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Das unerträgliche Gefühl des Eingesperrt-Seins

Reisen in Zeiten der Not und Gefahr

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Archiv zur Geschichte des Individuellen Reisens - AGIR
 

Inhaltsübersicht

Vorbemerkung   

Die Flucht aus Dehra-Dun   

Warum flüchten?  

Frei - aber in Indien gefangen?  

Vorbereitungen zur Flucht  

Die Suche nach Gleichgesinnten  

Solidarität und Erfolg  

Zwei Offiziere und fünf Inder?  

Sattlers Rückkehr  

In Tibet  

Eine Pille gegen jedes Übel  

Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt  

Warten auf die Gunst des Schicksals  

Über Nepal zurück ins Lager  

In Lhasa  

Die Flucht nach Burma 

Erfahrungen auf der Flucht    3.1  Der 1. Weltkrieg 1914-1918   

3.2  Der 2. Weltkrieg 1939-1945   

Flucht aus Holland  

Das Ende einer Bergfahrt  

Glück gehabt?  

Der Legion entkommen  

3.3  Mitten im Putsch  

3.4  Entkommen aus Sibirien 

Weltreise im Weltkrieg    4.1  Freiheit auf den Meeren   

I am sailin´ ...  

Illegal in Palästina  

Kriegsdienst in Helvetia  

Schiffbruch und Landurlaub  

Alles im Lot auf´m Boot  

4.2  Unfreiwillige Weltreisen   

Auch Flieger müssen fliehen  

Noch ein Flieger auf der Flucht  

Flucht aus Sibirien  

Von China nach Amerika  

Von New York nach Norwegen 

Bedingungen und Verhalten in Zwangssituationen    Selbstbestimmung und Objekt  

Bei Kriegsausbruch in Feindesland  

Bei Kriegsausbruch im neutralen Ausland  

Wer konnte reisen?  

Strategien der Flucht 

Biographien    Kurt Aram  

Peter Aufschnaiter  

Ludwig "Lutz"Chicken  

Gustav Fruhmann  

Heinrich Harrer  

Heins von Have  

Werner-Otto von Hentig  

Arthur Heye  

Oskar und Anita Iden-Zeller  

Erich Killinger  

Fritz Kolb  

Hans "Hanne" Kopp  

Edmund "Ede" Krämer  

Hans Lobenhoffer  

Rolf Magener  

Marchese  

Walter-Eberhard Freiherr von Medem  

Hans von Meiss-Teuffen  

Antoni-Ferdinand Ossendowski  

Herbert Paidar  

Erich Robert Petersen  

Gunther Plüschow  

Herbert Pritzke  

Wolfgang Gans Edler Herr zu Putlitz  

Slavomir Rawitsch  

Philip Rosenthal  

Colin Ross  

Friedel Sattler  

Ludwig Schmaderer 

Bibliographie   

  


 

6 Biographien 

Kurt Aram

(Pseudonym für Hans Fischer
* 28.1.1869 in Lennep, + 10.7.1934. Autor weniger Reisebücher sowie geistreicher und fesselnd geschriebener Unterhaltungsliteratur, etwas romantisierend und teils mit sensationellem Aufputz. Seine Romane stellen oft Episoden aus dem eigenen Leben dar. Redakteur, Schriftsteller und Journalist beim "Berliner Tageblatt". 

(1.) Oh Ali! Roman. Th. Knaur Nachf., Berlin. 1927, 320 S., 8° 

(2.) Bolschewiki. Ein Schauspiel aus Rußland in 3 Akten und 6 Aufzügen. °, W. Borngräber, Berlin (1919), 171 S., 8 

(3.) Der Goten Glück und Ende. 3 Bücher der Einkehr und Erhebung, den Quellen nacherzählt. Volksverband d. Bücherfreunde, Wegweiser. 1925, 456 S., 8°, 

(4.) Baronin Horn. Roman. G. Müller, München. 1912, 320 S. 

(5.) Jugendsünden. W. Vorngräber. Leipzig. 1918, 296 S., 8° 

(6.) Leda. Roman aus dem Nahen Osten. Dt. Buch-Gemeinschaft. Berlin. 1926, 318 S., 8°. 

(7.) Magie und Mystik in Vergangenheit und Gegenwart. Albertus. Augsburg. 1929, 626 S., 8°. 

(8.) Magie und Zauber in der alten Welt. Deutsche Buch-Gemeinschaft. Berlin. 1928, 380 S., 8°. 

(9.) Mit 100 Mark nach Amerika. Erlebnisse. F. Fontane. Berlin. 1912, 189 S. 

(10.) Die Ölmühle. Kürschners Bücherschatz Nr. 907. 

(11.) Der Schatten. Engelberts allgemeine Roman-Bibliothek. 31. Jg. Bd. 13/14. 

(12.) Nach Sibirien mit 100.000 Deutschen. Vier Monate russische Kriegsgefangenschaft. Berlin: Ullstein 1915. OBrosch, 247p, kl. 8° 

(13.) Die vornehme Tochter. W. Vorngräber. Leipzig. 1902. 

(14.) Der elfenbeinerne Turm. Roman. Schles. Vlgs.-anst. Berlin. (1915), 278 S., 8° 

(15.) An den Ufern des Araxes. Ein deutscher Roman aus Persien. Vita. Charlottenburg. 1911, 403 S. 

(16.) Welko, der Balkankadett. Eine Erzählung aus dem Balkankriege 1912/13. Ullstein. Berlin. 1914, 228 S. 

(17.) Unter Wolken. W. Vorngräber. Leipzig. 1900 

(18.) Der Zar u. seine Juden. K. Curtius. Berlin. 1914, 192 S. 

(19.) Der Zylinder des Straßenfegers und andere Erzählungen. Kürschners Bücherschatz Nr. 888 

Peter Aufschnaiter

*2.11.1899 in Kitzbühel, + 12.10.1973 in Innsbruck. Sein Vater war der Tischlermeister Peter, seine Mutter die Katharina Seiwald. Mit 12 Jahren begann er das Skilaufen und lernte unter anderem bei dem Skipionier Franz Reisch. Er besuchte die Volksschule, dann das Realgymnasium (ab 1911). 1917 mußte er seinen Militärdienst bei den Tiroler Kaiserjägern leisten und kam an die Dolomitenfront. Von November 1918 bis August 1919 war er in Riva am Gardasee interniert. Er studierte landwirtschaftliche Chemie und Agrarwissenschaft in Innsbruck und München und schloß als Diplom-Ingenieur ab. Das Klettern lernte er im Wilden Kaiser. Ab 1921 war er im Akademischen Alpenverein München und unternahm viele Erst- und Zweitbegehungen. Er war ein Sprachgenie und lernte bereits in seiner Schulzeit Englisch, Italienisch und Hindi. Wegen seiner Sprachkenntnisse konnte er an Paul Bauers berühmten Expeditionen zum Kangchendzönga (1929, 1931) teilnehmen. Der Himalaja und besonders Tibet hatten es ihm angetan und er sollte nie mehr ganz von ihnen wegkommen. Die 5. Nanga-Parbat-Expedition 1939 leitete er selbst. Es gab fünf Nanga-Parbat-Expeditionen von 1932 bis 1938, und alle folgten der gleichen Route. Im Frühjahr 1939 zog eine kleine Expedition im Auftrag der Deutschen Himalajastiftung aus, um eine neue Route durch die Diamirflanke zu erschließen. Geleitet wurde sie von Peter Aufschnaiter aus Kitzbühel, die drei weiteren Teilnehmer waren Heinrich Harrer aus Graz, Hans Lobenhoffer aus Bamberg und Lutz Chicken aus Bozen. Sie fanden einen möglichen, wenngleich schwierigen und gefährlichen Weg. Während die Gruppe im August 1939 nach Karachi reiste und von dort die Heimreise antreten wollte, brach der Krieg aus. Am 3. September wurde Aufschnaiter von sechs Polizisten und einem ihm bekannten Polizeioffizier in seinem Hotelzimmer verhaftet. Über das Lager Ahmednagar wurden sie in das Lager Dehra-Dun bei Mussorie in Nordindien gebracht. Am 29.4.1944 brachen Aufschnaiter und sechs andere aus dem Internierungslager Dehra-Dun aus. Harrer und Aufschnaiter erreichten Lhasa erst zwei Jahre später, am 15.1.1946. Fast sieben Jahre lang arbeitete Aufschnaiter dann für die tibetische Regierung, vor allem in der Landwirtschaft, vergrößerte aber auch das Kraftwerk und erstellte einen Stadtplan von Lhasa. Mit diesen Tätigkeiten wurde Aufschnaiter tibetischer Staatsbeamter und verlor die österreichische Staatsbürgerschaft. Diese erhielt er erst im Juli 1972 wieder zugesprochen. Am 20.12.1950 verließ er Lhasa, da die Chinesen mit der Besetzung Tibets begonnen hatten, überschritt aber erst im Januar 1952 die Grenze nach Nepal. Vom 19. März bis 23. September arbeitete er kartographisch für die nepalische Regierung, wurde dann aber auf Betreiben der Armee ausgewiesen. Im Januar 1953 begann er in New Delhi mit karthographischen Arbeiten für die indische Armee, die er fast vier Jahre lang durchführte. Zwischendurch war er immer wieder im Himalaja unterwegs, bestieg Berge oder führte ausgedehnte Korrespondenzen, unter anderem mit Sven Hedin. Während seiner Zeit in New Delhi traf er auch Hans Kopp wieder (s. Kopp). 1956 trat Aufschnaiter eine Stelle bei der F.A.O. (Food and Agrar Culture Organization) in Nepal an und erhielt einen nepalischen Paß. Bis zuletzt übernahm er Arbeiten für die nepalische Regierung, doch erforderten zunehmend Schwierigkeiten mit seiner Gesundheit immer häufigere Aufenthalte in Europa und Behandlungen in Sanatorien. 1973 starb er und ist in seiner Heimatstadt Kitzbühel begraben. 
Peter Aufschnaiter hatte Skrupel, sich zu verkaufen, blieb lieber bescheiden im Hintergrund: "Nicht scheinen, sondern sein" war sein Wahlspruch. Seine Tugenden waren Bescheidenheit, die Fähigkeit, Enttäuschungen durch innere Stärke zu überwinden und das ständige Bemühen, seine Kenntnisse anderen Menschen durch praktische Arbeit dienstbar zu machen. Er liebte die Natur und die Einsamkeit. Seine Habseligkeiten hatte er in den besten Zeiten in 17 Koffern untergebracht und immer lebte er unter einfachsten Bedingungen. 

