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In Trittlingen unterwegsFahrendes Volk - Die Ritter der LandstraßeTeil 3Inhaltsübersicht1 Einleitung 2 Meister, gebt mir die Papiere Die Penunse Hanf mit Unvernunft oder Lechum und Beza Die Kundenpennen In Trittlingen unterwegs Kundenschall Reisegebiete und -ziele Informationen Tippelfreunde
3 Die Walz als Gratwanderung - Vom Gesellen zum Vagabunden 4 Zwischen Tippelschickse und Kalle 5 Die Hierarchie der Landstraße 6 Die Internationale der Vagabunden 7 Die Vagabunden der zwanziger Jahre 9 Überblick: Kennzeichen der Walz 10 Biographien |
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* 6.9.1888, Bildhauer und Graphiker, stammt aus Berlin und lernte dort
an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbes, studierte dann an der Karlsruher
Akademie Bildhauerei und Graphik. Seine beiden Wanderungen fanden wahrscheinlich
nach 1906 statt, jedoch vor dem Ersten Weltkrieg und dauerten zumindest
mehrere Monate. Das erste Mal reist er mit dem Maler Bröker und seinem
Bruder nach Florenz und Venedig. Auf der zweiten Reise begleiten ihn Cassian
Eisenzahn und Tönchen Strömer, ein Ungarn. Beide spielen Geige,
Hasemann schlägt die Laute und gemeinsam verdienen sie ihr Geld mit
der Musik in Wirtshäusern, auf der Straße oder bei Privatpersonen.
Wenn sie gut verdienen, leben sie in teuren Hotels und Gasthöfen,
werden bei Reichen gut verköstigt, denen ihre Musik gefällt,
dann wieder knurrt ihnen der Magen und sie reißen Platte. "Lagen
wir heute auf dem Schutthaufen, morgen speisten wir dafür im Hotel
Milano am Canale grande in Venedig, zwischen englischen Pfarrern und reichen
Kaufleuten." Einmal reicht ihnen eine Mark für das tägliche
Essen und die Unterkunft, ein andermal schlagen sie in zwei Tagen zweihundert
Mark auf den Kopf, um dann wieder mit leeren Taschen da zu stehen. "Reicht
unser Geld fürs Nachtquartier? Wenn nicht, so wird gespielt, und
du ... gehst mit dem Teller unter die Leute." Ihre Reise führt
durch den Schwarzwald über Gutach (dort wohnt sein Onkel, der Maler
Wilhelm Hasemann), dann in die Schweiz. Über Montreux, Martigny,
Lyon, Brienz und Simplon tippeln sie nach Italien, dann nach Lugano. Sprach-
und Geldschwierigkeiten überwinden sie immer wieder mit ihrer Musik,
damit verdienen sie Essen und Übernachtung, gewinnen Kontakte und
erhalten oft sogar Geld. In Genua schiffen sie sich auf einem billigen
Kohlendampfer ein, durchkreuzen das Mittelmeer, sind kurz in Ceuta und
verlassen in Gibraltar das Schiff. Zu Fuß geht es über Estepona
nach Malaga, dann mit dem Schiff nach Barcelona und zurück nach Hause.
Hasemann erzählt viel von Frauengeschichten, vom Wein und von Musik.
"Das sind die beiden großen Genüsse dieser Welt - Wein und
Weib, die darf man nicht erkaufen." Sein persönlicher Gewinn
aus der Reise ist es, die Frau gefunden zu haben, die er liebt und mit
der leben kann. "Hinter mir liegen jetzt die Zeiten der Landstraße,
da ich jetzt einen Raum habe, in dem ich schaffen kann und beweisen, daß
wir nicht untergegangen sind im Würfelspiel des Lebens; hinter mir
- und doch sehnt sich mein Gemüt oft nach ihnen." Außerdem
beginnt er mit dem Holzschnitt und hat damit großen Erfolg. Den
ersten Weltkrieg verbringt er an mehreren Fronten. Nach dem Krieg (1917)
veröffentlicht er "Himmel und Hölle auf der Landstraße",
das bis 1922 immer neue Auflagen erlebt, aber sein einziges Buch bleibt;
später werden noch drei Mappen mit Holzschnitten veröffentlicht.
