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In Trittlingen unterwegsFahrendes Volk - Die Ritter der LandstraßeTeil 2Inhaltsübersicht1 Einleitung 2 Meister, gebt mir die Papiere Die Penunse Hanf mit Unvernunft oder Lechum und Beza Die Kundenpennen In Trittlingen unterwegs Kundenschall Reisegebiete und -ziele Informationen Tippelfreunde
3 Die Walz als Gratwanderung - Vom Gesellen zum Vagabunden 4 Zwischen Tippelschickse und Kalle 5 Die Hierarchie der Landstraße 6 Die Internationale der Vagabunden 7 Die Vagabunden der zwanziger Jahre 9 Überblick: Kennzeichen der Walz 10 Biographien |
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Vom Gesellen zum Vagabunden Pfarre geht mit Hamburger Wandervogel-Freunden auf eine vierwöchige Ferienfahrt durch die Rhön und den Thüringer Wald, dann sagt er sich: "Ihr habt eine Ferienfahrt gemacht als sorglose Wandervögel, nun kommt deine Reise als Handwerksbursche, vielleicht bald als Landstreicher. ... Beginne nun endlich deine Fahrt und wage mutig den bedeutsamen Schritt vom Wandervogel zum Handwerksburschen." Er unterscheidet drei Arten zu reisen und hebt den Mut als bedeutsames Element der Walz hervor. Bereits klar im Blick ist der drohende Abstieg zum Vagabunden. Die Polizei ist scharf hinter den Handwerksburschen her und kontrollieren peinlich genau, wer die Grenze zum Vagabunden überschreitet: "Auf eine Fleppenkontrolle darf ich es nicht ankommen lassen, sonst bin ich verratzt, denn ich habe bereits zwei Nächte auf eigene Faust, ohne Aufenthaltsstempel, im Heu geschlafen." Aufenthaltsstempel in Herbergen, Asylen, Arbeitsnachweise oder der Stempel: "Inhaber hat sich heute vergeblich um Arbeit bemüht" helfen der Polizei, Gesellen von Vagabunden zu unterscheiden. Rein äußerlich gleichen sich Gesellen, Vagabunden, Wanderarbeiter: sie sind arm, zu Fuß unterwegs und bemühen sich Tag für Tag um Essen und ein Bett. Sie haben Zeit, kein Geld, selten Arbeit und übertreten alle das Verbot der Bettelei. Immer wieder wird die Walz verteidigt als: "jene einfache und bescheidene Art, die Welt zu beschuen, welche weder in den ersten Cafes und Hotels der Residenz, noch in die verkommensten Schnapskneipen der Provinzstädtchen, sondern in die Werkstätten berühmter und geachteter Meister führt, nicht um den Prahlhans mit des Vaters Talern, noch den Schnapsbruder mit den erbettelten Pfennigen, sondern den soliden Sohn schlichter bürgerlicher Eltern zu spielen, der, seine Kenntnisse erweiternd und sich ausbildend, mit dem Zeitgeist heute vorwärts schreitet, wie sein Vater vor einem Mannesalter, mit dem Geiste jener Zeit vorwärts schreitend, sich zum wackren Geschäftsmann herangebildet hat." Winnig schafft es tatsächlich, sich zwei Jahre als Geselle über Wasser zu halten und findet Arbeit. Als er reist (um 1897) gibt es in Deutschland gerade einen Aufschwung, Arbeit ist leicht zu bekommen, das Ruhrgebiet boomt: "Nach 1896 ging es dann aber aufwärts - so schnell, daß 1912 ein angesehener Publizist ernsthaft behauptete, allein jenes Wirtschaftswunder rechtfertige schon den deutschen Anspruch auf eine Vormachtstellung in der Welt." Winnig ist Handwerker, sucht aber seine Identität stärker im Dichterdasein. Als er einmal einen Aristokraten kennenlernt, idealisiert er ihn, nimmt selber Züge eines abgehobenen Verhaltens an. Die Sprache der Kunden lehnt er ab, preist das ruhige, bürgerliche Benehmen. Und als er Hannover verläßt, stellt er fest: "Es hat uns nicht gefallen, den langen Weg zur Stadt hinaus zu gehen; der Wanderbursche paßte schon damals nicht mehr in das Straßenbild der großen Städte." Und das, obwohl es in Hannover 500 Baustellen gab? Immer wieder betont er, daß er nur notgedrungen mit Kunden zusammengehe, ihre Gesellschaft schätzt er nicht.Nach über einem Jahr auf der Landstraße zieht er tatsächlich mit drei Kunden los und übt gemeinsam mit ihnen in einem Dorf das Fechten. Dabei bleibt es dann auch. Er studiert und beobachtet das fahrende Volk, aber mit dem Herzen ist er nicht dabei. Pfarre und Schroeder dagegen finden kaum Arbeit und merken schnell, wie leicht man ins Vagabundenmilieu abrutschen kann: "Und es ist so leicht, auf die Landstraße zu gehen. Man tritt aus seiner Wohnung und wandert. Aber wie kommt man von der Landstraße wieder ab? wenn man keine Arbeit findet, wenn man kein Zuhause mehr hat? Die Eltern haben, sind glücklich; die keine haben, abgebrannt sind und sich in keiner Stadt festsetzen können, - die werden Speckjäger. ... Jeder hier hat etwas Rauhes und Hartes an sich, doch keinem ist der Grimm angeboren; alles ist aufgelegt, aufgesetzt, von der Landstraße, von dem Elend, das sie umgibt." Pfarre wird in Nürnberg gewarnt: "Hüte Dich vor der Landstraße, Du gehst sicher kaputt!" Ich erwiderte, daß mir die Gefährlichkeit der Landstraße übertrieben schien, ich sei doch schon einige Wochen getippelt. "Ja", sagte der Maler, "bis jetzt mit Geld, und nun ohne." Auch für ungelernte Saisonarbeiter ist nur geringer Bedarf und die wenigen guten Stellen sind schnell fort. Obwohl das Arbeitsamt voller Arbeitssuchender ist, meldet sich niemand auf die ausgeschriebenen Stellen als Hopfenzupfer - das ist einfach zu schrecklich! Arbeit und Geld waren knapp und wurden immer knapper. Die Mechanisierung und Industrialisierung im 19. Jahrhundert führte zu Arbeitsverlust. Handwerksburschen durchstreifen mit Saisonarbeitern, Stellungslosen und Landstreichern das Land oder gehen ins Ausland. In der Schweiz entstanden Handwerkervereine als Vorform der Arbeitervereine. Revolutionäre Ideen entstanden, die Polizei war mißtrauisch. Wandern wurde zum gesellschaftlich kritischen Faktor. Daß für die Gesellschaft Wandern nicht gleich Wandern ist, erkennt Hasemann schnell: "Ist es doch Modesache jetzt, die Wandervögelei. Man hilft ihnen, obgleich sie nur bis Fürstenwalde laufen mit vielerlei Kochtöpfen, man macht große Sachen, bildet Vereine - Geschmackssache - unterstützt wo immer möglich diese gedankenlose Modekrankheit, die ein gesunder Deutscher belächeln muß, aber niemand kümmert sich um die, die über die Grenzen unseres Vaterlandes hinauswallen, einen Rock und einen Gott und keine reichen Eltern haben, und nach alter deutscher Sitte auf die Wanderschaft gehen, sich wirklich die Welt anschauen unter Mühen und Strapazen, denen man kein Obdach bietet." Die wahren Kunden beschreibt er so: "Über die ganze Erde ist ein Kundennetz gebreitet, Deutsche sind es, die seit alters her die Landstraße ihr eigen nennen. Als junge Burschen zogen sie aus einmal, und nun sind sie grauköpfige Männer geworden, immer sind sie gegangen, nie haben sie gerastet, und sie sterben einmal in irgendeiner Ecke, an irgendeiner Landstraße der Welt, vielleicht hinter irgendeiner Hecke. Manche haben schon seit Menschengedenken eine Tour, Hamburg-Jerusalem oder Rom-Wien-Berlin-Paris. Mancher hat ewig die gleiche Tabakspfeife, nur ist sie schon ganz kurz geworden, er geht Amsterdam-Athen." 