|
|
Künstlername ROX.
|
|
3 This is the german acrobat, nice
guy
Von Kindesbeinen an war Bewegung sein Ziel, eine Tätigkeit als Handwerker oder gar sitzend im Büro für Rox völlig undenkbar. Die Liebe gehörte dem Zirkus, Clowns und Akrobaten faszinierten ihn. Doch in den Zirkus muß man hineingeboren werden, Außenstehende hatten (und haben) es schwer. "Das fahrende Volk... besitzt den Glanz und die Unnahbarkeit der Ausgepfiffenen und Verdorbenen." So blieb ihm die Akrobatik und ihr angesehenes Pendant, das Kunstturnen. Als Kind wollte ich Förster, Feuerwehrmann, Lokomotivführer werden, als Kind, wenn man mich fragte. Und als ich dann einen handwerklichen Beruf erlernte, da spürte ich schon, Fabrik und so, das ist nicht meine Blutgruppe. Nicht aus Arroganz, nein, nein, nicht aus Arroganz meinem Elternhaus gegenüber, die aus kleinem handwerklichem Milieu kommen, nicht deshalb. Nein, ich spürte, da muß doch noch etwas sein, das kann nicht alles sein. Ich machte auch die Gesellenprüfung als Spitzendreher, aber ich habe kaum als Geselle gearbeitet, da wurde ich schon einberufen, für die zweite Weltdummheit. Ich habe aber da schon gepeilt auf Sportlehrer, ich hab´ geboxt, gut, aber ich war kein Meister: gegen Polen, gegen Warschau hab´ ich immer verloren. Ich weiß noch: Mein erster KO, den ich erlebte - da ging das Licht aus, ich mach´ die Augen auf, da seh´ ich vor mir Schnürsenkel. Da wußte ich, du bist KO. [Lacht] Ich war technisch gut, im Schachspiel der Fäuste, aber ich hab´ nicht diesen Touch, dieses American Puncher-Temperament. Ich hatte mir auch die Schlaghand mal kaputt geschlagen, konnte nicht mehr aktiv sein. Dann stieß ich auf die Turner. Da hab ich gesehn, die echten Turner, wie die am Reck ihre Übungen machten - die Bogenübungen und die Handstände drückten und am Pferd, Flanken, Scheren, am Barren durch die Luft rollten - das gefiel mir! Und der Zirkus war ja sowieso schon für mich eine Faszination. Aber im Zirkus konnte ich nicht sein, also war für mich Turnen so ein Ersatz-Zirkus.... Was ich wollte? - Ich war nicht so zielstrebig, ich meine, ich wußte immer, was ich wollte, das stimmt schon. Ich war schon einer, der einen Biß hatte für irgend etwas. Aber auf lange Sicht, so Zukunftsdenken, Sicherheiten... und dann steigste hoch zu dieser Position, bis zum elitären Fenstersims - das war nicht in meinem Pulsschlag drin. Ich war beim Amateurboxsport und ostpreußischer Jugendmeister im Federgewicht... Und wenn im Turnverein in Königsberg irgendwelche Festlichkeiten waren, Weihnachtsfest, Gründungsfest und so, hatten wir ein buntes Programm. Und dann brauchte man auch so ein paar lustige Darbietungen, turnerische, lustige, und da war ich ein kleines As. Ich bin oft in den Zirkus gegangen und habe mir da was abgeluchst, hatte schon so einen unerklärlichen Hang zur circensischen Kultur. Und an diesen Abenden vom Turnverein habe ich dann meine akrobatische Clownerie gezeigt. Zur Freude des ganzen Vereins. Und wenn andere Vereine Festlichkeiten hatten, wurde ich immer ausgeliehen, ich war sehr stolz darüber, da gab´s nen Schulterschlag, Händedruck, eine Tafel Schokolade als Gage. Das war alles, reichte doch.... Ich war Kunstturner und mit Helmut Banz war ich zusammen 1938 in Dresden, bei der Deutschen Jugendmeisterschaft im Kunstturnen."
Die Ostsee vor der Tür, zog es ihn natürlich auch aufs Meer. Rox war Rettungsschwimmer bei der DLRG und segelte: Als junger Sportler hatte ich ja auch die Ausbildung im ostpreußischen Segelverein. Da haben wir Regatten gesegelt, ich war Vorschiffsmann."
