Was willste, o Freund, in der Wüste,
Dir strömt nur der Schweiß von der Büste
Ich rate dir drum,
Geh lieber drum rum,
Denn biste erst drinnen, verglühste.
ZEIT - Magazin
Unser Leben gleicht der Reise eines Wanderers in der Nacht...
Johann Jakob Wehrli
... ich höre nachts die Lokomotiven pfeifen, sehnsüchtig schreit die Ferne, und ich drehe mich im Bett herum und denke : "Reisen. . ."
Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.
Laß das Steuer los. Trudele durch die Welt. Sie ist so schön: gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben.
Entwirf deinen Reiseplan im großen - und laß dich im Einzelnen von der bunten Stunde treiben. Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt - sieh sie dir an.
Man sollte jedem Deutschen noch fünfhundert Mark dazu geben, damit er ins Ausland reisen kann. Er würde sich manche Plakatanschauung abgewöhnen, wenn er vorurteilslos genug ist, die Augen aufzumachen.
Schön ist nur, was niemals dein. Es ist heiter, zu reisen, und schrecklich, zu sein.
Kurt Tucholsky 1890-1935
Schnipsel
Dieselben Dinge täglich bringen langsam um. Neu zu begehren, dazu
verhilft die Lust der Reise. Sie frischt die Erwartung nicht bloß
an, bevor die Fahrt angetreten, sondern tut das mitten im Genuß des
Sehens. Wünsche, denen nicht mehr zu helfen ist, überalterte,
altjüngferlich gewordene, fallen fort. Das Stockige fällt fort,
das nicht nur dem immer gleichen Alltag, sondern auch allzu lange herumgetragenen
Wünschen eignen mag. Können doch Wunschträume derart aus
der Zeit geraten sein, die ihnen angestanden hat, daß sie nie wieder
erfüllt werden können. ...
Der Hunger danach ist grau geworden, ja fast jedes Ziel kann, wenn
zu lange, zu vergebens oder eben auf zu gewohnte Weise dahin gestartet
wird, langweilig werden. Neue Waren dagegen erregen neue Bedürfnisse,
neue Eindrücke erst recht.
Schöne Fremde
Jede Reise muß freiwillig sein, um zu vergnügen. Sie braucht
dazu eine Lage, die gern, mindestens nicht unlustig, verlassen wird. Das
erste Gefühl im Wagen oder Zug, wenn er endlich abfährt, entscheidet
über das Kommende. Ist Reisen erzwungen oder Beruf, also nicht abbrechend-glücklich,
so ist es keines. Geschieht es aus der Langeweile, weil einem sonst nichts
mehr einfällt, so fährt diese mit. Sie ist das Gepäck und
Geschick, das mit einem selber in der stählernen Kiste über die
Schienen geschleift wird. Der Zug hat dann nicht die vergnügte Eigenschaft,
die so selten sonst vorkommt: genau in die Richtung zu fahren, in die man
sich wünscht. Auch Geschäftsreisende, Matrosen, Emigranten sind
nicht auf Reise, letztere trotz der möglichen Befreiung nicht. Reise
ist bei allen diesen erzwungen oder Beruf, Bann hier, Verbannung dort.
Ist laufendes Band, wie in Fahrstuhl und Fabrik, nicht ein blaues, das
der Frühling wieder flattern läßt durch die Lüfte.
Glück der Reise jedenfalls ist und bleibt zeitweiliges Entrinnen ohne
Nachforderung von zu Hause, ist durchgreifende Umstellung ohne äußeren
Zwang zu ihr. Der Reisende des kapitalistischen Zeitalters muß zudem
noch Konsument sein können, nicht Bewerber, er verliert sonst die
Welt anziehender Fremdlinge, unter denen er nichts zu tun hat, unter denen
er keine Gewohnheit hat. Zwar bleibt wahr: nichts ist in der Fremde exotisch
als der Fremde selbst; doch dieser sieht als bürgerlicher Enthusiast
zunächst gar nicht den Alltag der Fremde, am wenigsten will er das
Elend in ihr sehen, das ihm den Wechsel auf Schönheit nicht einlöst;
er sieht in der Fremde, mit oft heillosem Subjektivismus, sein persönlich
mitgebrachtes Wunschbild von ihr. Und dieses allerdings ist meist exotisch
genug, entweder so, daß Enttäuschung erfolgt, etwa deshalb,
weil Italien nicht aus Lampions besteht, oder so, daß das alte Wunschbild,
wenn es die Sache selbst nicht verfehlt, sondern übersteigert hat,
neben dem der gewonnenen Erfahrung stehenbleibt, unbelehrt, doch stellenweise
auch unenttäuscht. Indem das Wunschbild unbelehrt bleibt, dringt es
nicht richtig ins nüchtern Vorhandene ein; der Durchschnittsreisende,
ohnehin durch Hotel, Fremdenführer, Wagenfahrten isoliert, nimmt eben
die Armut noch weniger wahr als zu Hause. Andererseits aber ist der gleiche
Bürger imstande, kraft der eigenen Verfremdung, die er den Gegenständen
gibt, keine Abstumpfung des Alltags zu haben und an den Gegenständen
gegebenenfalls Bedeutungen zu sehen, die im Alltag nur ein tüchtiger
Maler entdeckt. Verfremdung ist hier das genaue Gegenteil zur Entfremdung;
innerhalb der bürgerlich-privaten Welt ist die Reise der Mai, der
alles neu macht, der einzige. Und die erfrischende Verfremdung wird unterstützt
durch ein anderes Paradoxon der Reise, durch eines, das nun nicht nur dem
bürgerlichen Enthusiasten widerfährt, das vielmehr mit dem sich
scheinbar aufblätternden Nebeneinander des Raums auch sachlich zusammenhängt.