4 Zwischen Tippelschickse und Kalle Die Beziehung zu Frauen kommt bei allen Walzbrüdern zur Sprache, alle erleben sie ihre Romanzen. Dabei handelt es sich aber ausschließlich um Beziehungen zu Frauen aus der bürgerlichen Gesellschaft: Pfarre lernt ein Mädchen bei der Arbeit im Weinberg kennen; Winnig befreundet sich mit Helene Paulsen nach der Teilnahme an einer Volksversammlung über "Kapitalistische Profitwirtschaft", flirtet mit einer Verkäuferin und einer Gastwirtin; Schroeder findet sich beim Fechten in einer Runde von neun Mädchen auf einem Bauernhof wieder. Die bringen ihn so in Verlegenheit, daß er nach nach wenigen Minuten das Weite sucht. Bei allen zeigt sich das Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit, jedoch beschränkt sich dies (den Erzählungen zufolge) auf Händchenhalten, Turteln und Küßchen. Nur Heinrichs scheint die Frauen nicht zu vermissen. Bloß eine Nonne, die ihn gesundpflegte, machte Eindruck auf ihn. Bei Hasemann spielen Frauen eine zentrale Rolle, doch sind es immer um Frauen aus der normalen, der besseren, der bürgerlichen Gesellschaft. Er ist ein "Frauentyp", nach eigener Aussage, und die Musik liefert ihm genügend Möglichkeiten, Frauen kennenzulernen. Er geht gezielt vor und hat in jeder Stadt seine Amouren. Keine dieser Begegnungen findet mit einer Frau von der Straße statt. Allerdings ist er der einzige in dieser Reihe, der sich folgenreich verliebt und am Ende seiner Reise zu dieser Frau zurückkehrt. Frauen waren nur selten unterwegs. Pfarre erwähnt eine Helene Weil, die als Kalle einen Malerkunden begleitet. Der Maler hatte sie in der Breslauer Herberge zur Heimat kennengelernt, als sie dort bediente, und von dort zogen sie gemeinsam durch Frankreich, Spanien und Italien. Ein anderer Kunde sagt dazu: "Er liebt sie wahrhaft, aber sie ginge am liebsten als Dirne. Diese Liebe des Malers ist gegen alle Kundenvernunft, doch ein Kunde ist er, wenn auch mit einer noch gewissen Moral." Auch Schroeder und Winnig erwähnen hier und da eine Tippelschwester, jedoch beiläufig, oft moralisierend, als gehörten Frauen selbst nach den Moralvorstellungen der Kunden nicht auf die Straße: "`Willst du mit´? Sie nickt, zeigt saubere Zähne, guckt noch einmal zurück und geht zwischen uns beiden her. Ich will sie auf die Probe stellen, ob sie ein ehrbares Mädchen ist, und ... küsse sie auf den Mund." Was es mit dem Mädchen auf sich hat, ist leider nicht zu erfahren, denn wenige Minuten später wird sie von zwei Polizisten mitgenommen. Faber hört im Iran von einem "Pärchen deutscher Wandervögel, wie man sie zu Tausenden in unseren Wäldern sehen kann. Er, ein Bursch von etwa achtzehn oder neunzehn Jahren in vorschriftsmäßiger Kluft, sie ein gretchenhaftes Ding mit kurzem Rock und langem Zopf. ... Aber sie sind nie um die Welt gekommen. ... Gretel geriet auf die schiefe Ebene und wurde auf Kosten des Konsulats [in Teheran] wieder abgeschoben nach Deutschland." Das Wort "Schickse", ursprünglich die jiddische Bezeichnung für ein nichtjüdisches Mädchen, wurde im Laufe der Zeit immer negativer besetzt und zuletzt als Bezeichnung einer Prostituierten verwendet. Darf man daraus schließen, daß eine Frau, die auf der Landstraße unterwegs war, sich meist auch prostituierte? Die Kunden differenzierten stärker: " [Dirnen] sind keine Prostituierten, ... die sich verkaufen und ihren Körper zum Gegenstand eines Gewerbes machen. Die Dirne ... verkauft sich nicht, sie verschenkt sich." In nahezu allen Quellen über Vagabunden wird die Dirne als Teil des fahrenden Volkes genannt. Aus Italien berichtet Pfarre: "...eine Dreisoldidirne, die ihr Geld in den leeren Güterwagen verdient .... Die hat ein Körbchen mit drei, vier Apfelsinen, und wenn ein Schiff einläuft, dann läßt sie sich hinüberrudern, um Apfelsinen zu verkaufen. Nach zwei, drei Stunden kommt sie wieder. Sie war beim Kapitän, beim Steuermann, bei den Matrosen und oft auch bei den Schiffsjungen. Wenn sie zurückkehrt, hat sie noch ihre drei oder vier Apfelsinen im Korb." Hasemann nennt die Tippelschickse die "größte Seltenheit des Weges". Da gibt es für die überwiegend männlichen Kunden nur wenig Möglichkeiten, dem Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Sex Befriedigung zu verschaffen. Nur aus diesem Grund melden sich manche auf die unbeliebten Stellen als Hopfenzupfer. Pfarre erfährt: "...wer nicht ganz weibstoll ist, hält das nicht aus. Für eine Reichsmark zwanzig von morgens fünf bis abends elf bei der flauen Brotsuppe tät´s keiner, wenn nicht das Nachtlager so schön wär. ... Mann und Weib, Kunde und Schickse, alles schläft bunt durcheinander in einer Scheune auf Heu und Stroh, so wie jeder will. Die paar Kinder, die dazwischen liegen, stören nicht. ... Aber auf Dauer wird´s zu ekelhaft." Ein anderer Vagabund weiß einiges zum Thema Frau: "Aber etwas anderes läuft [den Kunden] lange nach. Hängt lange an ihnen und reibt sie auf. Gräbt tiefe Falten in ihre Gesichter, drückt ihnen den Kopf nach vorn und beugt ihnen den Rücken. das ist das Weib. ... es war allen eine Not. ... Sie verleugneten es. Einige hielten es nicht aus. Sie vergewaltigten, was ihnen die Not in die Arme trieb, alte Frauen, Kinder. Doch das sind die allerwenigsten. ... Andere nahmen Arbeit an. Auf einem Gut oder so - um ein Weib zu bekommen. ... Dann kämpfen sie an gegen die Forderung ihrer Natur. ... Sie unterliegen. Und sie möchten sich die Hand abschlagen. Öfter. Wie als Knabe. ... Das sind die Einsamen. Andere sind den gleichen Weg gegangen mit mehr Glück. Sie finden immer wieder mal einen Freund. Einen Jüngeren. Sie wissen, daß keiner um diese Not herumkommt." Der Begriff "schwul" ist in der Kundensprache seit 1847 schriftlich nachgewiesen und Pfarre berichtet von Kunden, die auf der "schwulen Schiebung" sind, sich als Strichjunge ihr Geld verdienen. Als einziger der Walzbrüder berichtet er von häufigen Begegnungen mit Homosexualität: mal platzt er in eine Toilette und weicht erschrocken zurück, mal muß er sich selber den Nachstellungen reicher Italiener widersetzen , dann wird er von einem anderen Kunden vor dem Übernachten in den römischen Katakomben gewarnt: "Weißt Du, was die Kunden hier einhaken nennen? Sieh, Du mit Deinem Kindergesicht wirst schon schamrot, ich merk, Du kennst den Ausdruck auch schon. Also deshalb lieber nicht, Du würdest eingehakt werden. Das wäre Dein Ende." Man erklärt ihm, daß es in Italien keinen unbequemen §175 gibt, und "...deshalb sind eben hier, ganz besonders in Rom, viele Menschen, die in Deutschland nicht mehr sein dürfen. Du, feine Menschen sind es, sogar sehr vornehme."