Der zweite Weltkrieg, die "Weltdummheit", wie Rox ihn nennt, nahm ihm nicht nur die Entscheidung aus der Hand, sondern zerstörte eine Jugend, wie sie viele Jugenden zerstörte und Leben auslöschte. Rox gehörte der großdeutschen Turnermannschaft an, die 1940 bei den Olympischen Spielen in Japan antreten sollte. Doch die Spiele fielen aus und Rox fand sich in Uniform. Und dann hab ich Helmut Banz wiedergetroffen im tiefen Winter in Rußland in Chargoff. Wir konnten uns erinnern, und da haben wir eine Doppel-Recknummer gemacht. Gibt es noch Fotos davon. Aus zwei Recks aufgebaut, und da waren noch russische Turner dabei, die in Gefangenschaft waren, die da mithalfen. Da hatten wir ein Programm für die verwundeten Soldaten. Wir mußten so ein buntes Programm zusammenschustern, und da meldete ich mich. Ich hatte `ne Fußverletzung, aber am Reck konnte ich schon was machen. Nur keinen guten Abgang.
Aufgrund seiner seemännischen Ausbildung kam er zur "Flugsicherung See" und war Bordfunker beim fliegenden Personal. Nach dem Krieg verbrachte er einige Zeit in einem Gefangenenlager in Belgien, war Sparringspartner für englische Soldaten. Und wieder unterhielt er die Gefangenen mit clownesken Einlagen und akrobatischen Darbietungen. Sein Künstlername entstand in dieser Zeit, als "Schulz" war ein Auftritt einfach unmöglich. Ausgelöst durch eine XOX-Keksdose fand er zu Rox. In Hongkong, als er sich einen Paß ausstellen ließ, fand dieser Name auch offiziell Eingang in die Papiere. Gefragt, was er dann nach seiner Entlassung bis zum Beginn seiner Weltreise so gemacht hat, antwortet er: Hier in Europa getingelt, als Artist. Ich war Mitglied der Internationalen Artistenloge. Meine Nummer wurde im Palmengarten in Frankfurt von einem Gremium gecheckt, von Fachleuten aus Amerika. Ich bekam dann ein Permit. Da wurde klassifiziert: ich bekam sogar die A1. A1 war eine ziemlich hohe Standardnummer, das ging bis B und C, und ich hatte die Nummer A1, die Karte ist noch in meinem Besitz. Und dann tingelte ich von Hamburg nach München, in der französischen Zone, hier in Saarbrücken war ich auch, im Johannishof, oder im Kino, Night-Clubs, Revuen. Und ich hatte nur ein Zettelchen, da stand druff, der Heinz Schulz ist ein netter Mensch, laßt den laufen, laßt ihn ziehen, ungefähr so.
Im Zirkus bin ich auch gelandet, aber erst später, als meine Nummern ein bißchen stabil wurden. Zuerst war ja das nichts, was ich zeigte, als Turner. Aber dann packte mich der Ehrgeiz und ich wurde eine ernstzunehmende Darbietung auf dem internationalen Artistenmarkt unter dem Künstlernamen ER O IKS, Rox. Ich mußte ja einen Künstlernamen haben, wie man so sagt, einen Artistennamen, und dachte, mit was für einem Namen soll ich dann tingeln: Chapinelli, Kakidelli und Ox, Mox, Nox, ach, da blieb ich beim R hängen, Rox. So entstand das Er O IKS. Aber ich hab´s auch mal geschafft, als Solonummer im Zirkus in der Manege zu arbeiten und das war in München der Fall, das war in Frankfurt der Fall, das war in Augsburg bei Holzmüller und und und. | |
|
Mein Trick waren ja die zwei Weinflaschen Hals auf Hals übereinander gestellt, einarmiger Handstand. Und ich hab gearbeitet als, wie man so sagt, Dandy mit dem Koffer mit der Flasche. Eine akrobatische Exzentrik-Komödie nannte ich mich. Also nicht muskelbepackt. Dann hab ich den Gummitanz gemacht, Grotesk-Tanz, und dann die Akrobatik mit den zwei Flaschen. Und das war gerade sowas für Night-Clubs, auch für die amerikanischen Varietés und Clubs. Und so kam ich von einer Stadt zur anderen und die Gagen konnte ich
nicht so hoch treiben, weil, man merkte ja, die Agenten, daß ich
aus keener Artistenfamilie komme. Die alten Artisten da, mit denen ich
zusammen war, wußten ganz genau: ein Turnerchen kommt wieder zu uns.
Es waren ja viele Artisten zur damaligen Zeit, die aus dem Turnerleben
kamen, da war ich nicht der erste. Und da hat man das auch akzeptiert,
nach dem Krieg.
|