Daraus entsteht eine Art subjektiver Verzeitlichung von Raum, subjektiver
Verräumlichung der Zeit, dann besonders, wenn die Schauplätze
rasch einander folgen. Die Reisezeit wird so gefüllt wie sonst nur
der Raum, und der Raum wird das Medium der Veränderungen wie sonst
nur die Zeit. Es entsteht also eine Umkehrung der gewohnten Wahrnehmungsordnungen,
es entsteht gefüllte Zeit, im bewegt, verändert erscheinenden
Raum. Die alten Abenteuergeschichten rollten den Raum gänzlich in
dieser Weise auf, störten seine mythische Starre; jede Reise lebt
noch, selber mutatis mutandis, vom Paradox dieses Wandeltraums.
...
Die Verfremdung, die jeden bedeutenden Gegenstand noch doppelt erhöht
macht, wie eine Bergspitze über Wolken, legt gegebenenfalls, mit oder
ohne Komplementärwirkung, die Größe des Werks selber frei.
Das sind die Wirkungen der reisenden Verfremdung auf die Hoffnung; mit
Eros in beiderlei Gestalt, der der Liebe und der der Schöpfung. Und
schließlich zu guter Letzt, mit so häufigem Umschlag, was Verfremdung
angeht: eine der Neuerungen der Reise mag sogar sein, daß sie auch
das Gewohnte zu Hause verfremdet. Der so entstehende Affekt heißt
Heimweh; er ist sinngemäß einer der durch Ferne so ausgelösten
wie ausgewechselten Sehnsucht. Wird doch Heimweh nicht nur durch die Unlust
erregt, die das Nichtvorhandensein gewohnter Gegenstände hervorruft,
sondern außer dem Heimweh aus Verlust der gewohnten Merkwelt gibt
es das produktive, das die verlassene, längst abgestumpft erfahrene
Umgebung selber farbig, ja utopisch macht und ihr neue Seiten abgewinnt.
Dann wird das Heimweh so von einem Wunschbild getragen wie die Fremde vor
Antritt der Reise und in ihr. Und es wird von der gleichen, oft ungerecht,
oft aber auch gerecht vergoldeten Erinnerung getragen, die den Reisegang
selber nachher vollendet, und die die utopischen Länder im Exotischen
kennzeichnet. Mit dem Unterschied freilich, daß die Vergoldung des
Heimwehs bei der Rückkehr verschwindet, während das Reisebild
post festum noch exotischer wird, gar eine Verwandlung erlangt, die sich
ans gute Wunschland der Kunst und anderer Entführungen anschließt
oder anzuschließen vermag. Der übers Meer fährt, sagt zwar
Horaz, verändert nur den Himmelsstrich, nicht sich selbst. Aber er
verändert wenigstens den Himmelsstrich: im einfachen Fall ist das
eine Umstellung der Kulissen, im bedeutenderen erwächst aus dem veränderten
Bewußtseinsinhalt eine veränderte Bewußtseinslage, die
dem Inhalt angemessen werden will. Weiter bezieht sich der Reisereiz gewiß
auf eine über die Hälfte nur subjektive Schönheit, auf eine
also, die mit Verfremdung vom bloßen Beschauer her und vom bloßen
Wunschbild der hochgesteigerten Sache überzogen ist. In der Fremde
ist niemand exotisch als der Fremde selbst, so ist auch die Fremde sich
selber keineswegs schön verfremdet, und der dort Einheimische hat
außer der eigenen Not, die der bloß reisende Enthusiast nicht
sieht, selber den Wunsch nach Fremde. Etwa nach derjenigen, woher der reisende
Enthusiast selber kommt; all das aus dem gleichen, dem beiderseits vorhandenen
Subjektwunsch nach Entfremdung. So daß man sehen kann, wieviel Subjektivität
von Haus aus in jedem Reiseerlebnis als solchem steckt, und wie schwierig
sie es letzthin machen kann, zu jener veränderten Bewußtseinslage
vorzudringen, die dem erblickten Inhalt nicht nur gerecht werden will,
sondern gerecht werden kann. ...
Seit die Reise bequem geworden ist, führt sie nicht mehr so weit.