5 Die Hierarchie der Landstraße Als Pfarre nach Fürth geht, weiß er sich auf dem Weg ins Vagabundentum: "Ich war auf das Verbandsgeschenk angewiesen. Eine Mark erhielt ich. Mit dieser Mark wollte ich meine neue Zukunft gründen. In der Fürther Herberge zur Heimat erstand ich für 25 Pfennig einen Wanderschein. Auf diesen Schein konnte ich Verpflegungen erhalten. Mein zweiter Weg war nach dem städtischen Arbeitsnachweis. Dort traf ich einen Kunden, der mir die ganze Sache schon deichseln wollte. `Also, nun macht´s Dein Antrittsstoß. Erst läßt Du Dir eine Bescheinigung in Dein Wanderbuch schreiben, daß Du vergeblich um Arbeit angehauen hast, dann kommst Du wieder zu mir.´ Ich ging und kam erfolgreich zurück. Dann führte mich mein Lehrmeister vor ein anderes städtisches Gebäude und sagte: `Da gehst Du nun herein und kriegst dreißig Pfennige,´ und setzte lakonisch hinzu: `Ich kriege nichts, ich war erst vor drei Wochen da.´ Das mochte ich nun nicht. Aber ich begriff, daß ich mußte. Es war doch noch der ehrliche Weg auf der Landstraße." Sind diese Quellen erschöpft, so führt der Weg nachts ins Asyl und tags zum Betteln. Nur wer bettelt, überlebt. Pfarre kann das nicht, selbst die edelste Form der Bettelei, das Anfechten seiner Meister, bei denen er um Arbeit nachfragt, versagt er sich. So ist er hier und da auf eine Mark aus der Gewerkschaftskasse, Gutscheine der Asyle oder Stütze vom Arbeitsamt angewiesen. Dazwischen hungert er oder findet Vagabunden, die ihn versorgen. Auch Schroeder fällt das Betteln schwer: "Früher aß ich um diese Zeit zu Mittag, jetzt sind es drei Tage her, seit ich das letzte Mal gekaut habe. Ich kann eine Gaslaterne kitzeln, bis der Direktor lacht; ich habe in den zwei Tagen gelernt, einen Grünen zu ärgern, ohne daß dieser es merkt; aber betteln kann ich nicht!" Dann reist er mit erfahrenen Kunden zusammen, zu fünft "putzen" sie ein Dorf, essen mehrere Male und werfen anschließend zusammen: wollene Socken, eine neue Weste, drei Pfund Wurst, Zigaretten, Tabak, Brot. Nur Schroeder weiß nichts beizusteuern und bekommt gesagt: "Wir hatten zuerst auch nur Brot gefechtet, Brot, Brot und noch einmal Brot, bis wir gewitzter wurden, aus uns hinausgingen und zusammenputzten, was wir zum Leben brauchten." Dann wird geteilt: für jeden gibt es zwei Zigarren, 12 Zigaretten, vierzig Gramm Tabak - Brüderlichkeit der Landstraße! Doch Schroeder lernt schnell und wird innerhalb weniger Monate ein Fechtmeister. Manche der Kunden und Vagabunden schaffen nie mehr den Weg zurück in die bürgerliche Gesellschaft, was nicht unbedingt an mangelnden Chancen lag, sondern an der Einstellung zum Leben: "War das ein unruhiger Geselle! Auf allerlei Schiffen hatte er, als Münchner Kind, die ganze weite Erde befahren. Irgendeine Aschenbrödelarbeit hatte er immer gefunden und auch wohl so gute Menschen, wie er selbst einer war. Immer faßte er das Leben von der sonnigsten Seite auf, er, der nur für ein Butterbrot arbeitete, immer hatte er gelacht und noch immer lachte er, trotz Hunger, trotz aller Rücksichtslosigkeit gegen ihn. Und weil die Menschen ihn nicht ernst nahmen, hatte er sie und ihre Arbeit nicht ernst genommen." Das war der kleine bucklige Michael, der es nicht mehr schaffte, regelmäßig zu arbeiten und an einem festen Ort zu wohnen, obwohl ihm Verwandte die Gelegenheit dazu gaben. Er riß aus und flüchtete sich auf die Landstraße zurück. Pfarre unterscheidet "dreckige Speckjäger und halbgut gekleidete, geriebene Kunden".. Im Großen und Ganzen war es unter "modernen" Kunden üblich, in tadelloser Kleidung und mit einem "guten" Namen betteln zu gehen. Auch unter den Heimatlosen gab es Hierarchien, ganz unten befand sich der Speckjäger. Gregor Gog sagt über sie: "Das sind Unternehmer in Lumpen. Der Speckjäger ist ein Ausbeuter der Verkommenen; ein Organisator der Bettler und Simulanten; der Wucherer des Asyls ..." Dann gibt es "den Landstreicher, den Menschen, der sinnlos umherzieht, für den das Herumtreiben eine besondere Art Trunksucht ist, was manche Forscher sogar veranläßt, von einem Atavismus der Instinkte aus der Nomadenzeit der Menschheit zu sprechen." Und während der Kunde ein Landstreicher ist, der Bourgeoisie und Zivilisation haßt, ist der Vagabund ein bewußterer Landstreicher, jemand der die Landstraße gewählt hat. Dann gibt es noch Bettler und Dirnen. Die Bezeichnung Kunden wird oft wahllos benutzt und meint alle Gruppen. Kunde heißt eigentlich Kundiger, im altniederrheinischen war der cunde ein Späher und Kundschafter. In jedem Fall weiß er mehr als andere, ist also ausgezeichnet gegenüber anderen. Das wird deutlich, wenn sich zwei Kunden auf der Straße begegneten. Der Frage "Kunde?" mußte geantwortet werden mit "Ken Mathes?" Der Fragende möchte wissen, ob der andere überhaupt ein Kunde (=Kundiger) ist, ob er also evtl Auskunft geben kann. Die Antwort hat nichts mit dem Vornamen Mathes zu tun, sondern rührt von Medine (=Landstraße) und heißt daher soviel wie "Ich kenne die Landstraße". Obwohl Kunden und Vagabunden sehr lax mit Moral umgehen, konnte man ihnen nicht unbedingt kriminelle Absichten unterstellen. Wohl waren sie Outlaws, Outcasts, Gesetzlose, die um ihr Überleben kämpften. Das ging oft nur außerhalb der bürgerlichen Moral und Gesetze. Doch hatten sie ihre Sprache, eigene Gesetzmäßigkeiten und Regeln. Ehre und Kameradschaft waren ihnen vertraut und viele waren stolz darauf, Kunde zu sein. Der Weg zurück in die Gesellschaft blieb ihnen nicht versperrt, auch wenn sie sozial ausgestoßen und heimatlos waren. Andererseits war der Weg ins kriminelle Milieu einfach, da sich die Gauner in der gleichen Infrastruktur bewegten. Pfarre erinnert sich: "...lernte ich den Betrieb in der Herberge zur Heimat kennen. Aber waren das "Kunden", "Monarchen", "Speckjäger" oder anders benannte "Ritter der Landstraße"? Nein! Soviel kannte ich nun doch schon die verlumpten, aber harmlosen Wandergestalten. Was sich hier zusammenfand, das kam nicht aus dem Chausseegraben, das gedieh nur auf dem Asphalt der Großstadt. Das nahe Oktoberfest hatte Nepper, Bauernfänger und Taschendiebe herangelockt." Vom Fechten über das Betteln führt der soziale Abstiegskampf zur sogenannten Schiebung. Unter Schiebung verstand man Taschenspielerei, Gaunereien, Betrug. So sammelten zwei Kunden in jedem Ort die Messer und Scheren, ohne einen Schleifstein zu besitzen. Mit etwas Schmirgel wurden sie blank poliert, mit Schellack die Griffe optisch verbessert: "Es kam uns auch nicht darauf an, die Messer zu schärfen, dann hätten wir ja auf ehrliche Weise unser Brot verdient." Da gibt es dann den "Sibirier": "Andere nannten ihn auch den Anarchisten. Er muckte mit roten Fleppen, d.h. er bettelte die Sozialisten- und Anarchistenvereinigungen an. Wenn er dort leer ausging, konnte man ihn zum Beichten gehen sehen. Im Beichtstuhl focht er bei dem Geistlichen." Der "Schweizer" spielte den Grafen, investierte ihn gute Kleidung und besaß sonst nichts. Dann besuchte er die Amerikaner in den guten Hotels und erzählte ihnen eine Geschichte, die ihm Geld brachte. Zwei andere, Polen, gingen jeden Abend auf die Balance. Ihnen allen gemeinsam war es, mit betrügerischen Absichten vorzugehen. Hasemann kennt dazu noch den Karrner: "Aus irgendeiner gottverlassenen Gegend, in der tatsächlich nur ein Haus stand, ist er aufgebrochen, nachdem auch noch die letzte Kuh gestorben ist, mit seinem Weibe, das er irrsinnig liebt. Er hat sich einen Wagen angeschafft mit einem fünffachen Knie als Schornstein. Ein Bett steht darin und ein kleiner Herd. Im Bette liegt ein Weib, hochschwanger, am Fenster vorn sind kleine Gardinen, die Fenster an der Seite sind verschlossen mit Seitenläden, wegen des Sonnenscheins, und nun zieht er diesen Wagen toujours die Landstraße längs. Unter dem Wagen läuft noch ein Hund, das einzige Vieh, das Treue besitzt in guten und schlechten Tagen." Hasemann vermutet, daß aus dem Karrner der Wanderzirkus entsteht, indem sich ihm Kunden anschließen.
6 Die Internationale der Vagabunden Gerhard Rieger, genannt Jonny, betritt in Genf die Armee du Salut: "diese gottsverfluchte, internationale Vagabundenquetsche. Was die Loggia dei Lanzi in Florenz, Albergo Populare in Mailand, Schönbrünn in Wien, Pik Ass in Hamburg, das ist die Armee du Salut in Genf. Eine verdammt herrliche Bande war da zusammen: Ein Schweizer mit zerbeultem Mumiengesicht, der sich, weiss der Teufel woher, eine Fahrkarte nach Afrika besorgt hat. ... Ein Spanier, politischer Flüchtling, schreibt Briefe. Ein dänischer Heizer macht Rast auf dem Tramp nach Konstantinopel. Zwei Tschechen kauderwelschen mit einem Bremer, der soeben der französischen Legion entwischt ist. Ein von allen verkohlter Russe ist da, der uns den Kaffee bringt ..." Kurt Motzer verbrachte zu Anfang dieses Jahrhunderts 27 Jahre auf der Landstraße und erzählt: "Wer sich in Italien auf das Schmalmachen (Straßenbettel) verstand, dem ging es nicht übel, und stellenweise behielten die Bauern einen auch über Nacht. In Frankreich ist es mit der Tippelei mies. Das Plattmachen gehört dort zur Tagesordnung. ... Ich hatte mehrere Reisekollegen in Afric, aber immer wieder habe ich sie verloren. Weihnachten haben wir einmal, sechs deutschsprechende Kunden, in Tunis gefeiert. ... Bei den italienischen Farmern in der Tunisie und den spanischen in der Provinz Oran wurde ich oft und gut bewirtet." In der Türkei und in Persien lernt Faber den Mähändis kennen: "Mähändis ist alles und jedes; es ist die Ausrede, die jeder reisende Abenteurer durch das Land trägt, wenn ihm sonst nichts besseres einfällt. Ein Mähändis ist z. B. ein Ingenieur. Er kann aber auch bloß ein Monteur, ein Mechaniker, ein Schlosser, ein Chauffeur sein. Mähändis ist jeder, der nicht berufsmäßig mit Schafen und Ziegen zu tun hat." Als ein Polizist, der ihn nach Papieren fragt, das Zauberwort "Mähändis" hört, beginnt er glücklich zu strahlen, nun kann er Faber einordnen. Mario Appelius gerät nach seiner Flucht aus dem Elternhaus unter die italienischen "Trimards": "Die Trimards sind bettelnde Vagabunden, die sich besonders darauf verstehen, ohne Arbeit durch die ganze Welt zu reisen. Sie leben von Almosen, von kleinen Schmarotzereien und harmlosen Diebstählen. Auf den Dampfern reisen sie als blinde Passagiere, auf den Eisenbahnen zwischen den Achsen der Güterzüge, beuten die Wohltätigkeitsvereine sowie die Kassen der Konsulate aus und rühren das Herz der im Ausland lebenden Landsleute. Es kommt ihnen aber auch nicht darauf an, sich je nach Bedarf als Angehörigen einer anderen Nation auszugeben. Ebenso leichthin wechseln sie ihre Glaubensbekenntnisse, sei es nun, daß sie einen Priester, einen Pastor oder einen Rabbiner vor sich haben. Sie haben das Vagabundieren und die Bettelei zu einer hohen Kunst entwickelt. Niemals geben sie zu, daß sie Habenichtse sind, stets sind sie nur vorübergehend ins Unglück geraten, haben durch irgendeinen Zufall ihre Arbeit verloren, oder wurden um ihr Gepäck gebracht. Vor Sportsleuten spielen sie den Sportler, vor Revolutionären den Umstürzler, vor Betschwestern den braven altmodischen Bürger. In den meisten Fällen sind sie von besserer Herkunft, halten sich sauber, kleiden sich einfach und lieben es, sich durch Bärte und Brillen ein professorales Aussehen zu geben. Durch lange Erfahrungen haben sie es fabelhaft raus, die lieben Nächsten zu beschwatzen und auszunutzen. Alles ist ihnen willkommen, nicht nur Geld, weil alles verkäuflich ist, seien es nun Lebensmittel, getragene Kleider oder sogar Bücher und