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erstellt am 02.0 Mai 2002

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Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens AGIR
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  Definitionen des Reisens aus Wörterbüchern und Lexika
   
 

Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen

verlegt bey B. Ph. Bauer Wien 1811

 

von Johann Christoph Adelung Churfürstl. Sächs. Hofrathe und Ober-Bibliothekar.
D. W. Soltau's Beyträgen, revidirt und berichtiget von
Franz Xaver Schönberger Doctor der freyen Künsten und Philosophie, öffentl. ordentl. Professor der Beredsamkeit und Griechischen Sprache, Subdirector des k. k. Convictes.

  Die Reise
 

plur. die -n, von dem Zeitworte reisen. 1. In dessen jetzt veralteten weitesten Bedeutung, da es unter andern auch ein gewisses Geschäft verrichten ist, wird dieses Wort, 1) eigentlich noch in einigen Fällen als ein gewisses Maß gebraucht, so viel zu bezeichnen, als man auf Ein Mahl von einer gewissen Art verrichtet. So ist in den Salzkothen zu Halle eine Reise Sohle so viel Sohle, als auf Ein Mahl aus dem Brunnen gezogen wird. Eine kleine Reise bestehet daselbst aus acht Eimern; eine große aber aus zwölf Eimern. Bey den Webern ist eine Reise Leinwand, Zeug u. s. f. ein Gewirk von dem Kamme an bis zu dem Baume, so viel nähmlich gewirket wird, ehe man den Baum umdrehet. Im gemeinen Leben ist es in dieser Bedeutung noch in mehrern Fällen üblich. In einem etwas andern Verstande ist die Reise eine Reise Röhren zu einer Wasserleitung; die Wasserreise. 2) Figürlich ist daher Reise im Niederdeutschen und den verwandten Sprecharten so viel wie das Hoch- und Oberdeutsche Mahl. Eine Reise, Ein Mahl, zwey Reisen, zwey Mahl u. s. f. Im Schwed. gleichfalls Resa. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung, der Zustand oder auch die Handlung, da man sich von einem Orte zu einem entferntern begibt. 1) Eigentlich, wo es, so wie das Zeitwort nur von der Begebung nach einem entlegenen und entferntern Orte gebraucht wird, sie geschehe übrigens auf welche Art sie wolle. Eine Spazierreise, Lustreise u. s. f. Die Abreise, Hinreise, Herreise, Rückreise, Durchreise, Tagereise u. s. f. Eine Reise thun, und im gemeinen Leben machen. Eine Reise nach Berlin machen. Eine Reise vorhaben. Eine Reise anstellen, antreten, unternehmen. Sich auf die Reise machen, sie antreten. Wir hatten eine schlechte, eine gute, eine glückliche Reise. Glückliche Reise! der gewöhnliche vertrauliche Glückwunsch an einen Abreisenden. Nun geht die Reise fort. Wo geht die Reise hin? wo reisen sie hin? Sich auf die Reise begeben. Auf der Reise seyn. Etwas mit auf die Reise nehmen. Von der Reise kommen. Seine Reise fortsetzen. Eine Reise zurück legen. Eine Reise zu Fuße, zu Pferde, im Wagen, zu Wasser, zu Lande. Von einer weiten und langwierigen Reise ist auch der Plural, doch ohne Artikel, üblich. Auf Reisen gehen, in entlegene Länder reisen, um die Welt kennen zu lernen. Auf Reisen seyn. Er ist erst von Reisen gekommen. 2) In einigen Fällen wird es auch hier als ein Maß gebraucht, so viel zu bezeichnen, als mit einer Veränderung des Ortes fortgeschaffet werden kann. Eine Reise Steine, Kalk u. s. f. eine Fuhre. An der Elbe ist eine Reise Holz eine Schiffsladung, oder 40 gemeine Fuder. 3. In der engsten Bedeutung war es ehedem sehr üblich, einen Feldzug zu bezeichnen, in welcher Bedeutung es aber veraltet ist; im Schwabenspiegel Raise. Daher war reisbar ehedem so viel als fähig in den Krieg zu ziehen, Reisner ein Reiter, und in weiterer Bedeutung ein Soldat, ein Mitreißer Commilito, Reisegeld der Soldatensold, der Reisewagen der Packwagen u. s. f. Siehe Frisch v. Reise, und im folgenden 2 Reisig. Anm. Bey dem Ottfried Reisa, im Nieders. gleichfalls Reise, im Schwed. Resa, im Isländ. Reisa. S. Reisen.