(1.) Escape to Lhasa. In: The Himalaya Journal. Clarendon. Oxford. Vol. XIV (1947), S.116-120 

(2.) Diamir Side of Nanga Parbat, Reconnaissance 1939. In: The Himalaya Journal. Clarendon. Oxford. Vol. XIV (1947), S.110-115 

(3.) Himalaja im Karakorum. In: Der Kampf um die Weltberge. T. Herzog (Hrsg.) München 1955. 

(4.) Once More: The Yeti. In: East and West. G. Tucci (Hrsg.) IsMeo. Rom. Vol. 22, No. 1-2, S. 115-117, 1972 

(5.) Prehistoric sites discovered in inhabited regions of Tibet. In: East and West. G. Tucci (Hrsg.) IsMeo. Rom. Vol. 7, No. 1, S. 74-88, 1956 

(6.) Peter Aufschnaiter. Sein Leben in Tibet. Martin Brauen (Hrsg.) Steiger. Innsbruck. 1983. 17x25cm, OBrosch, 207p, zahlr. Abb. i. Text u. a. Tfll. 

Ludwig "Lutz"Chicken

Im Frühjahr 1939 zog eine kleine Expedition im Auftrag der Deutschen Himalajastiftung aus, um eine neue Route zur Besteigung des Nanga Parbat durch die Diamirflanke zu erschließen. Geleitet wurde sie von Peter Aufschnaiter aus Kitzbühel, die drei weiteren Teilnehmer waren Heinrich Harrer aus Graz, Hans Lobenhoffer aus Bamberg und Lutz Chicken aus Bozen. Sie fanden einen möglichen, wenngleich schwierigen und gefährlichen Weg. Während die Gruppe im August 1939 nach Karachi reiste und von dort die Heimreise antreten wollte, brach der Krieg aus. Am 3. September wurden sie verhaftet und über das Lager Ahmednagar sie in das Lager Dehra-Dun bei Mussorie in Nordindien gebracht. Promovierte 1947 an der medizinischen Fakultät München zum Thema "Die Krankheitsindizien im Internierungslager Premnagar" und hat dabei wohl seine Erfahrungen als Internierter verarbeitet. 

(1.) Die Krankheitsindizien im Internierungslager Premnagar/Britisch-Indien. (Beobachtungen über die im Internierungslager Premnagar, Britisch-Indien, vorkommenden Krankheiten mit Berücksichtigung des Alters, der Landart und des Klimas.) Dissertation. München 4.12.1947 

Gustav Fruhmann

Am 24.10.1896 hatte Fruhmann seine Kellnerausbildung abgeschlossen und verläßt Wien achtzehnjährig. Er will die Welt sehen, die angebotene Stelle bei Sacher sagt er ab. Mit einem Billett dritter Klasse und 120 Gulden fährt er nach London. Der Stelle in London folgt eine auf einem Dampfer nach Südafrika und er macht die Reise zweimal, geht heimlich von Bord und bleibt in Südafrika, bis er 1899 den Einberufungsbefehl bekommt. Zurück in Wien sagt man ihm, man hätte dieses Jahr schon genügend Rekruten, er könne wieder gehen. Einem Engagement auf einem Dampfer im Mittelmeer entflieht er in Istanbul. "Ich bin schon ein unruhiges Blut, das nicht lange an einem Ort bleiben kann, ich bin das, was man auf wienerisch einen `Strabanzer´ nennt, eigentlich schon ein Weltstrabanzer." 1900 geht er zur Weltausstellung nach Paris, überwintert dann in Ägypten und findet sich im Sommer wieder in Ostende. Es folgt der Sprung über den Ozean und Arbeitsstellen in den USA und Kanada. Dann ist er wieder in Ägypten, diesmal als Speisewagenkellner, und Manager auf dem Dampfer von Khartum nach Juba im Sudan. Einige Monate verbringt er auf Urlaub in Wien, "aber gegen Amerika und Ägypten kam mir hier alles klein und eng vor." Dann geht es wieder hin und her: Ägypten, Österreich, erneut Ägypten und wieder Österreich. Er heiratet und geht mit seiner Frau nach Ägypten, um dort eine Existenz zu gründen. Ein Jahr halten sie es aus, dann folgt eine Stelle in Triest, und bald darauf gehen sie nach Amerika. Während des Ersten Weltkriegs sind sie wieder in Österreich. 

(1.) Im Frack um die Welt. Erlebnisse eines Oberkellners in 4 Erdteilen. Velhagen & Klasing, Bielefeld, 1937. 13x 20 cm, OLn, 184p, Frontispiz (30.000 Ex. bis 1944) 

Heinrich Harrer

*6.7.1912 Hüttenberg in Kärnten, Sohn eines Postbeamten, evangelisch, studierte in Graz Geographie und Leibesübungen. Er begann mit etwa 17 Jahren Ski zu fahren und Berge zu erklettern. 1936 nahm er als Mitglied der österreichischen Ski-Mannschaft an den Olympischen Winterspielen teil; 1937 wurde er Weltmeister im Abfahrtslauf bei den akademischen Meisterschaften. Von Sven Hedin erbat er sich das einzige Autogramm seines Lebens, als dieser in Graz einen Vortrag hielt. Gemeinsam mit Andreas Heckmair, Ludwig Vörg und Fritz Kasparek bezwang er am 24.7.1938 als erster die Eiger-Nordwand, zwei Wochen nach seiner Abschlußprüfung an der Universität. Im Dezember 1938 heiratete er Lotte Wegener, die jüngste Tochter des Forschers und Grönlandreisenden Alfred Wegener. Mit ihr hat er einen Sohn, Peter. Die Ersteigung der Eiger-Nordwand bringt ihm die Möglichkeit zur Teilnahme an der Nanga-Parbat-Expedition der Deutschen Himalaja-Stiftung 1939, zusammen mit Aufschnaiter, Lobenhoffer und Chicken. Am 1.9.1939 waren deutsche Truppen in Polen einmarschiert, am 3.9. hatte England den Deutschen den Krieg erklärt. Zurück vom Gipfel saß Harrer gerade mit englischen Offizieren in einem Garten in Karachi und trank Tee, als 20 Inder auftauchten, ihn verhafteten und ins Internierungslager Ahmednagar brachten. Ein erster Fluchtversuch von Harrer und Lobenhoffer scheitert schon nach wenigen Minuten. In Dehra Dun angekommen, lernte Harrer Tibetisch, Hindi und Japanisch und bereitete seine Flucht vor. Am 29.4.1944 brachen Harrer und sechs andere aus dem Internierungslager Dehra-Dun aus. Harrer und Aufschnaiter erreichten Lhasa erst zwei Jahre später, am 15.1.1946, in den nächsten Jahren arbeitet er für die tibetische Regierung. Im Sommer 1952 ist Harrer wieder in Österreich. Nach seiner Rückkehr aus Tibet 1951 unternahm er Vortragsreisen in Europa und Amerika, dann eine Expedition ins Amazonasgebiet, kletterte 1954 in Alaska, bestieg 1957 den Ruwenzori in Ostafrika. 1958 wurde er österreichischer Golfmeister. Später war er über ein Jahrzehnt Präsident des österreichischen Golfverbandes und blieb danach dessen Ehrenpräsident. Er wohnte 1955 in Kitzbühel (Reichstraße 6). 1961/62 war er neun Monate in West-Neuguinea und kam mehrere Male nur knapp mit dem Leben davon: Für ein Interview unterbrach er seinen Flug - das Flugzeug zerschellte beim Weiterflug an einem Berg, nachdem er ausgestiegen war. Er stürzte einen Wasserfall von der Höhe eines sechsstöckigen Hauses herab und überlebte, zählte aber 32 kaputte Knochen. Ganz unabenteuerlich lernte er seine zweite Frau auf dem Golfplatz kennen und heiratete Carina von der Heydt am 10.8.1962 in Kitzbühel. 1966 reist Harrer in das Gebiet der Xingu-Indianer in Brasilien und noch im gleichen Jahr nach Surinam, diesmal zusammen mit dem belgischen König Leopold. In den nächsten Jahren folgten expeditionsartige Reisen, u.a. nach Französisch-Guayana (1969), Borneo, Sarawak, Andamanen, meist zusammen mit dem belgischen König. Immer wieder aber unternahm er "normale" Reisen in die Länder des Himalaja, jährlich besuchte er den Dalai Lama. Einer seiner häufigsten Sätze ist: "Ganz sicher bin ich erst, wenn ich die Technik hinter mir gelassen habe und mich auf Expeditionen nur noch auf meine eigenen Kräfte verlassen kann." Mit 72 Jahren nahm er noch an allen großen Langläufen, wie dem Engadin-Marathon oder dem Lienzer Dolomitenlauf teil. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit produzierte er von 1963 bis 1984 41 Filme für das Fernsehen. 