Arzneimittel. Auch gute Empfehlungen sind von ihnen begehrt. ... Sie verfolgen in den Zeitungen die Heiratsanzeigen, die Todesfälle, die Geburts- und Namenstage, die Gewinnlisten der Lotterien und die Ankunft von Verwandten, die von weither kommen, und stellen sich unweigerlich dann und dort ein, wo niemand ein Almosen verweigern wird. Ein jeder verfaßt einen schriftlichen Bericht über seine interessantesten Fälle und händigt ihn, ehe er die betreffende Stadt verläßt, einem Mitgliede der Gesellschaft aus, das ständig in der größten Stadt des betreffenden Landes wohnt und für ein bestimmtes Gebiet als Leiter und Vertrauensmann zuständig ist. Durch den Austausch ihrer Erfahrungen wissen sie genau, an wen sie sich in diesem und jenem Ort wenden, bei wem sie wohnen und Vorschuß bekommen können, wo sie mit getragenen Kleidern und Wäsche versorgt werden, wo ihnen in Krankheitsfällen und bei Scherereien mit der Polizei geholfen wird. Der Hauptsitz der Vereinigung befand sich damals in Berlin, die Vereinssprache hingegen war nach dem Vorbild der Diplomatie das französische, allerdings reich durchsetzt mit Vokabeln ihrer eigenen Gaunersprache. ... Die Mitglieder setzten sich hauptsächlich aus Belgiern, Franzosen, Deutschen, Russen, Juden, Engländern und besonders auch vielen Österreichern zusammen. Italiener und Spanier hingegen traf man seltener." Man kann spekulieren, was an dieser Geschichte stimmt, oder ob sie eine Mischung aus Wahrem, Halbwahrem und Erfundenem ist. Appelius hörte diese Geschichte im Kreise solcher Trimards in Alexandria/Ägypten, verbrachte einige Zeit mit ihnen und nennt George Colet, einen Belgier, Abraham Rosenthal, Herbert Bradson, einen Nordamerikaner, den Franzosen Pere Duval und Julien, Omar Adrajan, einen Perser, den Finnen Kid-Kid, den Iren Allan und den deutschen Welsch. Appelius ist zu dieser Zeit etwa 16 Jahre alt und man schreibt das Jahr 1908. Da kann es auch angehen, daß man ihn mit einer Mischung aus Mythen und Märchen gefüttert hat, weit genug weg vom Ort der Handlung. Auch Kurt Faber hat so seine Erfahrungen mit dem fahrenden Volk: "Jedes Land hat seine Vagabunden. Das erbt sich fort wie eine Krankheit, solange es unruhige und abenteuerliche Menschen gibt. In Amerika aber, diesem Sammelbecken unruhiger Geister, hat sich eine besonders malerische Abart des Lumpazius Vagabundus herausgebildet: der Tramp. Der Name ist eindeutig. Man hört es förmlich aus den Buchstaben, wie sich ein Fuß vor den anderen setzt mit schwerfälliger Würde. Aber es ist trügerisch, wie oftmals die Namen. Wenn es etwas gibt, das dem amerikanischen Landstreicher in der Seele zuwider ist, so ist es eine lange Fußreise. ... Nur entlang des Schienenstrangs kann er gedeihen. Die leeren Packwagen ... sind seine Heimat. ... Wer kein Geld hat oder nichts bezahlen mag, der muß sich schon der Mühe unterziehen, beim Herannahen des Zuges an die Station sich durch einen schnellen Sprung vom Wagen vor der Rache des Personals und den herumlungernden Bahndetektiven zu retten. Er versteckt sich in dem nahen Busch oder anderen Wagenreihen, um dann beim Abfahren auf denselben Zug wieder aufzuspringen, womöglich im selben Wagen, wo sich dieselbe Szene wiederholt. Und so vergeht mit Auf- und Abspringen die ganze lange Nacht. Aber zum Ziel kommt er so gut wie die anderen, denn ein echter Vagabund kommt stets dahin, wo er sich vorgenommen hat." Die amerikanischen Tramps wurden als Massenphänomen etwa ab 1873 bemerkt, als durch eine Wirtschaftskrise zahllose Arbeitssuchende von der industrialisierten Ostküste in den Westen zogen, entlang der amerikanischen Hauptverbindungswege, den Eisenbahnen. Als Alois Zettler 1874 durch Amerika wandert, weiß er von der Wirtschaftskrise zu berichten und nutzt selbst die Züge als kostenloses Beförderungsmittel. Sie waren vermutlich noch weniger gern gesehen als die Vagabunden in Europa. Beispielsweise gab es eine Gesetzesvorlage, die die Sterilisation der Tramps forderte, vermutlich im Bewußtsein, daß, wer so lebt, nur krank sein könne oder arbeitsunwillig. Gesetze ahndeten das Trampen mit bis zu sechs Monaten Arbeitslager, Kurt Faber weiß davon ein Lied zu singen (s. Agir-Publikation 2). Die Geschichte der amerikanischen Tramps läßt sich durch zwei Weltkriege bis in die heutige Zeit verfolgen. Den Mann auf der Landstraße gab es überall, in der Türkei nannte man ihn den "Kardasch": "Kommst du in ein Haus oder eine Hütte, und sie nennen dich Kardasch, so bist du sicher und geborgen, tun sie es nicht, so magst du Ausguck halten nach den Böen, die voraus liegen. Kardasch nennt dich freundlich der dir Begegnende, oder er tut es nicht, und dann weißt du, was er von dir hält. Denn der Kardasch, das ist der Mann, dem die Landstraße gehört, der auf ihr zu Hause ist, er ist ... ein Teil der Landstraße." Ein Reisender (Gezork) trifft Vagabunden noch in Asien. Ein amerikanischer Vagabund hat geholfen, einen Freund aus einem rotchinesischen Gefängnis zu befreien, war dann Holzfäller, Farmarbeiter, Tramp in Kanada. Der andere, ein Vagabund aus Südafrika, zog über England nach Kanada, dann nach China: "So hat er buchstäblich eine Rundreise um die ganze Erde gemacht, auf der Suche nach Arbeit, wie er sagt. Ich hege allerdings meine stillen Zweifel, ob es bei ihm mit der Arbeitswut wirklich so ernst war. Er ist eben ein richtiger Vagbund; die ewige Wanderlust steckt diesem Burschen viel zu tief im Blut, als daß er´s an einem Orte länger als ein paar Monate aushalten könnte." Gregor Gog, berühmter deutscher Vagabund, reist 1930 nach Moskau - ihn zogen die Außenseiter und Verstossenen an "die Bresprisornijs, Rußlands Kindervagabunden, die Weltkrieg, Hungersnot und Bürgerkrieg zu mit allen Wassern gewaschenen Räuberbanden hatten werden lassen."
