AGIR > Lesen

Der Ratgeber für den Bücherwurm

Antiquariate
Buchformate
 Buchblock und Einband
Erhaltungszustand

 
 

Antiquariate

 

Bibliophile Antiquariate bieten Erstausgaben, Sammlerstücke, Handschriften, Wiegendrucke, Prachtausgaben ...

Wissenschaftliche Antiquariate handeln mit Druckwerken als Mittel zur wissenschaftlichen Arbeit: Nachschlagewerke, Reihenwerke, Monographien, Fachzeitschriften, ...

Kunstantiquariate handeln mit Büchern über Kunst bzw. Büchern, die selbst einen Kunstwert darstellen sowie mit künstlerischer Graphik bis hin zu Kunst-Antiquitäten.

Moderne Antiquariate handeln mit Titeln der letzten Jahrzehnte, oft mit Taschenbüchern, Belletristik, Populärem, in Form von

  • Remittenden, also zurückgegebenen Einzel- oder Ansichtsexemplaren sowie Ausstellungsstücken mit Gebrauchsspuren.
  • Manchmal werden Lagerbestände palettenweise am Fußschnitt mit dem schwarzen Strich des Rollstempels versehen und als Remittenden verkauft.
  • Nur im Börsenblatt annoncierte und von der Preisbindung befreite Titel dürften korrekterweise en gros ab Lager verramscht werden.
  • Sonderausgaben werden oft als Sonderangebot angepriesen. Da sie jedoch schlechter ausgestattet sind als die Originalausgabe, ist ein niedrigerer Preis auch zu erwarten.
  • Mängelexemplare können, obwohl druckfrisch, druck- oder bindetechnisch fehlerhaft sein.

Antiquariate sind organisiert als

  • Ladengeschäft - meist gehört noch ein Lager mit zehntausenden oder gar hunderttausenden Büchern hinzu.
  • Und/oder sie verkaufen als Versandantiquariate nur über Kataloge und Listen. Oft findet sich dann im Katalog der Hinweis »Besichtigung nach Absprache möglich«.

Listen sind meist weniger umfangreich und weniger informativ. Häufiger als Kataloge bieten sie Stücke aus dem modernen Antiquariat oder ein breites Varia-Angebot.

Kataloge sind meist aufwendiger und luxuriöser gemacht und mehr oder weniger teuer. Antiquare sammeln vielfach Bücher ihrer Spezialgebiete, um irgendwann einmal einen thematischen Katalog erstellen zu können. Je höherwertiger ein Buch, desto mehr Mühe macht sich der Antiquar damit:

  • er kollationiert es, d.h. er überprüft es auf Vollständigkeit der Seiten, Tafeln, Beigaben;
  • er bibliographiert es, d.h. er beschreibt es eingehend;
  • er weist das angebotene Buch in einschlägigen Bibliographien nach (s. Liste »Bibliographien«);
  • er gibt Hinweise zur literarischen, wissenschaftlichen, kulturellen Bedeutung des Buches und seines Autors;
  • er liefert Textproben oder Abbildungen aus dem Buch.

Buchbeschreibung

 

Die Buchbeschreibung sollte mindestens umfassen:

  • Name und Vorname des Verfassers, Titel des Werks
  • Herausgeber, Auflage, Anzahl der Bände, beiliegende, beigebundene und beigeklebte Beigaben
  • Ort, Verlag, Erscheinungsjahr
  • Format (siehe Tabelle »Formate«), Umfang, Einband
  • Zustand (siehe Tabelle » Zustandsbeschreibung«)
Vielfältige Abkürzungen machen solche Beschreibungen schwer lesbar (s. Tabelle »Abkürzungen«). Sie richtig zu deuten erfordert Erfahrung mit den unterschiedlichen Druckwerken und den jeweils eigenen Fachbegriffen.

Als »nicht erwähnenswert« gelten »dem Alter entsprechende« Fehler, die »zwar nicht angegeben, aber stets im Preis berücksichtigt« sind: Das ist der Gummiparagraph des Antiquars!

Achten Sie immer auf Seitenzahl und Format, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Preise

 

Preise ergeben sich für das

  • Moderne Antiquariat aus dem Handelswert: Etwa 50-60 % des Neupreises sind »normal«;
  • Wissenschaftliche Antiquariat über den Gebrauchswert: Aus Kundensicht wäre etwa das 1,5fache der Kopierkosten für ein Buch akzeptabel;
  • bibliophile Antiquariat aus dem Sammler- oder Liebhaberwert: Hier muß sich der Käufer selbst ein Urteil bilden im Vergleich mit anderen Anbietern.

Diese Preise variieren mit

a) dem Zustand des Buches (s. Tab. »Erhaltungszustand«)

b) und mit der Nachfrage - das Alter eines Buches ist dagegen von untergeordneter Bedeutung!

Große, fachlich versierte Spezialantiquariate verlangen hohe Preise - haben aber auch seltene Titel oft vorrätig, in sehr gutem Zustand, von Fachleuten eingehend durchgesehen. Deren Kataloge geben Einblick in die Preishierarchie gehobener Ware. Bücher des unteren Preissegments bekommen Sie anderswo billiger, mit Geduld und Mühe.