  Der Reise-Altar,
  des -es, plur. die -täre, bey den Katholiken, ein geweiheter beweglicher Altar, sich desselben auf Reisen zu bedienen.
  Die Reise-Apotheke,
  plur. die -n, ein Vorrath von den nöthigsten Arzeneyen, welche man auf der Reise bey sich führet, und das Verhältniß, worin sie sich befinden.
  Die Reisebeschreibung,
  plur. die -en, die Beschreibung einer gethanen Reise. S. auch Reisebuch.
  Das Reisebett,
  des -es, plur. die -e, ein leichtes Bettgestell, welches man auf Reisen bey sich führet; das Feldbett, so fern es in einem Feldzuge mit sich geführet wird. Das Reisebett plur. die -en, hingegen würde die darein gehörigen Federbetten bezeichnen.
  Das Reisebuch,
  des -es, plur. die -bücher. 1) Eine Reisebeschreibung; doch am häufigsten nur im gemeinen Leben. 2) Ein Buch, welches verschiedene auf Reisen nöthige Kenntnisse u. s. f. enthält.
  Das Reisebündel,
  des -s, plur. ut nom. sing. die in ein Bündel gebundenen Bedürfnissen, welche ein Reisender bey sich führet. S. auch Ränzel.
  Die Reise-Capelle,
  plur. die -n, an den katholischen Höfen, das Kirchengeräth, so fern es zum Gebrauche einer vornehmen Person auf Reisen dienet, da es denn in den Capell-Kasten gepackt und auf dem Capell-Wagen fortgeschafft wird.
  Reisefertig,
  -er, -ste, adj. et adv. fertig zur Reise; im Nieders. wegfarig, wegefertig.
  Der Reisefreund,
  des -es, plur. die -e, derjenige, mit welchem man in freundschaftlicher Gesellschaft reiset; siehe Reisegefährte.
  Die Reisefrohne,
  plur. die -n, Frohnen, welche die Unterthanen dem Gutsherrn zum Behufe einer Reise durch Vorspann u. s. f. leisten müssen.
  Der Reise-Furier,
  des -s, plur. ut nom. sing. ein Furier, welcher die Herberge und Verpflegung eines Hofes auf Reisen besorget. S. Furier.
  Die Reisegebühr,
  plur. inus. noch häufiger aber im Plural die Reisegebühren, sing. inus. dasjenige Geld, welches jemanden zur Vergütung der aufgewandten Reisekosten bezahlet wird, z. B. einem Richter, Advocaten, Arzte u. s. f.
  Der Reisegefährte,
  des -n, plur. die -n, Fämin. die Reisegefährtinn, derjenige, welcher uns auf der Reise Gesellschaft leistet, mit uns einen und eben denselben Weg reiset der Reisefreund.
  Das Reisegeld,
  des -es, plur. doch nur von mehrern Summen, die -er, das zu einer Reise, zum Behuf derselben bestimmte Geld. Bey den Handwerkern und Künstlern ist es dasjenige Geld, welches einem von einem fremden Orte verschriebenen Gesellen für die Reise bezahlt wird, und welches bey einigen auch das Laufgeld genannt wird. So fern Reise ehedem den Feldzug bedeutete, war Reisegeld vor diesem theils der Sold der Soldaten; theils auch dasjenige Geld, welches diejenigen Unterthanen, welche auf geschehene Aufforderung nicht mit im Felde erschienen waren, als eine Strafe entrichten mußten; theils endlich auch dasjenige Geld, welches die Unterthanen dem Landesherren zum Behuf der Kriegskosten geben mußten, und welches auch die Kriegssteuer, die Heersteuer, der Heerbann hieß.
  Das Reisegeräth,
  des -es, plur. inus. dasjenige Geräth, welches man auf Reisen bey sich führet.
  Reisegerecht,
  -er, -este, adj. et adv. ein nur bey den Jägern übliches Wort, wo ein reisegerechter Jäger derjenige ist, welcher die nöthige Geschicklichkeit in der Jagd des kleinen Weidwerks besitzet, welches auch feldgerecht genannt wird; zum Unterschiede von dem hirsch- und holzgerecht. Siehe Gerecht und Reisejäger.
  Die Reisegesellschaft,
  plur. die -en, diejenigen Personen, welche mit einander in Gesellschaft reisen.
