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Fanatiker der Einsamkeit
Die Reisen des Arthur Heye
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auch auf der besonderen Zusammenstellung!
© 1996 by
Archiv zur Geschichte
des Individuellen Reisens - AGIR
Du Gehender, es gibt keine Wege,
nur die Fährten des Windes auf dem Meer.
Antonio Machado
Rund ums Mittelmeer
Zu Fuß, mit Bahn und Schiff bummelt er bis November durch Italien
und Sizilien. Dort lernt er Capitano Pedro Carras vom Segelschiff Stella
Mare aus Barcelona kennen, hilft ihn bei einer Keilerei, segelt dann mit
ihm nach Barcelona. Dort zieht es ihn in den wärmeren Süden,
nach Sevilla und Gibraltar, und weil es partout nicht wärmer werden
will, landet er schließlich in Tanger.
Obwohl seine Ausgaben in den ersten Wochen die Einnahmen übersteigen,
ist er bei der Ankunft in Marokko entschlossen, Reisen und Schreiben fortan
als einzigen Beruf zu betrachten und nebenher noch einige andere Zeitschriften
mit seinen Artikeln zu beehren. Er entwirft einen groben Plan für
seine Weltreise, die er auf fünf bis sechs Jahre ansetzt, kauft sich
zwei Maultiere und engagiert Assul "einen komischen, kleinen Mann mit
einer überlebensgroßen Nase, der sich um geringen Lohn als Diener
und Begleiter bis nach seiner Heimat Tripolitanien anbot".
Drei Monate zieht er die Küste entlang, durch das Rif-Gebirge und
die Wüste, aber überall im Rif-Gebirge stößt er auf
glühenden Haß und eisige Ablehnung; sie werden mit Steinen beworfen
und beschossen. Begleitet werden sie bis Melilla von drei schwedischen
Gelehrten, darunter ein Professor Lundstein. Ein nächtlicher Überfall
kostet sie zwei Maultiere und den Schnapsvorrat seines Faktotums Assul:
"...wenigstens
zweimal in der Woche war er voll und dreimal nicht nüchtern, und der
Menschen, von denen er in Frieden schied, waren wenige." Über
Oran und Orléansville ziehen sie nach Boghari und dem Schott el
Hodna.
"Von diesem langen Wege gibt es nicht viel zu berichten. Unvermeidliche
Strapazen, gelegentliches Hungern, Dürsten und Frieren, ab und zu
ein Rausch meines getreuen Knappen - das ist alles." Batna, Philippeville,
die Oase Ain Baida, die Grenze nach Tunesien bei Kalaa es Senam sind weitere
Stationen. Eines Tages wirft ihn sein Pferd ab, Heye fällt in eine
Kakteenhecke. Es kommt zu Entzündungen und Fieber, ein Arzt empfiehlt
zur Heilung die See. So reisen sie von Susa nach Tripolis mit dem Schiff,
dann nach Bengasi. Vier Monate begleiten sie Colman, einen amerikanisch-arabischen
Forscher. Bei Bengasi schließen sie sich dessen Freund, dem Sub-Chef
der ägyptischen Polizei, Mohammed Pascha, an und begleiten ihn auf
einer Dienstreise. Heye durchquert erneut die libysche Wüste, besucht
seine Freunde, die Welad Ali, hält sich sechs Wochen in Ägypten
auf und reist dann in den Sudan.
In erster Linie eignen sich für die
Verteidigung
gegen Wilde natürlich Gewehre.
Falls die Umstände es erlauben,
sollte man auch heißen Sand
oder siedendes Wasser in Betracht ziehen.
Beides wirkt sehr gut auf der nackten Haut der Wilden.
The Art of Travel, London 1855
Ins Innere Afrikas
In Kairo ließ er sich aus Zeltstoff einen Rucksack schneidern.
Mit dem Zug fährt er von Abu Simbel nach Chartum. Dort wird ihm ein
Ausreisevisum nach Abessinien über Dakhlar verwehrt; auch eine Audienz
beim damaligen Gouverneur, Lord Kitchener, ändert daran nichts. Seit
Wochen tobten blutige Kämpfe im Grenzgebiet und die britische Regierung
will die Verantwortung für seine Reise nicht übernehmen. Heye
fährt daraufhin über Port Sudan nach Massaua am Roten Meer, dann
nach Asmara, kauft sich Reit- und Lasttiere und verpflichtet zwei Mann
als Führer und Begleiter, einen halbtauben Galla namens Manas und
einen alten, etwas wackligen Abessinier.
Zehn Tage lang ziehen sie durch Schlamm, denn täglich gehen Gewitter
nieder und Regenfluten reißen den Boden auf: Die Regenzeit hat früher
eingesetzt und ist ergiebiger als normal. In Adi Quala betreten sie abessinischen
Boden. Bei der ersten Flußdurchquerung gehen allerdings fast die
gesamten Geldmittel verloren: 380 Mariatheresientaler, die damals gangbare
Münze in Abessinien. Mit dem verbleibenden Geld ist an ein Weiterreisen
nicht zu denken, Heye kehrt mit dem Galla um, der Alte zieht weiter. Auf
einer Dhau schifft er sich nach Assab ein und nimmt den Dampfer nach Aden.
Hier warten fünfhundert Mark auf ihn und ein Brief, der ihm die Mittel
kürzt. Nun heißt es billig reisen.
Das billigste Reiseland soll Somalia sein und Heye begibt sich an Bord
des italienischen Passagierschiffes "Roma" dorthin. Bis Mogadischu bekommt
er noch einiges über Somalia zu hören, doch alle Informationen
betonen eines besonders: "Fremden gegenüber schienen sie nur eine
einzige Sitte zu kennen, und die war allgemeingültig, schlicht und
eindeutig: sie schnitten ihnen die Köpfe ab!" Auch der erste Eindruck
von Mogadischu kann ihn nicht aufheitern, da: "...die Hauptstadt von
Italienisch-Somaliland außer dem Regierungsgebäude aus sechs
Europäer- und etwa zweihundert Eingeborenenhäusern bestand, aus
einem Baum - wirklich nur einem einzigen! - aus etlichen Abfallhaufen und
zahlreichen Hunden und Katzen." Nach den ersten Reaktionen hört
er lieber auf, von seinem Vorhaben, Britisch-Ostafrika auf dem Landweg
zu erreichen, zu reden: Man lacht ihn einfach aus. Dann findet er doch
noch einen Reisegefährten, der gleichwohl allen Grund hat unerkannt
zu reisen und die Engländer zu meiden: "Ich heiße Abd er
Rachman. Das ist der Name, unter dem ich in früherer Zeit Allah gedient
habe, und unter dem ich ihm künftighin weiter dienen werde. Nur noch
Allah allein! In den letzten Jahren habe ich einem anderen gedient, einem
Streiter für den Islam - ihr nennt ihn El Machnun. ich war einer seiner
Emire, und man kannte mich unter dem Namen El Sef el Mullah." Idris,
ein riesiger Schwarzer und Diener von Abd er Rachman, begleitet die beiden.
Beim Abschied rät ihm ein italienischer Feldwebel: "Schießen
sie auf jeden Somal, der sich ihnen auf zehn Meter nähert! Sonst schleudert
er ihnen sein Messer mit tödlicher Sicherheit ins Herz!"