7 Die Vagabunden der zwanziger Jahre "Die Auflösung der auf materielle Sicherheit gegründeten bürgerlichen Ordnung und die Lockerung aller bisher gültigen moralischen Begriffe ließen ... ein Lebensgefühl entstehen, das den Unbehausten, den Grenzgängern, Abenteurern und Vagabunden, auch bei den Intellektuellen, eine kaum mehr vorstellbare Popularität verschaffte. Jack London und B. Traven erzielten Massenauflagen. Der Tramp Charlie Chaplin, melancholischer Verlierer und Angreifer zugleich, wurde zum enthusiastisch gefeierten Volkshelden. Wanderstab und Bettelsack waren die romatische Verkleidung des erschütterten bürgerlichen Lebensgefühls, aber auch Symbol für Hoffnung und Widerstand." Karl Raichle, Plivier, Gregor Gog trafen sich nach dem Ersten Weltkrieg in Urach am Rande der schwäbischen Alb: "das schon vor dem Krieg ein Treffpunkt für Wanderprediger und Tippelbrüder, Lebensreformer und Naturapostel war und sich nach 1918 zum süddeutschen Zentrum der lebensreformerischen Bestrebungen entwickelte." Die drei bildeten den Matrosenkreis: "im Ahasver, im ewigen Juden erkannte man sich wieder. Gottsucher waren sie, namenlose Männer des dämmernden Morgens, wie Plivier 1919 in einer Selbstanzeige des neugegründeten Verlages der Zwölf schrieb." Künstler und Intellektuelle gingen aus ideologischen Gründen auf die Landstraße. Gustav Brügel, Landstreicher und Schriftsteller aus Balingen bei Stuttgart, gab 1927 die erste Zeitschrift der Vagabunden, den "Kunden", heraus, Gregor Gog übernahm nach der ersten Nummer. Gog gründete die "Bruderschaft der Vagabunden". Zusammen mit Pfarrern, Dichtern, Anarchisten und Malern, Träumern und Wanderpredigern, Jugendbewegten und Asozialen, alle auf der Landstraße, baute man Kontakte zu den Berliner "Anarcho-Syndikalisten" und der "Gilde freiheitlicher Bücherfreunde" auf. Sie alle trugen zum "Kunden" bei. 1928 fand der erste öffentliche Vagabundenabend in Stuttgart statt, weitere folgten in Berlin, Mannheim, Hamburg, Dortmund. Pfingsten 1929 gab es dann das erste große Vagabunden-Treffen in Stuttgart mit 600 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, Böhmen, Polen, Dänemark, Finnland, Ägypten - aber keine aus Frankreich. 1930 wird erstmals ein Vagabundenfilm gedreht, an dem Gregor Gog und zahlreiche andere Vagabunden teilhaben. Im gleichen Jahr gibt es in Deutschland acht Ausstellungen von Vagabundenkünstlern. 1933 wird Gregor Gog verhaftet, kommt in mehrere KZ´s und kann Ende 1933 in die Schweiz fliehen. Die Bücher der Vagabunden wurden verboten, das gesamte Archiv abtransportiert. Die folgenden zwölf Jahre genügten, um Kultur und Tradition der Vagabunden fast vollständig auszurotten. Die große Zeit der Handwerksgesellen ist spätestens seit dem 1. Weltkrieg vorbei. Mit der Aufhebung der Zünfte und der Einführung der Gewerbefreiheit im 19. Jahrhundert hatte diese Bewegung ihren Zenit überschritten. Winnig kam sich 1897 in den großen Städten fehl am Platze vor. Die Industrialisierung Europas und die sich zyklisch wiederholenden Wirtschaftskrisen führten in Schüben immer mal wieder zu einem Anstieg der Massen auf den Straßen. Doch nun nahmen Arbeiter, Wanderarbeiter und Lumpenproletariat die Stelle der Gesellen ein. 1927 waren 70.000 Menschen auf den Straßen Deutschlands unterwegs, sechs Jahre später waren es bereits wieder 450.000. Immer spiegelte sich in den Wanderungsbewegungen die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Die Nationalsozialisten brachten ab 1933 die Vagabunden mit allen Mitteln von der Straße: Arbeitslager, Verhaftung, Razzien, Entmündigung, Psychiatrisierung und sechs Jahre Krieg beseitigten fast alle Spuren der Heimatlosen. Auch für die "Nicht-Seßhaften" von heute ist die Landstraße meist ohne Romantik, sondern hat eher mit dem Teufelskreis von Arbeitslosigkeit, Wohnungslosigkeit und sozialem Abstieg zu tun. Vereinzelt wandern Handwerksgesellen noch heute mit Ehrbarkeit, Staude, Schlapphut, Stenz und schwarzen Cordhosen. Auch wenn sie nicht mehr Teil einer gesellschaftlichen Massenbewegung sind, so erhalten sie doch die Traditionen aufrecht. Sie werden "als Exoten bestaunt in einer durchtechnisierten, profitorientierten Welt". Sie tragen immer noch den Berliner mit Rasierpinsel, Unterwäsche, Schuhputzzeug, Hammer, Lot und Wasserwaage und scheniegeln bei Krautern. Etwa 3000 organisierte Gesellen gab es 1985: sie dürfen keine dreißig Jahre alt sein, weder verheiratet noch vorbestraft, dürfen keine Schulden haben, sollen charakterfest im Umgang mit Alkohol sein. Sogar eine "Confédération Compagnonnages" der europäischen Gesellenzünfte gibt es. Und die andere Seite, die Vagabunden, Berber, Landstreicher? Ihre Zahl nimmt zu, entsprechend der Arbeitslosenquote. 1971 lebte ein Reporter eine Woche lang als Penner, schlief im Düsseldorfer Nachtasyl der Franziskaner und in der Hamburger Mönckebergstraße. Acht Tage Betteln brachten ihm 31,88 Mark ein. Und die Gespräche im Asyl hätten auch 50 Jahre früher stattfinden können. Der eine will in den Süden, nach Spanien, wo´s warm is´. Eine Nutte schüttet sich die Bierreste aus den Gläsern zusammen, den Klapperschluck. 1975 ziehen wieder zwei Reporter mit den Pennern los. Da treffen sie dann beispielsweise den Ex-Söldner, der jedes Jahr sechs- bis achtmal kreuz und quer durch Deutschland zieht, zu Fuß, per Anhalter oder mit Zug und "Bahnbenutzungsgenehmigung" des Sozialamtes, von einer der 700 Herbergen zur nächsten. Und sie werden immer noch "abgebient", nach Läusen untersucht. In der Celler Herberge zur Heimat will der Diakon 1,30 Mark pro Nacht und für die Flasche Bier 1,10. Gegessen wird auf Kommando: nach sieben Minuten sind Graupensuppe und Brot verschlungen. Am nächsten Tag geht es weiter, denn in den meisten Herbergen darf man nur alle sechs bis zwölf Monate übernachten. "Die meisten von uns wollen nicht auf die Straße, sie müssen - weil sie vor sich selbst und den anderen auf der Flucht sind. Deshalb sind die meisten Berber Einzelgänger, die keinem trauen." Was hat sich da schon viel geändert in den letzten 100 Jahren? Selbst Entromantisierung, Zerschlagung von Strukturen und Traditionen erreichen nicht die Wurzeln und Ursachen des Unterwegsseins. Der Wandertrieb findet sich in allen Menschen und bei vielen ist er stärker als das Bedürfnis nach Sicherheit. Hieraus nährt sich eine jede Wanderbewegung. Zeiten wie der Zweite Weltkrieg mögen einige Jahre nachbeben, so daß sich die meisten Menschen angesichts ihrer Erfahrungen für die Sicherheit entscheiden. Dann setzt erneut die Zeit der Wanderer ein. Das Wiederaufflackern der Wanderbewegungen begann etwa in den fünziger Jahren. Klaus Trappmann bringt es auf den Punkt: "Als langjährige Gammler hatten wir begonnen, aus der Enge der Fünfziger Jahre auszubrechen. Die Straße wurde zum Inbegriff unserer Wut und unserer Hoffnungen. Zwischen Kerouacs "On the road", den frühen Liedern Bob Dylans und den ersten Vietnamdemonstrationen liegen nur wenige Jahre. Rocker, Trebegänger, Knackis und umherschweifende Haschrebellen interessierten uns nicht so sehr als Opfer des Kapitals, sondern weil wir uns einig glaubten in der Verweigerung und in unserer Verzweiflung."
9 Überblick: Kennzeichen der Walz Rückblickend fallen Ähnlichkleiten auf zwischen der Walz der Gesellen, dem Vagabundieren und dem heutigen Globetrotten, die sowohl positive als auch negative Aspekte haben können:
Ein minimales soziales Netz wird aufrechterhalten, z.B. durch Meister, Innungsherbergen, Gesellenheime für die Handwerksgesellen; durch Asyle, Verpflegungsgutscheine, Pflicht zur Obdachlosenbetreuung, kirchliche Herbergen für die Vagabunden. Es besteht ein Zusammenhalt innerhalb des fahrenden Volkes durch eine gemeinsame Kundensprache, durch Verhaltensregeln, einen Ehrenkodex und ausgeprägte Kameradschaft. Eine Hierarchisierung der Heimatlosen in unterschiedliche Gruppen (Speckjäger, Dirnen, Vagabunden, Kunden) mit unterschiedlichem Ansehen führt zu eigenen sozialen Strukturen.
