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Die Ritter der Landstraße

Die reisenden Helden aller Zeiten sind meist tragische Gestalten: der Ritter Don Quijote, der Tramp Charlie Chaplin oder Dennis Hopper in Easy Rider. Auf den Spuren der Helden von Karl May, Jack London und B. Traven reisen nun schon fast vier Generationen.  

Jeder Reisende ist ein Künstler auf seinem ureigenen Gebiet, dem Wandern. Jede große, wahre Reise ist ein Einzelstück, paßt in genau eine einzige Lebenssituation. Die Summe dieser Reisen zeigt das Leben als Gesamtkunstwerk.

Das kann, muß sich aber nicht in seinem literarischen Ausdruck spiegeln. Das Archiv beachtet daher Zeugnisse des individuellen Reisens, des authentischen Erlebens, ungeachtet der literarischen Form und Qualität. Das steht im Gegensatz zur allgemein vebreiteten Beurteilung der Reiseliteratur nach literarischen Kriterien: In welchem Grade sind die Reiseerlebnisse literarisch vergoren?

Das Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens,  AGIR, sammelt und ordnet sehr persönliche Schnappschüsse des Lebens als Reise und zeigen eine Welt, die nie mehr sein wird.

Abenteurer, Alleinreisende, Aussteiger, Auswanderer, Bergsteiger, Biker, Exilanten, Ferntouristen, Flaneure, Fremde, Gammler, Globetrotter, Gottsucher, Heimatlose, Hippies, Hobos, homo viator, Jet-Setter, Kreuzfahrer, Krieger, Missionare, Neugierige, Radreisende, Raubritter, Reiseleiter, Reiseschriftsteller, Revolutionstouristen, Scholaren, Seeleute, Singles, Sonntagsfahrer, Spaziergänger, Stadtstreicher, Touristen, Tramps, Träumer, Traveller, Trickbetrüger, Wallfahrer, Wandervögel, Weltreisende …

Eine Geschichte der Fußreisen

Die ursprünglichste, intensivste, unmittelbarste Form des Reisens ist die Fußreise. In ihr wird besonders deutlich, was das Reisen dem Menschen bedeutet. Ob es ihn gegeben hat, den ersten Reisenden, den Columbus zu Fuß?

  • Teil 1: Jäger, Sammler, Nomaden, Reisen der Seßhaften, Pilger, Fahrendes Volk, Walz ...
  • Teil 2: Wissen ist Macht, Die Hexe auf dem Zaun, Wandern als kultivierte Fußreise
  • Teil 3: Literatur

Es war einmal ... ein Reisender, der aufbrach in eine unbekannte Welt. Jeder Tag war voller Wunder und Gefahren, hinter jedem Horizont lagen Paradies und Hölle, Märchen und Sagen, Götter und Dämonen, Angst und Hoffnung. Unserem wandernden Urahn schien die Welt unendlich. Tiere, Bäume, Landschaften ließen sich ein erstes und letztes Mal schauen. Niemals kehrten diese ersten Augen-blicke wieder. Tags zuvor noch waren Räume unbetreten, voll unendlicher Möglichkeiten, dann brach Realität hinein, Dinge wurden gesehen, gehört, getastet, gerochen und geschmeckt – erstmals wahrgenommen von einem Wanderer.

Zehntausende, vielleicht hunderttausende Jahre begann dieses Märchen immer wieder neu. Undenkbare Universen wurden Schritt für Schritt ins Bewußtsein geholt und auf ein menschliches Maß gestutzt. Je mehr Raum wurde, desto kleiner geriet die Erde. Sie unterwarf sich um einen hohen Preis: Tag für Tag starben die Träume. Unsere Ahnen durchschritten die Erde, nahmen sie wahr und schufen sie neu.

Artisten, Bärenführer, Boten, fahrende Händler, Gast, Handwerksburschen, Jäger & Sammler, Kain & Abel, Kundschafter, Marathonläufer, Musikanten, Nomaden, Pilger, Reisläufer, Schäfer, Tippelbrüder, Tippelschicksen, Trekker, Walzbrüder, Wanderarbeiter, Vaganten,

Fahrendes Volk - Die Ritter der Landstraße

In Trittlingen unterwegs

  • Teil 1: Inhaltsübersicht und erster Abschnitt: "Meister, gebt mir die Papiere"
  • Teil 2: Abschnitte 3 bis 9: Die Walz als Gratwanderung - Vom Gesellen zum Vagabunden
  • Teil 3: Biographische Notizen und Literaturliste
    Arminius Hasemann,
    Franz Heinrichs, Alfred Pfarre, Mathias Ludwig Schroeder, August Winnig, Alois Zettler, Mario Appelius