(1.) Sieben Jahre in Tibet. Mein Leben am Hofe des Dalai Lama. Ullstein. Wien. 1952. 266 S. (9 deutsche Ausgaben, weltweit 40 Auflagen, ca. 3,5 Millionen Exemplare) 

(2.) Die weisse Spinne. Die Geschichte der Eiger-Nordwand. Ullstein. Wien. 1959. Ullstein. Wien. 1958. 228 S. (6 Ausg.) 

(3.) Ich komme aus der Steinzeit. Ewiges Eis im Dschungel der Südsee. Ullstein. Berlin. 1963 251 S., 8° (5 dt. Ausg.) 

(4.) Thubten Dschigme Norbu. Tibet, verlorene Heimat. Ullstein. Wien. 1960, 283 S. (2 dt. Ausg.) 

(5.) Tibetausstellung. Sammlung Heinrich Harrer. Veranstaltung durch d. Österreich. Kulturvereinigung im Museum für Völkerkunde, Wien. Gistel. Wien. 54 S. 

(6.) Meine Tibet-Bilder. Text von Heinz Woltereck. Heering. Seebruck/Chiemsee. 1953 (2 dt. Ausg.) 

(7.) Huka, Huka. Bei den Xingu-Indianern in Südamerika. Ullstein. Berlin. 1968. 131p, 8°, 20 farb. Abb. a. Tfll.) 

(8.) Geister und Dämonen. Magische Erlebnisse in fernen Ländern. 

(9.) Die Götter sollen siegen. Wiedersehen mit Nepal. 

(10.) Heinrich Harrers Impressionen aus Tibet. Sammlung Harrers im Völkerkundemuseum der Universität. 240 S. 

(11.) Unter Papuas. Mensch und Kultur Neuguineas. Pinguin. Innsbruck. 1976. (3 Ausg.) 

(12.) Die letzten Fünfhundert. Zwergvölker auf den Andamanen-Inseln. 

(13.) Ladakh. Götter und Menschen hinterm Himalaja. 168 S. 

(14.) Tips, Tabellen und Geschichten für die Jugend. 

(15.) Die Lust am großen Abenteuer. Heinrich Harrer als Mensch und Forscher. 64 S. 

(16.) Unterwegs - Handbuch für Reisende. Mitarb. v. A. Thorer u. K.R. Walddorf. Brockhaus. Wiesbaden. 1980. 166p, 8° 

(17.) Geheimnis Afrika. 

(18.) Der Himalaja blüht. 

(19.) Ladakh. 

(20.) Rinpotsche von Ladakh. 

(21.) Wiedersehen mit Tibet. 

Heins von Have

Etwa um 1910 geboren. Lebte bis zum Ausbruch des Krieges in Batavia und war dort als Kaufmann tätig, wurde von den Holländern interniert und vor der Landung der Japaner auf Java mit den anderen Deutschen aus Indonesien nach Britisch-Indien gebracht.. Er hatte schon bei seiner Ankunft in Dehra-Dun den Ruf eines tollkühnen Ausbrechers. Zusammen mit dem Hamburger Hans Peter Hülsen unternahm er einen ersten Fluchtversuch, indem sie aus einem fahrenden Zug sprangen. Zunächst erfolgreich, wurden sie dennoch bald gefaßt. Ein zweiter Fluchtversuch der beiden endete kurz vor dem Erreichen der burmesischen Grenze mit dem Tod des Hamburgers. Am 29.4.1944 brachen Have und sein Freund Magener sowie fünf andere aus dem Internierungslager Dehra-Dun aus. Nach 31 Tagen überschritten sie die Grenze nach Burma und verbrachten dann nochmals einige Monate in Haft, bis sie die Japaner davon überzeugt hatten, daß sie keine Spione waren. 
Keine Buchveröffentlichungen im GV. 

Werner-Otto von Hentig

* 22.5.1886 in Berlin. Sein Vater war Staatsminister, seine zweite Frau eine Luise von Mach, mit ihr hatte er vier Kinder. (Sein Sohn Hartmut von Hentig ist heute ein berühmter Erziehungswissenschaftler in Bielefeld.) Er besuchte das Gymnasium in Gotha und die Universitäten in Grenoble, Königsberg, Berlin und Bonn. 1909 promovierte er zum Dr. jur. et rer. pol. und trat in den diplomatischen Dienst ein, wurde Attaché in Peking, Konstantinopel und Teheran. 1915 bis 1917 war er in besonderer Mission nach Afghanistan unterwegs, danach Pressechef an der deutschen Botschaft in Konstantinopel. Er trat nach dem Umsturz aus dem Reichsdienst aus, engagierte sich bei der Rettung deutscher Kriegsgefangener aus Sibirien, wurde dann erneut Geschäftsträger des Reiches zunächst in Estland, dann auf dem Balkan und schließlich in Posen. In den zwanziger Jahren wurde er in der deutschen Jugendbewegung aktiv. 1937-1939 leitete er die Orientabteilung im Auswärtigen Amt in Berlin. 

(1.) Heim durch Kurdistan. Ritt u. Reise von Persien zur Ostfront 1914. Voggenreiter. Potsdam. 1943. 124 S., 8° (2 Ausg.) 

(2.) Ins verschlossene Land. Ein Kampf um Mensch und Meile. Voggenreiter. Potsdam. 1928. 192 S., 8° (7 dt. Auflg., Über 200. Tsd. Ex. i. d. 1. Aufl.) 

(3.) Mein Leben, eine Dienstreise. Vandenhoek u. Ruprecht. Göttingen. 1962. 507 S., 8° (2 dt. Aufl.) 

(4.) Der Nahe Osten rückt näher. List. 1940. 117 S., 8° 

Arthur Heye

Artur Heye (*4.11.1885 in Leipzig) entstammt einer Arbeiterfamilie, besucht die Volksschule, dann ein halbes Jahr die Fortbildungsschule. Im Alter von vierzehn Jahren (1899) entflieht er seinem Stiefvater und ist zunächst ein halbes Jahr auf Wanderschaft, bevor er in Antwerpen auf der Dreimastbark Luise Henriette anheuert, die allerdings bereits am 25. April 1900 vor der westafrikanischen Küste sinkt. Nach seiner Rettung fährt er auf dem Vollschiff Black Swan um Kap Horn zu den Galapagos und ist Weihnachten 1901 wieder zurück in Antwerpen. Dann heuert er auf dem Dampfer Westfalen als Heizer an, schippert über Indien nach Südostasien und ist am 27. April 1901 in Genua. In Hartlepool mustert er ab und fährt auf dem Vollschiff Gwendolin im Juni/Juli nach Florida. Dort flüchtet er nach einer Auseinandersetzung mit dem Steuermann vom Schiff und ist als Junge zwei Monate auf einer Jacht in der Karibik unterwegs. An einer fiebrigen Krankheit sterben fünf der sieben Besatzungsmitglieder, Heye selbst überlebt, ist wochenlang erblindet und gewinnt auch später nur etwa ein Drittel der Sehkraft zurück. Als Kohlenzieher auf dem Dampfer Dolly Dane fährt er zurück nach Europa und ist Anfang 1902 in Hamburg. Nach einem kurzen Heimatbesuch wird er Heizer auf dem Dampfer Kaiser Wilhelm II., verschwindet aber am 16.10.1902 in Hoboken von Bord. Drei Jahre betätigt er sich in etwa zwanzig Berufen und zieht weitere zwei Jahre als Tramp durch die USA. Nach dem Tode seines Stiefvaters heuert er als Heizer auf dem Passagierdampfer Potsdam an und trifft nach 10 Jahren Abwesenheit wieder in Deutschland ein. 

Dort bietet sich ihm die Gelegenheit zu ersten Veröffentlichungen. Nach einigen Monaten treibt es ihn im Herbst 1909 wieder in die Welt; zu Fuß wandert er nach Italien und setzt auf der Baron Call nach Ägypten über. Dort verbringt er drei Jahre, während derer er im Winter in einem Sanatorium arbeitet und im Sommer bei den Beduinen lebt. 1912 folgt wieder ein kurzer Heimaturlaub, dann bricht er im Oktober erneut auf, wandert durch die Schweiz, über Mailand, Florenz, Rom, Neapel nach Palermo. Wird auf einer Jacht nach Barcelona mitgenommen, durchstreift Spanien über Madrid, Sevilla und Granada, setzt nach Marokko über, zieht mit einer Eselskarawane durch das Rif-Gebirge, Algerien und Tunesien und erreicht Ägypten. 