(1.) Eros Thanatos, ein Totentanz. 12 Original-Holzschnitte.
Mit freiem Rhytmus von Felix Lorenz. Berlin. R. Seitz 1921. 2 Bll., 12
Tfll., 49x41 cm (* ca. 1879) reist von Juni 1896 bis Oktober 1898 von Münster durch
Österreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Rumelien, Türkei, Syrien,
Palästina, Ägypten, Italien, die Schweiz und zurück nach
Münster. Er ist gelernter Friseur, lebt unterwegs von Erspartem,
von Geldsendungen der Eltern und von vereinzelten Arbeitsstellen. Neben
seinem Reisebericht, der mehrere Auflagen erlebt, schreibt er einige später
noch ein Buch mit dem Titel "Sollen wir auswandern?" Ihm ist bereits ein
ausführlicher Bericht in dieser Reihe gewidmet worden (s. Agir-Publikation
1). * ca. 1894, Hamburger, ist ein Ästhet und Romantiker, ihn zieht
es nach Italien. Er will Neapel und Rom sehen und Kunst studieren. Als
gelernter Stukkateur und Bildhauer findet er keine Arbeit und ist auf
Betteln und Vagabundieren angewiesen, eine Lebensform, die ihn fasziniert,
die er jedoch nicht in der Lage ist zu praktizieren - er bleibt auf andere
angewiesen. Seine Reise dauert von etwa August 1912 bis März 1913
und führt ihn von Deutschland (Detmold, Nürnberg,) nach Österreich,
Italien, in die Schweiz und zurück nach Hamburg. Auch ihm bietet
diese Reise eine wichtige Erfahrung: er stellt fest, daß er dem
Bildhauer- und Stukkateur -Dasein nichts abgewinnen kann und daß
er als Dichter nicht gut genug ist. Seine Erfüllung findet er, wieder
zu Hause, als Techniker in der Metallbearbeitung. Für Alfred Pfarre
bleibt dies sein einziges Buch; über sein weiteres Leben ist aus
der Literatur nichts zu erfahren.
(* 1904) hat die Volksschule besucht, dann eine Lehre als Installateur
beendet. Die erste Gelegenheit nimmt er wahr, um auf Walz zu gehen. Es
hält ihn nichts in Trier, das Elternhaus flieht er. Sein Vater ist
Arbeiter und hat wieder geheiratet, nachdem seine Mutter bereits 1917
gestorben ist - und auch mit dem Vater verbindet ihn anscheinend nicht
viel. So macht er sich achtzehnjährig etwa Mitte 1922 auf den Weg,
zunächst nach Köln. Ihn faszinieren die vielen unterschiedlichen
Menschen auf der Straße, auch wenn sie ihn ausnützen oder betrügen.
Er sucht und findet Arbeit in Solingen (im Pumpwerk Elb) und arbeitet
dort etwa ein Jahr, bis die Weltwirtschaftskrise ihn in die Arbeitslosigkeit
wirft. Hamburg, München, Friedrichshafen, Konstanz, Ludwigshafen,
Ingolstadt, Eichstädt, Nürnberg, Coburg, Halle, Potsdam, Berlin,
Hamm, Unna sind die weiteren Stationen seiner Reise. Immer wieder versucht
er Arbeit zu erhalten, doch es gelingt ihm nicht. So rutscht er langsam
tiefer und die etwa vier Monate seiner Wanderschaft sind eine stete Gratwanderung
zwischen seinem Verständnis als Handwerksburschen und der Lust, die
er der Wanderung verdankt. Dabei fühlt er immer wieder die Gefahr
abzurutschen, auf der Landstraße zu bleiben, nicht mehr zurück
zu können. Anfangs kann er nicht betteln, ist aber bald ein Profi.