Die Somali verkaufen kein Wasser, so daß eine Reise durch ihr
Gebiet zum ständigen Kampf gerät. Kleineren Bedrohungen folgt
am vierten Reisetag der erste Überfall; bei den Somali gibt es Tote
und Verwundete. Auch die beiden nächsten Tage bringen wieder je einen
Überfall, mit ähnlichem Ergebnis. Dann treffen die drei auf die
Karawane des Tierphotgraphen Sir Godfrey Kingsley Burton und schließen
sich ihr an. Am siebten Tag passieren sie das letzte somalische Dorf und
gelangen nach Chisimaio in Britisch-Ostafrika. Abd er Rachman und Idris
gehen ihre eigenen Wege, Heye bleibt bei Burton. Mittlerweile ist es November
1913.
Erst das Auge schafft die Welt.
Christian Morgenstern
Der Weg zum Tierphotographen
Mit Burton begegnet ihm mal wieder das Schicksal: Heye ist fasziniert
von dessen Tierphotos und wird zu einem gelehrigen Schüler. Die ihn
in Chisimaio erwartende Post bestärkt ihn in darin, künftig als
Tierphotograph zu arbeiten. Die Mußestunde knausert mit dem Geld
und will Photos, auf denen nur noch Heye zu sehen ist. Gleichzeitig bietet
ihm Dr. Morgenstern in einem Brief neue Publikationsmöglichkeiten
an. Heye schreibt sich durch ganz Kenia, Burton schenkt ihm seine alte
Reiseschreibmaschine, eine "Remington Portable". Heye geht ganz
in der Planung künftiger Safaris auf und rechnet mit einem Bedarf
von etwa zehn Trägern, deren jeder monatlich 40 Schweizer Franken
erhält, so daß er monatlich mit dreißig englischen Pfunden
rechnet. Das ist schon arg geknausert, denn Burton ging nie mit weniger
als dreißig Leuten.
Sein erster Ausflug führt ihn zusammen mit seinem schwarzen Begleiter
Tumbolianiumo an den Victoria-See. In der Intermediate-Klasse (genauso
eingerichtet wie die dritte Klasse, aber abgetrennt für Europäer
ohne Geld) fährt er nach Kisumu. Dort angekommen bemerkt er, daß
die Kawirondo allesamt nackt herumlaufen: "Die englische Regierung,
die Missionen und Schulen bohren schon seit Jahrzehnten an diesen ungläubigen
Kawirondo herum, aber auf irgendwelches Schamgefühl ist der Bohrer
in ihren verstockten Seelen noch nicht gestoßen. Wohl aber nach übereinstimmendem
Urteil auf eine erstaunliche Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit ... und einen
ausgeprägten Familiensinn." Einige englische Damen einer menschenfreundlichen
Gesellschaft ließen tausende knallrot gefärbter Wolldecken herschaffen.
Die Kawirondo nahmen die Wolldecken dankbar an und trugen sie dann als
Turban auf dem Kopf. Der Rest des Körpers blieb weiterhin nackt.
Heye durchfährt die Reservate, sieht ungeheure Mengen an Wild,
tausende Gazellen, Antilopen, Buch-, Spring- und Wasserböcke, Gnus
und Säbelantilopen, Büffel, Strauße und Zebras. Im April
1913 ist er wieder in Nairobi. Die Stadt ist gerade erst 15 Jahre alt.
Alles scheint provisorisch, viel Wellblech, Pappe und Holz ist zu sehen
und neben "halbnackten, speerbewaffneten Negern und drängenden
Viehherden sausten Automobile, Motor- und Fahrräder durch die schlammigen
Straßen". Nachts heulten Schakale vor dem Hotel an der Mainstreet.
Im Augenblick des Zusammenkommens
beginnt die Trennung.
Singhalesisches Sprichwort
Tierphotographie im Paradies
(1913-1914)
Burton ist immer noch in Nairobi und leidet schwer an seiner Malaria
und an einer kranken Leber. Er betrachtet Heye als seinen Schüler
und hilft ihm, die erste richtige Safari vorzubereiten. Das Kartenstudium
ist dabei allerdings weitgehend sinnlos: "Es war eine große Karte
des Wildschutzgebiets, die er aus der Mappe nahm und auf seiner Decke ausbreitete.
Das Charakteristischste auf der fast weißen Fläche bildeten
die beinahe über das ganze Gebiet hinweggedruckten Buchstaben <W.W.W.A.I.>,
die Abkürzung für <Without Ways, Water and Inhabitants>...".
Er sucht sich sechs Unyamwezi als Träger, einen riesenhaften Kavirondo-Mann
namens Mlomu und Mze, einen Massai-Mischling aus der Gegend von Taveta
aus: "Als Höchstgewicht einer Trägerlast gelten dreißig
Kilogramm, als durchschnittliche Tagesstrecke rechnet man zwanzig Kilometer.
Aber man stelle sich einmal vor, was es heißt, zwanzig, oder wenn
es sein muß, auch dreißig, vierzig, ja fünfzig Kilometer
mit einer Last von einem halben Zentner auf dem Kopfe in tropischer Sonnenglut,
durch pfadlose Gras-, Busch- und Waldwildnisse, durch unergründliche
Sümpfe und brückenlose Flüsse, über viele tausend Meter
hohe wilde Gebirge und brennendheisse Salz- und Sandflächen zu marschieren!
Und das tage- und wochen-, ja manchmal monatelang! Dann wird man diese
Leistung begreifen, soweit sie überhaupt begreifbar ist."
Noch vor dem Abmarsch hat Heye ein Erlebnis, das seinen künftigen
Namen in Afrika bestimmt: Er besteigt leichtsinnigerweise ein gesatteltes
Zebra. Das geht daraufhin mit ihm durch, läuft quer durch Nairobi
und kollidiert irgendwann mit einem Fahrradfahrer. Die Geschichte macht
die Runde und sorgt allenthalben für Heiterkeit. Heye wird seither
"Bwana Punda Melia" genannt: Der Herr der Zebras.
Mit der Ugandabahn fährt er bis zur Station Simba. Von dort sind
es drei Tagesmärsche bis zu seinem Ziel, Ol Matun. Hundert Meilen
im Umkreis gibt es keine menschlichen Siedlungen, nur hin und wieder durchqueren
nomadisierende Massai und Ndorobbo die Gegend. "Angetan war ich mit
... Khakihosen, Ledergamaschen und halbhohen Schnürschuhen mit dicken
Gummisohlen. Den Oberkörper bedeckte ein Khakihemd, dessen Ärmel
ich stets aufgekrempelt trug. Als wirksamen Hitzeschutz hatte es ein Futter
aus roter Seide. Der traditionelle Tropenhelm hatte sich bei mir dank einem
ungewöhnlich dicken Haarschopf als überflüssig erwiesen;
statt dessen trug ich während der heißesten Tageszeit einen
breitrandigenFilzhut ... An Gürtel und Schulterriemen hingen ein Felltäschchen
mit Notvorrat, der meist aus Schokolade bestand, ferner die gewöhnlich
mit dünnem Kaffee gefüllte Feldtasche, ein Feldstecher, ein Messer
in Lederscheide und eine kleine Rollfilmkamera ... Als Wanderstab diente
ein Speer."
