ist. Zeit, Geld und Gelegenheit mögen stimmen, und die Fahrt geht auch los, aber die Rechnung ist ohne den Reisenden nicht zu machen, wie sich spätestens bei der Rückkehr zeigt, Man kann abfahren, ohne wahrhaft auf Reisen zu gehen, und wieder ankommen, ohne fortgewesen zu sein.

Wir modernen Menschen müssen alle viel unserer geistigen Gesundheit wegen reisen: und man wird immer mehr reisen, je mehr gearbeitet wird. An den Reisenden haben sich also die zu wenden, welche an der Veränderung der allgemeinen Ansichten arbeiten.

Friedrich Nietzsche 1844-1900
 

Eins ich ihn [den Reisenden] noch vermahnen will,
Daß er sich niendort überfüll´,
Auch find´t man manchen Gast der fragt,
Ob der Wirt han´eine schöne Magd.
Ein Gast der soll begnüget sein,
Wenn er hat gutte Speis und Wein.
Wiewohl ein Gast auch sehr wohl thut,
Wann das Bettg´wand ist rein und gut.
Wo aber keins vorhanden ist,
Zum Schlaff´er auf die bank sich rüst´.
Ein frommer Gast ist etwa froh,
Wenn er kann schlafen auff dem Stroh.

Wegbüchlein durch ganz
Teutschland, Hungarn, Böhmen ... (1590)
 

Dein Land ist das Rheinland, Willi,
Da ist es gemütlich.
Afrika ist zu verschieden, Willi,
Und (vor allem?) zu weit südlich.

Refrain eines Liedes um/vor 1983
 

Man kann in der Provence die Kunstdenkmäler systematisch untersuchen, auf Stilreinheit, Baualter und Grundriß; man kann den Olivenhandel statistisch und tabellarisch darstellen, daß es nur so saust von Zahlen - man kann aber auch in diesem wunderschönen Lande spazieren gehen.

Kurt Tucholsky 1890-1935
 

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Feld und Wald und Strom und Feld.

Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur vom Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was sollt´ ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl´ und frischer Brust?

Den lieben Gott laß ich nur walten;
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd´ und Himmel will erhalten,
Hat auch mein´ Sach aufs best´ bestellt!

Joseph von Eichendorff 1788-1857
Aus dem Leben eines Taugenichts
 

Erst das Auge schafft die Welt.

Christian Morgenstern 1871-1914
 

Man sieht´s euch an den Federn an,
Was ihr für Vögel seid.
Der Vater war ein Pferdedieb,
Die Mutter hat Soldaten lieb,
Die Schwester sitzt im Spinnehaus,
Euch hängt man an den Galgen.

Unbekannt
Über das Reisen
 
Denn zu bewundern und zu schaun,
Zu wandern, auf ein Nichts gestellt,
Was Gutes bracht´s mir nie im Traum -
Könnt´s doch nicht lassen um die Welt!

Rudyard Kipling 1835-1936
Stoßseufzer eines Soldaten
 

Die Wißbegierde eröffnet alles und jedes, derart, daß man überall und nirgend ist.

Martin Heidegger 1889-
Sein und Zeit
 

Von früher Jugend auf lebte in mir die brennende Begierde, in ferne Länder zu reisen. Dieser Drang ist bezeichnend für einen Zeitraum im Leben, wo dieses vor uns liegt wie ein schrankenloser Horizont, wo nichts einen größeren für uns hat als die starken Bewegungen des Gemüts und die Bilder physischer Gefahren ... Ein unbestimmtes Streben nach dem Fernen und Ungewissen, alles, was meine Phantasie stark rührte, die Gefahr des Meeres, der Wunsch, Abenteuer zu bestehen und aus einer alltäglichen gemeinen Natur mich in eine Wunderwelt zu versetzen, reizte mich damals an. Alles, was auf bürgerliche Verhältnisse Bezug hatte, wurde mir verächtlich, jede Gemächlichkeit des häuslichen Lebens und der feineren Welt ekelte mich an. Ich schrieb verrückte Briefe an meine Freunde und wurde mir von Tag zu Tag unverständlicher.

Alexander von Humboldt
 

In allem Reisen und vor allem im Fußwandern geht geistiger Genuß, geistige Arbeit, geistiger Gewinn neben dem einher, was der Körper leistet und was demselben frommt.

Friedrich Ratzel, Geograph
 

Wandern heißt auf eigenen Füßen gehen, um mit eigenen Augen zu sehen, mit eigenen Ohren zu hören.

Wilhelm Riehl 1823-1897
 

 

Ach, Freiheit! Freiheit! Weite Gefilde! Da unsere eingezwängten Seelen ersticken und am Fenster hinsiechen, da unser gefangener Geist, wie der Bär im Zwinger, sich immer um sich selbst dreht und an die Mauern stößt, so gebt wenigstens den Nüstern den Duft aller Winde der Erde!

Gustave Flaubert 1821-1880
in seinem Tagebuch "Über Feld und Strand"
 

Der Fremde sieht nur, was er bereits kennt.

Ghanaisches Sprichwort
 

Und wie wir auch durch ferne Lande ziehn,
da kommt es her, da kehrt es wieder hin,
wir wenden uns, wie auch die Welt entzücke,
der Enge zu, die uns allein beglücke.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
 

Es ist gut, daß Sie sich ihr kleines Zimmer durch Reisebeschreibungen recht groß und weit machen. Mir ist es immer ein unaussprechliches Vergnügen, mich im möglichst kleinsten körperlichen Raume im Geiste auf der großen Erde herumzutummeln.

Friedrich Schiller 1759-1805
in einem Brief an seine Freundin und spätere Frau
 

Wer reisen will,
Der schweig fein still,
Geh´ steten Schritt,
Nimm nicht viel mit,
Beginn am Morgen
Und laß daheim die Sorgen.

Unbekannt
 

Eine Art Vergnügungsreisende:
Sie steigen wie Tiere den Berg hinauf, dumm, schwitzend; man hat ihnen zu sagen vergessen, daß es unterwegs schöne Aussichten gebe.

Friedrich Nietzsche 1844-1900
Menschliches, Allzumenschliches II
 

Wer auf die Wanderschaft gehen will, muß in der Heimat flügge geworden sein.

Turnvater Jahn
 

De Jroßen und de Kleen´n

Reisen zeicht sich oft als der Akenntnis Quelle,
Und im Koppe wird´s ein´n pletzlich licht und helle.
Als ick neilich beispielsweise in de Alpen war.
Wurde mir uff eenmal pletzlich klar,
Wie de Schepfung es so weise injerichtet
Und de heechsten Berge imma hinten uffjeschichtet.
Wenn se nämlich wollten imma vorne stehn,
Kennten wa de kleenen Berje janich sehn.

Helmut Leonhardt
 

Die Erfahrung, daß wir eines reinen Enthusiasmus fähig sind: dies ist der eigentlichste Gewinn der Reisen.

Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832
 

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