Sie nimmt mehr häuslich Gewohntes mit und dringt in den Landesbrauch
noch weniger ein als früher. An Stelle der Wanderschaft, des Ritts,
des nie vermeidbaren Abenteuers ist im neunzehnten Jahrhundert Verkehr
getreten, ein - verglichen mit den heutigen Fluglinien - verblüffend
rasch ausgebautes Eisenbahnnetz. Weniges wurde so kanalisiert wie das Reisen;
zwei Weltkriege gehörten dazu, um diesen nützlichen Fortschritt
zu stören. Das neunzehnte Jahrhundert hatte es immerhin zustande gebracht,
daß der Schnellzug ungestört an einer Stelle vorbeisaust, wo
nach alten Reisebüchern sich vordem eine Räuberhöhle befunden
hatte, und das gefährliche Leben zu Hause war noch nicht recht aufgeblüht.
Dafür aber wurde eben die schöne Fremde zu einem kleinbürgerlichen
Ferienschmaus umgefälscht. Es kamen die sogenannten Reisegesellschaften,
als Mittel, nicht nur die Reise, sondern auch die ihr zugewandten vormaligen
Wunschbilder billig auszuführen. Es begannen die sogenannten Sehenswürdigkeiten,
und sie standen innerhalb einer für die Tour zurechtgestellten Welt,
einer verabredet-italienischen, verabredet-orientalischen. 1864 organisierte
der frühere Bahnbeamte Louis Stangen die erste seiner nachmals so
beliebt gewordenen Gesellschaftsreisen; sie eröffneten dem gemäßigten
Fernweh nicht nur sein Italien, sondern auch seinen vorderen Orient. Sorrent
wurde gegrüßt, die schimmernde Blüte der Wellen, auch die
blaue Adria, die Inselperle Korfu, Kairo, die Pforte des Morgenlandes,
und die gigantischen Pyramiden. Alles garantiert, samt Trinkgeldern, alles
am Schnürchen, Erklärer inbegriffen, für eine Pauschalsumme
pränumerando. Aber auch der ungegängelte Fremdenverkehr wuchs
seit der Mitte des Jahrhunderts mit gemehrtem Wohlstand der Mittelklasse
immer rationalisierter an; die Welt wurde für die Besichtigung von
acht Tagen, von vierzehn Tagen, von vier bis sechs Wochen katalogisiert.
...
Einzig die Alpinistik lieferte, stellenweise, noch Platz für Ungebahntheit,
auch für spezifische Fern-, nämlich Höhenwünsche. Ebenso
blieb, ja wuchs die lesende Teilnahme des Publikums an den letzten übriggebliebenen
Entdeckungsreisen, an denen ins dunkle Afrika und an den Nordpolfahrten;
Nansens Buch "Durch Nacht und Eis", mit den hocharktischen Photographien
und den Farbdrucken: Nordlicht-Krone, Nordlicht-Baldachin, gab breitesten
Kreisen noch eine Ahnung von unverkaufter Natur. Die unverkaufte suchte
der Normalreisende allerdings auch dort, wo er seine ganze häusliche
Komfortzelle (living room) mitnahm, und wo die gleiche Coca-Cola-Welt,
die die Touristik begünstigte, immer mehr die erträumte Andersheit,
auch Märchenferne der Besuchsorte aufhob. Vor allem aber an der Basis
dieser sämtlichen Organisierungen: die Touristik gewann, indem sie
Seefahrt machte, den Vorderen Orient bespülte oder zu Hause wenigstens
die Bilder "Im Fluge durch die Welt " verbreiten ließ, wachsende
propagandistische Bedeutung für die heimischen Weltmarkt-, Weltmachtwünsche.
Denn das imperialistische Zeitalter beförderte und umgab die Reisebüros
dauernd; zugleich aber hat es die Fremdwelt erst recht deformiert. Sie
wurde bestenfalls in Gebiete abseits von der Kapitalstrecke zurückgedrängt,
hauptsächlich aber wurde sie ein immobiler Fremdenartikel, so lange,
bis sie ein anderer, kolonialer ward; - alles geht unter, mit Ausnahme
des Abendlandes, das ist von hier aus ein gültiger Satz.
Ernst Bloch 1885-1977
Das Prinzip Hoffnung
Ach, wohin soll ich nun noch steigen mit meiner Sehnsucht? Von allen Bergen schaue ich aus nach Vater- und Mutterländern. Aber Heimat fand ich nirgends: unstät bin ich in allen Städten und ein Aufbruch an allen Thoren. Fremd sind mir und ein Spott die Gegenwärtigen, zu denen mich jüngst das Herz trieb; und vertrieben bin ich aus Vater- und Mutterländern. So liebe ich allein noch meiner Kinder Land, das unentdeckte, im fernsten Meere: nach ihm heiße ich meine Segel suchen und suchen.