Ol Matun war ein paradiesischer Ort mit schattenspendendem Laubwald,
einem ergiebigen Quellbecken, Papageien und Affenherden. Von hier aus will
Heye seine Fotosafaris starten und baut sich ein stabiles Lager mit Hütten
und Hecken als Schutz gegen nächtlich eindringende Tiere: "Der
gesamte Raubtierbestand der Umgegend schien von alters her gewohnt zu sein,
seinen Durst nirgends anders als am Wasser von Ol Matun zu löschen,
und besonders die großen Raubkatzen machten in den ersten Nächten
ihrer Entrüstung über unser Dasein mit voller Stimmkraft Luft."
Das Gerüst des Hauses entsteht aus einigen Akazienstämmen und
zahlreichen Ästen, wird mit einer Mischung aus dem zerstampften Material
eines Termitenhügels, trockenem Gras und Tierdung ausgekleidet und
glattgestrichen. Darin trennt er eine Dunkelkammer für Entwicklungsarbeiten
ab, als Möbel dienen ein Feldbett, zwei Tropenkoffer und vier Safarikisten.
Später schreinert er sich eine Bank, Tische, einen Schemel, einige
Schränke, Gestelle und Bücherborde. "Was mir aber die Hauptsache
war: Seine [des Hauses] Gesamterscheinung stört in keiner Weise die
wilde, einsame Schönheit von Ol Matun, des einzigen Platzes, den ich
je als `Heimat´ bezeichnet habe."
400-500 Franken verdient er in dieser Zeit durch Schreiben, den größeren
Teil durch Honorare einer amerikanischen Zeitschrift, die monatlich einen
bebeilderten Artikel erhielt, den kleineren Teil durch Dr. Morgenstern,
der Heyes Artikel in einer Arbeiterzeitung verwendet und sich um Nachdrucke
kümmert. Überraschend meldet sich dann noch eine skaninavische
Agentur, die monatlich vier bis fünf seiner Beiträge will.
Für Heye waren die Tage ausgefüllt mit Wanderungen durch die
Steppe, anschleichen auf Tiere, warten im selbstgebauten Hochsitz am Wasserloch,
photographieren, schreiben. Zwei Ndorobbo führen ihn einige Wochen
lang zu Tieren: "Mit den Ndorobbo als Schrittmacher hatte ich in den
vergangenen Wochen, teils aus Notwendigkeit und teils aus reinem Ehrgeiz,
gelernt, vier bis fünf Stunden lang ohne Pause im Siebenkilometertempo
zu marschieren und, wenn es nötig war, ihnen auch eine Stunde lang
in ihrem eigentümlichen Hundetrab zu folgen. Zum Glück war meine
Gegend hier vor knipswütigen Touristen sicher, denn ein Bild von uns
dreien in voller Fahrt wäre mir peinlich gewesen - ich zog nämlich
dabei stets die Hosen aus, hängte sie mir zusammengerollt auf den
Rücken und sockelte in Hemd, Gamaschen und Stiefeln hinter den beiden
her."
Alle Anstrengungen bringen ihm in den ersten drei Monaten nur 38 gelungene
Aufnahmen. Nach drei Monaten in der Wildnis bekommt er erstmals Besuch
von einem Weißen, dem Distriktskommissar von Taveta, Delafontaine,
mit dem er sich anfreundet. Einige Wochen darauf zwingt ihn eine Zahnwurzelentzündung,
nach Nairobi zu fahren und sich behandeln zu lassen. Die Kosten für
diese Aktion sind so hoch, daß er sich Ratenzahlung ausbittet.
Im Dezember 1913, vier Monate nach seinem ersten Besuch, erscheint Delafontaine
erneut. Einer der Träger Delafontaines wird in einer Nacht von einem
in das Lager eindringenden Leoparden getötet. Zwischen zwei anderen
Schwarzen bricht später Streit aus, einer wird erschlagen, der andere
entkommt in die Wildnis.
Bis dahin hat Heye 140 brauchbare Aufnahmen zustande gebracht, von denen
fünfzig bereits veröffentlicht waren. Sechzig Dollar erhält
er für drei Aufnahmen, die das Naturhistorische Museum in Washington
ankauft, zehn Sovereigns bringt ihm eine Veröffentlichung in der englischen
Zeitschrift "Wild Life".
Gegen Ende seiner Zeit in Ol Matun hat er die Tierwelt dieser Gegend
ziemlich komplett auf 240 Platten, nur Elefanten- und Löwenaufnahmen
fehlen. Das aber "...war mein einziger Kummer in dieser Zeit, die ich
sonst als die glücklichste meines Lebens betrachte. Nicht zumindest
auch deshalb als die glücklichste, weil ich nie zuvor und nie mehr
nachher körperlich derartig in Form gewesen bin. Wenn ich heute daran
zurückdenke, was ich mir damals bei kargster Ernährung und in
einem als ungesund verschrienen tropischen Klima zumuten konnte, schüttle
ich selbst den Kopf."
Eines Tages, als er einen Ochsen von der Bahnstation Simba abholen will,
wird ihm dieser Ochse in einem unbewachten Augenblick von einem Löwn
geschlagen. Das verschafft ihm die langerhofften Löwenaufnahmen: "Von
dem, was mir die vier Bilder einbrachten, hätte ich mir an Stelle
des darangegebenen Ochsen beinahe einen kleinen Bauernhof kaufen können;
denn ich erhielt die Dollars erst sieben Jahre später - in Deutschland,
zur Zeit der Inflation." Nach seiner Rückkehr nach Ol Matun und
einem Abstecher nach Taveta erwischt ihn nun zum dritten Mal die Malaria,
die ihn in der Folgezeit immer wieder aufs Krankenbett wirft. Daher entschließt
er sich zum Aufbruch nach Taveta und zum Besuch des dortigen Krankenhauses.
Einige seiner Bediensteten läßt er zusammen mit seiner ganzen
Habe zurück, da er plant, nach einigen Wochen zurückzukehren;
nur seine Bilder nimmt er mit und einen kleinen Geparden, den ihm die Ndorobbo
eines Tages gebracht hatten, den er aufgezogen hat und der ihm folgt wie
ein Hund.
Er sah Ol Matun nicht mehr wieder. Am 15. Juli 1914 ist er in Voi, um
von dort über Taveta nach Deutsch-Ostafrika zu marschieren, mitten
durch das Wildreservat. Man empfieht ihm zwanzig Träger: "Drei
tragen das Zelt, zwei Proviant, fünf Wasser, je einer das Bett, Küchen-
und andere geräte, dann einen Gewehrträger, einen Koch ....".
Bei sieben Leuten wird sich Heye mit dem Distriktkommissar einig. Die erhalten
35 Cent am Tag, etwa fünfzig Pfennige. Heye betrachtet seine Gefährten:
"Es
waren alles kräftige, sehnige Gestalten mit wilden, aber nicht unangenehmen
Gesichtern. Nur der Vormann hatte eine kurze Hose und eine Art Trikothemd
an, die anderen trugen Suahelihemden oder auch nur einen Lendenschurz.
