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Anonimo Veneziano

Eine deutsche Reise Anno 1708

Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Irene Schrattenecker. Innsbruck: Haymon 1999. Einband mit Fadenheftung 21 x 26 cm: 174 Seiten, 111 zeitgenössische Textabb., umfangreiches Literaturverzeichnis 31 €

 

In der Bibliothek des Museo Civico Correr in Venedig fand sich ein handgeschriebenes Tagebüchlein über eine Reise durch Deutschland. Wie viele Tagebücher, so enthält auch dieses keinen Namen: Möglicherweise wurde es von Giambattista Rezzonico geschrieben, aber das ist spekulativ und so gilt der Autor als Anonimo Veneziano.

Die Herausgeberin entzifferte dieses Büchlein mit unendlich großer Sorgfalt, übersetzte und kommentierte es in rund 500 Fußnoten. Der Verlag gab dem Werk einen passenden Rahmen: auf einer Doppelseite findet sich links der italienische Originaltext, rechts die deutsche Übersetzung und in der Mitte mindestens eine thematisch passende zeitgenössische Illustration. Eine umfangreiche Einleitung beleuchtet das Manuskript, den Verfasser, die damaligen kulturellen und politischen Verhältnisse, die Reisetechnik und einiges mehr. Unter all diesen Umständen ist es bezeichnend, was der Verfasser unterwegs wahrnimmt, denn er schreibt ja unrezensiert für sich. Erstaunlich wenige Klischees scheinen seine Sicht zu trüben. Ihn begeistert die moderne (damals: barocke) Architektur, Mittelalterliches interessiert ihn nicht.

Als gebürtiger Kölner kann ich es nicht stehen lassen, daß Köln nach Agrippa, dem Schwiegersohn des Augustus, benannt wurde (S. 97, Fußnote 236). Korrekt muß es heißen: Agrippina, die Jüngere, 15 n. Chr. im Oppidum Ubiorum geboren, erreicht bei ihrem Onkel und Ehemann, Kaiser Claudius, daß Oppidum Ubiorum zu einer Kolonie römischen Rechts erhoben wird und fortan den Namen führt: Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA), heute Köln.

Übrigens haben sich auch die Wege des Venezianers und der dzg gekreuzt: Anfang Oktober 1608 übernachtet er in Hachenburg und schreibt: »Ich hatte fünf Stunden auf etwas Stroh geschlafen und mit dem Wirt gestritten, der nicht mit sich reden ließ und bezahlt werden wollte, als ob er ein Bankett für mich gerichtet hätte.«

Ein schönes Werk, eine Perle der Reisegeschichte. - NL

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