Friedrich Nietzsche 1844-1900
Also sprach Zarathustra
. . .die Leute, die aus Unruhe oder Neugier weite Reisen machen, keine Beschreibungen oder Berichte davon verfassen, ja nicht einmal Schreibtafeln bei sich führen; welche reisen, um etwas zu sehen, und doch nichts sehen, oder vergessen, was sie gesehen haben; welche einzig neue Türme und Kirchen kennenlernen und Flüsse überqueren möchten, die nicht Seine oder Loire heißen; die ihre Heimat verlassen, bloß um wieder dahin zurückzukehren; denen es Vergnügen macht, verreist zu sein und eines Tages aus weiter Ferne heimzukommen.
La Bruyère 1645-1696
Reisen, mein Freund, ist eine schöne Sache; aber man muß seinen Vater, seine Mutter, seine Kinder und seine Freunde verloren haben, oder nie welche besessen haben, um auf dem Globus umherzuirren. Was würden Sie von dem Besitzer eines riesigen Palastes sagen, der sein Leben damit verbrächte, treppauf, treppab zu eilen, vom Keller zum Dachboden, vom Dachboden in den Keller, anstatt sich ruhig im Kreise seiner Familie niederzulassen? Das ist das Bild des Reisenden. Dieser Mensch hat keine Moral, er wird von einer Art natürlicher Unruhe geplagt, die ihn entgegen seinem Willen von Ort zu Ort treibt.
Denis Diderot 1713-1784
franz. Schriftsteller u. Pilosoph
Bevor wir die Reise um die Welt beginnen, sollten wir die Reise um uns selbst beendigen.
Denis Diderot 1713-1784
franz. Schriftsteller u. Pilosoph
Neugierde ist nur Eitelkeit. Meistens will man nur etwas erfahren, um davon zu sprechen. Sonst würde man nicht über das Meer fahren: wenn man nie etwas davon berichten dürfte, allein aus der Freude am Sehen, ohne Hoffnung, jemals etwas davon mitzuteilen.
Blaise Pascal 1623-1662
Gedanken
Daß man die größten Wunder zu Hause erlebt, das lernt man erst in der Fremde erkennen.
Wilhelm Raabe 1831-1910
Alte Nester
Viele Fächer werden an unseren Schulen gelehrt. Aber eines der wichtigsten fehlt: die Reisekunde. Denn das intelligente Reisen, das Verständnis fremder Länder und Völker will gelernt sein.
John Steinbeck 1902-1968
Die Weltmenschen halten sich für frei, weil sie in der Welt hin und her laufen, und mit überflüssigen Sorgen beschweret sind; und sie nennen ihr Herumirren eine Freiheit; wie die Kinder, die frei zu sein glauben, wenn sie, aus dem väterlichen Hause entwischet, herumlaufen, ohne zu wissen, wohin sie gehen. Schändliche Freiheit der Welt, die uns keine Zeit läßt, auf uns Acht zu haben!
Jacques Bossuet 1627-1704
Das ist Reisekunst: im Weltenreihn mitzufliehn und nach geliebten Fernen auch im Rasten unterwegs zu sein.
Herrmann Hesse 1877-1962
Ich bin unglücklich und mir ist unbehaglich zumute, wenn ich nicht in einer Großstadt bin. Mein Gefühl für die Natur ist auf Wasser, Berg und Wüste beschränkt. Aber in der Großstadt bin ich mir eines anderen Elements bewußt, das sie alle an Einbildungskraft übertrifft: des Labyrinths. In einer fremden Stadt verloren zu sein, ist das größte Vergnügen, das ich kenne. Wenn man sich schließlich auskennt, ist alles verloren. Für mich ist die Großstadt das personifizierte Verbrechen, der personifizierte Irrsinn. Hier fühle ich mich zu Hause. Wenn ich zum Beispiel im Kino eine große chinesische Stadt sehe und mir vorstelle, ich wäre mitten in dieser Anarchie und diesem Durcheinander, dann kommen mir die Tränen in die Augen. Sie ist für mich wie eine Zufluchtsstätte. Gleichviel um welche Sprache es sich handelt, ich kann mich mit dem Großstadtmenschen verständigen. Wir sind Brüder, wir verstehen einander.
Henry Miller *1891
Wights of Love and Laughter
Auf der Reise
Schon schlimm genug, wenn sich daheim
Entwickelt einer Krankheit Keim,
Wo du, um etwas auszubrüten,
Das eigne Bett nur brauchst zu hüten.
Doch scheußlicher, wenn in der Fremden,
Wo du beschränkt an Geld und Hemden,
In, beispielsweise, Wolfenbüttel
Dich jäh erfaßt ein Frostgeschüttel,
Wenn dir in Schneizelreuth, in Krünn,
Wird gar der Lebensfaden dünn;
Vielleicht fällts grad in Schwarzenstein
Der häßlichsten der Parzen ein,
Dir - Gottlob ohne langes Leiden -
Besagten Faden abzuschneiden.