Ihre Decken hatten sie wie Turbane als Unterlagen für die Last um
den Kopf geschlungen. Aber allen baumelten Perlen, Münzen und Ketten
aus den aufgeschlitzten Ohrläppchen bis fast auf die Schultern herab,
am Gürtel hingen große, schwertähnliche Buschmesser, Schnupftabakdosen
und eine silberglänzende Wurst, die aus den gelochten und auf Riemen
gezogenen Nickelcents von British-Ostafrika bestand. Eine aus einem hohlen
Kürbis verfertigte Wasserflasche und eine Felltasche mit einem Vorrat
von Maiskolben und grünen Bananen vervollständigte die Ausrüstung."
Zu Fuß gehen sie los, schlafen im Freien, denn ein Zelt kann sich
Heye nicht leisten. Dort, wo Löwen vermutet werden, baut man sich
eine "Boma", eine Festung aus Büschen, bei der die Lücken
einer natürlichen Dornenhecke mit Gestrüpp ausgefüllt werden,
und hofft, daß Dichte und Höhe des dornigen Gestrüpps ausreichen,
die Löwen nach einer leichteren Beute suchen zu lassen. Über
Taveta erreichen sie nach einigen Tagen Moschi.
Sind die Wendekreise überschritten,
so ist das Tragen des Tropenhelms obligatorisch
von morgens 8 Uhr bis abends 17 Uhr.
Handbuch für Überseer 1947
Der 1.Weltkrieg (1914-1917)
Am 27.7.1914 überschreitet er die Grenze zwischen Britisch- und
Deutsch-Ostafrika auf dem Weg zum Kilimandscharo, um sich in der Petershütte
von seiner Erkrankung zu erholen. "Am Abend des zehnten August lag ich,
in zwei Decken gehüllt, in einem Liegestuhl vor der Tür der Petershütte
und steckte mir bedachtsam eine Havanna an. ... Obgleich auch meine Hände
vor Kälte starr und steif waren, öffnete ich den Brief sofort
... »Sie werden hierdurch aufgefordert, sich innerhalb von drei Tagen
nach Erhalt dieser Benachrichtigung bei der unterzeichnenden Amtsstelle
zu melden und Ihren Paß und, falls Sie Reichsdeutscher sind, Ihre
Militärpapiere vorzulegen. Zu Ihrer Information wird Ihnen mitgeteilt,
daß sich das Deutsche Reich und seine Kolonien seit Anfang dieses
Monats mit Rußland, Frankreich, Belgien und England im Kriegszustand
befindet.«"
Für Heye, gerade neunundzwanzig Jahre alt, bedeutete das eine mehr
als grundlegende Umwälzung seines Lebens: "...von den fünfzehn
Jahren, die seit meiner Entlassung aus der Schule vergangen waren, hatte
ich vierzehn im Ausland verbracht. Die beiden letzten Jahre war ich drüben
in der englischen Nachbarkolonie gewesen, und von den Menschen, die ich
dort kennengelernt hatte, war mir überwiegend nur Gutes widerfahren.
Sie waren jetzt die Feinde meines Vaterlandes, und es wäre meine Pflicht
gewesen, sie zu hassen. Aber - ich konnte und konnte ihnen gegenüber
nichts anderes als Dankbarkeit empfinden, und ich fühlte abgrundtiefen
Kummer über das, was nun eingetreten war."
Nichtsdestotrotz war er am kommenden Tag Soldat, Landsturmmann bei der
vierten Schützenkompanie in Tanga. Wegen seiner Vergangenheit und
seinem guten Kontakt zu den Engländern begegnet man Heye überwiegend
mit Mißtrauen. Seine Berichterstattung in der Mußestunde,
die wegen ihres Namens fälschlicherweise als sozialdemokratisch angesehen
wird, verhilft ihm zudem zu dem Spitznamen "Der Rote Spion". Die
deutsche Truppe umfaßte auch Staatsangehörige Österreichs,
Bulgariens und der Türkei, kriegsfreiwillige Buren, Amerikaner, Syrer
und Schweizer. Fast alle waren Pflanzer, Kaufleute, Handwerker und Beamte,
die jahrelang in Ostafrika gelebt hatten. "Nun sind Menschen, die in
die Kolonien gehen, meist an sich schon unabhängig gesinnte, eigenwillige
Naturen, und Klima, Trinksitten und sonstige bedenkliche Einflüsse
des tropischen Landes machen sie in der Regel rasch zu hypernervösen
und ausgesprochen krakeelsüchtigen Herren. Unter den höchst rauhbeinigen
Seeleuten, Viehknechten, Minen- und Eisenbahnarbeitern, die ich während
meiner Amerikazeit kennengelernt habe, hat es bei weitem nicht so viele
Unverträglichkeit und Streit gegeben wie bei meinen Kameradenin dieser
ostafrikanischen Schützenkompanie. Die schwierigsten unter ihnen waren
die Pflanzer."
Die Zustände in Heyes Kompanie sind durch die afrikanischen Verhältnisse
bestimmt. Selbst der ärmste deutsche Soldat hat einen Boy und einen
Koch, manche haben bis zu fünfzehn Trägern, die Gummibadewanne,
Liegestühle und Getränkekisten schleppen. Viele unverheiratete
Europäer haben außerdem schwarze Haushälterinnen, sogenannte
Bibis, die ihnen ebenso wie die Frauen der schwarzen Askaris im Felde folgten.
In Heyes Kompanie gab es etwa vierzig Europäer, zwanzig Askaris, 400
Träger und Diener sowie über 200 Bibis!
Heye fühlt sich nicht wohl, hat nur zwei, drei Freunde, die meisten
Kameraden stehen ihm jedoch ablehnend gegenüber. Nach einiger Zeit
bittet er daher um die Versetzung an die Front. Front bedeutete damals,
zusammen mit einigen Askaris wochen- und tagelang auf Patrouille in feindlichem
Gebiet unterwegs zu sein, auf dem 50-100 Kilometer breiten Grenzstreifen,
der sich vom Victoria-See bis zum Indischen Ozean hinzog. Das war eher
nach Heyes Geschmack: Einsamkeit, Wildnis, Unterwegs-sein, keine Gelegenheit
für Streitereien. Er kommt zum Küstenschutz Tanga und wird in
das Gebiet Mtangta-Fähre beordert, einem Posten auf einer flachen
kleinen Halbinsel, auf drei Seiten umgeben von Mangrovensümpfen. Dort
verbringt er einige Wochen mit der erfolglosen Jagd auf einen menschenfressenden
Löwen. Dann geht die Schlacht um Tanga los und Heye bewacht die Zufahrtsstraße,
ohne jedoch den Feind zu sehen oder gar zu schießen. Danach gelingt
ihm endlich die Versetzung in eine Feldkompanie, die fünfzehnte, und
er kann sich in der Wildnis herumtreiben.