Von dort reist er über den Sudan nach Äthiopien, doch muß er die Reise verschiedener Unglücke wegen abbrechen. Über den Jemen und Somalia erreicht er 1913 Britisch-Ostafrika und betätigt sich dort als Tierphotograph. Einige Monate hält er sich in Uganda und dem östlichen Kongo auf. Im August 1914 erhält er seinen Gestellungsbefehl und ist drei Jahre Soldat und Unteroffizier während des 1. Weltkriegs in Ostafrika. Im Juni 1917 bringen ihn die Engländer als Kriegsgefangenen nach Indien, per Schiff von Daressalam aus. Bis 1920 lebt er im Gefangenenlager. Es folgt eine längere Zeit in der Heimat, die mit Schreiben und Vorträgen ausgefüllt ist. 1921 ist er in Italien, 1922/23 verbringt er sieben Monate in Ägypten, die Sommer 1923 und 1924 wieder schreibend in der Schweiz und Italien. 1925/26 ist er in Ostafrika und dreht einen Film, im März 1926 ist er wieder in Deutschland. Im Juli 1928 heiratet er. 1929/30 ist er mit seiner Frau in Brasilien unterwegs, leidet jedoch wie schon seit Jahren an einer chronischen Gallenerkrankung, zusätzlich an einem Magengeschwür. 

1932-1933 lebt er in Alaska. Aus politischen Gründen verlegt er seinen Wohnsitz dann in die Schweiz, nach Ascona. Nach 1940 erscheinen die Bände der Wilden Lebensfahrt, von neueren Reisen berichtet nur der 1939 erschienene Band "Mit Trappern, Fischern, Goldsuchern in Alaska". Falls danach weitere Reisen stattgefunden haben, so hat Heye nichts davon publiziert. In einem Band schreibt er jedoch, daß er bei der Niederschrift bereits 16 Jahre mit seiner Frau Ruth verheiratet ist. Das muß also 1944 sein, nur etwa drei Jahre vor seinem Tod. Er stirbt am 1.11.1947 in Ascona in der Schweiz. 

(1.) Vitani. Kriegs- und Jagderlebnisse in Ostafrika 1914-1916. Leipzig, Grunow (DEA 1921) in 4 Auflagen bis 1931 

(2.) Hatako. Das Leben eines Kannibalen. Berlin, Safari-Vlg. (DEA 1921) in zwei Auflagen und vier Ausgaben bis 1945 

(3.) Wanderer ohne Ziel. Von abenteuerlichem Zwei- und Vierbein. Berlin, Safari-Vlg. (DEA 1922) in zwei Ausgaben 

(4.) Unterwegs. Die Lebensfahrt eines romantischen StrolchesBerlin, Safari- Vlg. (DEA 1925), 30 Auflagen in 5 Ausgaben bis 1948, darunter auch "Wilde Lebensfahrt Bd. 13" 

(5.) Allah hu akbar. Unterwegs im Morgenlande. Berlin, Safari Vlg. (DEA 1926) 5 Aufl. u. 3 Ausg.bis 1961 

(6.) Meine Brüder. Bilderbuch einer langen Fahrt durch befremdliche Länder und Zeiten Berlin, Safari-Vlg., (DEA 1926), 2 Aufl. u. sechs Ausgaben bis 1951 

(7.) Pech. Afrikanische Zufälle Berlin, Safari-Vlg. (DEA 1927) in zwei Auflagen 

(8.) Brennende Wildnis. Bilderbuch e. langen Weges durch befremdliche Länder u. Zeiten. Berlin, Safari-Vlg. (DEA 1927) 

(9.) Filmjagd auf Kolibris und Faultiere. Nach brasilianischen Tagebuchblättern eines Kurbelmannes. Berlin, Safari-Vlg. (DEA 1929) in 2 Ausgaben 

(10.) Millionen am Amazonas. Ein Roman. Berlin, Safari-Vlg. (DEA 1930) 

(11.) Tiere, wie ich sie sah. Aus Urwald und Steppe. Berlin, Safari Vlg. (DEA 1933) 

(12.) Amazonasfahrt. Erlebnisse in Brasilien. Zürich, Büchergilde Gutenberg 1944 in 2 Ausg. bis 1950 

(13.) Ein Leben unterwegs. Berlin, Safari-Vlg. (DEA 1948) in 2 Ausgaben bis 1950 

(14.) In Freiheit dressiert. Zürich, Albert Müller, 160 S., Ln 

(=Wilde Lebensfahrt Bd. 1) zwei Aufl. u. zwei Ausg. bis 1961 

(15.) Allahs Garten. Erlebnisse im Morgenland. Zürich, Albert Müller, 1961, 188 S., 2 Bl., Ln, (=Wilde Lebensfahrt Bd. 2) 

(16.) Hinein nach Afrika. Zürich, 1940, 160 S., Ill., in zwei Auflagen (=Wilde Lebensfahrt Bd. 3) 

(17.) Die Wildnis ruft. Zürich, Albert Müller, 1941, 164 S., Ln 

(=Wilde Lebensfahrt Bd. 4) in 2 Aufl. bis 1943 

(18.) Steppe im Sturm. Zürich, 1942, 159 S., Ln. (=Wilde Lebensfahrt Bd. 5) 

(19.) Ewige Wanderschaft. Zürich, Müller, 1942, 154 S., 3 Bl., Ln (=Wilde Lebensfahrt Bd. 6) in 2 Ausgaben 

(20.) Im letzten Westen. Mit Trappern, Fischern, Goldsuchern in Alaska. Zürich, Müller, 32 Tfll., 304 S., Ln, 5 Aufl. bis 1953 

(21.) Hatako-Mariani. Das Leben eines Kannibalen. Zürich, Müller, 1945, 192 S., Ln (=Wilde Lebensfahrt Bd. 11) 

(22.) Unterwegs. Rüschlikon-Zürich, Müller, 170 S., Ln., (=Wilde Lebensfahrt Bd. 13)  

(23.) Amazonasfahrt. Erlebnisse in Brasilien. Rüschlikon-Zürich, Müller, 1950, 302 S., Ln., (=Wilde Lebensfahrt Bd. 19) 

Oskar und Anita Iden-Zeller

(1.) Im Fischerboot zum sibirischen Eismeer. Eine Fahrt mit jakutischen Fischern zum Lenadelta. (Auskopplung aus: Weg der Tränen.) Bilder v. Ernst Liebermann. Enßlin u. Laiblin. Reutlingen. 1932. 32 S., 8° (2 Aufl.) 

(2.) Das Dorf Myßkowo. Novelle. Reclam. Lpz. 1929. 76 S. 

(3.) Nomaden der Tundra. J. Beltz. Langenfeld. 1933. 38 S., kl. 8°. (3 Aufl.) 

(4.) In Steppe und Urwald Ostsibiriens. J. Beltz. Langenfeld. 1933 kl. 8°. (2 Aufl.) 

(5.) 12000 Kilometer durch Sibirien. Reclam. Lpz. (2 Ausg.) 

(6.) Sibirische Skizzen. (Co-Autor: Egon Frh. von Kapherr). Diesterweg. Frankfurt/M. 1928. 32 S., 8°. 

(7.) Der Weg der Tränen. 11 Jahre verschollen in Sibirien. 1926-1929. 512 S. Reclam. Leipzig. 8° (8 Aufl., 3 Ausg.) 

(9.) Auf einsamen Wegen in Nordost-Sibirien. (Schaffsteins grüne Bändchen 39) 

Erich Killinger

* 21.11.1893 in Schönau im badischen Wiesental. Sein Vater Emil war Geheimer Regierungsrat, seine Mutter hieß Elisabeth Helfrich. Er besuchte das humanistische Gymnasium, machte das Abitur am Kings College in London, studierte Jura und Nationalökonomie an den Universitäten in Heidelberg, Hamburg und Berlin. 1913 trat er in die kaiserliche Marine ein und war bis Frühjahr 1914 auf der SMS Vineta in Westindien und Südamerika unterwegs. Vom August 1914 bis März 1915 flog er Einsätze in der Ostsee, wurde dann abgeschosssen und geriet in russische Gefangenschaft. Es folgten Flucht und Heimkehr und von 1916 bis zum Kriegsende war er Marineflieger in Flandern. 1920-22 besuchte er Java und Sumatra, 1925 China und Japan. Er blieb ledig und wohnte 1928 in Heidelberg (Anlage 45). 

(1.) Flucht um die Erde. Abenteuer des Ostseefliegers im Weltkrieg. Berlin: Ullstein 1934. 12,5x19,5cm, OLn, 225p, ca. 20 Abb a. 16 Tfll, Abb. i. Text 

Fritz Kolb

Dr. phil, Fachlehrer an Wiener Vorstadtschulen, ist während der Ferien als Bergführer tätig. Ab 1937 plant er mit seinem Kollegen Ludwig Krenek eine Himalayafahrt. Sie treiben vier Engländer auf, die es sich etwas kosten lassen, von den beiden geführt zu werden. Da aber alle recht wenig Geld haben, wird die Fahrt sehr spartanisch geplant: Zelt, drei Sherpas statt zwanzig, Schiffsanreise statt Flug usw. Kolb darf nur 150 französische Franken oder zehn Reichsmark ausführen - recht wenig für drei Monate! Im August 1939 reisten sie von Venedig ab und erreichten Mitte des Monats über Bombay, Amritsar, Kangra und, Kailang den Fuß des Mulkila (6517m). Nach dem Kriegsausbruch dauerte es bis Ende September, um aus den Bergen in die größeren Städte zurückzukommen. Dort wurden sie verhaftet und kamen über Lahore und Deloali nach Dehra Dun. 1944 konnten sie als Lehrer außerhalb des Lagers unterrichten und wurden deshalb entlassen. 1945 und 1946 machte Kolb von seinem jetzigen Wohnort Madura in Südindien weitere Reisen in den Himalaya, erst nach Garhwal, dann nach Padar. Eine Rückreise nach Europa mit dem Schiff war nicht möglich, da alle Schiffe für ein Jahr ausgebucht waren, denn auch die Engländer wollten nach Hause. Im Juli 1946 konnte er endlich seine Frau nach Indien holen, die er seit sieben Jahren nicht mehr gesehen hatte. 