Vergebens du dem Schicksal grolltest,
Liegst du nun, wo du gar nicht wolltest,
Jetzt unterm Marmor oder Tuffstein
In Berchtesgaden oder Kufstein.
Darum, mein Lieber, überlegs
Und werde krank nicht unterwegs.
Eugen Roth *1895
Der Wunderdoktor
Was bleibt mir sonst denn noch zu tun,
als abzureisen Knall und Fall,
vielleicht erblüht mir bald ein neues Huhn
in einem abgelegenen Bauernstall,
vielleicht auch reise ich mit einem Ruderboot
nach dem gelobten Lande Samarkand
nähr mich von Affen- und Johannisbrot
und werde zwischendur ch auch Elefant.
Francois Villon 1431-1463, Das kleine Testament
...ihr Gemüth durch Ansehung so vieler Veränderungen und verschiedener lebendiger und lebloser Dinge ergötzet, ihr Verstand in einem so großen Buch als der Erdenkreyß ist, je länger je mehr bewandert, eröffnet, geschärffet und erleuchtet, das zu Hauß durch die dahin gehende und darzu dienende Studia gefaßte, um so viel mehr bewähret, die Sitten und Affecten besser regulieret, der Leib durch die auf Reisen uns zustoßende Fatiguen gehärtet, die Gesundheit befestiget, und das Gute so man an Gütern des Verstandes auf solchen Reisen erworben, künfftig hin dem Vaterlande bey glücklicher Retour mitgetheilet werden möge. . . . Der viel Städte und Länder mit Nutzen und guter Application durchreiset, der wird dadurch ein künfftig wohl zu gebrauchender Mann.
Paul Jacob Marperger
Auserlesene kleine Schriften
Ich möchte Weltbürger sein, überall zu Hause und, was noch entscheidender ist, überall unterwegs.
Erasmus von Rotterdam 1469-1536
Wenn du liebst geh auf die Reise
Verlaß deine Frau und dein Kind
Verlaß deine Freundin verlaß deinen Freund
Verlaß die Geliebte verlaß den Geliebten
Geh auf die Reise wenn du liebst
Die Welt ist voller Neger und Negerinnen
Frauen und Männer und Männer und Frauen
Sieh die prächtigen Kaufhäuser
Den Fiaker den Mann diese Frau den Fiaker
Und all die wunderschönen Waren
Es gibt die Luft es gibt den Wind
Die Berge das Wasser den Himmel die Erde
Die Kinder die Tiere
Das Gras und die Kohle unter der Erde
Blaise Cendrars 1887-1961
Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.
Johann Wolfgang von Goethe 1748-1832
Tabi-ni haji-o tsutete.
Auf Reisen braucht man kein Schamgefühl.
japanisches Sprichwort
Welches Land ist das schönste der Welt? ist eine falsch gestellte Frage, auf die es keine Antwort gibt. Ebenen, Wildwasser, Wasserfälle, Wälder, Berge. Was lieben Sie? Sie können wählen. Hier eine sengende Hitze, dort ein warmer Boden, hier ein eisiger Himmel, dort ein stets aufgewühltes Meer; was ziehen sie vor? Sind sie Lappe, Spanier, Papua, Neuseeländer? Sagen Sie es mir, wenn Sie wollen, daß ich Ihre Frage beantworte. Glauben Sie mir, wir sind Sklaven der Gewohnheit, die Gewohnheit ist unsere unzertrennlichste Freundin und unser stetigster Feind; die Gewohnheit ist eine zweite Existenz, die wir bekommen wie die erste, ohne etwas dagegen tun zu können. Um diese Wahrheit richtig zu begreifen, müßten Sie wie ich gereist sein. Sie sind zu Hause geblieben? Oh! dann glauben Sie mir aufs Wort. Sie sind nicht fähig, mich zu widerlegen. Was ich von Ihnen verlange? Daß Ihr lässiger Geist gewohnt ist zu gewähren. Haben Sie nicht jeden Kampf mit der Überlegung untersagt! Reisen ist Denken, und Sie verlassen Ihren Lehnstuhl nicht. Man reist nicht nur, um durch die Welt zu stürmen. Selbst wenn man jeden Tag ein anderes Land besucht, kann der Körper unbeweglich bleiben, während der Geist die ganze Welt umfaßt; dieser interessiert sich für die Architektur des Menschen, jener für die Kochkünste der Völker, ein Dritter wühlt in der Geschichte der Jahrhunderte und baut sich eine neue Welt auf den Resten einer von der Zeit verschlungenen Welt. Einer studiert die Philosophen der Menschheit, um sich nach seiner Vorstellung ein Lebensbild zu schaffen; ein anderer, mutiger vielleicht, entreisst Gott seine Geheimnisse am Ort selbst, an dem er inmitten seiner flammenden Bälle thront, deren Farbe, deren Größe und Bahnen ihm kein Geheimnis mehr sind. Auch sie reisen, und, ich schwöre Euch, ihr Weg ist weit und mühsam.
