Auf vergessenen Pfaden von Köln nach Indien
Mit dem Escort bis zur chinesischen Grenze
Stand: Juni/Juli 1999 - von Norbert Lüdtke
& Sonja Roschy
| Diese Zeilen schreibend schaue ich aus dem Fenster
des Hotels Osh im kirgisischen Teil des Ferghanatals und blicke auf die
schneebedeckten Ausläufer des Pamir. Auf den folgenden Seiten sind
die organisatorischen und reisepraktischen Informationen unserer Reise zusammengefaßt.
Davon unabhängig müßte bereits ein "literarischer Reisevorbereitungsbericht" im Trotter erschienen sein mit zahlreichen Quellen zu Reiseberichten aus vergangenen Zeiten. Ein persönliches Reisetagebuch wird parallel zur Reise im Internet geführt. Die Idee zu dieser Reise reifte gegen Ende vergangenen Jahres: Sonja und ich beschlossen, den Spuren Marco Polos nach China zu folgen, also entlang eines wichtigen Zweiges der Seidenstraße zu reisen. Die zunächst scherzhafte Bemerkung "dann fahren wir eben mit meinem alten Escort, der ist sowieso im Juli TÜV-fällig" erwies sich bei näherer Betrachtung als durchaus durchführbare Alternative. |
| Reiseverlauf | |
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Wir entschlossen uns, die Südroute der Seidenstraße
zu nehmen, also südlich des schwarzen Meeres und des Kaspischen Meeres
durch die Türkei und den Iran zu reisen. Bis Taschkent sind das exakt
10.000 km auf unserer Strecke (Detail siehe unten). Ein anderer Zweig
der Seidenstraße umging die genannten Meere im Norden, kreuzte Dnjepr,
Don und Donau. Die kürzeste Strecke von Köln nach Taschkent
durch die GUS-Staaten ist 6.500 km lang.
Straßengebühren: Schweizer Vignette 50 DM, Italien Autobahn 50 DM, Hafengebühr Brindisi 30 DM, Überfahrt Brindisi-Igoumenitsa mit fragline (gebucht über ADAC) inclusive Kabine mit Bad (Übernachtung an Bord) 220 DM. |
| Zeitplanung | |
| Wir fuhren am 1.6. in Köln los. Das Thermometer zeigte
in Italien bereits 36 Grad, in Turkmenistan und Uzbekistan zwischen 40 und
48 Grad. Draußen im Schatten natürlich. Im Pindargebirge, im
anatolischen Hochland und den iranischen Gebirgen kann aber auf den Pässen
noch lange Schnee liegen, so daß eine Fahrt im April oder Mai zu Problemen
führen kann, aber nicht muß: Bei Erzurum ist ein Pass immerhin
2500 m hoch, im Iran weisen Straßenschilder auf Schneeketten hin! Gleichzeitig begannen dieses Jahr die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen und in der Türkei (Ist das ein Zufall?) - die daraus resultierende türkische Heimreisewelle sollte man besser hinter sich lassen. Die iranische Grenze ist freitags geschlossen, da sollte man besser nicht Donnerstag abends ankommen. Die großen Märkte Zentralasiens finden häufig Sonntags statt (Aschgabad, Kashgar, ...) Die chinesische Botschaft teilt auf ihren Anträgen auf Visaerteilung mit, daß Visa frühestens 50 Tage vor der Einreise bearbeitet werden. Davon ausgehend planten wir also 50 Tage für die Strecke Köln-Torugart Paß (kirgisisch-chinesische Grenze) ein. Als wir das Visum dann erhielten, galt es drei Monate bis zur Einreise - wir hätten also auch ganz anders planen können. |