Im Januar 1915 ist er an der Erstürmung von Jassin beteiligt. Diese
Schlacht wird ihm das grausigste Erlebnis seines Lebens. Die Tatsache,
daß er durch einen glatten Durchschuß in der Wade verwundet
wird, bringt ihm Glück, denn er wird fortan mit der Feldwache Kwakinjembe
am Mittellauf des Umbaflusses, in der Mitte zwischen Jassin und dem achtzig
Kilometer landeinwärts gelegenen Dorf Majorenei, betraut. Er wird
zum Unteroffizier befördert und leitet nun selbständig diesen
Posten mit dreißig Untergebenen. "Hervorragenden persönlichen
Verdiensten war diese Beförderung jedoch nicht zuzuschreiben, denn
wer sich von den Weißen als einigermaßen brauchbarer Soldat
erwies, erhielt schon aus Prestigegründen gegenüber den farbigen
Soldaten sehr bald einen militärischen Rang. ... Schon ein einfacher
Landsturmmann erhielt neben den monatlichen Kleider- und Verpflegungsgeldern
im Betrag von hundertfünfzig Rupien noch eine Löhnung von 65
Rupien; ein Unteroffizier bezog einen doppelt so hohen Sold. Hätte
der Krieg noch ein paar Jahre länger gedauert, so wären wir alle
zu Kapitalisten geworden, denn von dem Verpflegungsgeld konnte man auch
bei üppigstem Schwelgen in Milch, Geflügeln, Eier, Honig und
Früchten infolge der afrikanischen Preise kaum ein Viertel verbrauchen.
... Da es schon nach kurzer Zeit überhaupt keine Kleidungsstücke
mehr zu kaufen gab, sparte man das hierfür vorgesehene Geld gänzlich."
Schon bald gilt es, den Angriff einer englischen Truppe abzuwehren;
die Bewohner eines nahegelegenen Dorfes hatten den Posten an die Engländer
verraten. Für Heyes Truppe geht das jedoch glimpflich aus, die Gegner
flüchten, die Bewohner des Dorfes werden gefangengenommen abtransportiert
und vor Gericht gestellt.
Da immer mehr Schwarze zum Kriegsdienst herangezogen werden und auf
den Feldern fehlen, treten im zweiten Jahr Verpflegungsmängel auf;
auch Träger gibt es immer weniger. Beim "großen Rückzug
... besaß allerdings kaum einer von uns noch irgend etwas, zu dessen
Beförderung er Träger gebraucht hätte."
Heye bekommt den Auftrag, Wild zu schießen. "Ich will mich
hier nicht weitläufig über die Gefühle äußern,
die mich beim Empfang dieses Befehls überkamen. Ich kann nur sagen,
daß er für mich - bei meinem Verhältnis zum Tier - gleichbedeutend
war mit einem Auftrag zum Mord. ... [Ich] erwog ... den Gedanken, zu desertieren.
... Während der nächsten sieben Wochen wurden unter meiner Anleitung
und Aufsicht in dem einsamen Tierparadies der Umbasteppe gegen zweitausend
Stück Großwild niedergeknallt, das Fleisch und die verwertbaren
Häute verpackt und die Lasten von einem Tag und Nacht unablässig
hin- und herflutenden Strome von Trägern ins Hinterland transportiert."
An den Schlächtereien beteiligt er sich nicht; seine Aufgabe besteht
darin, die Träger aufzustöbern, die sich mit dem Fleisch zu Freßorgien
abgesetzt hatten und vollgestopft irgendwo im Gras lagen; Angriffe der
Engländer abzuwehren; dafür zu sorgen, daß das Wild waidgerecht
behandelt und waidwund geschossene Tiere verfolgt wurden.
Auf seine Bitte wird er von seinem Posten abgelöst und unternimmt
nun Patrouillengänge ins Niemandsland. Nach zwei Monaten haut ihn
die schwerste Malaria um, die er bisher hatte und er verbringt einige Wochen
im Hospital sowie einen weiteren Monat im Soldaten-Erholungsheim Wugiri
im Usambaragebirge. Wieder schließen sich Patrouillengänge an
mit dem Auftrag, irgendwie dem Gegner irgendwas abzunehmen - brauchen konnte
man alles. Heye ist immer noch mit seinem alten Rucksack unterwegs. Seine
Ausrüstung besteht aus Decke, Moskitonetz, Kochtopf, Brot, Reis, Zucker,
Kaffee, einem 9,3-mm-Gewehr, seiner Kodak, einer Notration in Büchsen
und einigen Kleinigkeiten. Es folgen zahllose Patrouillen mit immer den
gleichen endlosen Märschen und Mühen, Überfällen, Verwüstungen,
Metzeleien, Fluchten. Und Heye spürt, wie er sich verändert:
"Eine
ständig zunehmende ungeheure Müdigkeit lastet auf mir. ... Meine
frühere Lust am Schauen und Erleben hatte sich im Laufe der Zeit in
dumpfe Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit verwandelt; die einzige
Sehnsucht, die in mir lebendig blieb, war gerade die nach dem Nicht-mehr-leben-müssen.
... Rund um mich herum mußten sie gehen, einer nach dem andern. Sie
fielen nicht alle vorm Feind; ich glaube, es war sogar die Mehrzahl, die
den vielen bösartigen Krankheiten der Tropen erlag ..." Andere
starben an Hunger und Erschöpfung, durch räuberische Eingeborenenstämme,
besonders die Massai, und durch wilde Tiere, insbesondere durch Krokodile,
Nashörner und Elefanten.
Jede Patrouille bedeutete auch den Verlust von unersetzlichen Ausrüstungsgegenständen.
Heye sagt von sich selbst, daß er einer der ersten war, der sich
dem Aussehen eines Robinson näherte: "lang herniederwallendes Lockenhaar
hinten, ein zweizipfliger Wotansbart vorn, darüber ein von tausend
Lagerfeuern speckig-schwärzliches Gesicht mit einer einäugigen
Brille, darunter Khakihemd und Hose, beide gleichermaßen zerrissen,
und zuunterst ein Paar fast sohlenloser Trittlinge, die von vorn gesehen
an junge Klaffschnäbel erinnerten." Einer der schlimmsten Schicksalsschläge
war, im Juli 1916 den Koffer mit sämtlichen Aufnahmen aus afrikanischer
Zeit in einem Fluß zu verlieren, nachdem er sie zwei Jahre lang hatte
hüten können und überall hin mitgeschleppt hatte.
Ach, Freiheit! Freiheit! Weite Gefilde!
Da unsere eingezwängten Seelen ersticken und
am Fenster hinsiechen, da unser gefangener Geist,
wie der Bär im Zwinger, sich immer um sich selbst
dreht
und an die Mauern stößt, so gebt wenigstens
den Nüstern
den Duft aller Winde der Erde!
Gustave Flaubert, Über Feld und Strand
Gefangenschaft in Indien (1917-1920)
Fast drei Jahre war er "auf Kriegspfaden" im Busch unterwegs,
bis er am 19. April 1917 angeschossen und gefangengenommen wurde. Seine
Gefühle sind zwiespältig: Der Erleichterung, dem Krieg entronnen
zu sein, steht der Abschiedsschmerz gegenüber, ein Land zu verlassen,
das ihm fünf Jahre Heimat war. Im Juni 1917 befand er sich an Bord
des englischen Dampfers Windsor Castle, auf dem Weg nach Indien, und gelangt
wie die meisten in das Gefangenenlager Ahmednagar. Dort findet er etwa
fünfhundert Deutsche, luftige Wohnbaracken, Gärten, Duschen,
Sportplätze, sogar eine Musik- und Theaterhalle. Es gibt Sport-, Gesang-,
Musik- und Theatervereine; einige Gefangene führen Coiffeursalons,
Schuster- und Schneiderwerkstätten. In der Kantine kann man so ziemlich
alles kaufen, Alkohol erhält man unter der Hand. Ein Problem ist das
Geld: "Den vornehmtuenden Vertretern der großen deutschen Handels-
und Baufirmen fehlte es auch offenkundig nicht an Mitteln dazu; bei uns
Afrikasoldaten haperte es in dieser Hinsicht jedoch erheblich. Wir besaßen
wohl ausnahmslos Löhnungsguthaben von tausenden von Rupien, aber wir
besaßen kein bares Geld."