Jacques Arago
Alles Unglück des Menschen kommt daher, daß er nicht ruhig in einem Zimmer verweilen kann.
Blaise Pascal 1623-1662
Um Mitternacht war es, da nahm Zarathustra seinen Weg über den Rücken der Insel, daß er um den frühen Morgen an das andere Gestade käme: denn dort wollte er zu Schiff steigen. Es gab nämlich allda eine gute Rhede, an der auch fremde Schiffe gern vor Anker gingen; die nahmen manchen mit sich, der von den glückseligen Inseln über das Meer wollte. Als nun Zarathustra so den Berg hinanstieg, gedachte er unterwegs des vielen einsamen Wanderns von Jugend an, und wie viele Berge und Rücken und Gipfel er schon gestiegen sei. Ich bin ein Wanderer und ein Bergsteiger, sagte er zu seinem Herzen, ich liebe die Ebenen nicht und es scheint, ich kann nicht lange stillsitzen.
Friedrich Nietzsche 1844-1900
Also sprach Zarathustra
Keine Eitelkeit ist lächerlicher als die der Leute, die aus Unruhe oder Neugierde auf Reisen gehen.
La Bruyère 1645-1696
Wenn geschäftslose Leute ihre Heimat verlassen und mit Grund und Gründen auf Reisen gehen: so kann man solche aus einer von diesen allgemeinen Ursachen herleiten ....
Gebrechlichkeit des Körpers,
Schwachheit des Geistes, oder
Unumgängliche Notwendigkeit.
Unter die beiden ersten gehören alle Reisenden zu Wasser und zu Lande, welche an Hochmut, Neugierde, Eitelkeit oder Milzsucht laborieren, an einem oder an mehreren dieser Gebrechen, nach allen den unendlichen Unterarten derselben und ihren unendlichen Verbindungen untereinander. Die dritte Klasse begreift das ganze Heer wandernder Märtyrer in sich, ganz besonders derjenigen, welche `cum beneficio Cleri' ihre Reisen antreten, entweder als Verbrecher, unter der Aufsicht von Hofmeistern, welche die Obrigkeit empfiehlt . .. oder solche junge Herren, die von ihren grausamen Eltern oder Vormündern auf Reisen verbannt werden, unter der Aufsicht von Hofmeistern, welche die Universitäten Oxford, Aberdeen und Glasgow empfehlen. Es gibt eine vierte Klasse; ihre Anzahl ist aber so gering, daß sie keine besondere Abteilung verdiente, wenn nicht die Notwendigkeit in einem solchen Werke wie dieses die größte Genauigkeit und Richtigkeit erforderte, um alle Verwirrung in den Charakteren zu vermeiden. Und diese Männer, von denen ich rede, sind solche, welche übers Meer gehen und sich in einem fremden Lande aufhalten, mit der Absicht, aus verschiedenen Gründen und unter verschiedenem Vorwande Geld zu sparen: allein, da sie sowohl sich als anderen ehrlichen Leuten einen großen Teil unnötiger Mühe ersparen können, wenn sie ihr Geld zu Hause sparen wollten .... und da ihre Gründe fürs Reisen einfacher sind als die aller übrigen Emigranten: so nenne ich diese Herren 'Simple Reisende' . Dergestalt kann man den ganzen Zirkel von Reisenden unter folgende wenige Rubriken bringen:
Müßige Reisende,
Neugierige Reisende,
Lügende Reisende,
Aufgeblasene Reisende,
Eitle Reisende,
Milzsüchtige Reisende.
Dann folgen die
Reisenden aus Notwendigkeit:
Der seiner Sündenschuld wegen Reisende,
Der unglückliche und unschuldige Reisende,
Der simple Reisende.
Und ganz zuletzt - wenn Sie´s nicht übelnehmen wollen!
Der empfindsame Reisende, - womit ich mich selbst meine - der ich gereist
bin und nun mich hinsetze, um Rechenschaft davon abzulegen ... und ebenso
gut aus Notwendigkeit und `besoin de voyager' gereist bin als irgendeiner
aus der Klasse.
... Wissenschaften und Kenntnisse sind allerdings zu erlangen, wenn
man die Reisen mit Boots- und Postknechten zu diesem Endzwecke anstellt;
ob aber nützliche Kenntnisse und wahre Wissenschaften, das ist eine
bloße Lotterie . . ..
Laurence Sterne 1713-1768
Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien
Diese sogenannten "Kakerlaken-Touristen" sind auch interessant. Sie werden später reich und kommen dann vielleicht als Studienreisende wieder.
Ägyptisches FVA zum Rucksack-Tourismus
Die wahren wandrer aber sinds die reisen
Nur um zu reisen - federleichter hauf!
Sie können nie ihr schicksal von sich weisen.
Sie wissen nicht warum und rufen: auf!
Der sonne glanz auf veilchenfarbnen meeren
Der glanz der städte wenn die sonne sinkt
Entzündete in uns ein heiß begehren
Nach einem himmel der verlockend winkt.