Die Straße als Ghetto und Warteraum für Arbeitslose

"... den Austausch handwerklicher Erfahrungen, die Förderung im Beruf, das Kennenlernen fremder Länder und Leute. Diese Zwecke meinten wir und meinten, damit den Sinn der Wanderschaft getroffen zu haben, im Grunde aber wußten wir wohl, daß er woanders lag ... Die Wanderschaft war vom Menschen her gesehen eine Probe seines Mutes und seines Selbstvertrauens. An jeden jungen Gesellen war mit der Wanderschaft die Frage gestellt, ob er den Mut hatte, auf den Rückhalt der Heimat zu verzichten, auf die Behütung und Sicherung im Elternhause, auf Rücksicht und Beistand, wie die heimatlichen Verbundenheiten sie gaben, und ohne jeden Rückhalt, ohne Behütung und ohne Schonung zu leben. Denn das hieß Fremde. Die Fremde war grundsätzlich nur Verneinung der Heimat. Wer in die Fremde ging .... mußte alles, was er an Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Wärme brauchte, neu erwerben. ... und wurde er mit der Fremde fertig, so kam er mit Kräften zurück, die er vorher nicht gehabt hatte und die ihn nicht nur im Beruf über die Daheimgebliebenen hinaushoben. Es war der Sinn der Fremde, daß man sie annahm und verstand."

Die Straße als Ghetto, Abdecker, Akrobaten, Athleten, Bacchanten, Bettelvogt, Bettler, Deserteure, Diebe, Fahrendes Volk, fahrende Schüler und Studenten, Gauner, Glückshafener, Hausierer, Heiden, Henker, Huren, Juden, Kesselflicker, Kriegsversehrte, Krüppel, Kunden, Landstreicher, Leirer, Lepröse, Misselsüchtige, Polizei- und Gerichtsdiener, Quacksalber, Riemenstecher, Sackpfeifer, Scharfrichter, Schausteller, Scherenschleifer, Schinder, Spielleute, Steinschneider, Urinbeschauer, Wenden, Wunderdoktoren, Zigeuner…

Die Reisen des Arthur Heye

Fanatiker der Einsamkeit.

Mit der Flucht des Vierzehnjährigen aus seinem Elternhaus beginnt ein Reiseleben auf allen Kontinenten und Meeren.

  • Teil 1: Inhaltsübersicht, Vorbemerkung, Kurzbiographie
  • Teil 2: Die Reisen Artur Heyes
    1899-1934
  • Teil 3: Fortsetzung Die Reisen Artur Heyes
    1899-1934
  • Teil 4:Überblick und Literatur mit einer Heye-Bibliographie
"Warum zum Teufel ließ ich mir schon den dritten Sommer hindurch tagsüber Blut und Gehirn von der Sonne der Wüste ausdörren und nachts die Knochen von Eiseskälte durcheinanderschütteln? Warum gab ich Läusen und Flöhen, Wanzen und Zecken Gelegenheit, mich zu peinigen? ... Wer zwang mich denn, mir den Magen fortwährend mit dungstinkenden dürren Brotfladen, mit ranzigen Ölsardinen, versalzenem und versandetem Tee und Kaffee zu füllen? War es auf die Dauer erträglich, keine Menschen zu haben, mit dem ich auch andere Gespräche führen konnte als über Pferde und Kamele, über das mehr oder weniger bittere oder salzige Wasser des nächsten Brunnens ... Ich träumte davon Bücher zu lesen, Theater und Musik zu genießen, in Muße gut zu essen und zu trinken, mich sauber zu halten und anständige Wäsche und Kleider zu tragen ..."

Pilger, Walzbruder oder Globetrotter?

Franz Heinrichs

Mit Knotenstock und Ränzel.
Die Fußreise des achtzehnjährigen Friseurs Franz Heinrichs 1896-1898 von Münster nach Jerusalem und zurück.

 

"Schon in der frühesten Jugendzeit war mein [Heinrichs] sehnlichster Wunsch, zu reisen. Nicht per Bahn oder per Schiff, nein, auf Schusters Rappen wollte ich die Welt durchwandern. Durch meiner Hände Arbeit wollte ich mir mein Brot verdienen. Abwechselnd arbeiten und weiterziehen war mein Vorhaben. Darum erlernte ich auch das Handwerk, das mir, obgleich meinen Wünschen nicht ganz entsprechend, zum Wandern am vortrefflichsten schien: ich wurde Friseur, oder, wie es unter Walzbrüdern heißt, `Doktor der Schaumschlägerkunst´."

