Auf vergessenen Pfaden von Köln nach Indien
Von Kashgar nach Lhasa
von Norbert Lüdtke & Sonja
Roschy
(Kashgar erlebten wir im August, Tibet im September 1999)
(Hinweis zu den Preisangaben: 4,40 Yuan=1 DM)
| Vorbemerkung | |
| Tibet ist von China arg gerupft worden. Teile des ehemals tibetischen Territoriums gehören heute zu benachbarten Provinzen. Doch bleibt die heutige autonome Provinz immer noch schwer zugänglich: Es ist geographisch schwierig, da der größte Teil Tibets ein Hochplateau bildet, das den nicht akklimatisierten Besucher oft gesundheitlich überfordert: dünne Luft, starke UV-Strahlung sowie die Hitze des Tages und bitter kalte Nächte fordern bei vielen Reisenden gesundheitlichen Tribut. Es ist formell schwierig, da die chinesische Verwaltung den Besuch Tibets durch Individualtouristen bewußt erschwert. Nicht zuletzt ist der Besuch Tibets abseits der Lhasa-Kathmandu-Magistrale auch infrastrukturell schwierig. |
| Die Anreise von Kathmandu nach Lhasa | |
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Die meisten Reisenden fliegen vom touristisch überlaufenen Kathmandu nach Lhasa. Dieser Einreiseweg ist daher der chinesischen Kontrolle besonders stark unterworfen. Dutzende von "tour agencies" bieten in der nepalischen Hauptstadt ihre Dienste an, denn für Individualreisende ist dieser Weg verschlossen - jeder muß sich einer Gruppe anschließen, auch wenn diese nur aus drei Personen besteht. (In Kathmandu ist Internetanschluß und Emailkontakt fast Standard. Der Kontakt zu tour agencies ist daher von Deutschland aus einfach aufzunehmen.) Die tour agency besorgt ein Gruppenvisum bei der chinesischen Botschaft. Enthält der Reisepaß ein Individualvisum für China, wird dies in nahezu allen Fällen ungültig gestempelt. (Es soll Veranstalter geben, die das umgehen können, insbesondere in der Nähe von Pilgrims Bookshop im Thamel). Nach der Landung in Lhasa ist es theoretisch möglich, beim PSB (police security bureau) das Gruppenvisum in ein Individualreisevisum umzuwandeln. Das kostet in erster Linie Zeit und wird nur selten genehmigt. Die PSB-Stelle in Shigatse soll liberaler sein. Das PSB ist Chinas Kontrollinstrument, die Beamten arbeiten meist in Zivil und sprechen fast immer englisch. Man ist ihrer Kontrolle unterworfen, auch wenn diese meist unsichtbar ist. Die typischen Touristenziele wie Lhasa, Shigatse … sind ohne Permit zugänglich, ebenso die Straße von Lhasa zur nepalischen Grenze. Wegen der schlechten Infrastruktur in Tibet ist das Verlassen dieser Hauptorte und -routen mit einem meist hohen, aber immer unberechenbaren Zeitaufwand verbunden. Wer ein Gruppenvisum hat, kann sich auf dieses Zeitrisiko kaum einlassen. Abseits dieser Flanierstrecken fallen Touristen sofort auf und die PSB-Beamten greifen sich gezielt die Touristen ohne Permit heraus. Die Anreise von Kathmandu aus mit einem Gruppenvisum ist daher nur jenen Reisenden zu empfehlen, die sich mit den Sehenswürdigkeiten um Lhasa, Shigatse und entlang des Friendship-Highways zufrieden geben. Jeder, der länger in Tibet bleiben und andere Orte besuchen möchte, sollte sich einen anderen Anreiseweg suchen. |
| Die Wege nach Tibet innerhalb Chinas | |
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Da Tibet von China als ein selbstverständlicher Teil des eigenen Landes begriffen wird, gibt es keine besonderen Grenzkontrollen zwischen den Provinzen. Ausländer benötigen lediglich das normale chinesische Visum sowie ein Permit des örtlichen PSB, Chinesen können sich ungehindert bewegen. Davon profitieren auch japanische Individualreisende, die wir in Tibet häufig getroffen haben - sie fallen einfach weniger auf. Die westlichen Touristen sind drei Kontrollmechanismen unterworfen:
Diesem Kontrollsystem läßt sich kaum entgehen. Folgende Anregungen können von Mal zu Mal helfen:
Nach Tibet führen innerhalb Chinas nur zwei offizielle Wege, entweder Flüge nach Lhasa von Chengdu (seit einigen Wochen soll es auch Flüge von Guangzhou und Qamdo geben) oder mit dem Bus von Golmud. Alternativen mit Auto & Motorrad & Fahrrad Alle anderen Wege und eigene Verkehrsmittel sind Individualreisenden verboten. Diese können allerdings das offizielle chinesische Reisebüro CITS (=China International Travel Service) - gibt's in jeder größeren Stadt - mit der Organisation einer solchen Reise beauftragen. Spaßeshalber haben wir das beim CITS in Kashgar einmal angefragt: "Wir wollen zu zweit von Kashgar zum Kailash. Was würde das kosten, wenn Sie das für uns organisieren?" Da rechnete man uns vor: "3000 Yuan kostet allein das Permit für Ihre Gruppe. Dann brauchen Sie zwei Toyota Landcruiser, einer für Sie, den Fahrer und