  Das Reisegut,
  des -es, plur. die -güter in einigen Gegenden, ein Gut, welches, auch wenn männliche Erben da sind, wider die Gewohnheit der Lehngüter, auf weibliche Erben fällt, von reisen, sich fort bewegen, in der weitesten Bedeutung; Tochterlehen.
  Der Reisehut,
  des -es, plur. die -hüte, ein Hut, dessen man sich auf einer Reise bedienet.
  Der Reisejäger,
  des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Jäger, welcher einen vornehmen Herrn auf Reisen begleitet. 2) Bey den Jägern werden auch die gemeinen Jäger, welche sich nur mit dem kleinen Weidwerke abgeben, Reisejäger, genannt, wohin denn die Feldjäger, Flug- oder Federschützen, Hühner- oder Wachtelfänger, Windhetzer und Otterfänger gehören; vermuthlich, weil sie zur Ausübung ihrer Kunst mehr reisen, d. i. in der Ferne herum gehen müssen, als ein hirschgerechter Jäger.
  Die Reisejägerey,
  plur. die -en. 1) Die Jagd des kleinen Wildbretes, und die Geschicklichkeit dasselbe gehörig zu fangen und zu erlegen; ohne Plural. 2) Die sämmtlichen dazu gehörigen Personen. Ingleichen in der ersten Bedeutung des vorigen Wortes, die sämmtlichen Jäger, welche einen vornehmen Herrn auf Reisen begleiten.
  Die Reisekappe,
  plur. die -n, eine Kappe, deren man sich auf Reisen bedienet.
  Der Reisekasten,
  des -s, plur. ut nom. sing. ein Kasten, verschiedene Bedürfnisse darin auf Reisen bey sich zu führen; der Reisekoffer, ein solcher Koffer.
  Das Reisekleid,
  des -es, plur. die -er, ein Kleid, welches man nur auf der Reise, oder auf Reisen trägt.
  Die Reisekosten,
  sing. inus. die zur Bestreitung einer Reise nöthigen, durch dieselbe verursachten Kosten.
  Die Reiselust,
  plur. car. die Lust, d. i. sinnliches Verlangen, zu reisen. Reiselust haben. Ingleichen, das Reisen als eine Lust, sinnliches Vergnügen, betrachtet.
  Der Reisemantel,
  des -s, plur. die -mäntel, ein Mantel, dessen man sich nur auf Reisen bedienet.
  Der Reisemarschall,
  des -es, plur. die -schälle, ein Marschall, welcher sein Amt nur auf der Reise, oder auf den Reisen seines Herrn verrichtet. An den Höfen hat man eine Menge Hofbediente dieser Art, wohin der Reisehofbäcker, Reisemundschenk, Reisemundkoch, Reisehof-Cassier, Reisehof-Profoß, und hundert andere mehr gehören.
  Reisen,
  verb. reg. dessen heutiger Gebrauch nur noch ein kleiner Überrest seines ehemahligen Umganges ist. Es kommt noch in doppelter Gestalt vor. 1. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn bekommt, den Ort verändern, sich fortbewegen; doch am häufigsten nur von Menschen, wenn sie sich nach einem entfernten, entlegenen Ort bewegen, wo es seiner Natur nach ein allgemeiner Ausdruck ist, welcher die Art und Weise unbestimmt läßt. Zu Pferde, zu Fuß, im Wagen, zu Schiffe, zu Lande, zu Wasser reisen. In die Fremde reisen. Nach Frankreich, nach Spanien, nach Italien reisen; ehedem in. Nach Berlin, nach Dresden, nach Paris reisen; ehedem gen. Durch einen Ort reisen. Über einen Orte reisen, seinen Weg durch denselben nehmen, auf der Reise durch denselben kommen. Über Straßburg nach Paris reisen. Über Land, über Feld reisen, von einem Orte zu dem nächsten andern. In seinen eigenen Angelegenheiten reisen. Ein Reisender, welcher auf Reisen ist, welcher reiset. Tag und Nacht reisen. Von Soldaten und Kriegsheeren ist dafür das ausländische marschiren und von großen Haufen anderer zugleich reisender Personen auch ziehen üblich. Ingleichen absolute. Ein junger Mensch muß reisen. Zuweilen gebraucht man dieses Wort auch von Thieren, wenn sie sich in einen entlegenen Ort begeben, und figürlich auch von Pflanzen. Gereisete Pflanzen, welche aus einem entlegenen Lande zu uns gekommen