Charles Baudelaire 1821-1867
Die Reise
Ich kann Dir nicht sagen, wie angenehm mir dieses Leben ist. Ich bin frei wie der Vogel in der Luft!
Hermann Fürst von Pückler-Muskau 1785-1871
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.
Alexander von Humboldt
Kosmos
Wer hat euch Wandervögeln
Die Wissenschaft geschenkt
Daß ihr auf Land und Meeren
Nie falsch den Flügel lenkt
Daß ihr die alte Palme
Im Süden wieder wählt
Daß ihr die alten Linden
Im Norden nicht verfehlt
Grabinschrift auf dem Friedhof Berlin-Dahlem
Selten hat man etwas versäumt, wenn man nicht dort war, wo alle waren.
Nico Dostal
Die Leidenschaft des Reisens ist das weiseste Laster, welches die Erde kennt.
Bruno H. Bürgel 1875-l948
Fremdlinge, sagt, wer seid ihr? Von wannen trägt euch die Woge?
Habt ihr wo ein Gewerb, oder schweift ihr ohne Bestimmung
Hin und her auf der See, wie küstenumirrende Räuber,
Die ihre Leben verachten, um fremden Völkern zu schaden?
Homer 8. Jh. v. Chr.
Odyssee, IX, 252-255
Die meisten Leute reisen freilich mehr aus Langeweile als aus dem Drange, sich neue Kenntnisse zu sammeln. Zu diesen Reisenden gehöre ich nicht; ich bin neugierig, unermüdlich und erkenne jeden Tag zu meinem Bedauern, daß in der Welt nichts seltener ist als - Verschiedenheit. Die Ähnlichkeiten bringen den Reisenden zur Verzweiflung.
Adolphe Louis-Léonor de Custine
Russische Schatten
Nur unterwegs erfährt man das Gefühl märchenhafter Verwunschenheit.
Erich Kästner 1899-1974
Trudele durch die Welt. Sie ist so schön, gib dich ihr hin, und sie wird sich dir geben.
Kurt Tucholsky 1890-1935
Und sehr zu befürchten ist, daß wir ohne Sehnsucht existieren werden, in einer Welt, die total verplant ist.
Eugen Drewermann
Theologe, Schriftsteller
.. . die Sehnsucht nach dem Unendlichen . ..
Unbekannt
O reiserei, du harte speis,
wie tust du mir so we im pauch!
im stro so peißen mich die leus,
die leilach sind mir viel zu rauch.
ich tumer gauch
warumb tu ich das?
Unbekannt
Ich habe nur von einer Art zu reisen Begriff, die noch angenehmer ist, als zu Pferde zu reisen: nämlich zu Fuß zu gehen. Man reist zu seinem Augenblicke ab, man hält inne, wenn man dazu Lust hat, man macht sich so viel oder so wenig Bewegung als man will. Man bemerkt das ganze Land; man beugt ab zur Rechten und zur Linken; man untersucht alles, was einem lockt, man steht bei allen Aussichten still. Sehe ich einen Fluß - ich wandle sein Ufer hinab; einen dickbelaubten Wald - ich gehe in seinen Schatten; eine Grotte - ich begebe mich hinein; einen Schacht - ich untersuche das Gesteine. Überall, wo es mir gefällt, bleibe ich. Den Augenblick, wenn ich Langeweile fühle, gehe ich. Ich hänge weder von Pferden noch von Postillonen ab. Ich habe nicht nötig, mir gebahnte Wege zu wählen; ich gehe überall durch, wo ein Mensch durchkommen kann; ich sehe alles, was ein Mensch sehen kann; und da ich von niemand als von mir selbst abhänge, genieße ich aller Freiheit, deren ein Mensch genießen kann.
Jean-Jacques Rousseau 1712-1778
Frei
Von allen Vergnügungen ist die Reise das traurigste. Es ist kaum zu glauben, bis zu welchem Grade man mit so einfachen Mitteln unglücklich sein kann. . . . Die Reise lehrt uns, die Dinge rasch und flüchtig einzuschätzen, und die sich damit zufrieden geben, sind Dilettanten; die Seele sträubt sich dagegen. Daher geht man heute so viel auf Reisen. Man sagt, es zerstreue. Es zerstreut das Wichtigste, in der Tat. . . Man glaubt zu gewinnen, weil man an Breite gewinnt, und man verliert es an Tiefe. Man kehrt zurück, aufgeblasen von einem elenden Halbwissen, das schlimmer ist als Unwissenheit, da es Nichtvorhandenes vortäuscht.