| Der Kampf um die Visa | |
| ...von Iran, Turkmenistan, Uzbekistan und Kirgisistan. Alle
vier Länder stellen Touristenvisa nur dann aus, wenn eine Einladung
aus dem Land vorliegt oder ein Hotelvoucher (Uzbekistan) oder wenn die Reise
über ein Reisebüro (also mit einer Gruppe) gebucht wird. Manche spezialisierten Reisebüros vermitteln jedoch die Visa, ohne gleichzeitig eine Reise mitzuverkaufen. Spomer & Deck in Bad Honnef (Tel. 02224/5061, Fax 75863) besorgten uns Touristenvisa für Uzbekistan (14 Tage Aufenthalt, 160 DM) und Kirgisistan (30 Tage Aufenthalt, 120 DM), Bearbeitungszeit jeweils 10 Tage. Übrigens waren die im Selbstreisehandbuch genannten Visa-Agenturen nicht in der Lage, diese Visa zu besorgen, es sei denn, wir hätten eine Einladung vorweisen können! Eine äußerst schwache Leistung, wie ich meine. Alle vier Länder stellen problemlos Transitvisa aus, jedoch muß natürlich das Visum des Ziellandes jeweils vorliegen. Mit dem uzbekischen Visum erhielten wir das turkmenische Transitvisum (3 Tage, verlängerbar im Land auf maximal 7 Tage, Bearbeitungszeit 14 Tage, 60 DM) und das iranische Transitvisum (5 Tage,verlängerbar um mindestens 5 Tage, Bearbeitungszeit 3 Wochen, 70 DM). Die Bearbeitungszeiten addieren sich auf 9-10 Wochen plus Postlaufzeiten. Drei Tage vor der Abfahrt beantragten wir mit demselben Paß das chinesische Visum und konnten es am nächsten Morgen abholen (Express, kostet aber mehr). Geichzeitig beantragten wir mit einem zweiten Paß das Visum für Indien inklusive des Permits für Sikkim (kann ohne zusätzliche Kosten am gleichen Tag abgeholt werden, gilt 6 Monate - unabhängig vom Tag der Einreise). |
| Der Wagen | |
| Der alte Escort Diesel (Bj. 85) machte auf den nun fast 11.000 km keine besonderen Probleme, lediglich ein Wackelkontakt und ein Kurzschluß sorgten für Ärger, bis die Ursache gefunden war. Ersatzteile hatten wir nicht dabei, lediglich Werkzeug, Kleinteile und das, was im Selbstreisehandbuch empfohlen ist. Die Türkei trägt den Wagen in den Paß ein, der Iran verlangt ein Carnet, in den 'tans wird der Wagen vom Zoll nicht weiter beachtet. Alle Hotels verfügten über einen Platz, auf dem der Wagen auf die eine oder andere Art bewacht war. |
| Hinweise zu den einzelnen Ländern: |
| Italien | |
| Zentrale Straße in Brindisi ist der Corso Colombo mit zahlreichen Restaurants (maßlos überteuert), Fähragenturen, Wechselstuben, Grenzabfertigung. Im "embarcation office" wird die Fährbuchung durchgeführt (obwohl bereits reserviert), Hafengebühr entrichtet (je 10.000 Lira pro Person und Fahrzeug), dann zur Polizei (die stempelt sozusagen die boarding card ab) - das Ganze geht innerhalb einer halben Stunde. Die Anlegestellen sind teils weit außerhalb und schlecht ausgeschildert. |
| Turkmenistan | |
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Krasser kann ein Übergang kaum sein - bereits der Empfang ist russisch.