sind. Der Raum, welchen man durchreiset, wird in die vierte Endung gesetzt. Des Tages sechs Meilen reisen. Etliche Meilen reisen. Welches auch mit den Hauptwörtern Weg und Straße Statt findet. Diesen Weg bin ich noch nicht gereiset. Die Straße, welche wir reiseten. Einen andern Weg reisen. Wo auch die zweyte Endung gebraucht werden kann, nach dem Muster der Oberdeutschen. Ich bin dieses Weg schon öfter gereiset. Aber von andern leblosen Körpern, für sich fortbewegen, oder fortbeweget werden, ist es im Hochdeutschen jetzt veraltet; obgleich noch Opitz singt: Man wird dich, Herr, mit Ehrfurcht preisen, Weil Sonn und Monde sind, Und durch den runden Himmel reisen, Opitz Ps. 72, d. i. sich im Kreise bewegen. Außer im Scherze. Es reist mancher Groschen in den Würzladen für Maculatur, Weiße. In der Wahl des Hülfswortes sind die Deutschen nicht einig. Zwar wenn das Ziel oder ein anderer Umstand der Reise mit ausgedruckt ist, so wird ohne Ausnahme das Hülfswort seyn gebraucht. Er ist nach Frankreich gereiset, sie sind nach Paris gereiset, wir waren auf kurze Zeit über Land gereiset. Nur wenn es absolute stehet, gebrauchen viele haben. Ich habe oft gereiset, 2 Cor. 11, 16. Er hat viel gereiset, Heinz. Allein das Hülfswort seyn scheint auch hier richtiger und analogischer zu seyn, zumahl, da es hier noch weniger eigene Thätigkeit mit ausdruckt, als in dem vorigen Falle. Er ist viel und weit gereist. Crispus ist gereist, Logau. Ein gereister Mann, der weit gereiset ist. 2. Als ein Activum, da es denn auch die vierte Endung erfordert; doch nur in Gestalt eines Reciproci. Wir haben uns ganz müde gereiset. Daher das Reisen. Das Reisen ist nützlich. Anm. Im Niedersächsischen, wo es doch eben nicht häufig vorkommt, resen, im Schwed. resa. Im Persisch. ist Rhasa einer, der viel gereiset ist, und im Chaldäischen Resa, Stadium, (siehe Rast.) Da s und t in den Mundarten und Sprachen immer in einander übergehen, so sind reisen und reiten eigentlich ein und eben dasselbe Wort, obgleich das letztere jetzt eine sehr eingeschränkte Bedeutung hat. Hornegk gebraucht reiten noch für reisen, und ehedem war auch Reite für Reise üblich. ( S. Reisig und Reiten.) Es ist ursprünglich ein Wort, welches den Schall einer gewissen Bewegung nachahmet, und mit rasen, rauschen und andern dieser Art genau verwandt ist. Mit allerley Vorlauten stammen Kreis, kreisen, preisen u. a. m. davon ab. Besonders bedeutete es ehedem eine Bewegung nach allen Richtungen, und zwar 1) in die Höhe, wohin theils das alte Gothische reisan, aufstehen, das Schwedische resa, aufrichten, Angels. risan, arisan, Engl. to rise, arise, Ital. rizzare, Nieders. risen, unser Reis, Riese, Gras u. s. f. gehören. 2) In die Tiefe; daher ist bey dem Notker risan fallen, sinken, Angels. hrysan, bey dem Ulphilas driusan, Nieders. risen, und unser rieseln. ( S. Rüste.) 3) In die Runde, wohin mit vorgesetztem Gaumenlaute unser Kreis, kraus, und mit dem gleichlautenden d auch Rad gehöret. 4) In die Länge, in die Ferne, welche Bedeutung in unserm reisen noch übrig ist. Ottfried gebraucht reisan auch für bringen, daher es bey ihm im Passivo auch so viel als kommen ist; zit wart tho gereiset, da kam die Zeit. Das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , laufen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , fließend, das Angels. Rith, ein Bach, Franz. Ruisseau, das Engl. to rush, stürzen, unser rasch, und hundert andere gehören gleichfalls dahin. Übrigens ist von diesem Zeitworte reißen das Intensivum, wie aus dem verdoppelten Mitlauter erhellet, rieseln aber das Diminutivum. Siehe auch Gerade, Gerathen, Rede, 1 Reiten, rechnen, u. s. f.