Er fühlt sich zuhause auf der Landstraße: Vielleicht ist das
der Grund, daß er seine Wanderung nach etwa vier Monaten abbricht
und im Dezember 1923 wieder nach Solingen zurückkehrt. Er ist mit
dem Schriftsteller Heinrich Lersch gut befreundet und fängt selber
1932 an zu schreiben: humoristische Arbeitergeschichten, Jugendbücher
und sein Erinnerungsbuch an seine Wanderschaft. Später lebt er in
Hilden/Rhld. * 31.3.1878, + 3.11.1956 Bad Nauheim. Winnig ist Nachkomme der lutherischen
Totengräberfamilie der Stadt Blankenburg im Harz und jüngstes
Kind von zwölf Geschwistern. Nach der Volksschule lernt er Maurer
und arbeitet 12 Jahre in diesem Beruf. Nach der Lehre geht er achtzehnjährig
auf die Walz (Mai 1896 - Mitte 1898) und lernt Braunschweig, Hannover,
Bremen, Bremerhaven, Münster, Recklinghausen, Herne, Essen, Köln,
Rüdesheim und Mannheim kennen. Er fühlt sich bereits als Schriftsteller
und Dichter. Wichtig sind ihm seine Erfahrungen in der sozialistischen
Bewegung, überall in den größeren Städten sucht er
wieder Anschluß, geht zu Vorträgen und Diskussionsabenden.
1900-1902 dient er im Infanterieregiment 46, 1905 wird er Redakteur des
Maurer-Fachblattes "Grundstein", ab 1913 ist er für die SPD
Mitglied der hamburgischen Bürgerschaft. 1918 wird er zum Reichskommissar
des Ostens und zum Botschafter bei den provisorischen Regierungen von
Estland und Lettland ernannt, ab 1.7.1919 ist er Oberpräsident von
Preußen, außerdem Mitglied der Nationalversammlung. Nach dem
mißglückten Kapp-Putsch wurde er von seinem Amt suspendiert
und schied aus der SPD aus. Mittlerweile bewegte er sich politischen bereits
jenseits des rechten Randes der SPD und hatte den Putsch gebilligt. In
einer Biographie von 1933 wird sein "tapferes Eintreten für das
deutsche Volkstum" hervorgehoben. Von 1922 bis 1924 studiert er Geschichte
und Volkswirtschaft und beginnt dann zu schreiben. Auf eine Reihe autobiographischer
Bücher folgen dann Romane, Novellen, Erzählungen und Werke zur
politischen Geschichte und zum Christentum, insgesamt circa 40 Bücher.
Politisch zieht er sich immer mehr zurück, lehnt auch 1933 die ihm
angebotene Führung der deutschen Arbeitsfront ab und bewegt sich
in einem konservativen und christlichen Umfeld. (* 9.10.1854, + 9.10.1942) wandert vier Jahre, von 1872 bis 1876, durch Deutschland (München-Frankfurt), Schweiz, Italien, Österreich-Ungarn, (Zürich-Genf), Tschechei, Frankreich, England und die USA. Dabei sucht er gezielt Stellen, bei denen er als gelernter Elektrotechniker Neues lernen kann, unter anderem arbeitet er bei Edison. Er findet immer Arbeit in Europa und verdient gut, sein Glück verläßt ihn jedoch in Amerika: "Es will mir nicht gelingen, eine Arbeit zu finden. ... Geld brauche ich ganz dringend. Ich hungere schon seit Tagen." Zettler paßt sich an und springt auch auf Züge auf. Auszüge aus seinem Reisetagebuch werden 100 Jahre nach seiner Reise erstmals herausgegeben und vernachlässigen gerade die reisepraktischen Hinweise, sind also für diesen Beitrag wenig ergiebig. Er reist gezielt, weiß, was er will, und nutzt seinen Mut, seine Energie und sein Wissen, indem er ein Jahr nach seiner Rückkehr eine eigene Firma gründet, die heute noch existiert. Damit hatte die Walz ihren Zweck für ihn erfüllt: "Das Tagebuch ist gefüllt, meine Wanderjahre sind zu Ende. Was wird die Zukunft mir bringen?" (1.) Bei der Welt zu Gast. Abenteuer in drei Erdteilen.