(1.) Third Choice - Adventures in the Padar Region. In: The Himalaya Journal. Clarendon. Oxford. Vol. XIV (1947) 

(2.) Einzelgänger im Himalaya. Bruckmann. München. 1957. OLn, 176p, 8°, 16 SW-Tfll., 3 Kt. 

Hans "Hanne" Kopp

Geboren vermutlich nach 1900 im Buschland Südwestafrikas, wo der Vater als Eisenbahningenieur der Otawi-Bahn tätig war. Kopp ist Abenteurer seit der Kindheit: ".... die kleine Schule des Städtchens Karibib, in die man mich später schickte, sagte mir wenig zu. Ich mied sie nach Möglichkeit, saß lieber in irgendeinem Versteck, um die Pfeifen und den Knaster der Einheimischen zu probieren, oder machte die Umgebung unsicher ... Ja, einmal floh ich, nachdem ich eine durchaus gerechte Strafe empfangen hatte, und trieb mich mit den Ovambos drei Monate im afrikanischen Busch herum." 1919 wird sein Vater ausgewiesen und die beiden ziehen nach Berlin, Mutter und Schwester waren bereits gestorben. Er läßt sich als Elektrotechniker ausbilden, doch es hält ihn nicht in Berlin: "Das Verlangen nach Weite und Ferne war nicht zu dämmen, und insgeheim reifte mehr und mehr der Plan, so bald als möglich ins Unbekannte aufzubrechen. Von meinem ersten selbstverdienten Geld kaufte ich mir ein Motorrad mit Seitenwagen, und an einem schönen Herbsttag ging es ohne Abschied fort, in den Süden, in die Welt ... Eine Zeit vieljährigen Umherschweifens und beruflichen Abenteuers, die mich durch mancherlei europäische Länder führte und viel Interessantes kennen lehrte, nahm ihren Anfang." Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges traf ihn fünfzig Kilometer von Bagdad entfernt, auf einem Bauplatz in der Wüste, und über die Stationen Basrah und Ahmednagar brachte man ihn ins Lager Dehra-Dur. "Sein wuchtiger Brustkasten hatte ihm den Spitznamen `Geschwollener´ oder auch `Brust mit Beene´ eingetragen, weil seine Beine für den mächtigen Oberkörper zu schwach waren. Er war wohlgelitten, denn wohin er kam, trieb er seinen Ulk und hob mit ausgelassenen Streichen die Stimmung. Man hatte immer den Eindruck, daß er nach einem sehr schweren Gegenstand suche, um dessen Transport zu übernehmen. ... Angezogen war er auf Krawall. Mund und Herz saßen ihm auf dem rechten Fleck." Seinen ersten Fluchtversuch unternimmt er zusammen mit dem Ringer Ede Krämer am 30.4.1943, versteckt in einer Fuhre Mist. Sie gelangen nach Tibet, doch schiebt man sie wieder ab. Zurück in Indien lassen sie sich in einem kleinen Dorf Missionarskutten schneidern, üben einen würdevollen Gang, rasieren sich eine Tonsur und gaben sich fortan als österreichische, aus Tibet kommende Mönche aus. So schafften sie es immerhin, unerkannt bis Delhi zu kommen. Daß sie dort festgenommen wurden, verdankten sie dem Verrat eines Bekannten aus alten Tagen, dem sie sich anvertrauten. Die zweite Flucht erfolgte am 23.4.1944 zusammen mit Friedel Sattler im Anschluß mit Heinrich Harrer, Peter Aufschnaiter, Rolf Magener, Heins von Have, Bruno Treipl. Kopp gelangt durch Tibet bis nach Nepal, wird aber von der nepalischen Regierung an die Engländer ausgeliefert und ist am 25.12.1944 wieder in Dehra-Dun. Im April wurden alle bisherigen neunzehn Ausreißer in das Lager Deoli, etwa neunzig Kilometer von Kotta entfernt, strafversetzt. Ende 1945 wird das Lager aufgelöst und im Januar 1946 ist Kopp in Berlin. "Erschütternd war dieses Wiedersehen mit der grauenvoll zerstörten Stadt, die Begegnung mit all den bleichen, abgehärmten Menschen und die Bekanntschaft mit der bitteren Not damals bei uns. Das Fernweh packte mich stärker noch als zuvor; ich setzte alle Mittel daran, wieder in die Welt hinauszugelangen." Ab 1948 ist er bereits wieder in Indien, mit einem Einjahresvertrag und arbeitete dort als Angestellter beim größten Dammbauprojekt Indiens am Sutlej-Fluß. Dort blieb er wohl mehrere Jahre, denn zwischen 1953 und 1956 traf ihn Peter Aufschnaiter in New Delhi und 1954 zog Kopp nochmals die tibetische Höhenstraße entlang, diesmal im Frieden und ohne gehetzt zu werden. Dafür aber schon mit der Kamera, vielleicht angesichts seines Buches, das 1955 erschien. Um 1983 lebte Kopp in Kanada. 

(1.) Sechsmal über den Himalaya. Fluchterlebnisse eines Deutschen in Indien und Tibet. Hermann Klein, Freiburg /Br., 1955. 13x21cm, OLn, 242p, 20 SW-Abb. a. 16 Tfll. 

Edmund "Ede" Krämer

Ein damals in Asien bekannter und erfolgreicher Ringkämpfer. Er liebte das Abenteuer und ging keiner Auseinandersetzung aus dem Weg, mischte bei allem mit, was nicht ganz legal war. 
Keine Buchveröffentlichungen laut GV 

Hans Lobenhoffer

Im Frühjahr 1939 zog eine kleine Expedition im Auftrag der Deutschen Himalajastiftung aus, um eine neue Route zur Besteigung des Nanga Parbat durch die Diamirflanke zu erschließen. Geleitet wurde sie von Peter Aufschnaiter aus Kitzbühel, die drei weiteren Teilnehmer waren Heinrich Harrer aus Graz, Hans Lobenhoffer aus Bamberg und Lutz Chicken aus Bozen. Sie fanden einen möglichen, wenngleich schwierigen und gefährlichen Weg. Während die Gruppe im August 1939 nach Karachi reiste und von dort die Heimreise antreten wollte, brach der Krieg aus. Am 3. September wurden sie verhaftet und über das Lager Ahmednagar sie in das Lager Dehra-Dun bei Mussorie in Nordindien gebracht. 
Keine Buchveröffentlichungen laut GV 

Rolf Magener

1910 geboren. Magener hatte ein College in England besucht, war für seine Firma, die IG Farbenfabriken, bei der er auch eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hatte, viel in London, Indien und anderen Ländern Asiens unterwegs gewesen, und sprach perfekt Englisch. Er promovierte am 14.7.1937 an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät in Frankfurt/Main in Betriebswirtschaft. Danach war er in Bombay tätig, bis er dort am 3. September 1939 verhaftet wurde und ins Lager Dehra Dun bei Mussorie in Nord-Indien kam. Er entkam zusammen mit von Have, Harrer, Aufschnaiter, Sattler und Kopp und schlug sich zusammen mit Have nach Burma durch, wo er sich in die Hände der Japaner begab. 31 Tage brauchten sie bis zur burmesischen Grenze, doch mehrere Monate waren nötig, um die Japaner zu überzeugen, daß sie keine Spione waren. 1947 war er wieder in Deutschland und arbeitete dort für die BASF. 

(1.) Die Chance war Null. Ullstein. Wien (2 Aufl., 17 Tsd., 1954 u. 4 weiteren Ausg. 1956 (Lizenzausg.), 1961 (Buchclubausg.), 1963 (Sonderausg.), 1976 (Taschenbuch) 

(2.) Industrieliquidität im Konjunkturverlauf. Dissertation. Offenbach a. M. Scheurle. VIII, 176 S. 

Marchese

Keine Buchveröffentlichungen in deutscher Sprache laut GV. 

Walter-Eberhard Freiherr von Medem

* 4.5.1887 in Liegnitz. Verheiratet mit Dorothee, Gräfin von Rothkirch und Trach, Vater einer Tochter (Mechthild, *1915) und eines Sohnes (Eberhard, *1913). Hauptmann, Redakteur bei der "Ostpreußischen Zeitung", Chefredakteur der "Allensteiner Zeitung", dann Chefredakteur des "Tag" (Scherl Vlg., Berlin). 

(1.) Blick in die weite Welt. Limpert. Berlin. 1940. 317 S., 8°. (2 Aufl.) 

(2.) Kabinenjunge Werner Franz vom Luftschiff "Hindenburg". Nach Erzählungen und Aufzeichnungen von Werner Franz. Schneider. Berlin. 1940. 111 S., 8°. (54. Tsd. Ex.) 