  Reisen,
  verb. reg. dessen heutiger Gebrauch nur noch ein kleiner Überrest seines ehemahligen Umganges ist. Es kommt noch in doppelter Gestalt vor. 1. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort seyn bekommt, den Ort verändern, sich fortbewegen; doch am häufigsten nur von Menschen, wenn sie sich nach einem entfernten, entlegenen Ort bewegen, wo es seiner Natur nach ein allgemeiner Ausdruck ist, welcher die Art und Weise unbestimmt läßt. Zu Pferde, zu Fuß, im Wagen, zu Schiffe, zu Lande, zu Wasser reisen. In die Fremde reisen. Nach Frankreich, nach Spanien, nach Italien reisen; ehedem in. Nach Berlin, nach Dresden, nach Paris reisen; ehedem gen. Durch einen Ort reisen. Über einen Orte reisen, seinen Weg durch denselben nehmen, auf der Reise durch denselben kommen. Über Straßburg nach Paris reisen. Über Land, über Feld reisen, von einem Orte zu dem nächsten andern. In seinen eigenen Angelegenheiten reisen. Ein Reisender, welcher auf Reisen ist, welcher reiset. Tag und Nacht reisen. Von Soldaten und Kriegsheeren ist dafür das ausländische marschiren und von großen Haufen anderer zugleich reisender Personen auch ziehen üblich. Ingleichen absolute. Ein junger Mensch muß reisen. Zuweilen gebraucht man dieses Wort auch von Thieren, wenn sie sich in einen entlegenen Ort begeben, und figürlich auch von Pflanzen. Gereisete Pflanzen, welche aus einem entlegenen Lande zu uns gekommen sind. Der Raum, welchen man durchreiset, wird in die vierte Endung gesetzt. Des Tages sechs Meilen reisen. Etliche Meilen reisen. Welches auch mit den Hauptwörtern Weg und Straße Statt findet. Diesen Weg bin ich noch nicht gereiset. Die Straße, welche wir reiseten. Einen andern Weg reisen. Wo auch die zweyte Endung gebraucht werden kann, nach dem Muster der Oberdeutschen. Ich bin dieses Weg schon öfter gereiset. Aber von andern leblosen Körpern, für sich fortbewegen, oder fortbeweget werden, ist es im Hochdeutschen jetzt veraltet; obgleich noch Opitz singt: Man wird dich, Herr, mit Ehrfurcht preisen, Weil Sonn und Monde sind, Und durch den runden Himmel reisen, Opitz Ps. 72, d. i. sich im Kreise bewegen. Außer im Scherze. Es reist mancher Groschen in den Würzladen für Maculatur, Weiße. In der Wahl des Hülfswortes sind die Deutschen nicht einig. Zwar wenn das Ziel oder ein anderer Umstand der Reise mit ausgedruckt ist, so wird ohne Ausnahme das Hülfswort seyn gebraucht. Er ist nach Frankreich gereiset, sie sind nach Paris gereiset, wir waren auf kurze Zeit über Land gereiset. Nur wenn es absolute stehet, gebrauchen viele haben. Ich habe oft gereiset, 2 Cor. 11, 16. Er hat viel gereiset, Heinz. Allein das Hülfswort seyn scheint auch hier richtiger und analogischer zu seyn, zumahl, da es hier noch weniger eigene Thätigkeit mit ausdruckt, als in dem vorigen Falle. Er ist viel und weit gereist. Crispus ist gereist, Logau. Ein gereister Mann, der weit gereiset ist. 2. Als ein Activum, da es denn auch die vierte Endung erfordert; doch nur in Gestalt eines Reciproci. Wir haben uns ganz müde gereiset. Daher das Reisen. Das Reisen ist nützlich. Anm. Im Niedersächsischen, wo es doch eben nicht häufig vorkommt, resen, im Schwed. resa. Im Persisch. ist Rhasa einer, der viel gereiset ist, und im Chaldäischen Resa, Stadium, (siehe Rast.) Da s und t in den Mundarten und Sprachen immer in einander übergehen, so sind reisen und reiten eigentlich ein und eben dasselbe Wort, obgleich das letztere jetzt eine sehr eingeschränkte Bedeutung hat. Hornegk gebraucht reiten noch für reisen, und ehedem war auch Reite für Reise üblich. ( S. Reisig und Reiten.) Es ist ursprünglich ein Wort, welches den Schall einer gewissen Bewegung nachahmet, und mit rasen, rauschen und andern dieser Art genau verwandt ist. Mit allerley Vorlauten stammen Kreis, kreisen, preisen u. a. m. davon ab. Besonders bedeutete es ehedem eine Bewegung nach allen Richtungen, und zwar 1) in die Höhe, wohin theils das alte Gothische reisan, aufstehen, das Schwedische resa, aufrichten, Angels. risan, arisan, Engl. to rise, arise, Ital. rizzare, Nieders. risen, unser Reis, Riese, Gras u. s. f. gehören. 