Hier noch einige geldwerte Tips:

  • Antiquariate mit Ladengeschäft und Katalogen sind oft teurer als reine Versand- oder reine Ladenantiquariate.
  • Varia-Antiquariate und Varia-Listen/Kataloge sind günstiger und bieten die Chance auf ein Schnäppchen.
  • Sichern Sie sich ein Katalog-Schnäppchen sofort telefonisch oder per Fax.
  • Meist können Sie Ansichtssendungen vereinbaren, doch haben Festbestellungen bis etwa zwei Wochen nach Erscheinen des Katalogs Vorrang.
  • Etwa vier Wochen nach dem Erscheinen eines Katalogs läßt sich oft über den Preis der »Ladenhüter« handeln.
  • Einzelne, billige Titel zu bestellen wird durch die Versandkosten unverhältnismäßig teuer.
  • Wer mehrere Titel bestellt, kann vielleicht vereinbaren, daß versandkostenfrei geliefert wird.
  • Viele Antiquare sind auch zu Tauschgeschäften bereit.
  • Geduld und Know-How sparen manche Mark.

Buchformate

 

 

 

Buchformate (veraltet) Anzahl der Blätter pro Druckbogen Format (Höhe) in cm
Vigesimoquart
24°
bis 8
Sedez
16°
8 bis 12
Duodez
12° (Kleinformat)
12 bis 15
klein Oktav
kl. 8°
15 bis 18,5
Oktav (=8to)
8° (Normalformat)
18,5 bis 22,5
groß Oktav
gr. 8°
22,5 bis 25
Quart (=4to)
4° (Lexikonformat)
25 bis 35
Folio
35 bis 45
groß Folio
gr. 2°
über 45

Buchblock und Einband

 

 

Die gebräuchlichsten Begriffe werden nun kurz beschrieben: Ein Vorsatz(papier) verbindet Buchblock und Einband. (Mit »Nachsatz« ist das hintere Vorsatz gemeint.) Der Buchblock ist beschnitten am Kopf oder oberen Kapital; am Fuß, Schwanz oder unteren Kapital sowie vorn; ein Kapitalband deckt die Bindung an Kopf- und Fußschnitt ab. Bei guten Bücher werden die Lagen miteinander vernäht (Fadenheftung); jede Lage wurde aus einem großen Bogen gefaltet. In der Lagenmitte, Bruch oder Falz genannt, ist der Faden zu sehen. Die unbedruckten Ränder links und rechts der Falz bilden den Bundsteg.Tafeln sind ganzseitige Abbildungen, häufig in anderer Drucktechnik auf besserem Papier.

Das Vorsatz wird nicht paginiert. Ihm folgt die oft mit römischen Ziffern paginierte Titelei: Der Schmutz- oder Vortitel geht dem eigentlichen Titelblatt voraus, seine Rückseite ist meist leer (Vakat). Manchmal ist dort ein Titelbild, -kupfer oder Frontispiz montiert, das der Titelseite gegenüber steht. Sehr alte Bücher haben kein Titelblatt, sondern schließen mit einer Titelzeile ab, dem Kolophon. Die Titelrückseite enthält das Impressum.

Broschuren sind einfache, einteilige Einbände aus dickem, aber flexiblen Material, das bei englischen Broschuren etwas übersteht. Interimsbroschuren sollen nur vorübergehend schützen, bis privat ein besserer Einband erstellt wird. Paperbacks sind allseitig beschnittene und mit dem Buchblock am Rücken fest verklebte Broschuren.

Papp- oder kartonierte Bände sind mehrteilig mit Vorder- und Rückengelenken zwischen Vorder- und Rückendeckel aus fester Pappe und dem Rücken aus meist dünnem Karton. Papier, Kunststoff, Leinen, Leder usw. dienen als Bezugsstoffe. Bei Halbbänden (HLn, HLdr) ist nur der Rücken, selten die Ecken, mit Leinen bzw. Leder bezogen. Mit »O« werden Einbände des Verlegers gekennzeichnet. Bibliothekseinbände sind haltbar und schlicht, private Einbände oft aufwendig. Geprägte Einbände können in den Vertiefungen vergoldet oder gefärbt sein. Manchmal werden Titel- oder Rückenschilder separat erstellt und aufgeklebt. Pergament ist übrigens kein Butterbrotpapier, sondern ein bearbeitetes, fast weißes Schweineleder. Japanpapier ist sehr dünn, fast durchsichtig, und dient zum Ausbessern.
 
 

Erhaltungszustand

 

 

 
Mögliche Einteilungen
Beschreibung der Fehler
I a
tadellos ohne Mängel verlagsfrisch, neuwertig, fehlerlos
I b
sehr gut erhalten unvermeidbare Mängel Obwohl unbenutzt und sachgerecht gelagert, zeigen sich geringe materialtypische Altersspuren.
II a
gut erhalten leichte Mängel Minimale Gebrauchs- und Altersspuren, je nach Materialqualität evtl. lichtfleckig, Buchblock unauffällig lesespurig.
II b
noch gut erhalten vereinzelt deutliche Mängel einzelne Stockflecken, vergilbt, deutlich lesespurig, geringfügigst beriebener Einband, unauffällige Namen, Widmungen, Stempel, vereinzelte Bleistiftanstriche
III
zufriedenstellend erhalten gehäuft deutliche Mängel stockfleckig, rostende Heftklammern, Buchblock etwas locker, kleinere Risse, berieben, bestoßen, gebräunt, unschöne Namen, Widmungen, Stempel, Biblioheksexemplar ...
IV
schlecht erhalten wesentliche Mängel große Risse, gelöste Lagen oder Seiten, Fehlstellen, Buchblock trennt sich vom Einband, stark gelesenes Bibliotheksexemplar, durchgehend farbige Anstriche, Text und Abbildungen sind betroffen ...


AGIR > Lesen