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1948 wurde die Stadt durch ein Erdbeben zerstört, es gab rund 110 000
Tote. So findet man heute nichts altes und das Augenfällige entstand
erst ab 1991, nachdem Saparmurat Nijasow Präsident wurde Sein Foto ziert
größere Häuserwände und alle neuen Bauten, hängt über jedem Hotelportal
und er läßt sich nur noch "turkmenbaschi" nennen, "Oberhaupt der Turkmenen",
so hießen früher die Stammesfürsten, als sie noch Raubzüge nach Persien
durchführten und Perser versklavten. Turkmenbashi heißt der Flughafen
und die Hafenstadt am Kaspischen Meer und alles von einiger Bedeutung
beginnt mit "Turkmen... ", im Buchhandel findet man so fesselnde Titel
wie "Turkmenbashi goes Pakistan" und "Turkmenbashi visit Iran", es gibt
Turkmenbashi - Parfum und auf einem stadtüberragenden City Center steht
ein gülden glänzender Turkmenbashi mit weit ausgebreiteten Armen (dieses
futuristisch Gebäude sieht so aus, wie man in den sechziger Jahren Raumschiffe
plante: drei flügelartige Fortsätze bilden die Basis, seitlich öffnet
sich am Rumpf eine Treppe und das Ganze könnte Jeden Augenblick abheben
). Die Hotelzeile außerhalb der ist flammneu, an einem Drittel der Hotels
wird noch gebaut und keines hat mehr als 20 Zimmer, jedoch palastartige
Ausmaße, jeder Palast in einem anderen Stil: als Burg, mit blauen Fliesen,
mit Türmen, mit Kuppeln etc. In dem buntesten wohnen wir, Hotel Ahal.
Gestern fuhren wir mit dem verwüsteten Auto (Verkleidung am Kühler
abgebaut und Motorhaube etwas offen, nur mit einem Stück lose verzurrt,
damit mehr Luft den Motor umspült), durch das 5 m hohe Tor, die schmiedeeisernen
Gitter, waren geöffnet, die geschwungene Einfahrt hinauf und parken
den Eingang nicht ganz zu, da wir erwarten, hier sowieso nicht unterzukommen.
Dann kommt Sonja wieder heraus mit glücklichen Augen (50 US - Dollar
sind ja auch angemessen für ein riesiges Zimmer mit großem Bad und Diele
und allem Komfort). Das Auto kann stehen bleiben, wo es steht, denn
viele der 18 Zimmer sind nicht belegt - auch die anderen Hotels sehen
eher leer aus. Man muß eben vorbereitet sein für die Ströme von Touristen
und Geschäftsleuten :auf vier Millionen Turkmenen lasten die größten
Gasreserven der Welt und das Öl unter der Kara - Kum schlummert noch
gewaltig.
Das Geld reicht für Protz und Prestige, doch Notwendiges liegt im Argen.
Die Wasserversorgung hat einen schlechten Ruf, wer Wasser aus der Leitung
trinkt, riskiert eine Giardia - Infektion, eine Parasitenkrankheit.
Bei Reisenden, in Reiseführern und bei manch einem Iraner hat Turkmenistan
einen schlechten Ruf. Korruption und Beamtenwillkür herrschen in deren
Bild vor und man empfiehlt einander Grenzübergangsstellen, an denen
Reisende nicht zu sehr ausgenommen werden.
Doch zurück zu unseren Begegnungen und Assoziationen beim Gang durch
die Stadt: Die Straßen sind von sozialistischer Breite und gut befahren
von Ladas und mir unbekannten Marken im Fiatstil: klein, klapprig, laut,
stinkend. Es genügt, die Hand leicht abzuwinkeln und schon hält einer
der Amateur-Taxisten. Kurze Fahrten kosten (Schwarzmarktpreis) 40 Pfennig,
an der Stadtgrenze steigt der Preis aufs doppelte. Die Literflasche
Coca-Cola kostet 1 DM, Wasser 0,50 DM. Leider haben wir sofort gestern
50 Dollar getauscht, doch auf der Bank, und so steigen die Preise auf
das dreifache, und der Eintritt ins Teppichmuseum soll nach Bankkurs
10 DM kosten. Zwar gibt´s dafür einen Blick auf den größten handgeknüpften
Teppich der Welt, doch wir verzichten auf diese größte Sehenswürdigkeit
Aschgabads. Sinngemäß schreibt der Lonely Planet, man müsse in Aschgabad
als Reisender schon sehr kunstvoll suchen und sich die Augen ausgucken,
um Gründe zu finden, hier länger zu bleiben. Die größte Stadt ist benannt
nach ... na, wer kann´s erraten? - Stimmt.
Aschgabad ist überwiegen russisch und die Menschen kleiden sich nicht
anders als in Moskau, eher freizügiger. Nach 10 Tagen ist es sehr ungewohnt,
Frauen in hautengen T-Shirt´s, im Minirock und mit offenen Haaren zu
sehen. Die Turkmeninnen sind deutlich zu erkennen, sie tragen bunt bis
zum Boden, Rottöne herschen vor, ein buntes Kopftuch und beim Lachen
funkelt eine Reihe von Goldzähnen im Unterkiefer. Die Gesichter scheinen
gegerbt von Sonne & Sand (Vier Fünftel des Landes sind Wüste) und dunkle
Haut spannt sich über scharfen Gesichtszügen. Hin und wieder findet
man asiatische Gesichtszüge bei dem Menschen auf der Straße, doch viele
sind es noch nicht. Die Männer aller dieser Volksgruppen kleiden sich
westlich, doch eher konservativ: helle Hemden, schwarze Hosen, sehr
sauber mit Bügelfalten; Jeans eher selten. Man spricht russisch oder
turkmenisch, eine dem türkischen sehr ähnliche Sprache - Persien erscheint
dagegen sehr weit weg.
Der russische Markt findet in einem Gebäude statt, das wir zu Hause
als ödes Parkhaus bezeichnen würden; einige Dutzend Kühltheken in Reihen
wie geparkte Autos, Tische enthalten ein buntes Sortiment wie auf unseren
Flohmärkten, Turkmeninnen bieten Obst, Gemüse, Eier und viele Sorten
Honig an. In den Kühltheken finden sich westliche Waren von Mars bis
Cola, iranische und türkische Produkte, nichts russisches, doch Kaviar
vom Kaspischen Meer. Gewürze und Trockenfrüchte in großer Auswahl, drei
Sorten Käse, drei Sorten Wurst, Trockenfisch. Auch bei den Restaurants
gibt es nichts landestypisches außer vielleicht einigen Kebabständen.
Wir fanden ein italienisches Restaurant und etliches, das an aufgemotzte
Schnellimbisse erinnert mit der Palette des gesamten westlichen Fast
food: Hamburger, Pizza, Hot dog, Fritten, allenfalls noch Lasagne, Mousaka,
Schnitzel,...
Problematisch ist die Orientierung: viele Straßen wurden umbenannt.
Doch der letzte Stadtplan stammt von 1984/87, ein neuer soll in Arbeit
sein und enthält dann auch die Zeugnisse der andauernden Bauwut. Der
Tag war wieder rappelvoll und erst um halb neun abends kann ich ein
wenig schreiben, anschließend essen wir unten im Hotel sehr gute Pasta
und Lachs als Vorspeise (24 US-Dollar). Hotel und Restaurant akzeptieren
überraschenderweise die Visa-Karte, laut Reiseführer gilt hier überall
"cash only".
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