2) In die Tiefe; daher ist bey dem Notker risan fallen, sinken, Angels. hrysan, bey dem Ulphilas driusan, Nieders. risen, und unser rieseln. ( S. Rüste.) 3) In die Runde, wohin mit vorgesetztem Gaumenlaute unser Kreis, kraus, und mit dem gleichlautenden d auch Rad gehöret. 4) In die Länge, in die Ferne, welche Bedeutung in unserm reisen noch übrig ist. Ottfried gebraucht reisan auch für bringen, daher es bey ihm im Passivo auch so viel als kommen ist; zit wart tho gereiset, da kam die Zeit. Das Hebr. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , laufen, Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , das Griech. - hier nichtlateinischer Text, siehe Image - , fließend, das Angels. Rith, ein Bach, Franz. Ruisseau, das Engl. to rush, stürzen, unser rasch, und hundert andere gehören gleichfalls dahin. Übrigens ist von diesem Zeitworte reißen das Intensivum, wie aus dem verdoppelten Mitlauter erhellet, rieseln aber das Diminutivum. Siehe auch Gerade, Gerathen, Rede, 1 Reiten, rechnen, u. s. f.
  Der Reiserock,
  des -es, plur. die -röcke, ein Rock, welches auf der Reise getragen wird.
  Der Reisesack,
  des -es, plur. die -säcke, ein Sack, verschiedene Bedürfnisse darin auf der Reise bey sich zu führen; im gemeinen Leben ein Ränzel, im Oberd. ein Watsack, sonst auch das Felleisen. So will ich, meinen Durst zu stillen Den Reisesack mit solchen Früchten füllen, Gell.
  Der Reisestab,
  des -es, plur. die -stäbe, ein Stab, so fern er auf einer Reise zu Fuße dienet; der Wanderstab.
  Die Reisetasche,
  plur. die -n, eine räumliche Tasche, welche an einen Riemen über der Schulter hängt, allerley Bedürfnisse darin auf Reisen bey sich zu führen.
  Der Reisewagen,
  des -s, plur. ut nom. sing. ein Wagen, dessen man sich auf Reisen bedienet; zum Unterschiede von einem Stadt- und Staatswagen.
  Der Reisige,
  des -n, plur. die -n, das Hauptwort des vorigen Beywortes, welches ehedem in einer doppelten Bedeutung üblich war. 1) Von Reise, der Feldzug, war der Reisige ehedem ein jeder Soldat; in welchem Verstande es doch nur selten vorkommt. 2) Von reisen, reiten, war der Reisige ehedem so viel wie ein reisiger Knecht, ein Reiter, ein Soldat zu Pferde. Und zogen mit ihm hinauf Wagen und Reisigen, 1 Mos. 50, 9. Salomo hatte 40 000 Wagenpferde und 12 000 Reisige, 1 Kön. 4, 26. Gorgias nahm 5000 zu Fuß und 1000 Reisigen, 1 Macc. 4, 1. Mit 3000 Reisigen und mit einem großen Fußvolk, Kap. 10, 17. In der höhern und dichterischen Schreibart kommt es in diesem Verstande noch zuweilen vor. Ob alle Reisigen aus euren Festen, Ob eine neue Helene Euch alle Prinzen aus Lutetiens Palästen Zu Feldherrn sendete, Raml. Anm. Im Schwed. Res, Resig und Resenär, Dän. Reijsnere; alle von reisen, so fern es mit reiten gleichbedeutend ist, von welchem Zeitworte allem Ansehen nach auch unser Roß abstammet. Zu den ehemahligen weitern Bedeutungen des Wortes reisen gehöret das Nieders. reisig, resig, Holländ. ryzig, resig, lang gewachsen, schlank, ingleichen fließend, locker. Ein reisiger Junge, ein schlanker. Einen reisigen Leib haben, einen flüssigen Stuhlgang. S. Reisen Anm.
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