(3.) Fliegende Front. Wehrmacht. Berlin. 1942. 118 S., gr. 8°. 

(4.) Kampf gegen das System als Chronist 1926-1932. Schlieffen. Berlin. 1937. 331 S., gr. 8° 

(5.) Seldte, Duesterberg. Kittler. Berlin. 1932. 112 S., 8°.  

(6.) Stürmer von Riga. Geschichte eines Freikorps. Schneider. Leipzig. 1935. 96 S., 8°. (2 Aufl.) 

(7.) Abenteuer in der Wüste. (Co-Autor von Max Kirsch) 

Hans von Meiss-Teuffen

* 25.11.1911. Verbrachte seine Kindheit in der Schweiz und in Wien, Banklehre in Berlin (2 Jahre) und London. Ein Onkel war Bankdirektor, ein anderer Präsident einer Bank; beide boten ihm mehrfach Posten an, die er aber ablehnte zugunsten eines ungebundenen Lebens. Nach sechs Jahren Banklehre beginnt er seine Lehre als Vagabund im Sommer 1935. Sein erstes Schiff, die "Santa Barbara", bringt ihn von Brindisi nach Griechenland, die Beteiligung an einem zweiten, der "Austria", bis Beirut (September 1935), ein drittes, die "L´Enchanteresse" vorerst bis in den Hafen von Haifa. Dort betritt er am 19.10.1935 illegal palästinensischen Boden. In Kiriat Chaim gibt er sich als Jude aus und verbringt dort arbeitend acht Monate, bevor er sich wieder auf den Weg macht, diesmal nach Port Sudan (1936). Die Überfahrt nach Indien erfolgt auf einer arabischen Dhau, von Bombay nach Madagaskar ist er wieder auf eigenem Schiff, der "Ibis" unterwegs und versucht sich eine Zeitlang als Unternehmer im Perlentauchergeschäft auf den Seychellen (September 1936). Die Ibis sinkt im Hafen von Madagaskar und es folgen Zeiten in Rhodesien als Verwalter einer Gemüsefarm, (Dezember 1936-April 1937), Lastkraftwagenfahrer, (Mai), Aufseher auf einer Orangenfarm, Leiter eines Straßenbaus, (5 Monate bis Februar 1938), Sprengmeister in einer Kupfermine. (März 1938-Oktober 1938). Ab Juni 1938 führte er mit großem Erfolg ein selbsterbautes Hotel mitten im Busch, 130 Meilen von der nächsten Stadt und baut dieses Projekt bis August 1939 immer weiter aus. Wegen des Zweiten Weltkriegs fährt er im September 1939 in die Schweiz, meldet sich zum Militärdienst, wird jedoch bald dienstuntauglich geschrieben wegen seiner Malaria. Im Oktober 1941 sticht er wieder in See, mit der "Rütli 650" aus dem spanischen Hafen Muros an der Atlantikküste. Lissabon, Tanger, Casablanca, Gran Canaria, Port Etienne, Dakar, Bathurst und Freetown sind die Stationen entlang der Atlantikküsten, doch im April 1942 läuft er auf ein Riff, sein Schiff sinkt und er rettet sich nach Freetown, wo er bis März 1943 bleiben muß. Auf der Rückreise nach England wird der Frachter versenkt, auf dem er sich befindet, ein Kreuzer rettet die Schiffbrüchigen. Bald darauf ist er in England und muß als Arbeitspflichtiger bis Kriegsende Lastwagen fahren. Im Juli 1945 kauft er sich erneut ein Schiff, die "Speranza", segelt die vertraute Route bis Casablanca und überquert den Ozean in der Rekordzeit von 58 Tagen, landet am 29. Juli 1946 in New London. Bis 1950 bleibt er in Amerika, unternimmt dort und in Deutschland mehrere Vortragsreisen. 
Meiss-Teuffen scheint ein richtiges Sprachgenie zu sein. Neben Deutsch, Schwyzerdütsch und Französisch, den Schweizer Landessprachen, spricht er auch englisch, liest lateinische Bücher, kann sich passabel mit erkennbarem Akzent auf Arabisch unterhalten, lernt etwas Hebräisch und in Rhodesien Chinyjanja, die Sprache der Einheimischen. 

(1.) "Ziel im Wind." (a. d. Engl.) Ullstein. Wien 1951 (2 Auflagen), 360 S., 8° und ebd. 1954 (gekürzte Ausg.), 191 S., 8° 

(2.) "Postlagernd USA." Ullstein. Wien. 1956, 350 S., 8° (=Abenteuer des Lebens) 

Antoni-Ferdinand Ossendowski

* 27.5.1876 in Witebsk (Polen), sein Vater Martin war Arzt, seine Mutter hieß Wiktoria Bortkiewicz. Die uradlige polnische Familie stammte ursprünglich aus Ossendowice. Er besuchte das Gymnasium, ging dann an die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Petersburg und erwarb dort ausgezeichnete Kenntnisse der Kohlengruben und Goldfundstellen Sibiriens. Frühzeitig war er gezwungen, sich das Studium selbst zu finanzieren. Zahlreiche Forschungsreisen führten ihn nach Sibiren und in die Mongolei. Im russisch-japanischen Krieg war er Dezernent für Brennstoffversorgung der russischen Armee. Später wurde er als Professor für organische Chemie an das Polytechnikum des Instituts Petersburg gerufen, außerdem war er im Beirat der Regierung. 1905 wurde er in die russische Revolution hineingerissen, am 15.1.1906 verhaftet und zum Tode verurteilt, später jedoch zu einer zweijährigen Haftstraße begnadigt. Obwohl parteilos, geriet er immer wieder in politische Auseinandersetzungen.Verheiratet war er mit Zofia Iwanowska, einer Violin-Virtuosin. Er war Mitglied zahlreicher geographischer Gesellschaften, des PEN-Clubs und des Touring-Clubs. 1935 wohnte er in Warschau (Zgoda 8). 

(1.) Flammendes Afrika. Quer durch Marokko. (Übertr. a. d. Engl. v. C. H. Pollog) G. Reissner. Dresden. 1926. 334 S., 8°, 40 Bildtfll. (2 Ausg.) 

(2.) Unter dem Gluthauch der Wüste. Quer durch Algerien und Tunis. (Übertr. a. d. Engl. v. O. Marbach) G. Reissner. Dresden. 1927. 324 S., 8°, 40 Bildtfll. (3 Ausg.) 

(3.) Tiere, Menschen und Götter. W. v. Dewall (Hrsg.) Frankfurter Societätsdruckerei. Ff./M. 1924. 369 S., 8°. (3 Ausg.) 

(4.) In den Dschungeln der Wälder und Menschen. Man and mystery in Asia. W. v. Dewall (Hrsg.) Frankfurter Societätsdruckerei. Ff./M. 1924. 399 S. (2 Ausg.) 

(5.) Japanische Erzählungen. (A. d. Poln.) Eurasia. Wien. 1924. 217 S., kl. 8°. 

(6.) Im Land der Bären. (A. d. Poln.) Stuffer. Baden-Baden. 1938. 86 S., 8°. Zeichn. v. O. Starke. (2 Ausg.) 

(7.) Lenin. Ein biographischer Roman. Sieben Stäbe. Berlin. 1930. 437 S. 8° 

(8.) Die Löwin. Ein marokkanischer Roman. Reissner. Dresden. 1929. 312 S., 8°. (2 Ausg.) 

(9.) Hinter Chinas Mauer. Roman. Reissner. Dresden. 1929. 312 S., 8°. (2 Ausg.) 

(10.) Schatten des dunklen Ostens. Ein Stück Sittengeschichte des russischen Volkes. Eurasia. Wien. 1924. 168 S., 8° 

(11.) Schattenbilder aus dem neuen Rußland. Phaidon. Wien. 1928. 255 S., kl. 8° 

(12.) Sklaven der Sonne. Eine Forschungsexpedition ins dunkelste Afrika. Reissner. Dresden. 1928. 467 S., 8°, 24 Abb. 

(13.) Tagebuch e. Schimpansin. Phaidon. Wien. 1929. 234 S.  

(14.) Im sibirischen Zuchthaus. From President to Prison. W. v. Dewall (Hrsg.) Frankfurter Societätsdruckerei. Ff./M. 1925. 427 S., 8°. 

Ossendowski veröffentlichte etwa 60 Bände, von denen hier nur die in Deutschland erschienenen aufgeführt sind. 

Herbert Paidar

Bergsteiger, vermutlich aus Bayern. Unternahm seinen ersten und einzigen Fluchtversuch im April 1945 aus dem Lager Dehra-Dun bei Mussorie in Nord-Indien. Außerhalb des Lagers traf er sich mit Ludwig Schmaderer und versuchte zusammen mit ihm Tibet auf dem gleichen Weg zu erreichen, den im Vorjahr Aufschnaiter und Harrer gingen. Eines Tages war Schmaderer allein zum nächsten Dorf unterwegs, um ein Schaf zu kaufen. Dabei wurde er von vier Tibetern überfallen, totgeprügelt und in den Fluß geworfen. In der dritten Auflage von "Zwischen Kantsch und Tibet" widmet Paidar ihm einen Nachruf. Paidar kehrte daraufhin zurück ins Lager. Er soll später in den österreichischen Bergen umgekommen sein. 