Bei der Welt zu Gast. Abenteuer in drei Erdteilen Paul Neff. Berlin 1941. 266p. 3 Bll. OLn. 8° Reisekultur. Von der Pilgerfahrt zum modernen Tourismus C.H. Beck München 1991 Meine Handwerksburschenzeit 1805-1810 Aufbau. Berlin. 1991.430p. kl. 8°. Obrosch Eine Stunde Arbeit auf der Waage In: Zeitmagazin 24.11.1972 Servus Kumpel. Als Landstreicher durch Städte, Dörfer und Herbergen Gütersloh: Bertelsmann 10.-22. Tsd. 1931. 213p. 8° Mit dem Rucksack nach Indien R. Wunderlich. Tübingen. 1927. 255p. 8°. 4 Tfll., 1 Karte, 16 Textabb. Das Land der Sehnsucht Vlg. Dietz Berlin 1925 Aus dem Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen R. Bein. Berlin. o.J. 139p. kl. 8°. OHLn. So sah ich die Welt. Aus dem Weltreise-Tagebuch eines jungen Deutschen J. Oncken. Kassel. 1933. 237p. 8°. Oln. 45 SW-Abb. a. 32 Tfll. Himmel und Hölle auf der Landstraße Behr. Berlin/Leipzig o.J. [1917]. 200p. 8°. 42 Holzschnitte a. Tfll. Biedermeier auf Walze. Aufzeichnungen und Briefe des Handwerksburschen Johann Eberhard Dewald Berlin: Schlieffen 1936. 205p. 8°. OLn Textzeichn. Betteln ist schwerer als Arbeiten In: Zeitmagazin 29. August 1975 8 Tage Betteln brachten mir 31 Mark und 88 Pfennige ein In: Zeitmagazin 7. Mai 1971 Heute vor fünfzig Jahren kostete ein Roggenbrötchen 87 Milliarden Mark In: Zeitmagazin vom 12.10.1973 Wohnsitz: Nirgendwo In: Fernweh Nr. 5 1982, S. 52-53 Sprechen Sie Rotwelsch? In: Zeitmagazin vom 17.1.1975 Tramps In: Fernweh Nr. 5 1982, S. 66-71 Eine Walz zum Balkan Fredebeul u. Koenen. Essen. 2. A. o.J. 316p. 8°. Zeichn. i. Text. Probandus. Die Geschichte einer Wanderschaft Hanseatische Verlagsanst. Hamburg. 1923. 248p. 8°. OLn. 16 SW-Abb. a. 16 Tfll. Tippelei um die Welt. Dem Glücke nach durch 36 Staaten Volkskraft. Berlin. 1934. 8°. 247p. 32 SW-Abb. a. 16 Tfll. Land und Leute in Italien. (=Langenscheidts Sachwörterbücher) Berlin o.J. (ca. 1906)454p, 44p, 16p. OLn kl. 8° Mit Schlapphut, Stenz und Ehrbarkeit Rheinischer Merkur 23.11.1985 Auf zerrissenen Sohlen. Mein Vagabundenbuch Herder. Freiburg/Br. 1942. 336p. 8°. OHLn. Landstrasse - Kunden - Vagabunden. gerhardt. Berlin. 1980. 367p. 8°. OBrosch. Zahlr. SW-Abb. i. Text u. a. Tfll. Männerbande - Männerbünde Rautenstrauch-Joest-Museum Köln 1990 Der Rompilger Herder, Freiburg, 1904 10,5 x 16,5cm, OLn, 423p, Frontispiz, 110 Abb. i. Text, Eisenbahnkarte u. Stadtplan. Das Buch Wanderschaft Hanseatische Verlagsanst. Hamburg. 1941. 329 p. 8°. OHLn. 10 Textzeichn. Deutsche Gaunersprache. Wörterbuch des Rotwelschen Buske Verlag Hamburg 1993
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