den Tourguide und einen für Treibstoff, da es auf der Strecke keine Tankstellen gibt. Pro Kilometer berechnen wir 4 Yuan pro Wagen. Die Strecke beträgt etwa 1500 km, da die Wagen zurückfahren müssen also das Doppelte. Das macht zusammen etwa 27.000 Yuan, ohne Übernachtungen und Essen." Wer mit dem eigenen Wagen nach China einreisen will, muß frühzeitig - etwa ein Jahr vor der Reise - CITS in Peking einschalten. Die benötigen dann einen fertigen Reiseplan mit Personalien aller Reisenden, Reiseroute und Zeitplan und beantragen die nötigen Permits und Visa. Der Fahrer des Wagens muß einen chinesischen Führerschein beantragen. Bei der Einreise wartet an der Grenze ein Begleitfahrzeug mit Fahrer und Guide, danach kann man getrost alle selbständigen Entscheidungen vergessen, Flexibilität ist unbekannt. Die organisatorischen Kosten für eine solche Tour werden leicht fünfstellig. In Kashgar lernten wir zwei deutsche Motorradfahrer kennen. Der eine ist Redakteur der Zeitschrift "Motorrad", der andere war's einmal und arbeitet nun bei dem Ausrüster Bernd Woick. Beide machten eine Pilotfahrt für ein deutsches Reisebüro, das alle Kosten übernahm und waren vielleicht die ersten westlichen Motorradfahrer, die aus Richtung Westen nach China einreisten. Sie bekamen ganze drei (3) Tage genehmigt, reisten am Torugartpass von Kirgisistan ein und am Khunjerabpass nach Pakistan aus, immer in Begleitung ihrer chinesischen "Offiziellen". Sie konnten sich in Kashgar weder das Hotel aussuchen, noch Zeitpunkt oder Art ihres Abendessens, alles wurde ihnen vorgegeben. Kein schönes Reisen. Am Kailash trafen wir einen Japaner, der mit dem "Fahrrad" von Laos eingereist war und Tibet im Zickzack durchkreuzte - sein Fahrrad hatte einen Hilfsmotor! Das PSB hatte ihn bereits fünf Mal festgenommen und die Höchststrafe von 500 Yuan verlangt. Danach durfte er weiterfahren - wohin er wollte. Er verkaufte sein Fahrrad in der Nähe des Lake Manasarovar und wollte dort nach Nepal ausreisen. Viele Studienreisegruppen dürfen dort über die Grenze, Individualreisende aber nicht. Also verließ er China bei Mitternacht über die "Grüne Grenze". Einen Monat später trafen wir ihn erneut, diesmal in Kathmandu - alles war gutgegangen! Zwei Deutsche brauchten sechs Monaten für die Tour Iran-Turkmenistan-Usbekistan-Kirgisistan-China (Kashgar-Kailash-Lhasa) - mit dem Fahrrad! Das Fahrrad ist in China etwas so normales, daß niemand nach einem Permit dafür fragen würde. In Kashgar gibt es zahlreiche Fahrradhändler mit einem großen Angebot. Ein neues Rad mit Zehngangschaltung kostet etwa 80 DM. Wer damit bis nach Nepal kommt, kann es dort gebraucht und zum doppelten Preis verkaufen. Allerdings sind die körperlichen Anforderungen an eine Fahrradtour in Tibet extrem hoch, zudem müssen Wasser und Lebensmittel für mehrere Tage mitgeführt werden. |
| Die Südroute durch Tibet | |
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Wir kamen über Land aus Deutschland, hatten unseren Wagen in Kirgisistan verkauft und wollten nun mit dem Rucksack auf der "Südroute" Tibet durchqueren. Für Individualtouristen ist die Südroute verboten. Daß sie prinzipiell befahrbar ist, wußten wir aus dem Lonely Planet "Tibet" sowie aus einigen Reiseberichten (siehe Anhang). Die Südroute beginnt rund 300 km östlich von Kashgar, in dem kleinen Städtchen Yecheng. Dort zweigt sie von der "Südlichen Seidenstraße" ab, die entlang der geographischen Grenzlinie zwischen der Wüste Taklamakan und den Gebirgszügen im Süden verläuft. Ich sage absichtlich nicht "Himalaya", weil dieser nur ein Teil der gigantischen Barriere zwischen dem Inneren Asiens und Asiens Süden ist. Aber das könnt Ihr Euch genauer im Atlas anschauen. Das Zentrum Nordwestchinas ist Kashgar, die größte Oase Chinas. Nach Kashgar gelangt man a) von Kirgisistan über den Torugart-Paß (siehe Teil 1 unseres Berichtes), |
| Informationsquellen | |
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Elsbeth Bozoni/Kurt Weilenmann Anataol und Marianne Habel Friedrich Schmidt Ludwig Witzani Ludwig Witzani Bei der konkreten und detaillierten Reiseplanung für die Südroute waren aber alle Quellen nicht recht tauglich, zu vieles bleibt unklar oder wird verschwiegen. Das in Deutschland erhältliche Kartenmaterial für das tibetische Hochland kann man fürs Lagerfeuer verwenden. Fünf Pässe über 5000 m gibt es zwischen Yecheng und Ali - kein einziger war auf unserer Karte eingezeichnet. Das beste Kartenmaterial enthalten japanische Reiseführer - da gibt's natürlich ein Leseproblem. Dort finden sich Pässe, kleinste Siedlungen, Flüsse, Berge, Entfernungen … zuhauf und wirklichkeitsgetreu! Fortsetzung folgt |