(1.) Zwischen Kantsch und Tibet. Erstbesteigung des Tent-Peak, 7363 m. Bildertagebuch einer neuen Sikkim-Kundfahrt 1939 der `Drei im Himalaja´. von Ernst Grob, Ludwig Schmaderer, Herbert Paidar. Bruckmann. München. 1940, 123 S., Abb., 1 Karte, 4°. (3. A. 1950, gr. 8°, 143 S.) 

(2.) Drei im Himalaja. Die Erlebnisse einer Himalajafahrt. Bruckmann 1938, 97 S., 63 Tfll., 2 Panoramen, 3 Karten, 8°. 

Erich Robert Petersen

* 24.9.1886 in Hamburg, + 31.8.1950 in Eckernförde. Schriftsteller. Autor von Jugendschriften und Reiseberichten, Hauptschriftleiter der "Eckernförder Zeitung". 

(1.) Büffelkoppel am Dume. Als Bauer und Jäger in Kamerun. Thienemann. Stuttgart. 1939. 87 S., 8° (20. Tsd. Ex.) 

(2.) Durch Busch und Blockade. Kriegsfahrten Kameruner Schutztruppler. Thienemann. Stuttgt. 1933. 108 S., 8°(30.Tsd.) 

(3.) Hans Dominik. Kameruns großer Soldat. Safari. Berlin. 1941. 180 S., 8° 

(4.) Gummi aus Kamerun. Safari. Berlin. 1939. 236 S., 8° 

(5.) Die Gummisucher. Aus dem Leben eines Kameruner Pflanzers. Safari. Berlin. 1928. 236 S., 8° (2 Aufl., 2 Ausg.) 

(6.) Die weißen Häuser am Gummibusch. Fahrten u. Taten im deutsch. Kamerun. Schneider. Bln. 1936. 206 S., 8° (15 Tsd. ) 

(7.) Im Herzen Kameruns. Auf Busch- und Kriegspfaden durch Kamerun. Schneider. Berlin. 1939. 90 S., 8° (8. Tsd. Ex.) 

(8.) Kämpfer auf Schanzen und Schiffen. Schneider. Berlin. 1937. 157 S., 8° 

(9.) Ondua, der Soldatenjunge. Aufwärts. Bln. 1941. 39 S., 8° 

(10.) Trommeln rufen durch Kamerun. Aufwärts. Berlin. 1934. 83 S., 8° (49 Tsd. Ex.) 

Gunther Plüschow

* 8.2.1886 in München, + 28.1.1931 in Feuerland. Plüschow wuchs in Rom auf, trat später dem Kadettenkorps in Plön und Groß-Lichtenfelde bei, war 1904 Seekadett der kaiserlichen Marine und wurde dann Marineflieger in Tsingtau (China). Er erhielt verschiedene Orden, darunter das Eiserne Kreuz Erster und Zweiter Klasse und den Hohenzollern-Orden. 1919, nach der Auflösung der kaiserlichen Marine, nahm er seinen Abschied. Seine erste Reise nach dem Krieg unternahm er mit einem eigenen kleinen Segelkutter von Büsum über Brasilien nach Feuerland, an Bord hatte er sein Flugzeug, den Silberkondor.Eine weitere Reise unternahm er mit dem Hamburger Viermaster "Parma". Er war Mitglied des Kaiserlichen Jachtklubs, des Aero-Klubs von Deutschland, des Berliner Automobil-Clubs und des Schnauferl-Clubs. Zuletzt wohnte er in Berlin (Heilbronner Straße 3). Seinen Tod fand er bei einem Absturz an der Mündung des Rico-Flusses in Feuerland. 

(1.) Silberkondor über Feuerland. Ullstein. Berlin. 

(2.) Segelfahrt ins Wunderland. Ullstein. Berlin. 

(3.) Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau. Meine Erlebnisse in drei Erdteilen. Ullstein. Berlin. 1916. 189p, 8° 

(4.) Isot Plüschow, "Gunther Plüschow. Deutscher Seemann und Flieger." 1933. 

Herbert Pritzke

Pritzke ist Arzt, Berliner und seit 1944 zum Rommel-Korps beordert. Bei Kriegsende wird er gefangengenommen und unternimmt etwa im April 1946 seinen ersten Fluchtversuch mit zwei Kameraden. Man ergreift ihn wieder, und er wird in das berüchtigte Lager 307 bei Fanara in der Suezkanal-Zone verlegt. Er simuliert eine Krankheit, kommt ins Hospital nach Fayed und flieht von dort erfolgreich, etwa im Oktober 1946. Etwa ein Jahr lebt er dann bei ägyptischen Beduinen und geht Ende 1947 nach Kairo und verpflichtet sich als Söldner bei der Muslim-Bruderschaft für den Palästina-Krieg. Ende April 1948 flieht er von Jaffa nach Beirut, übernimmt bis September 1952 die Leitung eines Krankenhauses im saudi-arabischen Hofuf, läßt sich dann in Beirut als Kinderarzt nieder und legt im November 1952 das libanesische Staatsexamen ab. In deutschen Verzeichnissen findet sich keine Dissertation von ihm (GV). Vielleicht hat er wegen des Krieges sein Studium nicht abgeschlossen? Erstmals seit 1944 besucht er Berlin, trifft seine Eltern und seinen bei den Eltern lebenden, fast zehnjährigen Sohn Wolf-Dietrich. Er fühlt sich aber dort nicht wohl und trifft auf vielerlei Schwierigkeiten, so daß er mit seinem Sohn im Dezember 1952 wieder nach Beirut geht. 

(1.) Nach Hause kommst du nie ... Ullstein, Wien, 1956. 12,5x20,5cm, OLn, 325p. (3 Aufl. bis 1957). 

Wolfgang Gans Edler Herr zu Putlitz

*1889 in Laaska/Brandenburg. Studierte Landwirtschaft und Volkswirtschaft in Berlin und promovierte dort 1924. Danach Attaché in Posen und Washington (1928), 1934 an der Botschaft in Paris und Leiter der Konsularabteilung in London, 1938 an der deutschen Gesandtschaft in Holland. Im Oktober 1938 floh er von Holland nach England, dann nach Jamaica und in die USA. Von Januar 1944 bis April 1945 war er Mitarbeiter am "Soldatensender West" in England. 

(1.) Unterwegs nach Deutschland. Erinnerungen eines ehemaligen Diplomaten. Nation. Bln. 1960. 13x20,5cm, OLn, .378p 

(2.) Groß- und Kleinbetriebe in der Landwirtschaft unter der Geldentwertung mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in der Prignitz. Dissertation. 135 S., 4°, 21.3.1924 Rechts- u. staatswissenschaftliche Fakultät Hamburg 

Slavomir Rawitsch (Rawicz)

*ca. 1915. Er diente als Leutnant in der polnischen Kavallerie, seine Mutter war Russin, sein Vater Besitzer eines Gutes in Pinsk. 1937 wurde er zur Armee einberufen, gerade als er sein Diplom als Architekt und Bauinspektor an der Technischen Hochschule in Warschau vorbereitete. Nach zwölf Monaten in der Infanterieschule in Brest-Litowsk schloß er auch sein Examen ab und wurde 1939 im Zuge einer inoffiziellen Mobilmachung einberufen. Seine Frau Vera heiratete er am 5.7.1939. Er wurde am 19.11.1939 in Pinsk von den Russen gefangengenommen und verbrachte etwa ein Jahr in den russischen Gefängnissen von Minsk und Charbow sowie in der Lubjanka in Moskau. Verurteilung durch den NKWD zu 25 Jahren Arbeitslager, Überführung ins Lager 303 etwa 350 Kilometer südlich von Irkutsk. Ausbruch etwa am 13.4.1941 zusammen mit Sigmund Makowski, Zaharius Marchinkowas, Anton Paluchowitsch, Eugen Zavo, Anastasi Kolomenos und Mr. Smith. Sie flohen Richtung Lena, weiter zum Baikalsee, zur Mongolischen Grenze, durch die Wüste Gobi in die chinesische Provinz Kansu und durch Tibet nach Indien, das sie im Oktober 1941 erreichen. 

(1.) Flucht durch Steppe und Wüste. Büchergilde Gutenberg. Frankfurt/M. (Übetragung a. d. Engl.) 1958. 299p. OLn. 8°. 

Philip Rosenthal

* 23.9.1911. Als Kind aus Deutschland nach England emigriert, besuchte das College in Oxford. Mutter lebte in Frankreich, der Vater in Bozen. Ging 1939 zur Fremdenlegion, entkam ihr 1941 während des Aufenthalts in Marokko. Lebte im Untergrund und in Lagern. Konnte 1942 nach Gibraltar entkommen. Er wurde später bekannt als Unternehmer (Porzellanfabrik Rosenthal), da er seine Arbeiter an seinem Unternehmen beteiligte. War eine Zeit lang Bundestagsabgeordneter für die SPD. 