Heye verdiente sich einiges hinzu, indem er zunächst eine Art Konditorei
betrieb: "Ich stellte nur eine einzige Spezialität her: Sandtorte
eins zu eins. Der Name erklärt sich aus dem Rezept: ein Pfund Mehl,
ein Pfund Zucker, ein Pfund Butter und ein Dutzend Eier. Wer von diesem
währschaften Erzeugnis drei Scheiben zum Frühstück aß,
hatte noch am Abend keinen Hunger. Den Backofen selbst hatte ich mir aus
Lehm und einem Haufen Ziegeltrümmer hinter dem Waschhaus erbaut; das
Heizmaterial war das landesübliche, nämlich getrockneter Kuhdung."
Als ihm das Geschäft vom Kommandanten wegen Feuergefahr untersagt
wurde, verlegte er sich auf die Herstellung von Tamarindenmarmelade, einem
allerdings wenig begehrten Produkt. "Die Einnahmen schnellten jedoch
in äußerst erfreulicher Weise in die Höhe ... Eine Anzahl
eingeweichter Früchte war mir in Gärung übergegangen; gerade
als ich im Begriff stand, das Zeug wegzuschütten, steckte ein hoffnungslos
versoffener Barackengenosse seine rote Nase schnüffelnd in den Bottich,
kostete das Gebräu und fand den Geschmack so lieblich, daß er
es restlos ausbecherte, wobei er immer handfestere Gesänge anstimmte.
... Der Absatz wurde aber geradezu reißend, als ich herausfand, daß
bei richtiger Behandlung aus dem Zeug sogar ein schäumender Sekt entstand
..."
Auch dieses Geschäft war von kurzer Dauer, nachdem eines Nachts
eine nach der anderen die unter dem Bett gestapelten und verkorkten Flaschen
explosiv ihre Korken durch die Gegend jagten. Ein Geräusch, daß
schnell zwei Engländer mit gefälltem Bajonett herbeilockte, an
eine Schießerei glaubend.
Der findige Heye erteilt nun den Deutschen im Lager Englischunterricht,
wobei er einen besonderen Wert auf vielfältige Flüche legte,
die die Lagerinsassen mit den Bewachern austauschen konnten. "Monate
hindurch gab ich einer Nachmittags- und einer Abendklasse von je zwanzig
bis dreißig Teilnehmern Unterricht." Den Unterricht mußte
er schließlich wegen seines immer schlechteren Gesundheitszustandes
aufgeben, verbrachte mehrere Monate im Gefängnishospital und hielt
ein ganzes Jahr lang eine Diät aus Schleimsuppen ein.
Ein Mitgefangener, Hauer, berichtet in einem eigenen Buch von einer
Flucht, die auch Heye erwähnt: "Eines Morgens fehlte jener schlagfertige
Leipziger. In einem Brief, der jedem Melancholiker Ehre gemacht hätte,
teilte er dem Kommandanten mit, daß die Quälereien des `schwarzen
Peter´ ... ihn zum Selbstmord getrieben hätten. Während
nun tagelang Busch und Höhlen vergebens durchsucht wurden, saß
Herr Hahn zuversichtlich in der Bahn. Bei der Ankunft in Madras ... ward
er der Polizei nur dadurch verdächtig, daß er das wenigste Gepäck
von allen Reisenden trug." Bei Heye heißt der Flüchtige
allerdings Blum und die Flucht fand aus Ramandrugh statt, im übrigen
gleichen sich die Angaben. Heye traf Blum später nochmals in Deutschland
und nennt zahlreiche Details, so z. B., daß Blum zu vier Jahren Militärgefängnis
in Poona verurteilt wurde, diese jedoch nicht abzusitzen brauchte und zusammen
mit allen anderen Anfang 1920 nach Deutschland überführt wurde.
Nachdem 1918 der Krieg beendet war, gab es auch nach Monaten noch keine
Anzeichen für eine Verschiffung nach Hause, die Moral im Lager sank:
"Die
geistigen Interessen, die zahlreichen Bestrebungen zur Weiterbildung flauten
ab, und schließlich hörte sogar die sportliche Betätigung
fast völlig auf. Bei vielen machte sich stattdessen dauernde Gereiztheit
und Zanksucht und eine Neigung zu alkoholischen Ausschweifungen bemerkbar,
andere flüchteten sich in die sonderbarsten sektiererischen Lehren,
in okkulten Hokuspokus oder einfach in schiere stumpfe Verzweiflung und
Selbstaufgabe - und einige flüchteten aus dem Leben überhaupt.
Denjenigen, die freiwillig gegangen waren, sollten im Laufe dieses düsteren
Jahres noch viele unfreiwillig folgen. Nachdem schon eine Choleraepidemie
auch unter uns mehrere Opfer gefordert hatte, fiel der schwarze Schatten
der weltumspannenden Grippe auch über Indien. ... [Dann] flammte die
dortzulande nie ganz verlöschende tropische Pest, die Bubonenpest,
wieder auf; ihr auf dem Fuße folgten eine neue Cholerapest und dieser
dann noch der Typhus." Heye ging es schlecht, obwohl er nicht unter
diesen Seuchen zu leiden hatte. Er kam in das Erholungslager Ramandrugh
im Süden der Provinz Madras. Dort lernte er den Ethnologen Dr. Schlesinger
kennen, der im Himalaya zu ethnologischen Studien unterwegs gewesen war,
und dessen Vater Inhaber eines bekannten Frankfurter Bankhauses war. Mit
ihm ging er in den fünf Monaten Erholungslager auf insgesamt acht
Wochen währende Forschungs- und Jagdausflüge; für zwei Rupien
pro Person und Tag meldete der irische Sergeantmajor die beiden jeden Abend
als anwesend.
Heye trifft auch den Dr. Söderland, der Redakteur bei dem Versicherungsblatt
"Die
Mußestunde" gewesen war und sich in ein buddhistisches Kloster
auf Ceylon zurückgezogen hatte. Dort hatte man ihn ausgewiesen, obwohl
er bereits mehrere Jahre unter den Mönchen lebte. Vor seiner Internierung
war Heye dessen Nachfolger als Weltreisender der Mußestunde.
Heye zitiert den Spruch eines indischen Weisen: "Wer hier auf der
Welt nichts liebt und nichts haßt und nichts erstrebt, nur der ist
ohne Fesseln und kennt keine Furcht." Das war ihm selbst lange Leitspruch
gewesen, doch in den letzten Jahren entstanden Wünsche und Hoffnungen:
"Ich
hatte vielerlei erstrebt und unter unsäglichen Anstrengungen auch
manches erreicht; aber zuletzt war mir doch alles wieder unter den Händen
zerronnen, und heute stand ich wahrscheinlich mit leereren Händen
und leererem Herzen da als jener Mann." Er ist "mit 35 Jahren schon
des Erlebens müde und überdrüssig, als lägen hundert
Jahre hinter" ihm. "Mehr noch als die wilden Erlebnisse des Krieges,
die nur Grauen und Abscheu in mir erregten, hatten die Jahre des Eingesperrt-Seins
mit ihrem nervenzermürbenden Warten auf Befreiung einen Schatten über
meine Seele geworfen, der immer tiefer und dunkler wurde. Er ist auch späterhin
nie völlig gewichen."