Die einsamen Reisen des Kurt Faber

Weiter, weiter...

Kurt Faber schilderte seine einsamen Reisen von 1901 bis zu seinem Tod in Kanada 1929

in mehreren Büchern: drei Jahre im nördlichen Polarmeer, mit dem Pferd durch Südamerika, mit dem Rucksack nach Indien …

Nach sieben Jahren kehrt Faber erstmals heim: "Stundenlang wanderte ich durch die engen Straßen der alten Stadt, und wunderte mich bei jedem Schritte, daß eigentlich alles noch so war wie damals. Nach all den Irrfahrten und Abenteuern der letzten Jahre wäre es mir viel natürlicher vorgekommen, wenn irgend etwas unerhört Neues inzwischen hier aus dem Boden gewachsen wäre. Daß aber im Grunde genommen sich gar nichts geändert hatte .... das kam mir unsagbar komisch vor. ... Gar manches, was ich mir einst gewünscht, war nicht in Erfüllung gegangen, die Schätze, von denen ich geträumt, waren zu Schall und Rauch geworden, die schönen Jahre unwiederbringlich verloren. Und doch - wie nun die Gedanken schnell noch einmal zurückeilten über Länder und Meere, da war alles schön und gut, trotz allem. ... Ich mochte nichts davon missen, nicht einen einzigen Tag!" 

Das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins -

 

Die berühmteste Flucht des 20. Jahrhunderts, nach Tibet zum Dalai Lama, wurde mit Brad Pitt verfilmt. Gesehen wird sie meist aus Sicht Heinrich Harrers, der das berühmteste Buch dazu schrieb. Vier seiner Mithäft- und -flüchtlinge haben jedoch ebenfalls in Büchern von dieser Flucht berichtet und da sieht das alles ein bißchen anders aus ... Hier werden diese Perspektiven gegeneinander gesetzt. Diese eine berühmte Flucht wird eingebettet in andere Reisen in Zeiten der Not und Gefahr, kurz vor und während eines Krieges.

  • Teil 1: Inhaltsübersicht & Vorwort
  • Teil 2: Die Flucht aus Dehra-Dun
  • Teil 3: Erfahrungen auf der Flucht während der beiden Weltkriege
  • Teil 4: Weltreisen im Weltkrieg (Günter Plüschow, Ernst Killinger)
  • Teil 5: Bedingungen von und Verhalten  in Zwangssituationen
  • Teil 6: Biographische Notizen mit Literaturangaben (von Kurt Aram bis Ludwig Schmaderer)
  • Teil 7: Literaturliste "Flucht"

Kopp, ein Mitgefangener Harrers: "Wenn ich mich trotzdem mit Fluchtgedanken trug, so bedarf das keiner näheren Erläuterung: jeder, der einmal längere Zeit hinter Stacheldraht lebte, wird das verstehen. Das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins, des nutzlosen Ausharrens in einer klimatisch so ungünstigen Zone und auch ein Körnchen Abenteuerlust waren die wichtigsten Beweggründe für meinen Plan ... Von jeher galt mir Freiheit als das Höchste. Schon als Kind begriff ich etwas von ihrem unschätzbarem Wert und fühlte mich nur dort wohl, wo ich meine eigenen Wege gehen und tun und lassen konnte, was ich wollte. Jedem Zwang verschloß ich mich oder suchte ihm zu entrinnen. Soweit ich zurückdenken kann, beseelten mich Abenteuerlust und eine unbändige Sehnsucht nach Unabhängigkeit, Wesenszüge, die denn auch mein ganzes bisheriges Leben mitbestimmten." 

König der Globetrotter

Rox-Schulz

Künstlername ROX

Der "König der Globetrotter" (Spiegel) feierte 2001 seinen 80. Geburtstag. Heinz Rox-Schulz tingelte ab 1950 mit seinem einarmigen Handstand auf Flaschen um die Welt und präsentiert seine Reisen heute im Abenteuermuseum Saarbrücken. Basierend auf einem Interview mit Heinz Rox-Schulz.

  • Teil 1: Inhaltsübersicht, Vorbemerkung, Kurzbiographie und erster Abschnitt: "This is the german acrobat, nice guy"
  • Teil 2: Fortsetzung der Lebensgeschichte von Rox
  • Teil 3: Reisen nach dem Zweiten Weltkrieg
  • Teil 4: Literaturliste
Reisen in der Nachkriegszeit

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