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Fremde Kulturen in alten Berichten……heißt die Reihe aus dem Thorbecke Verlag in Sigmaringen. Die derzeit sechs roten Bände im Format 14x23 cm erscheinen einheitlich mit tiefblauen Umschlägen und detailreichen Farbreproduktionen aus der Zeit des jeweiligen Reiseberichts. Der Buchtitel erinnert an alte Inschriften mit römischen Kapitalien. Beim Blättern fallen die unterschiedlichen Buchteile auf: gelbliches Papier für Vor- und Nachbemerkungen, helleres Papier für den Reisebericht, Farbabbildungen auf weißem Kunstdruckpapier. Der Druck ist nicht nur augen- und lesefreundlich, sondern auch haltbar auf säurefreiem und alterungsbeständigem Papier. Schön ist die Idee, den Vorsatz mit einer modernen, den Nachsatz mit einer zeitgenössischen Landkarte ähnlichen Blattschnitts zu versehen. Die Schummerung macht die moderne Karte plastisch; die Kombination alter und neuer Stilelemente in einer Karte überzeugt allerdings nicht. Kompetente Fachleute erwecken in dieser Reihe fast vergessene Bücher zum Leben. Hüttner's Gesandtschaftsreise erschien erst- und letztmalig 1797 bei Voss und kostete vor einigen Jahren im Antiquariat 1200 DM. Die Reihe und einige Einzelbände werden herausgegeben von den anerkannte Asien-Spezialisten Jürgen Osterhammel und Folker Reichert - so beschreiben denn auch fünf der erschienenen Titel Reisen nach Asien. Osterhammel ist seit 1990 Professor für Neuere Geschichte an der Fern-Universität Hagen. Lesenswerter Hintergrund zu dieser Reihe sind die von ihm herausgegebenen Übersichtsbeiträge zu Kulturkonflikten in sieben asiatischen Regionen: Asien in der Neuzeit, 1500-1950, Frankfurt: Fischer 1994. Reiseerfahrungen im Kontext einer Geschichte des Reisens zu sehen, verhilft sein Artikel: Reisen an die Grenzen der Alten Welt. Asien im Reisebericht des 17. und 18. Jahrhunderts (in: Brenner, Der Reisebericht, Frankfurt 1989). Doch kennen die Herausgeber die Fremden Kulturen nicht nur theoretisch: Den Hüttner nahm die Sinologin Sabine Dabringhaus in Obhut; sie promovierte in Geschichte an der Universität Peking. Kurt Liebau bearbeitete die Malabarische Korrespondenz - er studierte Indologie in Tashkent. In vorangestellten Essays verbinden sie die Reiseberichte und die Person der Reisenden mit den geschichtlichen Ursachen und Folgen der Reise einerseits sowie mit den persönlichen Motiven und äußeren Anlässen andererseits, z.B.: Der Autor und sein chinesisch-europäischer Kulturvergleich (Hüttner); Die deutsche Amerikaauswanderung im 18. Jahrhundert (Mittelberger). Die daran anschließenden Texte der Erstausgabe sind zum besseren Verständnis mit jeweils rund 200 Anmerkungen versehen: Begriffe werden erklärt, erwähnte Personen biographisch beschrieben, Textaussagen vor dem Hintergrund ihrer Zeit erläutert. Es folgen Literaturverzeichnis und Register. Für einen Preis von 45 Mark pro Band wird bibliophiles Lesevergnügen geboten und dennoch wissenschaftlichen Ansprüchen Genüge getan. |