Erst Silvester 1919 werden alle Gefangenen Hals über Kopf nach
Bombay und dort auf ein Schiff gebracht. Am 24. Februar 1920 landet Heye
im Rotterdamer Hafen und "kriecht von Bord", kaum genesen von einer
Grippe, die unter den 1400 Passagieren zahllose Tote gefordert hatte.
Um fliegen zu können, muß man
nicht nur Flügel haben, sondern sie auch schwingen.
Burmesisches Sprichwort
Reisen als Nebensache (1920-1925)
In den folgenden zwei Jahren lebt Heye von aufgelaufenen Löhnungsguthaben,
das ihm zudem bis Mitte 1920 zusteht. "Ich saß in verschiedenen
Gegenden Deutschlands herum und schrieb von früh bis abends":
ein Buch über die Kriegserlebnisse, ein zweites über einen schwarzen
Kameraden, Mariani, einen Kannibalen aus dem Kongo-Gebiet und noch ein
drittes, das die bisher erschienenen Berichte zusammenfaßte. Sein
Gesundheitszustand besserte sich allmählich; Konstitution, Kondition
und Lebensfreude erreichten jedoch niemals wieder die Qualität von
vor dem Kriege. 1922 hält er erstmals Vorträge, zunächst
für die sozialdemokratische Partei in Zürich. Ein Zuhörer
lädt ihn daraufhin ein, den Winter über in Ägypten sein
Gast zu sein. Sieben Monate verbringt er in Ägypten, ab Oktober 1922,
doch findet er seine alten Freunde tot oder sehr verändert, auch die
Beduinen sind fortgezogen und er widmet sich dem Studium der ägyptischen
Geschichte.
Die Sommer 1923 und 1924 verbringt er wieder mit Schreiben und Reisen
in der Schweiz, Florenz und Rom, zusammen mit "einem lieben Menschen",
dessen Name er verschweigt; im Winter hält er Vorträge. Beides
lohnte sich finanziell sehr und 1925 reicht das Geld für eine Fahrt
nach Ostafrika.
Mit der Kamera in Ostafrika (1925-1926)
Sein Geld teilt er mit einem Buren, Andreas (oder Andries) Baldan, der
einen Tierfilm drehen will. Dessen Familie hat eine Farm in der Nähe
von Moshi in Tanzania und dort bereiten sie ihre Safari vor. Zehn Monate
fahren sie kreuz und quer durch die Steppe und versuchen seltene Tieraufnahmen
zu machen. Das gelingt auch im großen und ganzen und der Film wird
später in Deutschland gezeigt und läuft in gekürzter Form
noch etliche Jahre im Beiprogramm der Kinos.
Bei den Baldans geht es mittlerweile drunter und drüber: Andries
ist mit dem Filmmaterial nach Europa gefahren, um es zu Geld zu machen,
sein Bruder ist von einem Leoparden angefallen, schwer verwundet und verstümmelt
worden, Vater Baldan verlor viel Geld durch Spekulationen, seine Tochter
Martha liegt im Hospital. Heye wird daher gebeten, doch zu bleiben und
die Familie mit Wild zu versorgen.
Heye nimmt an, baut sich eine Hütte zwei Kilometer von der Farm
entfernt und begibt sich von dort auf Photosafaris. Mit nur knapper Not
entkommt er einmal einem wütenden Büffel, einige Tage später
beißt ihn ein Schakal in den Fuß, der sich daraufhin derart
entzündet, daß der Arzt bereits von Amputation spricht. Zehn
Wochen Hospital verdankt er dem Schakal, eine fast völlige Pleite
und noch lang andauernde Störungen seiner Gesundheit. Um Geld zu machen,
entwickelt er alle seine Filme und Platten und stellt sie zum trocknen
auf. Eine Hyäne, die nachts ins Lager einbricht, zerstört fast
alle Aufnahmen, so daß Heye nichts anderes übrigbleibt, als
nach Europa zurückzufahren.
Mir ist es immer ein unaussprechliches Vergnügen,
mich im möglichst kleinsten körperlichen Raume
im Geiste auf der großen Erde herumzutummeln."
Friedrich Schiller, Brief an seine spätere
Frau
Erholung und Heirat (1926-1927)
Anfang März 1926 geht er in Suez von Bord der York Castle und nimmt
den Zug nach Kairo. Zwei Monate verbringt er im Haus eines alten Freundes,
um sich langsam an europäische Verhältnisse zu akklimatisieren.
Auf dem weiteren Weg nach Hause trifft er allenthalben Bekannte, die staunen,
daß er noch lebt. Werbewirksam hatte sein Verleger aus dem Schakal
einen Löwen gemacht, der Heye an den Rand des Grabes brachte. So wütend
ist Heye darüber, daß er die Geschichte als "Der Löwe
meines Verlegers" kurz darauf in "Reclams Universum"
veröffentlicht.
Geld hat er aber noch immer nicht, nicht einmal eine Schreibmaschine
und so kommt er auf die Idee, eine Annonce aufzugeben: Sekretärin
mit Schreibmaschine gesucht. Am nächsten Morgen bittet ihn der
Hotelier in die Halle, dort würden etwa 100 junge, hübsche Mädchen
warten.
Nachdem er die ersten sechs interviewt hat, wird es ihm zuviel und er
engagiert kurzerhand die siebte. Allerdings stellt sich am nächsten
Morgen heraus, daß sie keine Schreibmaschine hat, jedoch weiß,
wo man eine leihen kann. Der erste Brief geht an einen Redakteur mit der
Bitte um Zahlung rückständiger Honorare, damit er wenigstens
seine Sekretärin bezahlen könne. Die neue Sekretärin hat
überhaupt ungeahnte Qualitäten im Organisieren: sie überredet
eine Redaktion zum Vorabdruck eines Buches, erpreßt vom Verleger
besonders günstige Bedingungen, holt Zahlungen aus säumigen Redaktionen
herein und läßt sich zu hohe Vermittlungsgebühren eines
Vortragsbüros zurückzahlen. "Da ich sie, wie mir recht und
billig schien, an allem von ihr Erreichten mit Provisionen beteiligte,
außerdem ihr Gehalt erhöht hatte und ihr, da wir oft bis spät
abends arbeiteten, dann auch noch ein Abendessen im Restaurant bezahlen
mußte, weil sie ja um diese Zeit daheim nichts mehr vorfinden würde,
überlegte ich mir eines Tages, daß es viel praktischer wäre,
wenn ich sie heiratete. Was ich am 3. Juli desselben Jahres [1926? 1928?],
sieben Wochen, nachdem wir einander kennengelernt hatten, denn auch tat."