Henry de Montherlant 1896-1972
Du wunderst dich darüber, daß du durch eine so lange Reise und so vielfachen Wechsel des Ortes dennoch den Trübsinn und die Schwermut nicht verscheucht hast. Denn Sinn mußt du wechseln, nicht den Himmelsstrich. - Magst du über das weite Meer schiffen, mögen dir, wie unser Vergil sagt, Länder und Städte entschwinden: Wohin du auch immer kommst, deine Fehler werden dir folgen. Zu einem, der über ganz dasselbe klagte, sagte Sokrates: "Was wunderst du dich, daß deine Reisen dir nichts nützen, da du dich selbst mit dir herumschleppst ?" Derselbe Umstand, der dich forttrieb, verfolgt dich. Was kann dir die Neuheit der Länder frommen? Was das Bekanntwerden mit Städten und Gegenden? Vergeblich ist dieses Umhertreiben. Du fragst, warum dir diese Flucht nichts hilft? Du fliehst mit dir selbst. Die Last deiner Seele muß erst abgelegt werden; eher wird dir kein Ort gefallen.
Seneca 4v. Chr.-65 n. Chr.
An einem schönen warmen Herbstmorgen kam ich auf der Eisenbahn vom anderen Ende Deutschlands mit einer Vehemenz dahergefahren, als käme es bei Lebensstrafe darauf an, dem Reisen, daß doch mein alleiniger Zweck war, auf das allerschleunigste ein Ende zu machen. Diese Dampffahrten rütteln die Welt, die eigentlich nur noch aus Bahnhöfen besteht, unermüdlich durcheinander wie ein Kaleidoskop, wo die vorüberjagenden Landschaften, ehe man noch irgendeine Physiognomie gefaßt, immer neue Gesichter schneiden.
Joseph von Eichendorff 1788-1875
Erlebtes
Stadt am Ende der Straße und Straße als Fortsetzung
der Stadt: wähle nicht eines oder das andere, sondern
eines und das andere im wohlabgewogenen Wechsel.
Berg, der deinen Blick begrenzt, ihn zurückwirft und
festhält, den die runde Ebene freigibt.
Überspringe mit Freuden Felsen und Stufen; aber verweile
an Stellen, wo der Fuß flachen Halt findet.
Ruhe aus vom Lärm in der Stille, und von der Stille
kehre zurück zum Lärm.
Nur wenn du es kannst, wenn du fähig bist, allein zu
sein, mische dich bisweilen unter die Menge.
Wähle sorgsam eine Ruhestätte. Glaube nicht an die
Tugend einer dauerhaften Tugend: Würze sie mit starkem
Gewürz, das brennt und beißt und selbst der Fadheit
Geschmack verleiht.
So, ohne Rast und Fehltritt, ohne Halfter und Stall,
ohne Verdienst und Mühe, wirst du, mein Freund, nicht
etwa den Sumpf der unsterblichen Freuden erreichen,
sondern den Strudel des großen Flusses Mannigfaltigkeit.
Victor Segalen 1878-1919
Stèles
Wer von weither kommt, hat leicht lügen.
Voltaire 1694-1778
Die Welt ist ein Buch, von dem man nur die erste Seite gelesen hat, wenn man nur sein Land gesehen hat.
Fougeret de Monbron
Du hast mich noch nicht gefragt, wohin ich gehe: weiß ich es selbst?
Ich will versuchen, Länder zu sehen, die ich nicht gesehen habe.
Gérard de Nerval 1808-1855
Reisen ist heute für die meisten nichts anderes als die Fortsetzung der automatisierten Berufswelt. Auch im Urlaub leben sie nach festdefinierten An-, Abfahrts- und Besichtigungszeiten und Kulturplänen. Die Reiseindustrie schafft es, dies immer stärker zu perfektionieren.
Fernweh, nah besehen, ist auch nichts anderes als Heimweh. Denn was uns wegtreibt, ist doch meist die Sehnsucht, zu uns zu finden.
Fernweh, das hat mit Sehnsucht zu tun. Sehnsucht nach neuen Erfahrungen. Wie leben und woran leiden die Menschen woanders. Wie riecht es in Singapur, und wie komme ich mit mir zurecht, wenn im schottischen Hochland der Wind pfeift, die Streichhölzer feucht sind, der Schlafsack klamm und die Adresse der schottischen Familie unauffindbar ist.
Leserbriefe
FERNWEH (Reisezeitschrift)
Man soll wie ein Wanderer leben. Reisen soll man, wie man lebt. Jeder Tag sei außergewöhnlich.
Claude Roy
Vom wahren Sinn des Reisens
Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet,
Und die freien Lüfte wehen.
Auf die Berge will ich steigen,
Wo die dunklen Tannen ragen,
Bäche rauschen, Vögel singen,
Und die stolzen Wolken jagen.
Lebt wohl, ihr glatten Säle,
Glatte Herren! Glatte Frauen!
Auf die Berge will ich steigen,
Lachend auf Euch niederschauen.
Heinrich Heine 1797-1856
Reisebilder
Geschäftslose Lustwandler sind äußerst selten. Der Grieche ist kein Fußgänger. Wer seine vier Wände satt hat, macht so lange Besuche, bis er wieder Heimweh fühlt.
Herr Thiez 1834
Autorenindex Mehr
Zitate in Teil 3