* 6.9.1888, Bildhauer und Graphiker, stammt aus Berlin und lernte dort
an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbes, studierte dann an der Karlsruher
Akademie Bildhauerei und Graphik. Seine beiden Wanderungen fanden wahrscheinlich
nach 1906 statt, jedoch vor dem Ersten Weltkrieg und dauerten zumindest
mehrere Monate. Das erste Mal reist er mit dem Maler Bröker und seinem
Bruder nach Florenz und Venedig. Auf der zweiten Reise begleiten ihn Cassian
Eisenzahn und Tönchen Strömer, ein Ungarn. Beide spielen Geige,
Hasemann schlägt die Laute und gemeinsam verdienen sie ihr Geld mit
der Musik in Wirtshäusern, auf der Straße oder bei Privatpersonen.
Wenn sie gut verdienen, leben sie in teuren Hotels und Gasthöfen,
werden bei Reichen gut verköstigt, denen ihre Musik gefällt,
dann wieder knurrt ihnen der Magen und sie reißen Platte. "Lagen
wir heute auf dem Schutthaufen, morgen speisten wir dafür im Hotel
Milano am Canale grande in Venedig, zwischen englischen Pfarrern und reichen
Kaufleuten." Einmal reicht ihnen eine Mark für das tägliche
Essen und die Unterkunft, ein andermal schlagen sie in zwei Tagen zweihundert
Mark auf den Kopf, um dann wieder mit leeren Taschen da zu stehen. "Reicht
unser Geld fürs Nachtquartier? Wenn nicht, so wird gespielt, und
du ... gehst mit dem Teller unter die Leute." Ihre Reise führt
durch den Schwarzwald über Gutach (dort wohnt sein Onkel, der Maler
Wilhelm Hasemann), dann in die Schweiz. Über Montreux, Martigny,
Lyon, Brienz und Simplon tippeln sie nach Italien, dann nach Lugano. Sprach-
und Geldschwierigkeiten überwinden sie immer wieder mit ihrer Musik,
damit verdienen sie Essen und Übernachtung, gewinnen Kontakte und
erhalten oft sogar Geld. In Genua schiffen sie sich auf einem billigen
Kohlendampfer ein, durchkreuzen das Mittelmeer, sind kurz in Ceuta und
verlassen in Gibraltar das Schiff. Zu Fuß geht es über Estepona
nach Malaga, dann mit dem Schiff nach Barcelona und zurück nach Hause.
Hasemann erzählt viel von Frauengeschichten, vom Wein und von Musik.
"Das sind die beiden großen Genüsse dieser Welt - Wein und
Weib, die darf man nicht erkaufen." Sein persönlicher Gewinn
aus der Reise ist es, die Frau gefunden zu haben, die er liebt und mit
der leben kann. "Hinter mir liegen jetzt die Zeiten der Landstraße,
da ich jetzt einen Raum habe, in dem ich schaffen kann und beweisen, daß
wir nicht untergegangen sind im Würfelspiel des Lebens; hinter mir
- und doch sehnt sich mein Gemüt oft nach ihnen." Außerdem
beginnt er mit dem Holzschnitt und hat damit großen Erfolg. Den
ersten Weltkrieg verbringt er an mehreren Fronten. Nach dem Krieg (1917)
veröffentlicht er "Himmel und Hölle auf der Landstraße",
das bis 1922 immer neue Auflagen erlebt, aber sein einziges Buch bleibt;
später werden noch drei Mappen mit Holzschnitten veröffentlicht.
(1.) Eros Thanatos, ein Totentanz. 12 Original-Holzschnitte.
Mit freiem Rhytmus von Felix Lorenz. Berlin. R. Seitz 1921. 2 Bll., 12
Tfll., 49x41 cm (* ca. 1879) reist von Juni 1896 bis Oktober 1898 von Münster durch
Österreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Rumelien, Türkei, Syrien,
Palästina, Ägypten, Italien, die Schweiz und zurück nach
Münster. Er ist gelernter Friseur, lebt unterwegs von Erspartem,
von Geldsendungen der Eltern und von vereinzelten Arbeitsstellen. Neben
seinem Reisebericht, der mehrere Auflagen erlebt, schreibt er einige später
noch ein Buch mit dem Titel "Sollen wir auswandern?" Ihm ist bereits ein
ausführlicher Bericht in dieser Reihe gewidmet worden (s. Agir-Publikation
1). * ca. 1894, Hamburger, ist ein Ästhet und Romantiker, ihn zieht
es nach Italien. Er will Neapel und Rom sehen und Kunst studieren. Als
gelernter Stukkateur und Bildhauer findet er keine Arbeit und ist auf
Betteln und Vagabundieren angewiesen, eine Lebensform, die ihn fasziniert,
die er jedoch nicht in der Lage ist zu praktizieren - er bleibt auf andere
angewiesen. Seine Reise dauert von etwa August 1912 bis März 1913
und führt ihn von Deutschland (Detmold, Nürnberg,) nach Österreich,
Italien, in die Schweiz und zurück nach Hamburg. Auch ihm bietet
diese Reise eine wichtige Erfahrung: er stellt fest, daß er dem
Bildhauer- und Stukkateur -Dasein nichts abgewinnen kann und daß
er als Dichter nicht gut genug ist. Seine Erfüllung findet er, wieder
zu Hause, als Techniker in der Metallbearbeitung. Für Alfred Pfarre
bleibt dies sein einziges Buch; über sein weiteres Leben ist aus
der Literatur nichts zu erfahren.
(* 1904) hat die Volksschule besucht, dann eine Lehre als Installateur
beendet. Die erste Gelegenheit nimmt er wahr, um auf Walz zu gehen. Es
hält ihn nichts in Trier, das Elternhaus flieht er. Sein Vater ist
Arbeiter und hat wieder geheiratet, nachdem seine Mutter bereits 1917
gestorben ist - und auch mit dem Vater verbindet ihn anscheinend nicht
viel. So macht er sich achtzehnjährig etwa Mitte 1922 auf den Weg,
zunächst nach Köln. Ihn faszinieren die vielen unterschiedlichen
Menschen auf der Straße, auch wenn sie ihn ausnützen oder betrügen.
Er sucht und findet Arbeit in Solingen (im Pumpwerk Elb) und arbeitet
dort etwa ein Jahr, bis die Weltwirtschaftskrise ihn in die Arbeitslosigkeit
wirft. Hamburg, München, Friedrichshafen, Konstanz, Ludwigshafen,
Ingolstadt, Eichstädt, Nürnberg, Coburg, Halle, Potsdam, Berlin,
Hamm, Unna sind die weiteren Stationen seiner Reise. Immer wieder versucht
er Arbeit zu erhalten, doch es gelingt ihm nicht. So rutscht er langsam
tiefer und die etwa vier Monate seiner Wanderschaft sind eine stete Gratwanderung
zwischen seinem Verständnis als Handwerksburschen und der Lust, die
er der Wanderung verdankt. Dabei fühlt er immer wieder die Gefahr
abzurutschen, auf der Landstraße zu bleiben, nicht mehr zurück
zu können. Anfangs kann er nicht betteln, ist aber bald ein Profi.