(1.) Einmal Legionär. A. Knaus, Hamburg, 1980.8°, OLn, 287p 

Colin Ross

* 4.6.1885 in Wien, + 29.4.1946 in Urfeld/Bad Tölz. Colins Vater war der Zivilingenieur Friedrich, seine Mutter hieß Charlotte Christensen. Väterlicherseits stammte er von den berühmten Südpolforschern James und John Ross ab. Er studierte an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg Maschinenbau und Hüttenkunde, dann in München und Heidelberg Nationalökonomie bei Brentano und Weber, schließlich Geschichte bei Oncken und promovierte zum Dr. phil. in Heidelberg. Als Redakteur arbeitete er am "Illustrierten Technischen Wörterbuch in 6 Sprachen" mit und war Herausgeber der "Hüttenkunde". Dann ging er zum Ingenieurbüro von Oskar von Miller (Gründer des Deutschen Museums) in München. Nach Ausbruch des Balkankrieges 1912 gab er seine technischen Tätigkeiten auf und wurde Kriegsberichterstatter, anschließend übernahm er die Leitung der Redaktion von "Zeit im Bild" (München). 1914 nahm er als Kriegsberichterstatter an den mexikanischen Revolutionskämpfen teil. Im Ersten Weltkrieg diente er als Offizier, schrieb aber nebenher Kriegsberichte von der Front. Er erhielt das Eiserne Kreuz Erster und Zweiter Klasse. Nach seiner Verwundung 1916 wurde er zur Obersten Heeresleitung versetzt. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg unternahm er lange Reisen, um "die Strukturveränderung des Weltbildes zu studieren". Fünf mehrjährige Weltreisen unternahm er, meist im Auto, von 1918 bis 1930. Verheiratet war er mit Lisa Peter, Tochter eines Bankdirektors, und hatte zwei Kinder, Renate (*1915) und Ralph (*1923). Mitglied im PEN-Club. Im April 1945 beging er Selbstmord - vielleicht im Zusammenhang mit der Kapitulation Deutschlands? 

(1.) Unser Amerika. Der deutsche Anteil an den Vereinigten Staaten. Brockhaus. Leipzig. 1936. 317 S., 8° (4 Aufl.) 

(2.) Das neue Asien. Brockhaus. Lpz. 1940. 287 S., 8° (7 Aufl.) 

(3.) Auf deutschem Boden um die Erde. Erinnerungen eines Weltreisenden. Schaffstein. Köln. 1934. 79 S., 8° 

(4.) Südamerikanisches Auswanderer-ABC. Praktische Winke u. Ratschläge. Ausland u. Heimat. Stuttgart. 1921. 40 S., gr. 8° 

(5.) Der Balkan Amerikas. Mit Kind und Kegel durch Mexiko zum Panamakanal. Brockhaus. Lpz. 1937. 274 S., 8° (10 Aufl.) 

(6.) Im Balkankrieg. Singer. Strassburg. 1918. 125 S. 

(7.) Fahrten- und Abenteuerbuch. Büchergilde Gutenberg. Berlin. 1925. 236 S., gr. 8° 

(8.) Haha Whenua - das Land, das ich gesucht. Mit Kind und Kegel durch die Südsee. Brockhaus. Leipzig. 1933. 289 S., 8°, 68 Abb. (10 Aufl.) 

(9.) Die westliche Hemisphäre als Programm und Phantom des amerikanischen Imperialismus. Brockhaus. Leipzig. 1942. 230 S., 8° (2 Aufl.) 

(10.) Heute in Indien. Brockhaus. Leipzig. 1925. 330 S., 8°, 80 Abb., 1 Karte. (6 Aufl., 2 Ausg.) 

(11.) Vier Jahre am Feind. Meine Erlebnisse im Feld. Brockhaus. Leipzig. 1938. 285 S., 8° 

(12.) Umstrittenes Indien. Hobbing. Bln. 1931. 94 S., 74 Abb. 

(13.) Der unvollendete Kontinent. Brockhaus. Leipzig. 1930. 282 S., 9° (12 Aufl.) 

(14.) Das Kreuz im Kreis und das Hakenkreuz. Offener Brief a. d. Gründer der American Progressive Party, Gouverneur Philip La Follette von Wisconsin. Eher. Berlin. 1938. 11 S., gr. 8° 

(15.) Das Meer der Entscheidungten. Beiderseits des Pazifik. Brockhaus. Leipzig. 1925. 333 S., 8°, 97 Abb., 7 Kt. (7 Aufl.) 

(16.) Mit dem Kurbelkasten um die Welt. Wolfsohn. Berlin. 1925. 45 S., 8° (2 Ausg.) 

(17.) Mit Kamera, Kind und Kegel durch Afrika. Brockhaus. Leipzig. 1928. 176 S. 8°, 32 Abb. (25 Aufl.) 

(18.) Mit Kind und Kegel in die Arktis. Brockhaus. Leipzig. 1934. 218 S., 8°, 50 Abb. (10 Aufl.) 

(19.) Amerikas Schicksalsstunde. Die Vereinigten Staaten zwischen Diktatur und Demokratie. 1935. 315 S., 8°, 74 Abb., 1 Karte. (12 Aufl.) 

(20.) Die erwachende Sphinx. Durch Afrika vom Kap nach Kairo. Brockhaus. Leipzig. 1927. 310 S., 8°, 112 Abb., 13 Karten (11 Aufl.) 

(21.) USA. Oberkommando der Wehrmacht. 1943. 30 S., 8° 

(22.) Zwischen USA und Pol. Durch Kanada, Neufundland, Labrador und die Arktis. Brockhaus. Leipzig. 1934. 310 S., 8°, 71 Abb., 1 Karte. (9 Aufl.) 

(23.) Südamerika, die aufsteigende Welt. Brockhaus. Leipzig. 1922. 319 S., 8° 54 Abb., 2 Karten (8 Aufl.) 

(24.) Der Weg nach Osten. Reise durch Rußland, Ukraine, Transkaukasien, Persien, Buchara und Turkestan. Brockhaus. Leipzig. 1924. 320 S., 8° 50 Abb., 1 Karte (2 Aufl.) 

(25.) Die Welt auf der Waage. Der Querschnitt von 20 Jahren Weltreise. Brockhaus. Leipzig. 1929. 188 S., 8° (34 Aufl.) 

(26.) Der Wille der Welt. Eine Reise zu sich selbst. Brockhaus. Leipzig. 1932. 220 S., 8° (8 Aufl.) 

(27.) Wir draußen. 2 Jahre Kriegserleben an vier Fronten. Ullstein. Berlin. 1916. 454 S., 8° 

Friedel Sattler

War wohl Mittelstürmer im Lager Dehra-Dun und scheint von Hause aus Handwerker zu sein, vielleicht Schreiner, vielleicht auch Innenarchitekt. Im April 1945 wurde Sattler zusammen mit allen, die bisher einen Ausbruchsversuch unternommen hatten, strafverlegt in das Lager Deoli etwa neunzig Kilometer entfernt von Kotta. Alle Vergünstigungen, die es in Dehra-Dun gegeben hatte, fielen hier weg. Eines Tages war eine Handwerks- und Kunstausstellung geplant, zu der der Maharadscha von Bundi erwartet wurde. Sattler erstellte zusammen mit dem Maler Joe König und dem italienischen Architekten Lelio Moschetti im Modell die prunkvolle Einrichtung eines Palastes für einen indischen Fürsten. Tatsächlich war der Maharadscha sehr davon angetan und beauftragte die drei mit den innenarchitektonischen Arbeiten in seinem Palast. Diese erstreckten sich bis zum Ende der Internierung im Dezember 1945, dem Ende einer siebenjährigen Gefangenschaft. 

(1.) Flucht durch den Himalaja und Erlebtes beim Maharadscha von Bundi. Vlg. Das Bergland-Buch, Salzburg 1956. 15x21,5 cm, OLn, 196p, 17 SW-Abb. a. 16 Tfll. 

Ludwig Schmaderer

Bergsteiger, vermutlich aus Bayern und wahrscheinlich Bäcker. Kolb beschreibt ihn: "Der mit den langen Armen [Schmaderer] erfand übrigens den Lager-Klettersport, dem freilich außer ihm und mir kaum noch jemand huldigte." War ebenfalls in Dehra-Dun interniert und entfloh erstmals 1943, wurde jedoch bereits drei Wochen später von der Polizei gefaßt. Im April 1945, als alle Ausreißer, er und 20 Kameraden, strafverlegt werden sollten, floh er am hellichten Tag und in Gegenwart der völlig überraschten Soldaten. Einige Tage später traf er sich mit Herbert Paidar, der inzwischen ebenfalls entflohen war, und sie marschierten den Weg nach Tibet, den auch die Gruppe um Harrer und Aufschnaiter genommen hatten. Eines Tages war Schmaderer im Spitital allein zum nächsten Dorf unterwegs, um ein Schaf zu kaufen. Dabei wurde er von vier Tibetern überfallen, totgeprügelt und in den Fluß geworfen. In der dritten Auflage von "Zwischen Kantsch und Tibet" widmet ihm Paidar einen Nachruf. 

(1.) Zwischen Kantsch und Tibet. Erstbesteigung des Tent-Peak, 7363 m. Bildertagebuch einer neuen Sikkim-Kundfahrt 1939 der `Drei im Himalaja´. Von Ernst Grob, Ludwig Schmaderer, Herbert Paidar. Bruckmann. München. 1940, 123 S., Abb., 1 Karte, 4°. (3. A. 1950, gr. 8°, 143 S.) 

(2.) Drei im Himalaja. Die Erlebnisse einer Himalajafahrt. Bruckmann 1938, 97 S., 63 Tfll., 2 Panoramen, 3 Karten, 8°. 

Bruno Treipel 
Keine Buchveröffentlichungen laut GV. 

 

Ó by Norbert Lüdtke 
 
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