Fanatiker der Einsamkeit
Die Reisen des Arthur Heye
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© 1996 by
Archiv zur Geschichte
des Individuellen Reisens - AGIR
Inhaltsübersicht
1 Vorbemerkung
2 Kurzbiographie
3 Die
Reisen Artur Heyes 1899-1934
Flucht aus dem Elternhaus (1899)
Seefahrer-Romantik (1900-1902)
Indianer und edle Wilde (1902-1904)
Zwanzig Berufe in drei Jahren (1904-1905)
Eigener Kamin ist Goldes wert (1905-1908)
Fremd in der Heimat (1909)
Sanatorium und Beduinen (1909-1912)
Im Auftrag der Redaktion (1912-1914)
Rund ums Mittelmeer
Ins Innere Afrikas
Der Weg zum Tierphotographen
Tierphotographie im Paradies (1913-1914)
Der 1.Weltkrieg (1914-1917)
Gefangenschaft in Indien (1917-1920)
Reisen als Nebensache (1920-1925)
Mit der Kamera in Ostafrika (1925-1926)
Erholung und Heirat (1926-1927)
Mit der Kamera in Amazonien (1929-1930)
Die letzte Reise - Alaska (1932-1934)
4 Überblick
Zur Person Artur Heye
Kritische Anmerkungen
5 Literatur
5.1 Heye-Bibliographie
5.2 Weitere
Literatur
Wohin Du blickst, dorthin wirst Du auch fliegen.
Thailändisches Sprichwort
1 Vorbemerkung
Die Bücher von Artur Heye sind nahezu die einzige Quelle über
sein Leben. Die daraus rekonstruierte Biographie weist notwendigerweise
Lücken auf. Ergänzungen und Hinweise sind willkommen.
2 Kurzbiographie
Artur Heye wurde am 4. November 1885 in Leipzig geboren. Er entstammt
einer Arbeiterfamilie, besucht die Volksschule, dann ein halbes Jahr die
Fortbildungsschule. Im Alter von 14 Jahren (1899) entflieht er dem Stiefvater
und ist zunächst ein halbes Jahr auf Wanderschaft, bevor er in Antwerpen
auf der Dreimastbark Luise Henriette anheuert, die bereits am 25. April
1900 vor der westafrikanischen Küste sinkt. Nach seiner Rettung fährt
er auf dem Vollschiff Black Swan um Kap Horn zu den Galapagos und ist Weihnachten
1901 wieder in Antwerpen. Er heuert auf dem Dampfer Westfalen als Heizer
an, schippert über Indien nach Südostasien und ist am 27. April
1901 in Genua. In Hartlepool mustert er ab und fährt auf dem Vollschiff
Gwendolin im Juni/Juli nach Florida. Nach einer Auseinandersetzung mit
dem Steuermann flüchtet er vom Schiff und ist als Junge zwei Monate
auf einer Jacht in der Karibik unterwegs. An einer fiebrigen Krankheit
sterben fünf der sieben Besatzungsmitglieder, Heye überlebt,
ist wochenlang erblindet und gewinnt auch später nur etwa ein Drittel
der Sehkraft zurück. Als Kohlenzieher auf dem Dampfer Dolly Dane fährt
er 1902 nach Hamburg. Nach einem kurzen Heimatbesuch wird er Heizer auf
dem Dampfer Kaiser Wilhelm II., verschwindet aber am 16.10.1902 in Hoboken
von Bord. Drei Jahre betätigt er sich in etwa zwanzig Berufen, zieht
weitere zwei Jahre als Tramp durch die USA. Nach dem Tode seines Stiefvaters
heuert er als Heizer auf dem Passagierdampfer Potsdam an und trifft 10
Jahre, nachdem er von zu Hause abgehauen ist, wieder in Deutschland ein.
Erstmals hat er die Gelegenheit zu veröffentlichen. Doch im Herbst
1909 treibt es ihn wieder in die Welt; er wandert nach Italien und setzt
auf der Baron Call nach Ägypten über. Er verbringt dort drei
Jahre, arbeitet im Winter in einem Sanatorium und lebt im Sommer bei den
Beduinen. 1912 folgt ein kurzer Heimaturlaub, dann wandert er im Oktober
durch die Schweiz, über Mailand, Florenz, Rom, Neapel nach Palermo.
Eine Jacht nimmt ihn nach Barcelona mit, er besucht Madrid, Sevilla und
Granada, setzt nach Marokko über, zieht mit einer Eselskarawane durch
das Rif-Gebirge, Algerien und Tunesien und erreicht erneut Ägypten.
Von dort reist er über den Sudan nach Äthiopien, muß
aber die Reise verschiedener Unglücke wegen abbrechen. Über den
Jemen und Somalia erreicht er 1913 Britisch-Ostafrika und betätigt
sich als Tierphotograph. Einige Monate ist er in Uganda und im östlichen
Kongo. Im August 1914 erhält er seinen Gestellungsbefehl, ist drei
Jahre Soldat und Unteroffizier in Ostafrika. Im Juni 1917 bringen ihn die
Engländer als Kriegsgefangenen nach Indien, per Schiff von Daressalam
aus. Bis 1920 lebt er im Gefangenenlager. Es folgt eine längere Zeit
in der Heimat, die mit Schreiben und Vorträgen ausgefüllt ist.
1921 ist er in Italien, 1922/23 verbringt er sieben Monate in Ägypten,
die Sommer 1923 und 1924 wieder schreibend in der Schweiz und Italien.
1925/26 ist er in Ostafrika und dreht einen Film, im März 1926 ist
er wieder in Deutschland. Die nächsten Jahre überschattet eine
Gallenerkrankung sein Wohlbefinden.
Im Juli 1928 heiratet er. 1929/30 ist er mit seiner Frau in Brasilien
unterwegs, leidet jedoch weiter an seiner chronischen Gallenerkrankung,
zusätzlich an einem Magengeschwür. 1932-1933 treibt er sich in
Alaska herum. Aus politischen Gründen verlegt er seinen Wohnsitz dann
in die Schweiz, nach Ascona.
Nach 1940 erscheinen die Bände der Wilden Lebensfahrt, von den
neueren Reisen berichtet nur der 1939 erschienene Band "Mit Trappern,
Fischern, Goldsuchern in Alaska". Falls danach weitere Reisen stattgefunden
haben, so hat Heye nichts davon publiziert. Er stirbt am 1.11.1947 in Ascona
in der Schweiz. |