Beim Anblick der langen Schlange vor der Zollabfertigung schwant uns nichts
gutes, dabei ist die Paß- und Visakontrolle überhaupt kein
Problem. Dann kostet der Stempel der Ärztin 5 US$, die KFZ-Versicherung
50, die Einreise mit dem PKW 30, weil's ein Diesel ist, nochmal 27, hinzu
kommen Bank- und Beamtengebühren, insgesamt 118 US$ für den
3-Tage-Transit! Alles offiziell mit amtlichen Listen und gegen Quittung
- Plünderung im Namen des Turkmenbashi wie vor 100 Jahren, als die
Reisenden vor den räuberischen Tekke-Turkmenen zitterten. Die Aufforderung,
den Wagen restlos zu leeren und uns mit allem Gepäck in die Schlange
einzureihen, überhören wir dreimal, irgendwann genügt dann
auch ein flüchtiger Blick des Beamten ins Innere. Eine Beamtin fordert
uns unwirsch auf, die Deklaration zu unterschreiben und nimmt nur nach
längerer Zeit Kamera und iranische Souvenirs auf. Bei der Ausreise
kann alles beschlagnahmt werden, was nicht deklariert ist oder für
Turkmenistan kulturell bedeutsam ist. Damit unterliegt man leicht der
Beamtenwillkür (im Internet gibt's gleich vielfache Warnungen davor,
auch unterwegs kursierten abenteuerliche Berichte). Nach mehrstündigen
Diskussionen und Zahlungen weist uns der Beamte bei der Abfahrt noch darauf
hin, daß wir in Aschgabad Ärger mit der Polizei bekommen können,
weil der Wagen so schmutzig sei. Ein DAAD-Beauftragter in der Hauptstadt
bestätigt uns das am nächsten Tag. |
| Uzbekistan | |
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Nach den ziemlich schäbigen turkmenischen Grenzbauten
erwartet uns auf usbekischer Seite ein Klotz von Gebäude, neu und modern,
doch mit gleichfalls umständlicher Grenzabfertigung. Ein Offizier beschäftigt
sich eine Stunde mit unseren Pässen; eine Ärztin schaut mal wieder
kurz in die Augen, dafür werden die Reifen des Escort desinfiziert.
Der Zollmensch will ständig Dollar, Zigaretten & Wodka, kriegt
er aber nicht und solange seine Kollegen in der Nähe sind, fertigt
er brav ab und stempelt auch die Devisenerklärung. Anschließend
hält dann doch noch der Staat die Hand auf, eine "ökologische
Straßenbenutzungsgebühr" kostet 20 US$. Durchschnittlich
wurden wir in Usbekistan alle 30 km kontrolliert; mal reichte der Paß,
dann sollte es auch der KFZ-Schein sein, 2-3 mal mußten wir die Devisendeklaration
zeigen, einmal die "Ökobescheinigung". Übernachtungstip Buchara: Saschas & Lenas Bed and Breakfast ist super. Zu dem im LP angegebenen B&B ist ein weiteres im Zentrum gekommen (30 bis 60 US$ pro DZ mit riesigem Frühstück; Kaffee und Tee frei). Die Straßen sind besser als in Turkmenistan, die Orientierung ist ähnlich schlecht. Wieder muß eine Devisendeklaration ausgefüllt werden, doch werden die Beträge nicht überprüft. Der Schwarzmarktkurs ist dreimal so hoch wie der Bankkurs. Repräsentanz der Deutschen Bank in 700003 Taschkent, Turob Tula, Kutschasi 1; National Bank for foreign economics in 700084 Taschkent. Hotels und viele andere Leistungen werden in Dollar abgerechnet. Literatur: Renate Haller: Land der Karawanen. Die Zeit 18.10.96, S. 73 Jutta Stössinger: Picknick am Amu Darja, FR 16.5.98, M1 J. Kalter: Aus Steppe und Oase. Bilder turkestanischer Kulturen. edition mayer, Stuttgart 1983 |
| Kirgisistan-China via Torugart-Pass | |
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Von Bishkek bis Naryn gibt's öffentliche Verkehrsmittel, danach
muß man sehen, wie man weiterkommt. An der kirgisischen Grenze (spätestens)
ist kein Weiterkommen ohne eine Bestätigung aus Kashgar, daß
man abgeholt wird. Die chinesische Grenze ist etliche Kilometer weiter,
Grenzformalitäten werden in Kashgar erledigt. Wer vor Ort improvisieren
möchte, liefert sich den nahezu erpresserischen Forderungen der wenigen
Fahrer aus, die teils mehrere hundert Dollar fordern. Es gibt keinen Transitverkehr,
selbst LKW's werden umgeladen. Nur kirgisische Fahrer mit besonderer Lizenz
dürfen die Strecke zwischen den Grenzen befahren. |
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Alle Angaben verstehen sich als Ergänzung zum Selbstreisehandbuch
bzw. zum Lonely Planet "Central Asia" (neue Auflage vermutlich
99 - einer der Autoren reiste zur gleichen Zeit wie wir für die Recherche). |