Seine Frau heißt Ruth, ist zwanzig Jahre jünger als er, empfindet
eine ebensolche Fernen- und Abenteuerlust und gleicht die mangelnde körperliche
Robustheit durch eine psychische Widerstandsfähigkeit aus. In den
nächsten sechs Monaten schreiben sie zwei Bücher und etwa dreißig
Zeitungsartikel. Da außerdem das Honorar des Films zu fließen
beginnt, richten sie sich ein behagliches Haus in Ascona in der Schweiz
ein. Heye laboriert jedoch ständig mit seiner Gesundheit und erst
spät erkennt ein Arzt, daß es sich um eine chronische Gallenerkrankung
handelt. Seine Belastbarkeit ist dauerhaft eingeschränkt, er hat oft
Koliken und Schmerzen. Und als er im nächsten Winter mit seiner Frau
eine Fahrt nach Ägypten plant, stellt der Arzt auch noch ein Magengeschwür
fest.
Und war´s kein Gottesdienst im Kirchenstuhle
Und war´s kein Tagewerk im Joch der Pflicht,
Auch in der Ferne hält das Leben Schule,
Es reut mich nicht!
Unbekannt, Palmblätter
Mit der Kamera in Amazonien
(1929-1930)
In einem Berliner Cafe lernt er im Herbst 1928 zufällig den Filmoperateur
Adalbert Bittner kennen und vereinbart mit ihm eine gemeinsame Reise zum
Amazonas, um dort einen Film zu drehen. Bittner selbst hat bereits einmal
dort einen Film gedreht. Der Arzt prophezeit ihm darauf ein baldiges Ende,
da seine Gesundheit das niemals überstehen würde. Heye, seine
Frau und Bittner reden sich jedoch in Begeisterung, das einzige Problem
ist das Geld. Ruth Heye jedoch hat einen bayrischen Vetter, Joseph Jungblut,
bei dessen Familie sie früher oft die Ferien verbracht hatte. Dieser
hatte gerade sein Erbe angetreten, war unternehmungslustig, auf der Suche
nach einer neuen Beschäftigung und Ruth Heye schreibt ihm:
"Mein Mann ist der berühmte Reiseschriftsteller Artur Heye.
Afrika, Amerika, Kanada und Alaska hat er bereist. Als Tramp. Er ist aber
ein Gentleman. Ich lernte ihn im Safari-Verlag kennen, wo ich arbeitete
und wo Heyes Bücher erscheinen. In der den komischen Gesetzen der
Zivilisation entsprechenden kurzmöglichsten Frist ... waren wir verheiratet.
Mit gleicher Post sende ich Euch seine wundervollen Bücher. ..."
Der Vetter ist einverstanden und bei einem Notar wird ein Vertrag aufgesetzt,
der sie aneinander bindet und dem Vetter finanzielle Sicherheiten bietet.
Zu fünft, denn auch Bittners Frau fährt mit, machen sie sich
im Januar 1929 auf den Weg nach Rio de Janeiro. Schon bei der Abfahrt ist
das Klima so, daß Heye und seine Frau überlegen, zurückzutreten.
Frau Bittner ist keinem sympathisch, Bittner selbst und der bayrische Vetter
liegen sich ständig in den Jahren, da Jungblut jeden Groschen dreimal
rumdreht. Heye geht beiden aus dem Weg und auch er merkt selbstkritisch
an, daß er durch seine Gallengeschichte vermutlich ziemlich ungenießbar
geworden sei. Fünf Wochen verbringen sie in Rio mit endlosem Papierkram,
Erlaubnissen und Zollverhandlungen.
Während Bittner sich die Hacken abläuft, ist Jungblut fasziniert
von der Exotik und betätigt ständig seine Kodak; Heye fällt
von einem Leiden ins nächste und trägt gar nichts bei. Das ändert
sich erst in Para, und Heye ist erstmals seit zwei Jahren monatelang beschwerdefrei.
Die Streitereien nehmen dennoch zu, Bittner ertränkt seinen Ärger
immer öfter im Alkohol.
Letzten Endes kommt der bayrische Vetter ohne finanziellen Schaden aus
der Geschichte heraus und findet künftig sein Glück bei weiteren
Reisen und Filmen. So endet das Unternehmen kläglich, und Heye setzt
sich nach zwei Monaten mit seiner Frau ab, um sich in entferntere Wildnisse
zu begeben. Fünf Monate sind sie dann zu zweit unterwegs. Dabei genossen
sie lange die großzügige Gastfreundschaft von Dr. Penna, dem
größten Großgrundbesitzer in Amazonien, der etwa 200.000
Stück Vieh sein eigen nannte. Mit dessen Kamera dreht Heye seinen
eigenen Film. Er gerät bei einem seiner Ausflüge auf das Gebiet
des Nachbarn, der mit Dr. Penna verfeindet ist, und muß um sein Leben
kämpfen. Mit Mühe erreicht er nach wochenlangem Unterwegs-Sein
fast verhungert die nächste Stadt. Seine Gesundheit ist so angegriffen,
daß er einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus von Para genießt.
Zur gleichen Zeit wird der an einem Leberabszeß erkrankte Bittner
eingeliefert und stirbt an den Folgen der Operation. So fand die Reise
nach etwa einem Jahr ihren Abschluß.
Die letzte Reise - Alaska (1932-1934)
Bereits 1926 erhält Heye den Brief eines ihm völlig unbekannten,
schon recht betagten Trappers aus Alaska, der eines seiner auf englisch
übersetzten Bücher gelesen hat, und wird eingeladen, auf ein
Jahr vorbeizukommen, dort zu leben und zu jagen. 1928 kommt erneut ein
Brief des Trappers, aber, wie Heye schreibt, dauert es noch drei Jahre,
bis er das Angebot wahrnehmen konnte, dann allerdings gemeinsam mit seiner
Frau. 1932 war es dann soweit: die beiden brechen auf und treffen etwa
im Juni in Alaska ein.
"Old" Tom Summer hat seine Hütte an der Mündung des Alexandra
in den Susitna, etwa 80 Meilen von Anchorage entfernt und Capt´n
Billy fährt sie hin. Fast jeder, der ihnen begegnet, wundert sich
darüber; einer bietet ihnen an, bei ihm unterschlüpfen zu können,
wenn sie es bei Tom nicht mehr aushalten: Es scheint, er hat einen schlechten
Ruf und muß wohl recht eigenartig sein. Sie kommen mehr oder weniger
schlecht mit ihm aus und teilen bis Januar die normale Arbeit mit ihm:
Garten anlegen, Dach reparieren, Lachse fangen, Holzvorräte anlegen.
Dann geht es einfach nicht mehr und sie verlassen mit einem anderen
Trapper, Guyse, den ungastlich gewordenen Ort, verbringen den Rest des
Winters und den Sommer mit Guyse. In Anchorage besorgen sie sich eine Trapperlizenz,
so daß sie Fallen legen und jagen dürfen.
Im Herbst beziehen Heye und seine Frau eine Hütte am Mount McKinley
und überwintern in einer paradiesischen Umgebung. Mit Jagd und Fallenstellen
verdienen sie Ihren Unterhalt. Im Mai (1934?) verlassen sie Alaska, ungern,
aber die Trapperlizenz wird nicht verlängert, außerdem muß
Heyes Galle bedarf der Operation.
Damit scheint Heyes Reiseleben beendet zu sein - zumindest gibt es von
ihm keine Veröffentlichung über einen späteren Zeitraum. |