Er fühlt sich zuhause auf der Landstraße: Vielleicht ist das
der Grund, daß er seine Wanderung nach etwa vier Monaten abbricht
und im Dezember 1923 wieder nach Solingen zurückkehrt. Er ist mit
dem Schriftsteller Heinrich Lersch gut befreundet und fängt selber
1932 an zu schreiben: humoristische Arbeitergeschichten, Jugendbücher
und sein Erinnerungsbuch an seine Wanderschaft. Später lebt er in
Hilden/Rhld. * 31.3.1878, + 3.11.1956 Bad Nauheim. Winnig ist Nachkomme der lutherischen
Totengräberfamilie der Stadt Blankenburg im Harz und jüngstes
Kind von zwölf Geschwistern. Nach der Volksschule lernt er Maurer
und arbeitet 12 Jahre in diesem Beruf. Nach der Lehre geht er achtzehnjährig
auf die Walz (Mai 1896 - Mitte 1898) und lernt Braunschweig, Hannover,
Bremen, Bremerhaven, Münster, Recklinghausen, Herne, Essen, Köln,
Rüdesheim und Mannheim kennen. Er fühlt sich bereits als Schriftsteller
und Dichter. Wichtig sind ihm seine Erfahrungen in der sozialistischen
Bewegung, überall in den größeren Städten sucht er
wieder Anschluß, geht zu Vorträgen und Diskussionsabenden.
1900-1902 dient er im Infanterieregiment 46, 1905 wird er Redakteur des
Maurer-Fachblattes "Grundstein", ab 1913 ist er für die SPD
Mitglied der hamburgischen Bürgerschaft. 1918 wird er zum Reichskommissar
des Ostens und zum Botschafter bei den provisorischen Regierungen von
Estland und Lettland ernannt, ab 1.7.1919 ist er Oberpräsident von
Preußen, außerdem Mitglied der Nationalversammlung. Nach dem
mißglückten Kapp-Putsch wurde er von seinem Amt suspendiert
und schied aus der SPD aus. Mittlerweile bewegte er sich politischen bereits
jenseits des rechten Randes der SPD und hatte den Putsch gebilligt. In
einer Biographie von 1933 wird sein "tapferes Eintreten für das
deutsche Volkstum" hervorgehoben. Von 1922 bis 1924 studiert er Geschichte
und Volkswirtschaft und beginnt dann zu schreiben. Auf eine Reihe autobiographischer
Bücher folgen dann Romane, Novellen, Erzählungen und Werke zur
politischen Geschichte und zum Christentum, insgesamt circa 40 Bücher.
Politisch zieht er sich immer mehr zurück, lehnt auch 1933 die ihm
angebotene Führung der deutschen Arbeitsfront ab und bewegt sich
in einem konservativen und christlichen Umfeld. (* 9.10.1854, + 9.10.1942) wandert vier Jahre, von 1872 bis 1876, durch Deutschland (München-Frankfurt), Schweiz, Italien, Österreich-Ungarn, (Zürich-Genf), Tschechei, Frankreich, England und die USA. Dabei sucht er gezielt Stellen, bei denen er als gelernter Elektrotechniker Neues lernen kann, unter anderem arbeitet er bei Edison. Er findet immer Arbeit in Europa und verdient gut, sein Glück verläßt ihn jedoch in Amerika: "Es will mir nicht gelingen, eine Arbeit zu finden. ... Geld brauche ich ganz dringend. Ich hungere schon seit Tagen." Zettler paßt sich an und springt auch auf Züge auf. Auszüge aus seinem Reisetagebuch werden 100 Jahre nach seiner Reise erstmals herausgegeben und vernachlässigen gerade die reisepraktischen Hinweise, sind also für diesen Beitrag wenig ergiebig. Er reist gezielt, weiß, was er will, und nutzt seinen Mut, seine Energie und sein Wissen, indem er ein Jahr nach seiner Rückkehr eine eigene Firma gründet, die heute noch existiert. Damit hatte die Walz ihren Zweck für ihn erfüllt: "Das Tagebuch ist gefüllt, meine Wanderjahre sind zu Ende. Was wird die Zukunft mir bringen?" (1.) Bei der Welt zu Gast. Abenteuer in drei Erdteilen.
Bei der Welt zu Gast. Abenteuer in drei Erdteilen Paul Neff. Berlin 1941. 266p. 3 Bll. OLn. 8° Reisekultur. Von der Pilgerfahrt zum modernen Tourismus C.H. Beck München 1991 Meine Handwerksburschenzeit 1805-1810 Aufbau. Berlin. 1991.430p. kl. 8°. Obrosch Eine Stunde Arbeit auf der Waage In: Zeitmagazin 24.11.1972 Servus Kumpel. Als Landstreicher durch Städte, Dörfer und Herbergen Gütersloh: Bertelsmann 10.-22. Tsd. 1931. 213p. 8° Mit dem Rucksack nach Indien R. Wunderlich. Tübingen. 1927. 255p. 8°. 4 Tfll., 1 Karte, 16 Textabb. Das Land der Sehnsucht Vlg. Dietz Berlin 1925 Aus dem Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen R. Bein. Berlin. o.J. 139p. kl. 8°. OHLn. So sah ich die Welt. Aus dem Weltreise-Tagebuch eines jungen Deutschen J. Oncken. Kassel. 1933. 237p. 8°. Oln. 45 SW-Abb. a. 32 Tfll. Himmel und Hölle auf der Landstraße Behr. Berlin/Leipzig o.J. [1917]. 200p. 8°. 42 Holzschnitte a. Tfll. Biedermeier auf Walze. Aufzeichnungen und Briefe des Handwerksburschen Johann Eberhard Dewald Berlin: Schlieffen 1936. 205p. 8°. OLn Textzeichn. Betteln ist schwerer als Arbeiten In: Zeitmagazin 29. August 1975 8 Tage Betteln brachten mir 31 Mark und 88 Pfennige ein In: Zeitmagazin 7. Mai 1971 Heute vor fünfzig Jahren kostete ein Roggenbrötchen 87 Milliarden Mark In: Zeitmagazin vom 12.10.1973 Wohnsitz: Nirgendwo In: Fernweh Nr. 5 1982, S. 52-53 Sprechen Sie Rotwelsch? In: Zeitmagazin vom 17.1.1975 Tramps In: Fernweh Nr. 5 1982, S. 66-71 Eine Walz zum Balkan Fredebeul u. Koenen. Essen. 2. A. o.J. 316p. 8°. Zeichn. i. Text. Probandus. Die Geschichte einer Wanderschaft Hanseatische Verlagsanst. Hamburg. 1923. 248p. 8°. OLn. 16 SW-Abb. a. 16 Tfll. Tippelei um die Welt. Dem Glücke nach durch 36 Staaten Volkskraft. Berlin. 1934. 8°. 247p. 32 SW-Abb. a. 16 Tfll. Land und Leute in Italien. (=Langenscheidts Sachwörterbücher) Berlin o.J. (ca. 1906)454p, 44p, 16p. OLn kl. 8° Mit Schlapphut, Stenz und Ehrbarkeit Rheinischer Merkur 23.11.1985 Auf zerrissenen Sohlen. Mein Vagabundenbuch Herder. Freiburg/Br. 1942. 336p. 8°. OHLn. Landstrasse - Kunden - Vagabunden. gerhardt. Berlin. 1980. 367p. 8°. OBrosch. Zahlr. SW-Abb. i. Text u. a. Tfll. Männerbande - Männerbünde Rautenstrauch-Joest-Museum Köln 1990 Der Rompilger Herder, Freiburg, 1904 10,5 x 16,5cm, OLn, 423p, Frontispiz, 110 Abb. i. Text, Eisenbahnkarte u. Stadtplan. Das Buch Wanderschaft Hanseatische Verlagsanst. Hamburg. 1941. 329 p. 8°. OHLn. 10 Textzeichn. Deutsche Gaunersprache. Wörterbuch des Rotwelschen Buske Verlag Hamburg 1993
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