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Sven Hedin & Detlev Brennecke (Hg.)

Transhimalaja

Band 1: Von Stockholm nach Schigatse 1905 - 1907

Band 2: Von Schigatse nach Simla 1907 - 1908

(=Alte Abenteuerliche Reiseberichte), Stuttgart: Weitbrecht in K. Thienemanns Vlg. 2000. Prägeleinen mit Schutzumschlag 12,5 x 20,5 cm: 312 & 312 Seiten, Textabb., Vorsatzkarten – je Band 22 €

Hedin reiste viel und schrieb noch mehr. Er war Reisender und Wissenschaftler und suchte auf beiden Wegen das Abenteuer.

Das macht seine Erlebnisse, sprich: seine Bücher so faszinierend. Zudem hatte er das Talent, sich gut zu verkaufen. Immer arbeitete er auch an seinem eigenen Mythos. Doch das teilt er mit vielen modernen Abenteuerern, die ihr Lebenswerk bestmöglichst verkaufen wollen.

Die wissenschaftlichen Bände seiner Reisen bieten Information pur in Fülle. Es ist mir ein Rätsel, wie er am Ende eines anstrengenden Reisetages noch Kraft und vor allem Disziplin fand, um seitenweise systematisch Messungen und Erfahrungen zu dokumentieren. Respekt. Diese Werke gelangen nur selten in den Fachantiquariatshandel und sind unbezahlbar. Selbst die indischen Nachdrucke über Ost-Tibet kosten in Delhi etwa 350 €.

Also schrieb er eine zweite, handlungsorientierte Version fürs Volk, denn auch als Erzähler war er einfach klasse: Die beiden Transhimalajabände der ersten Auflage umfassen 800 Textseiten und 400 Bildtafeln – eigentlich immer noch zu viel für den interessierten Laien. In der Edition Erdmann nahm man sich die bereits gekürzte Ausgabe von 1951, kürzte nochmals einige Kapitel und verzichtete auf die meisten Abbildungen. So entstand die hier vorliegende zweibändige Ausgabe. Das kommt natürlich der Lesbarkeit zugute. Leider verzichtete man auch auf die Karte, so daß es für den Leser mit Interesse am Reisen schwierig wird, Hedins Route zu verfolgen. Wenn ich das im Folgenden dennoch kann, so liegt das daran, daß ich die Erstausgabe aus dem Regal gezogen habe.

Mittlerweile sind hundert Jahre vergangen und da mag sich manch ein Globetrotter fragen: Was bringt mir so ein alter Schmöker? Die Teile Tibets, die Hedin interessierten, sind immer noch sehr schwer zugänglich, eigentlich sind sie verboten. Sonja Roschy und ich sind vor zwei Jahren den Spuren Hedins durch das westliche Tibet gefolgt (Trotter 95, S. 87-94). Für uns war das eine vierwöchige Tortur, mit Höhenkrankheit und Gewichtsverlust, mit spirituellen Erlebnissen am Mount Kailash und Ärger mit chinesischen Besatzern. Immerhin wußten wir, was uns erwartete. Hedin wußte das nicht und war vier Jahre dort unterwegs. Ich wäre gerne dabei gewesen. Armchair-travelling ist ein Vergnügen, aber noch besser ist es, die dabei entflammenden Sehnsüchte zu entfachen mit eigenen Erfahrungen. Sicher ist heute vieles anders. Doch die Lektüre solcher Werke hilft, das Jammern zu vermeiden. Denn das Staunen über das, was sich nicht verändert hat in hundert Jahren, bringt uns den Menschen und Ländern der Welt näher und nährt das Verstehen fast auf mystische Weise. — NL

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